LWF aktuell 157
Witterungsrückblick 2025: Heterogene Wasserversorgung der Wälder
von Lothar Zimmermann, Stephan Raspe, Cornelia Triebenbacher
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Abb. 1: Jahresabweichungen der Lufttemperatur (Jahresmitteltemperatur minus Periodenmittel 1961-1990) im Gebietsmittel für Bayern 1895-2025 (© Deutscher Wetterdienst)
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Abb. 2: Monatliche Niederschlags-, Sonnenscheindauer- und Temperaturabweichungen vom langjährigen Mittel 1961–1990 an den 18 bayerischen Waldklimastationen sowie der Wetterstation Taferlruck für das Jahr 2025 (© LWF)
Wieder ein milder Winter!
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Abb. 3: Hochdruck über Mitteleuropa brachte im Winter 2025 häufig längere Inversionslagen – oben Sonne und Wärme, unten Nebel und Kälte (© M. Friedel, StMELF)
Historisches Niederschlagsdefizit im Frühjahr
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Abb. 4: Mit Beginn der Apfelblüte am 16. April startete der Vollfrühling rund zehn Tage früher als üblich (© M. Friedel, StMELF)
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Abb. 5: Die für die Bäume zur Verfügung stehende Bodenwasservorräte an sieben Waldklimastationen in Bayern ausgedrückt in Prozent zum pflanzenverfügbaren Wasser (nutzbare Feldkapazität) der jeweiligen Böden (© LWF)
Ungewöhnlich früher Schwärmflug bei Buchdrucker und Kupferstecher
Die Buchdrucker begannen Mitte April in den unteren bis mittleren Höhenlagen bis ca. 600 m ü. NHN zu schwärmen (Triebenbacher et al. 2026). Dieser erste Schwärmflug war zwar weniger konzentriert und weniger intensiv als 2024, trat im Vergleich zu anderen Jahren dennoch früh im Jahr auf. Der Hauptschwärmflug der Überwinterer fand erst in der letzten Aprilwoche bayernweit und in allen Höhenlagen statt. Auch der Kupferstecher schwärmte dieses Frühjahr ungewöhnlich früh und so intensiv wie seit 2015 nicht mehr. Die seit März anhaltende Niederschlagsarmut verstärkte die Befürchtung, dass die flachwurzelnden Fichten auf geringmächtigen Böden regional unter Trockenstress leiden und anfälliger gegenüber Fichtenborkenkäferbefall werden könnten.
Das Frühjahr 2025 lag mit einer Lufttemperatur von +2,1° zum Mittel 1961–90 unter den elf wärmsten seit 1881. Gleichzeitig war es auch ein sehr strahlungsreiches Sonnenfrühjahr (+49 %). Dramatischer war es beim Niederschlag: Es fiel nur knapp die Hälfte des langjährigen Niederschlags (–49 %). Weniger Niederschlag im Frühjahr gab es seit 1881 nur 1934. Bezieht man noch den Februar ein, so zeigt sich die besondere Niederschlagsarmut (Rauthe et al. 2025). Durch das Niederschlagsdefizit war die Streu- und Auflagenfeuchte gering, wodurch die Waldbrandgefahr zunahm – die Folge waren Brände wie in Bayrischzell Anfang März oder im Tennenloher Forst Ende April. Zu kritischen Wassergehalten kam es nur auf geringmächtigeren Waldböden mit kleinem Bodenwasserspeicher, besonders in Unterfranken. Wie die Messungen an den WKS zeigten, reichte die Füllung der Bodenwasser oft noch für eine gute bis ausreichende Wasserversorgung aus. Die früh beginnende Trockenheit bei niedrigen Temperaturen im Februar, die späte Blattentfaltung der Buche erst Mitte April, die kurzen Tage zu Beginn der Periode sowie unterdurchschnittliche Lufttemperaturen im Mai führten oft nur zu geringeren Verdunstungsverlusten. Die Wasserversorgung der Bäume war dadurch meist gut bis ausreichend, sodass Dürrephänomene in älteren Beständen nur selten beobachtet wurden. Für die im Frühjahr angelegten Kulturen war die Trockenheit im Oberboden jedoch ein großes Problem und führte zu teils hohen Ausfallraten.
