LWF aktuell 157
Holzlagerplätze stärken die Resilienz unserer Wälder
von Michael Lutze
In Deutschland und weltweit erleben wir inzwischen die Auswirkungen des Klimawandels hart und unmittelbar. Insbesondere extreme Wetterereignisse und daraus resultierende Katastrophen werden häufiger. Wir leben mitten im Prozess des Klimawandels und müssen uns an die sich ändernden Lebensverhältnisse auf unserem Planeten anpassen. Dadurch steht auch die deutsche Forst- und Holzwirtschaft vor großen Herausforderungen und muss sich grundlegend wandeln.
Die Widerstandskraft der Wälder gegenüber dem Klimawandel zu erhöhen, ist unabdingbar. Das bedeutet insbesondere für naturferne Nadelholzbestände und vor allem für Fichtenreinbestände: sie müssen – soweit noch nicht geschehen – baldmöglichst in Mischwälder mit einem hohen Anteil an Baumarten, die mit dem sich verändernden Klima besser zurechtkommen, umgebaut werden.
Darüber hinaus müssen verstärkt Investitionen in die forstliche Infrastruktur getätigt werden. Naheliegend ist hierbei ein Fokus auf Holzlagerplätze, denn die durch Kalamitäten verursachten unregelmäßigen Holzanfälle können bei ausreichend Lagerkapazitäten besser ausgeglichen und die heimische Holzwirtschaft kontinuierlicher mit Rohstoffen versorgt werden. Damit die Aufarbeitung nicht ins Stocken kommt, muss das Holz rasch aus dem Wald heraus transportiert werden – vor allem, um die Entwicklungszyklen beispielsweise des großen Fichtenborkenkäfers zu unterbrechen und eine zügige Vorbereitung der Flächen für Pflanzung oder Saat zu gewährleisten. Im Fall von Kalamitäten sind die verfügbaren Lagerplätze im Wald meist nicht ausreichend.
Holz bleibt Rohstoff der Zukunft
Insbesondere durch die Förderung und Nutzung fossiler Rohstoffe und großflächige Rodungen der Tropenwälder wurde der menschengemachte Klimawandel eingeleitet und schreitet weiter voran. Deutschland ist als rohstoffarmes Land auf den Import vieler Primärstoffe angewiesen, kann aber auch durch eine nachhaltige Produktion im eigenen Land eine vielfältige Palette von Grundstoffen für Industrie, Gewerbe und Handwerk anbieten. Eine besondere Rolle nimmt dabei die nachhaltige Bereitstellung von Holz ein.
Die aktuellen Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur weisen für Deutschland eine Waldfläche von über 11,5 Mio. ha aus. Allein in Bayern wachsen auf 2,6 Mio. ha Wälder, dies sind 37 % der Landesfläche. Trotz zahlreicher Kalamitäten durch Sturm, Trockenheit und biologische Ursachen in den letzten Jahren, ist der Holzvorrat in Bayern mit rund 1 Mrd. m³ höher als bei der dritten Inventur zehn Jahre zuvor. Die hohen Vorräte umfassen zu ca. 70 % Nadelholz, insbesondere Fichtenholz mit 476 Mio. m³. Das Fichtenholz ist für die heimische holzverarbeitende Industrie und das Handwerk von überragender Bedeutung. Jahr für Jahr werden in Bayern über zehn Millionen Fichtenholz geerntet.
Schadholzaufkommen erfordert neue Strategien bei der Holzbereitstellung
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Abb. 1: Borkenkäfermassenvermehrungen führen zu großflächigem Absterben von Wald und zu einem hohen Holzanfall (© K. Schreiber, LWF)
Die Klimawandelforschung geht davon aus, dass sich in den zukünftigen Jahren und Jahrzehnten die Extremwetterereignisse häufen und der Stress für den Wald insgesamt, aber insbesondere für die hitze- und trockenempfindliche Fichte zunehmen wird. Infolge kommt es zumindest regional zu gravierenden Kalamitäten mit einem erhöhten Schadholzanfall. Die 476 Mio. Kubikmeter Fichtenholz in Bayern werden aber nicht »auf einen Schlag« in wenigen Monaten oder Jahren absterben, sondern auch aufgrund der vielfältigen Waldstandorte voraussichtlich auch noch in 10, 20, mit etwas Optimismus auch in 30 oder 40 Jahren als Rohstoff zur Verfügung stehen.
