Der Hauptschwärmflug der ersten Jungkäfergeneration findet derzeit bayernweit bis in Höhen von 800 m ü. NN statt. Die Anteile der hellbraunen Jungkäfer in den Fallenfängen nehmen seit letzter Woche zu (siehe Abb. 1). Im Vergleich zum Vorjahr fliegen die Jungkäfer ca. eine Woche später aus.
Die extreme Hitze der vergangenen Woche beschleunigte nun die Brutentwicklung, nachdem die ausgeprägten Eisheiligen und die Schafskälte die Entwicklung eher verzögerten. Der Neubefall verlagert sich bei diesen hohen Temperaturen ins kühlere Bestandesinnere. Dies muss bei der Befallssuche jetzt berücksichtigt werden. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Buchdrucker nun auf von der Hitze und Trockenheit gestresste Fichten treffen, was den Befall im Gegensatz zu den Vorwochen deutlich erleichtern kann.
Abb. 1: Der steigende Anteil der Jungkäfer an den Fallenfängen deutet auf den beginnenden Ausflug der ersten Jungkäfergeneration hin.
Die teils unwetterartigen Gewitter der vergangenen Woche haben in manchen Regionen zu einzelnen Windwürfen in Fichtenbeständen geführt. Für den Waldbesitzer sind sie Risiko und Chance zugleich. Denn die frisch gebrochenen oder geworfenen Fichten stellen für die schwärmenden Buchdrucker ideales Brutmaterial dar. Werden die Windwürfe schnell gefunden, können Sie im Zuge der Aufarbeitung eingebohrte Käfer unschädlich machen. Übersehene Schadhölzer hingegen führen bei Ausflug der Jungkäfer leicht zu neuen Käferlöchern.
Insgesamt ist die bayernweite Rückmeldung der Reviere zur bisherigen Befallssituation eher verhalten. Es scheint eine gewisse „Ruhe vor dem Sturm“ zu herrschen. Den Fangzahlen nach ist das Tertiäre Hügelland von Niederbayern bis Schwaben Schwerpunkt des diesjährigen Schwarmgeschehens (Abb.2). Zwar sind auch hier die Befallszahlen im Vergleich mit den letzten Jahren bislang gering. Jedoch startet die Käfersaison möglicherweise erst jetzt richtig durch – bleiben Sie dran!
Abb. 2: Die Häufigkeit der Überschreitung des Schwellenwertes für möglichen Stehendbefall wird durch die Farbintensität der Punkte dargestellt. Je dunkler die Farbe, desto häufiger wurde der Schwellenwert überschritten.
Bohrmehl bei Neubefall zur Anlage der 2. Generation
Suchen Sie jetzt wieder nach frischem Bohrmehl an stehenden Bäumen! Suchen Sie Bohrmehl bei diesen heißen Temperaturen v.a. an Nordrändern von diesjährigen und letztjährigen Käferlöchern. Kontrollieren Sie an Südrändern auch bis zu 1-2 Baumlängen in den Bestand hinein und weiten Sie die Suche auf das Bestandesinnere aus.
Sturmschäden
Kontrollieren Sie Ihre Fichtenbestände auf frisch geworfene Bäume nach schweren Gewitterstürmen und arbeiten Sie diese zügig auf. Sobald die Sturmhölzer mit feinen Bohrmehlhäufchen überzogen sind, fahren Sie diese ab. So können Sie das Sturmholz als Fangbaum nutzen und einen Teil der Buchdrucker abschöpfen! Die Abfuhr muss jedoch innerhalb von zwei Wochen gewährleistet sein, sonst drohen neue Käfer (Geschwisterbrut) auszufliegen.
Befallene Fichten aus dem Frühjahr
Mit zunehmender Hitze und Trockenheit wird der nicht entdeckte Erstbefall aus dem Frühjahr nun zunehmend sichtbar: Nadelabfall, Gelbstichigkeit der Kronen bis hin zur Rotfärbung, Spechtabschläge, zum Teil auch Rindenabfall bei grüner Krone. Aus diesen Bäumen sind die Käfer häufig schon ausgeflogen (ggf. hilft ein prüfender Blick unter die Rinde). Suchen Sie im nahen Umkreis nach neuem Befall – gehen Sie auf Bohrmehlsuche! Mehr dazu auch in der Praxishilfe „Buchdrucker und Kupferstecher – Befall erkennen“.
Buchdrucker und Kupferstecher - Befall erkennen