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Gabriela Lobinger
Schwammspinner an Eiche in Bayern

Eichenwälder zeichnen sich durch eine große Artenvielfalt aus. Eine Gruppe von Schmetterlingsarten wird unter dem Begriff „Eichenfraßgesellschaft“ zusammengefasst. Diese Arten sind zum Aufbau von Massenvermehrungen befähigt – ihre Raupen können dann durch flächigen Kahlfraß in Eichen- und Eichen-Mischwäldern erhebliche Schäden verursachen. Hierzu gehören Eichenwickler, Frostspannerarten, Frühlingseulen und der Schwammspinner. Die forstlich bedeutendste Art der Eichenfraßgesellschaft ist der Schwammspinner (Lymantria dispar).

Zur Biologie des Schwammspinners

Raupe auf EichenblattZoombild vorhanden

Abb. 1: Schwammspinner-Raupe (Foto: G. Wallerer)

Der Schwammspinner tritt vor allem in wärmegetönten Laubwaldgebieten in ganz Mittel- und Westeuropa auf und wurde im 19. Jh. aus Europa in die USA eingeschleppt.
Bei dem tagaktiven Falter zeigen sich starke Geschlechtsunterschiede. Die Männchen sind unauffällig grau gefärbt mit dunklen Zackenlinien und sind sehr mobil. Die sehr hellen Weibchen sind deutlich größer als die Männchen und kaum flugaktiv. Sie legen ihre Eier im Juli/August in Gelegen von bis zu 1.000 Eiern an der Stammrinde oder an Starkästen ihrer Fraßbäume ab und bedecken sie mit gelbbrauner Afterwolle. Dadurch erhalten sie ein schwammartiges Aussehen, was der Art ihren Namen einbrachte.

Die Raupen entwickeln sich noch im Herbst in den Eiern und überwintern in den Gelegen. Sie schlüpfen Ende April und beginnen bereits an den aufbrechenden Knospen ihre Fraßtätigkeit. Eine besondere Eigenschaft der Jungraupen ist es, dass sie unmittelbar nach dem Schlüpfen Seidenfäden spinnen, mit deren Hilfe sie sich vom Wind verfrachten lassen. So verteilen sie sich über ganze Waldbestände und auch über weitere Strecken in neue Fraßgebiete.

Die Raupen sind im letzten Stadium bis zu 7,5 cm lang und beinahe fingerdick und können dementsprechend große Mengen an Laub verzehren (Abb. 1). Das Nahrungsspektrum des Schwammspinners ist breit. Er frisst an fast allen Laubholzarten, bevorzugt aber besonders die Eiche. Bei Nahrungsknappheit kann er sich auch an Nadelbaumarten wie Lärche und Kiefer entwickeln.

Kahlfraß durch den Schwammspinner und die Folgen für die Eichen

Durch Schwammspinner kahlgefressener Eichenbestand.Zoombild vorhanden

Abb. 2: Kahlfraß (Foto: G. Lobinger)

Die erste Pandemie (länderübergreifende Ausbreitung) des Schwammspinners in Europa ereignete sich in den Jahren 1992 bis 1995. In Deutschland, Frankreich und Italien waren 80.000 ha Waldfläche befallen. Die Wälder in Unter- und Mittelfranken mit 44.000 ha Befallsfläche am stärksten betroffen. Dabei war in vielen Waldgebieten die Besatzdichte so hoch, dass ein vollkommener Kahlfraß der Eiche zu erwarten war.

Zwischen 1992 und 1994 mussten zur Rettung der Bestände auf insgesamt 23.000 ha Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden (Skatulla, Lobinger, 1995). In nicht behandelten Flächen wurde zunächst die Eiche und dann alle weiteren Laub- sowie auch Nadelbäume vollkommen kahlgefressen (Abb. 2). Da sich die Fraßzeit der Raupen meist weit in den Juni hinein erstreckt, sind vom Fraß nicht nur der Mai, sondern auch der Johannistrieb betroffen.