Sommer 2025: Hitze aber auch viel Regen im Juli
Westliche Strömungen mit Schauern und Gewittern wechselten sich im Juni mit stabilen Hochdrucklagen mit viel Sonnenschein und Hitze ab. So wurde der Juni 2025 zum drittwärmsten seit 1881, gleichzeitig war der Niederschlag mit –38 % deutlich unterdurchschnittlich und sehr ungleich verteilt: im Norden blieb es trocken, im Süden war es feucht. Zum 14. Juni begann mit der Blüte der Sommerlinde der phänologische Hochsommer. Zu diesem Zeitpunkt setzte auch der Ausflug der ersten Jungkäfer der früh angelegten Bruten ein, v. a. im Frankenwald, Spessart, südlichen Schwaben, entlang der Donau und im südlichen Niederbayern. Der Hauptschwärmflug der ersten Jungkäfergeneration fand Ende Juni bayernweit bis in Höhen von 800 m ü. NHN statt; in höheren Lagen begann er erst Anfang Juli. Eine hohe Verdunstung sorgte tagsüber weiterhin für ein rasches Absinken der Bodenfeuchte und führte zu einer anhaltenden Trockenheit, sodass der Füllstand des Bodenwasserspeichers an der WKS Würzburg in Unterfranken bereits ab dem 24. Juni weniger als 40 % betrug und somit die Trockenstressgrenze erreicht war. Als Spitzenwert wurden Lufttemperaturen über 30 °C erreicht.
Hitzewellen, Waldbrandgefahr und kühl-nasse Zwischenzeiten
Außergewöhnliche Hitzewellen gab es Ende Juni und Anfang Juli. An der WKS Altdorf wurden am 2. Juli als Spitzenwert 36,5 °C und an der WKS Würzburg 36,4 °C gemessen. Im Mittel aller WKS waren es an diesem Tag 32,2 °C! Durch anhaltende Trockenheit verstärkte sich die Waldbrandgefahr. In einigen Regionen Nordbayerns und Schwabens wurde die höchste Waldbrandgefahrenstufe erreicht; bei Schwandorf kam es zu kleineren Waldbränden. Zum ersten Juli-Wochenende brachte eine Kaltfront teils unwetterartige Schauer und Gewitter. Danach dehnte sich eine Tiefdruckzone bis nach Norditalien aus, die von häufigen und teilweise ergiebigen Niederschlägen begleitet wurde und kühle Luft zu uns führte. Diese Tiefdruckzone hielt sich über Osteuropa, sodass besonders in Ostbayern immer wieder Regenschauer niedergingen. Zum Monatsende wurde es erneut kühl und nass, im Alpenvorland kam es durch Dauerregen sogar zu steigenden Flusspegeln und kleineren Ausuferungen. In Folge dieser ergiebigen Niederschläge stiegen auch die Wasservorräte in den Waldböden wieder merklich an. Zum Monatsende wurde nur noch an der WKS Würzburg die 40 %-Füllstandsgrenze unterschritten. So war der Juli im gegenwärtigen wärmeren Klima nur durchschnittlich, aber mit deutlich mehr Niederschlag unterbrach er die Serie von trockenen Monaten seit Januar. Während am Alpenrand 300 bis 450 l/m² fielen, kamen in Unterfranken gebietsweise nur 30 bis 50 l/m² zusammen. Auch die Augusttemperaturen entsprachen dem aktuellen Klima, allerdings mit weniger Niederschlag als normal. Nördlich der Donau gingen die Bodenwasservorräte deutlich zurück und Trockenstress stellte sich ein. Südlich der Donau war die Wasserversorgung dagegen weiterhin gut.
Dritte Generation beim Buchdrucker und weniger Dickenwachstum bei der Fichte
Die zweite Buchdruckergeneration flog größtenteils Mitte bis Ende August zur Anlage einer dritten Generation aus. Über 800 m ü. NHN verblieben die Jungkäfer mehrheitlich unter der Rinde und bereiteten sich bereits auf die Überwinterung vor.
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Abb. 6: Kumulative Entwicklung des Durchmessers von Fichten an der Waldklimastation Flossenbürg im Jahr 2025 im Vergleich zum mehrjährigen Mittel von 2002 bis 2024 (© LWF)
Der Sommer 2025 schob sich mit 16,2 °C gerade noch unter die zehn wärmsten seit 1881 (+2,3° zum Mittel 1961–90). Die erste Hitzewelle des Jahres wurde im Weiteren von einem niederschlagsreichen mit Starkregen versetzten Monatsverlauf abgelöst, sodass die aus dem Frühjahr rührende Trockenheit sich etwas entschärfte. Mit 273,3 l/m² regnete es aber insgesamt 13 % weniger als im langjährigen Mittel. Mit 731,6 Stunden Sonnenschein kam der Sommer 2025 auch unter die sonnenreicheren seit 1951 (+11 %).
Durchschnittlich warmer Herbst mit nassem September
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Abb. 7: Temperaturen bis 36,5 °C und anhaltende Trockenheit ließ die Waldbrandgefahr in Nordbayern und Schwaben deutlich steigen (© L. Straßer, LWF)
Trüb, windig, regnerisch, kühl und dann wieder im Wechsel sonnig bei milden Temperaturen – so gestaltete sich der Oktober sehr wechselhaft. Mit der Blattverfärbung der Stieleiche begann der phänologische Spätherbst zwei Tage früher als in den letzten Jahren üblich (16.10.). Die Bodenwasserspeicher an den Waldklimastationen waren ausreichend bis gut gefüllt – mit Ausnahme der WKS Würzburg, wo der Füllstand bis Monatsende von 25 % auf 35 % anstieg. Die Monatsmitteltemperatur 2025 entsprach genau dem Durchschnitt des aktuellen Klimas. Landesweit fiel mit +14 % mehr Niederschlag als im Klimamittel. Dieser war jedoch sehr ungleich verteilt: In den Alpen und im Bayerischen Wald wurden 100 bis 150 l/m² Niederschlag registriert, an der unteren Donau gerade einmal 25 bis 35 l/m². Südlich der Donau lagen die Niederschlagsmengen insgesamt deutlich unter dem Landesmittel, während sie besonders im Einzugsgebiet des Mains überdurchschnittlich ausfielen.