Forstliche Infrastruktur schont Ressourcen
Allerdings ist Vorsorge notwendig, um die kurzzeitig hohen Schadholzmengen einer sinnvollen Verwendung zuführen zu können. Durch die Anlage, Unterhaltung und Nutzung von Holzlagern kann überschüssiges Holz kurz- bis mittelfristig als »Puffer« oder Reserve gelagert werden. Trockenlager sind für eine kurzzeitige Lagerung zum raschen Abtransport befallener Stämme aus dem Wald und zur Vermeidung von Insektizideinsätzen bestimmt. Allerdings sind bei Kalamitäten oft auch die Transportkapazitäten knapp. Dann ist es sinnvoll, das Holz auf kurzem Weg auf Trockenlagerplätze außerhalb des Waldes zu transportieren. Sind diese weit genug (>500 m) von Nadelwäldern entfernt, ist auch keine Behandlung mit Insektiziden gegen Borkenkäfer nötig. Von den Trockenlagerplätzen aus kann das Holz dann auch mit Sattelaufliegern ohne Kran zu den Sägewerken transportiert werden. Pro LKW kann so mehr Holz transportiert werden, weil das Gewicht des Krans entfällt, und es können Fahrer eingesetzt werden, die keine Kräne bedienen müssen.
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Abb. 2: Verkehrsgünstig gelegene Fläche im Landkreis Cham für einen Nasslagerplatz (© M. Lutze, LWF)
Trocken- und Nasslagerplätze stärken die lokale und regionale Wirtschaft, da sie die holzverarbeitende Industrie bei Bedarf kontinuierlich mit dem wertvollen Rohstoff Holz versorgen. Keine Vorsorge zu treffen, wäre fahrlässig – denn die Risiken sind bekannt und angesichts des bisher ungebremsten Temperaturanstiegs absehbar.
Holzlager für eine klimaresilientere Gesellschaft
Wir müssen lernen, die Holzlager als Element einer besseren Klimaresilienz für die Wälder, die Forstwirtschaft, die Sägeindustrie, und damit insgesamt der gesamten Gesellschaft zu begreifen. Holzlager gehören zur notwendigen Infrastruktur, um eine nachhaltige Waldbewirtschaftung zu ermöglichen und die Versorgung der holzverarbeitenden Industrie, des Handwerks und der Baubranche sicherzustellen. Denn der Klimawandel wird alle Lebensbereiche betreffen, weshalb frühzeitige Vorsorgemaßnahmen erforderlich sind. Fehlen lokal oder regional geeignete Lagerflächen, fließt Kalamitätsholz in weiter entfernte nationale Märkte ab oder wird exportiert. Dann steht es den lokalen Wertschöpfungsketten nicht mehr zur Verfügung und darüber hinaus verursacht der zusätzliche Transport weitere Treibhausgase. Einen höheren Anteil des nachhaltig produzierten Holzes in Deutschland in hochwertige Produkte mit der langfristigen Festlegung des Kohlenstoffes zu transformieren, bedeutet aktiven Klimaschutz. Ein Element in dieser Wertschöpfungskette sind Holzlagerplätze.
Großer Nachholbedarf im Kleinprivatwald und Kommunalwald
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Abb. 3: Nasslagerplatz der BaySF (© M. Lutze, LWF)
Privatwaldbesitzende organisieren sich seit Jahrzehnten in forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen, um bspw. ihr Holz zu bündeln und besser vermarkten zu können. Diese Zusammenschlüsse wären prädestiniert für die Planung, den Aufbau und die Bewirtschaftung von Nasslagerplätzen. Bisher wird dieses Geschäftsfeld von den forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen allerdings kaum entwickelt. Das wäre aber entscheidend, um den Waldbesitzenden die Chance zu eröffnen, ihre Hölzer im Fall von Katastrophen konservieren zu können. Denn immerhin sind über 180.000 Waldbesitzende mit über 1,4 Mio. ha in den forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen organisiert.
Ein Dreierbündnis, bestehend aus den Waldbesitzervereinigungen Waldmünchen, Cham-Roding und Neuburg v. W./Oberviechtach geht nun im Landkreis Cham voran und bemüht sich um die Genehmigungen für die »Lagerflächen Schöntal« als Trocken- und Nasslagerplatz. Diese drei Waldbesitzervereinigungen wollen hier gemeinsam ein Zukunftsprojekt schaffen, auch um die Wertschöpfung durch Holz in der Region zu halten und den Abfluss wertvoller Rohstoffe zu vermeiden. So geben sie allen, die Wald besitzen, die Möglichkeit, ihre über Jahrzehnte aufgebauten Holzvorräte bei Bedarf sinnvoll nutzen zu können, insbesondere bei Kalamitäten.
