Meldungen - LWF aktuell 158
Digitale Unterstützung bei Wildtierfunden
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Helfen oder alleinlassen: Wenn man verirrte Wildtiere wie Rehkitze findet, ist die korrekte Reaktion oft schwierig. Hierbei unterstützt die neue App Wildtier-SOS – bei der Identifizierung der Tiere, mit Entscheidungshilfen und Ansprechstationen (© U. Schrader, adobe.stock.com)
Viele Menschen sind unsicher im Umgang mit Wildtieren und greifen oft vorschnell ein, etwa wenn sie vermeintlich verwaiste Jungtiere finden. Häufig ist dies jedoch nicht notwendig und kann den Tieren sogar schaden. Gleichzeitig fehlt es bei tatsächlich hilfsbedürftigen Tieren oft an Wissen oder geeigneten Kontaktstellen. Die App schafft hier Orientierung, ohne Anmeldung oder Datenspeicherung, und hilft dabei, natürliche von problematischen Situationen zu unterscheiden.
In der Regel bestimmt die App die Tiergruppe nach wenigen Fragen und führt zur richtigen Einschätzung der Lage. Bei Bedarf vermittelt sie passende Ansprechpartner wie Wildtierstationen, Tierkliniken oder Behörden. Ziel ist es, sowohl einzelne Tiere als auch Wildtierpopulationen zu schützen. Aktuell deckt die Datenbank rund 100 häufige Wildtierarten ab und umfasst über 4.000 Notfallkontakte in Deutschland.
Künftig ist eine KI-gestützte Bilderkennung geplant, um Tiere direkt per Smartphone zu identifizieren. Langfristig soll die App auch als Plattform für Citizen-Science dienen und wertvolle Daten für Forschung und Wildtierschutz liefern.
red
Mattensysteme fördern die Regeneration von Waldböden
Befahrungen mit Forstmaschinen verursachen häufig erhebliche Bodenschäden im Wald. Eine Studie der Universität Trier und der Landesforsten Rheinland-Pfalz zeigt nun, dass ein Mattensystem als schützende Auflage die Schadeinwirkungen deutlich reduzieren kann.
Schwere Forstmaschinen können tiefe Fahrspuren hinterlassen und den Waldboden verdichten – besonders bei feuchten Bedingungen. Dadurch kann die Bodenstruktur dauerhaft gestört werden: Wurzeln wachsen schlechter, die Durchlüftung nimmt ab und Lebensräume für Bodenorganismen gehen verloren, oft über Jahrzehnte hinweg.
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Schützende Auflagen auf dem Waldboden, können die Schadeinwirkungen deutlich reduzieren (© I. Siebert)
In Versuchen im Hunsrück testeten die Forschenden den Einsatz eines mobilen Mattensystems in Kombination mit Forstraupen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Matten den Bodendruck wirksam abfedern und Schäden deutlich verringern. Auch bei Einsätzen schwerer Maschinen auf Rückegassen konnten positive Effekte nachgewiesen werden.
Das Mattensystem erweist sich damit als vielversprechende Maßnahme für den Bodenschutz, insbesondere auf sensiblen Standorten oder bei der Ernte hochwertiger Bäume.
red
Waldschäden in Europa könnten sich bis 2100 verdoppeln
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© M. Ammich
Natürliche Waldentwicklungen beinhalten das Absterben von Bäumen. Der Klimawandel steigert jedoch die Intensität von Bränden, Stürmen und Käferbefall. Bisher fehlten konkrete Daten zur künftigen Schadfläche. Diese Störungen beeinflussen die Kohlenstoffspeicherung, die Holzproduktion und die Artenvielfalt von Wäldern. Bei einer Erderwärmung von über 4 Grad Celsius verdoppelt sich die betroffene Fläche bis 2100 gegenüber dem Zeitraum 1986 bis 2020. Selbst bei einer Begrenzung der Erwärmung auf 2 Grad Celsius steigen die Schäden im Vergleich zu diesen Referenzjahren an.
Die Forschenden trainierten ein KI-gestütztes Simulationsmodell mit 135 Millionen Datenpunkten aus Waldsimulationen für 13.000 Orte in Europa und verknüpften diese Simulationen mit Satellitendaten. Das Modell berechnet die Waldentwicklung und Störungsfolgen auf einen Hektar genau. Das ermöglicht präzise Aussagen über regionale Entwicklungen.
Wälder in Süd- und Westeuropa unterliegen demnach künftig besonders starken Veränderungen durch Waldschäden. Nordeuropa verzeichnet eine geringere Betroffenheit, weist jedoch ebenfalls einzelne Schwerpunkte künftiger Schäden auf. Die Forschenden empfehlen, die steigenden Waldschäden unmittelbar in die Waldbewirtschaftung einzubeziehen.
red
Birkenpech: Heilmittel der Neandertaler?
Ein internationales Team der Universitäten Köln, Oxford, Lüttich und der kanadischen Cape Breton University untersuchte die antibakterielle Wirkung von Birkenpech, das sie nach Neandertaler-Methoden gewannen. Die zähflüssige Substanz aus Birkenrinde wurde bislang vor allem als Klebstoff zur Werkzeugherstellung interpretiert, doch weist die Studie auf eine mögliche medizinische Verwendung hin.
Im Experiment stellten die Forschenden Birkenpech mit rekonstruierten Verfahren her, etwa durch das Erhitzen von Birkenrinde unter Sauerstoffabschluss oder an Steinoberflächen. Danach prüften sie die Proben auf ihre antimikrobiellen Eigenschaften. Sämtliche Varianten hemmten das Wachstum des Bakteriums Staphylococcus aureus, welches häufig Wundinfektionen auslöst und heute als resistenter Krankenhauskeim auftritt.
Die Ergebnisse deuten auf eine gezielte medizinische Nutzung durch Neandertaler hin. Diese Erkenntnisse erweitern das Wissen über die damalige Kultur und liefern Ansätze für die aktuelle medizinische Forschung. Angesichts steigender Antibiotikaresistenzen gewinnen Wirkstoffe aus historischen Quellen erneut an Relevanz.
Forschende haben Birkenpech mit Methoden hergestellt, die schon Neandertaler nutzen, um dessen antibakterielles Potenzial zu analysieren (© T. Siemssen, Universität zu Köln)
red

