Wald kompakt - LWF aktuell 157
Keine Entwarnung für Nadelbräunepilz an Bergkiefern
Seit 20 Jahren führt die Braunfleckenkrankheit an Bergkiefern im Alpenvorraum zu immer stärkeren Schäden. Das Lecanosticta-Projekt der LWF liefert nun erste Ergebnisse. Bis 2027 wird der Krankheitsverlauf an der Spirke (Pinus mugo ssp. rotundata) in zwölf Hochmooren im Allgäu, Pfaffenwinkel und Chiemgau untersucht. Dabei werden grundsätzlich alle Bergkiefernarten, zu denen neben der Spirke u. a. auch die Latsche gehört, beprobt. Zwischen der Erstbonitur im Mai und der Folgebonitur im November 2025 stieg die Mortalität von 16 % auf 24 %. Der Anteil der grünen Nadelmasse nahm im Mittel über alle untersuchten Bäume von 17 % auf 22 % zu. Bereinigt um die abgestorbenen Bäume stieg die Nadelmasse um 4 %. Diese leichte Verbesserung ist auf die insgesamt geringere Verbräunung der Nadeln und die starke Ausprägung des Johannitriebes zurückzuführen.
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Spirke mit Symptomen der Lecanosticta-Nadelbräune: braune Flecken mit gelbem Vorhof (© N. Burgdorf, LWF)
In den untersuchten Mooren wird zweimal jährlich die Benadelung an den immerselben 2.400 Bäumen aufgenommen. Neben den Folgebonituren wird im Jahr 2026 auch die Situation an der Latsche (Pinus mugo ssp. mugo) im Gebirge untersucht. Im September 2025 wurde bereits eine erste Probefläche im Wimbachgries im Nationalpark Berchtesgaden in Kooperation mit der Parkverwaltung und der TUM eingerichtet. Dort wird neben den bisherigen Parametern auch der Einfluss des Höhengradienten untersucht.
Die Lage in den Hochmooren ist trotz der leichten Erholung der überlebenden Bäume weiterhin kritisch. Das Allgäu ist am stärksten betroffen; dort liegt die Nadelmasse bei durchschnittlich 16 %. Im Pfaffenwinkel in zwei Mooren sind es sogar nur 11 %. Die Hochmoore im Chiemgau sind weniger stark betroffen. Das liegt vermutlich daran, dass die dort vorkommende Latsche toleranter als die Spirke in den anderen beiden Regionen ist.
Maximilian Kiesel, LWF
Buchdrucker-Schadgeschehen wandert gen Süden
Die Borkenkäferschäden sind im zweiten Jahr in Folge deutlich zurückgegangen (LWF aktuell 1/26, S. 12-15). Die Fichtenborkenkäfer verursachten jedoch auch im Jahr 2025 mit 1,9 Mio. EFM das meiste Schadholz in Bayerns Wäldern. Neu ist, dass sich die Hauptschadgebiete in Bayern verschoben haben. In den bisherigen Käferhotspots in Nordbayern und im Bayerischen Wald ist der Rückgang der Schadholzmengen sehr deutlich. Südlich der Donau dagegen ist im Vergleich zum Vorjahr erneut eine Schadholzzunahme zu verzeichnen. Der Süden hat nun zum ersten Mal seit 2019 den Norden und Osten Bayerns übertroffen - sogar in den absoluten Mengen! Regionen mit Vorschädigungen durch Hagel, Schnee- und Sturmbruch aus 2023 und 2024 bilden die Befallsschwerpunkte. Dazu zählen Teile der Amtsbereiche Augsburg, Ebersberg-Erding, Holzkirchen, Rosenheim und Weilheim. Auch in Fürstenfeldbruck, Regensburg und Landau zeichnet sich eine starke Zunahme der gemeldeten Borkenkäferschäden ab. Eine Vorhersage für die weitere Populationsentwicklung des Buchdruckers lässt sich jedoch nicht treffen. Diese hängt von vielen zusätzlichen Faktoren wie dem Schadholzanfall, der Aufarbeitung über den Winter sowie der Frühjahrswitterung ab. Gerade in den Fichtenwäldern südlich der Donau sollte man besonders auf der Hut sein und die »saubere Waldwirtschaft« konsequent und gewissenhaft umsetzen. Alles andere wäre angesichts der hohen Fichtenvorräte leichtsinnig!