Der November war von starken Gegensätzen bei der Lufttemperatur geprägt: In der ersten Monatshälfte zeigte er sich noch mild, ehe ein markanter Kälteeinbruch einen Vorgeschmack auf den Winter brachte. Insgesamt war der Monat jedoch ungewöhnlich sonnig und dadurch auch vergleichsweise niederschlagsarm (–24 %). Diesmal lag der Niederschlagsanteil südlich der Donau deutlich über dem langjährigen Mittel, während er im Norden niedriger ausfiel. Die Sonnenscheindauer lag mit +36 % deutlich über dem langjährigen Mittel: Wurden in Regensburg nur 38 Sonnenstunden erreicht wurden, waren es an höher gelegenen Stationen, besonders am Alpenrand, über 100 Sonnenstunden.
Der Herbst 2025 lag +0,7° über dem Klimamittel 1961–90, während er mit +0,1° gegenüber dem Mittel 1991–2020 im aktuellen Klima nahezu durchschnittlich ausfiel. Mit +10 % über dem Mittel fiel der Niederschlag vor allem wegen des sehr nassen September und Oktober höher aus, die das Defizit im November ausglichen. Die Niederschlagsverteilung war jedoch sehr unterschiedlich; besonders im Südosten wurde das Soll nicht erreicht. Beim Sonnenschein wies der Herbst ein leichtes Defizit von –9 % auf.
Wechselhafter Dezember
Der Monat war durch Hochdruck geprägt und verlief außergewöhnlich sonnig sowie sehr trocken. In der ersten Monatshälfte herrschten frühlingshaft milde Lufttemperaturen vor; nennenswerte Niederschläge konzentrierten sich fast ausschließlich auf die erste Monatsdekade. Zu Weihnachten, das vielerorts das kälteste Fest seit 15 Jahren war, setzte eine östliche Luftströmung ein, die verbreitet Frost brachte. Nachts kam es regional zu strengem Frost (Tmin –10 °C bis –15 °C). Die tiefsten Werte um –15 °C wurden am Alpenrand und in den Alpentälern erreicht. Zum Monatsende bildete sich vor allem in den Mittelgebirgen eine Schneedecke. Der Dezember 2025 war milder als das langjährige Mittel (+1,9° zu 1961–90) und wies zugleich mit +56 % eine ungewöhnlich hohe Sonnenscheindauer auf – nur der Dezember 1972 brachte noch mehr Sonne. In den Allgäuer Alpen mit Vorland sowie im Bayerischen Wald wurden teilweise über 100 Stunden Sonnenschein gemessen, zugleich blieb der Niederschlag mit nur 19 l/m² stark unter dem langjährigen Mittel (–75 %).
Zusammenfassung
Das Jahr 2025 reiht sich unter den zehn wärmsten Jahren in die Witterungsgeschichte ein. Gleichzeitig war es ein sehr sonnenscheinreiches Jahr mit einem deutlichen Niederschlagsdefizit von Februar bis Mai. Anfang Juli folgte einem insgesamt sehr heißen Juni eine weitere Hitzewelle. Warme Temperaturen ermöglichten bis in Höhenlagen von 800 m ü. NHN drei Generationen Fichtenborkenkäfer sowie zwei Geschwisterbruten. Intensive Niederschläge im Juli und im September sorgten für eine Entschärfung der Trockenheit in den Waldböden. Die insgesamt ausreichende Wasserversorgung zum vermutlich richtigen Zeitpunkt, geringere Mengen an besiedelbarem Schadholz im ausgehenden Winter, ein effektives Management der Waldbewirtschaftenden sowie ein guter Holzabsatz führten in weiten Bereichen Bayerns, insbesondere im Norden, zu einem spürbaren Rückgang der Käferschadholzmengen. Es ist jedoch eine weitere Verlagerung der Schäden in den Süden zu beobachten, trotz der besseren Wasserversorgung, vor allem in den Gebieten mit Hagel- und Schneebruchschäden aus 2023/2024. Hier ist eine Fortsetzung der Massenvermehrung zu befürchten. Die Zuwachsentwicklung der Fichten an den Waldklimastationen bleib insgesamt unterdurchschnittlich.
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Weiterführende Informationen
Autoren
- Lothar Zimmermann
- Stephan Raspe
- Cornelia Triebenbacher