Die Chance auf Holzlager zurückgreifen zu können, könnte gerade im Kalamitätsfall die Waldbesitzenden motivieren, ihr Holz rasch aufzuarbeiten und auf Nasslagerplätze zu bringen, zu konservieren und bei guter Nachfrage an die Märkte abzugeben. So könnte den Kalamitäten etwas von ihrem Schrecken genommen werden.
Unterstützung bei Planung und Anlage von Nasslagerplätzen
Die Planung und Anlage von Nasslagerplätzen sind mit erheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden. Dies schreckte in der Vergangenheit viele Waldbesitzende, Kommunen und forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse ab, solche Holzlager zu errichten. Seit einigen Jahren fördert das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF) Nasslagerplätze mit bis zu 80 % der Nettokosten.
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Abb. 4: 100.000 Fm Kapazität: Nasslager Stillern der Bayerischen Staatsforsten (G. Brehm, AELF Fürstenfeldbruck)
In den Genehmigungsverfahren liegt ein besonderer Fokus auf dem Wasser. Als knappes und schutzwürdiges Gut – insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Klimaextreme mit häufiger auftretenden Trockenperioden – ist bei der Planung und Umsetzung von Nasslagern höchste Sorgfalt geboten. Erfahrungen aus dem praktischen Betrieb von Nasslagerplätzen sowie Versuche haben gezeigt, dass eine entsprechende Planung der Anlage und eine situationsgesteuerte, umsichtige Bewässerung den Wasserverbrauch minimieren.
Durch die Anlage eines Speicherbeckens, die Nutzung von Gefälle sowie Gräben und Durchlässe kann ein Wasserkreislauf aufgebaut werden. Dadurch lässt sich die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern oder der Bedarf an Grundwasser deutlich reduzieren. In einem Praxisversuch wurde neu eingelagertes Holz über zwei Wochen lang beregnet. In dieser Phase der Grundvernässung betrug der Anteil von mehrfach verwendetem Wasser ca. 90 %. Nach der Grundvernässung erfolgt witterungsabhängig eine Intervallberegnung. Eine moderne Anlage, die Wasserkreislauf und Intervallberegnung vereinigt, arbeitet ressourcenschonend. Diese Anlagen sind nicht mehr mit herkömmlichen Nasslagerplätzen gleichzusetzen, die im Sommerhalbjahr praktisch laufend bewässert wurden.
Holzlager dienen den forstwirtschaftlichen Betrieben bei der nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Eine kooperative und unterstützende Herangehensweise aller Beteiligten bei Antragstellungen bezüglich der Errichtung und dem Betrieb von Holzlagern dient am Ende dem Waldumbau, stärkt vor allem die regionale Wirtschaft sowie die Klimaresilienz unserer Gesellschaft.
Zusammenfassung
Der Klimawandel und seine Folgen beeinflussen auch die Forst- und Holzwirtschaft in Deutschland massiv. Die Widerstandskraft der Wälder zu stärken, gelingt mit dem Aufbau von Mischwäldern. Aber auch Investitionen in Holzlager sind notwendig, um unregelmäßige Holzanfälle aufgrund von Kalamitäten auszugleichen und die Rohstoffversorgung sicherzustellen. Regional und nachhaltig erzeugtes Holz fördert die Anpassungsfähigkeit unserer Gesellschaft an den Klimawandel. Holzlagerplätze können helfen, Holz kurz- bis mittelfristig zu lagern, den Markt zu entlasten und den Befall durch Schädlinge wie den Borkenkäfer zu minimieren. Sie tragen aktiv zum Klimaschutz bei und sichern die lokale Wertschöpfungskette. Die Bayerische Staatsregierung fördert ihre Errichtung mit bis zu 80 % der Kosten.
Literatur
- Lutze, M. (2023): Leitfaden, Handlungsenpfehlungen Nasslager. 2. Auflage; 35 Seiten. Bayerische Landesanstalt für Wald und Fortstwirtschaft, Freising
- Lutze, M.; Hohenadl, A. (2023): Smartes Mobiles Rundholz-Nasslager. Bericht, unveröffentlicht, 35 Seiten. Bayerische Landesanstalt für Wald und Fortstwirtschaft, Freising
- LWF (2024): Wald im Wandel. Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur.Bayerische Landesanstalt für Wald und Fortstwirtschaft, Freising
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Weiterführende Informationen
Autor
- Dr. Michael Lutze