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So wie in Osttirol könnte es im bayerischen Alpenraum bald ebenfalls aussehen: Der Buchdrucker profitiert von günstigen klimatischen Bedingungen sowie von Sturm und Schneebruch (© Land Tirol)
Cornelia Triebenbacher, Tobias Frühbrodt, Dr. Andreas Hahn; LWF
Seltener Raupenjäger entdeckt
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Schmetterlingsraupen wie z. B. die des Mondvogels (unten) stehen ganz oben auf dem Speiseplan des Raupenjägers (oben), der sie ansticht und aussaugt (© M. Bräu)
Der Raupenjäger wird bis zu 16 mm groß, ist süd-eurosibirisch verbreitet und gilt als selten; meistens werden nur einzelne Exemplare in größeren Zeitabständen gefunden. In der einschlägigen Datenbank sind seit dem Jahr 2000 nur 33 Funde dieser Art für Bayern erfasst. Diese Wanzenart lebt hauptsächlich auf verschiedenen Laubgehölzen wie Hainbuche, Buche und Erle. Insbesondere an Waldrändern scheint sich der Raupenjäger überwiegend im Kronenbereich aufzuhalten. Dies ist sicher mit ein Grund für die wenigen Funde, doch sind – wie für die meisten anderen Arten der räuberischen Baumwanzen – geringe Populationsdichten offenbar arttypisch. Hauptbeute dieser räuberischen Wanzenart sind, wie der Name schon andeutet, v. a. Schmetterlingsraupen und Blattwespenlarven.
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(© L. Gössinger)
Der Fund des seltenen Raupenjägers im eigenen Garten, noch dazu beim Aussaugen seiner Beute, ist bemerkenswert und zeigt, dass bei genauem Hinschauen auch im Garten oder am Wegesrand interessante Naturphänomene beobachtet werden können.
Olaf Schmidt
Moorwälder wirksam schützen
Das neue Merkblatt Nr. 59 „Moorschutz im Wald“ bündelt praxisnah aufbereitetes Wissen für den Einstieg in das Thema auf den rund 60.000 Hektar bewaldeter Moore in Bayern. Ursprünglich waren Bayerns Moore oft ein Mosaik aus Wald und offenen Bereichen; auch heute sind sie zu etwa einem Drittel bewaldet. Intakte Moorwälder sind vielfältig, beherbergen eine hohe Artenvielfalt und speichern Wasser. Bestehende Entwässerung und andere frühere Eingriffe beeinträchtigen auch heute noch die meisten bayerischen Moore, daher sind gezielte und wirksame Schutzmaßnahmen nötig.
Moorschutz ist aktiver Arten- und Klimaschutz. Daher ist er überall sinnvoll und wichtig. Es gibt gerade auch im Privat- und Körperschaftswald verschiedene Programme zur Umsetzung von Maßnahmen, wie z. B. die Wiederherstellung des Wasserhaushalts oder waldbauliche Maßnahmen. Doch welche Vorgehensweisen sind im Fall vor Ort zielführend und worauf muss man achten?
Moor ist nicht gleich Moor: Nieder- und Hochmoore unterscheiden sich hydrologisch stark. Kenntnis von Moortyp, Ausdehnung und Zustand ist erforderlich. Nicht jeder Wald auf Torfboden ist ein Moorwald. Echte Moorwälder mit typischer Vegetation sind in Bayern geschützt. Hier ist – wenn auch nicht ausschließlich – ein besonders sensibles Vorgehen erforderlich. Eine aktuelle Moorkarte des Gebietes dient idealerweise als Grundlage für Maßnahmen; vor allem bei kleineren Waldmooren kann neben der Bayerischen Moorbodenkarte auch die Forstliche Standortskarte wichtige Hinweise auf Moorböden geben.
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Strukturpflege im Moorwald fördert Rottenstrukturen und moortypische Mischbaumarten (© B. Mittermeier)
Bei Fragen zu Moor und Wald können Waldbesitzende sich an die örtlichen Revierleitungen der Forstverwaltung wenden. Die Fachstellen für Waldnaturschutz und bei speziellen Anliegen die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft beraten gerne.
Dr. Stefan Müller-Kroehling, LWF

