06.05.2026
Buchdrucker und Co nutzen schönes Wetter zum Ausflug – Bohrmehlsuche jetzt! - Blickpunkt Waldschutz Nr. 4/2026
von Cornelia Triebenbacher, Tobias Frühbrodt

Der Ausflug der überwinternden Fichtenborkenkäfer startete in diesem Jahr vor etwa 2 Wochen in der KW17. Die aktuellen Fangzahlen zeigen, dass über das verlängerte Wochenende der Hauptschwärmflug der Fichtenborkenkäfer mit sommerlichen Temperaturen bayernweit und in fast allen Höhenlagen begonnen hat (Abb. 1). Buchdrucker und Kupferstecher werden die anhaltend warme Witterung in dieser Woche für ein intensives Schwärmen nutzen. Gelegentliche Schauer und Gewitter werden den Schwärmflug höchstens kurzfristig unterbrechen. Kurze Schauer helfen auch nur geringfügig, die zunehmenden Niederschlagsdefizite abzumildern und den bevorstehenden Trockenstress der Bäume zu lindern. Jedoch können sie dazu führen, dass bei der Besiedelung der Stämme anfallendes Bohrmehl abgewaschen und verweht wird – und Befallsbäume damit deutlich schwerer zu finden sind.

Der Kupferstecher schwärmt in diesem Frühjahr erneut früh und intensiv.

Die räumlichen Schwerpunkte des Schwärmgeschehens von Buchdrucker und Kupferstecher liegen derzeit in Oberbayern, Schwaben und am Juraanstieg (Abb. 2). Dort ist bereits mit Stehendbefall zu rechnen.

Aktuelle Handlungsempfehlungen

  • Liegende Hölzer: Entfernen Sie zeitnah noch im Wald liegende Gipfel und Stammholz aus den Wintermonaten. Liegendes, befallenes Holz und alle Fangholzpolter sollten jetzt dringend aus dem Wald verbracht werden.
  • So verhindern Sie den Ausflug der Elternkäfer zur Anlage einer neuen Geschwisterbrut im Wald und entfernen die bereits angelegten Bruten. Ist eine kurzfristige Abfuhr der Holzpolter nicht möglich, sind bei noch weißen Entwicklungsstadien das Entrinden, das Rindenschlitzen bzw. als „Ultima Ratio“ die Anwendung von Pflanzenschutzmittel angebracht.
  • Bohrmehlsuche an stehenden Fichten: Suchen Sie bei trockener Witterung Bohrmehl im Umkreis von liegenden Hölzern und im Umkreis der letztjährigen Käfernester. Egal ob die Altkäfer bereits Geschwisterbruten anlegen oder noch bei der ersten Brutanlage sind – sie produzieren dabei gut sichtbares Bohrmehl! Schauen Sie hinter Rindenschuppen und unter die Rinde, wenn Sie sich unsicher sind. Eine Hilfe dazu finden Sie auch in unserer überarbeiteten und erweiterten Praxishilfe, die über das Internet bestellt werden kann.
  • Kontrollieren Sie Resthölzer und eingebautes Gipfelmaterial auf den Rückegassen. Auch dieses ist z.T. massiv mit Kupferstecher, teilweise sogar mit Buchdrucker befallen! Verbringen Sie befallene Gipfel, Äste und Resthölzer aus dem Wald oder hacken diese.
  • Kontrollieren Sie Ihre Fichtenwälder regelmäßig - gefährdete Bereiche am besten alle 1-2 Wochen.

Grafik zeigt zeitlichen Verlauf der wöchentlich erhobenen Buchdrucker-Fangzahlen

Abb. 1: Zeitlicher Verlauf der wöchentlich erhobenen Buchdrucker-Fangzahlen im Jahresvergleich. In diesem Jahr fand der Schwärmbeginn später statt als 2024 und 2025, jedoch deutlich früher als in den Jahren 2021-2023. Zwar verkürzt dies die Zeit in der aktive Bohrmehlsuche notwendig ist, entschärft aber die Situation nicht: Trotz des späten Schwärmstarts fielen beispielsweise in 2023 mit 6,3 Mio. fm die bisher höchsten Fichhtenborkenkäfer-Schadholzmengen an.

Grafik zeigt Räumliche Verteilung der Anzahl der wöchentlichen Schwellenwertüberschreitungen je Monitoringstandort

Abb. 2: Räumliche Verteilung der Anzahl der wöchentlichen Schwellenwertüberschreitungen je Monitoringstandort. Je dunkelroter ein Standort eingefärbt ist, desto häufiger wurde der kritische Schwellenwert von 2.000 Buchdruckern pro Woche und Falle bereits überschritten und das Risiko für Stehendbefall steigt.