Ohne Gegenmaßnahmen dauern Massenvermehrungen des Schwammspinners i.d.R. vier bis fünf Jahre an und brechen dann aufgrund von Nahrungskonkurrenz, Parasitierung oder einer Viruserkrankung der Raupen zusammen. Das ist allerdings zu spät für die betroffenen Eichenbestände. Kahlfraß hat hohe Ausfallraten zur Folge, bei mehrjährigem Fraß kommt es häufig zur völligen Auflösung der Bestände (Block und Delb, 1995/ Führer, 1998/ Lobinger, 1998/Seemann, 1999 u.v.m).
Die Gebiete, in denen seit den 1980er Jahren vermehrt Eichensterben beobachtet wird, decken sich mit den Massenvermehrungsgebieten der blattfressenden Eichenschädlinge, insbesondere des Schwammspinners.

Folgeschäden durch Sekundärschädlinge

Eiche mit weiß belegten BätternZoombild vorhanden

Abb. 3: Eichenmehltau (Foto: G. Lobinger)

Im Zusammenhang mit dem Kahlfraß wirken verschiedene Faktoren zusammen, die letztlich zum Absterben der Eichen führen. Die Eiche hat ein sehr hohes Potenzial zur Regeneration. Nach Kahlfraß versucht sie, oft sogar durch mehrfache Ersatztriebe wieder Laubmasse aufzubauen. Dabei verbraucht sie für das folgende Jahr angelegte Reservestoffe. Das hat zur Folge, dass die Frühholzzone nur unzureichend angelegt wird. Im Jahr nach dem Fraß sind dadurch die Wasser- und Nährstoffzufuhr stark eingeschränkt ist und der Baum wird erheblich geschwächt wird. Darüber hinaus werden die frischen Blätter der Ersatztriebe oft massiv durch Eichenmehltau befallen und zerstört (Abb. 3).

Derart geschwächten Eichen sind dann besonders prädisponiert für den Befall durch Eichenprachtkäferarten wie den Zweipunktigen Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus).
Die Käfer werden außerdem durch Wärme und die Auflichtung bei starkem Blattfraß begünstigt. Die Käfer legen ihre Eier an die Stammrinde oder Grobäste der Eiche. Die geschlüpften Larven bohren sich ein und fressen in zickzackförmigen Gängen unter der Rinde im lebenden Gewebe. Bei stammumfassendem Befall stirbt die Eiche ab. Nach 2-jähriger Entwicklung verpuppen sich die Larven, die Käfer schwärmen im Frühjahr aus und befallen weitere Eichen im Umkreis.

Prognose und Bekämpfung

Der Falterflug des Schwammspinners wird alljährlich im Juli/August mit Hilfe von Pheromonfallen in über das Gefährdungsgebiet verteilten Weiserflächen überwacht. Anflugzahlen über der Warnschwelle (2.000 Falter pro Falle) weisen auf den Aufbau einer Massenvermehrung hin. Nun müssen weitere Prognoseschritte eingeleitet werden. Dies geschieht durch das Absuchen von Eichen- bzw. Hainbuchenstämmen vom Wurzelanlauf bis auf 2 m Stammhöhe. Werden durchschnittlich 1 oder mehr frische Eigelege pro Baum gefunden, so besteht Gefahr durch Kahlfraß im folgenden Frühjahr.

Ausblick zur Schwammspinnersituation in Bayern

Seit 2011 waren durchweg sehr niedrige Schwammspinnerdichten zu verzeichnen. Nach dem heißen und trockenen Jahr 2015 steigen allerdings die Populationsdichten wieder an. Aufgrund der nasskalten, teils von Spätfrösten geprägten Witterung von Mitte April bis Mitte Mai wurden die bereits Anfang April 2017 geschlüpften Schwammspinnerraupen stark dezimiert. Dennoch zeigten die Pheromonprognose 2017 und Eigelegesuchen im gesamten potenziellen Befallsgebiet in Unter- und Mittelfranken, dass die Populationen des Schwammspinners in die Massenvermehrung eingetreten sind. Erfahrungsgemäß dauern Gradationen des Schwammspinners drei bis vier Jahre, sodass der Höhepunkt der Dichteentwicklung im Jahr 2019 zu erwarten ist.

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