Eine Gruppe von Kindern steht in einem Laubwald.

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Bernd Bendix
Forstmeister Heinrich Christoph Moser – LWF aktuell 119

Heinrich Christoph Moser (1771–1852) hat in seinen über vierzig Dienstjahren als Forstamtsleiter im Fichtelgebirge wie kein anderer Forstmann vor ihm die betriebswirtschaftliche Entwicklung der dortigen Forsten vorangetrieben und den Waldzustand verbessert. Es ist bedauerlich, dass ihm schon damals größere Ehrungen dafür versagt blieben. Da Moser auch heute im bayerischen Forstwesen fast vergessen ist, soll dieser Beitrag an ihn erinnern.

Eine Radierung in Hell/Dunkel, die ein stattliches Haus zeigtZoombild vorhanden

Abb. 1: Das »neue« Jägerhaus in Bayreuth, ab 1801 Dienstsitz des Forstkommissarius Moser

Heinrich Christoph Moser wurde am 6. Februar 1771 in Kasendorf / Oberfranken geboren. Sein Vater Georg Christoph Moser (1723–1785) war 1755 bis 1767 Pfarrer in Schnabelwaid, dann in Kasendorf und 1773 in Bischofsgrün – Superintendentur Bayreuth; die Mutter Sophia Helena, geb. Bischoff aus Schreez bei Bayreuth war nach 1762 die 2. Ehefrau des Vaters. Über Mosers Kindheit ist nichts bekannt. Der 22jährige Moser wurde dann als Student der Philosophie am 9. Januar 1793 an der Universität Erlangen immatrikuliert. Ab Herbst 1795 ging Moser nach Marburg, wo er an der Universität bei Professor Johann Heinrich Jung gen. Stilling (1740–1817) dessen Vorlesungen über Forst- und Landwirtschaft besuchte.

1798 wird er in Bayreuth als Forstaufseher genannt und ist dann ab 1801 Forstkommissarius zu Bayreuth mit Dienstsitz im »neuen« Jägerhaus (Abbildung 1). In diesem Jahr wird Moser auch Mitglied in Johann Matthäus Bechsteins »Societät der Forst- und Jagdkunde« zu Waltershausen. Die Aufnahme in diese erste forstliche Gelehrtenvereinigung im deutschen Sprachraum verdankte er wohl der Bekanntheit seiner seit 1791 erschienen Veröffentlichungen, die überwiegend gute Rezensionen bekommen hatten.

»Forstakademiker« in spe

Schon 1799 wird Moser als »Forstlehrer zu Bayreuth« bezeichnet. Diese Lehrtätigkeit Mosers war wohl auch in Kursachsen bekannt gewesen, da er 1802 in seiner Funktion als »Königl. Preuß. Forst-Kommissar in Bayreuth« vom kursächsischen Oberforstmeister Gottlob Heinrich von Lindenau (1755–1830), als »Ausländer«, für die Forstlehrerstelle an der geplanten in Freiberg/Sachsen zu Pfingsten 1803 zu eröffnenden Forstakademie vorgeschlagen wurde.

Moser erklärte sich tatsächlich bereit, bei entsprechendem Gehalt den Unterricht zu erteilen. Zur Eröffnung kam es letztendlich aber nicht. Der Plan wurde auch aus finanziellen Gründen nach September 1802 nicht weiter verfolgt.

Wie der Vater, so die Söhne

Moser heiratete am 7. Februar 1803 auf Schloss Sophienreuth Christiana Wilhelmina († 1832), die jüngste Tochter des Kammerjunkers Carl Wilhelm von Schmidt auf Altenstadt zu Schönwald/ Oberfranken († zwischen 1785 u. 1803). In der Ehe wurden drei Söhne und zwei Töchter geboren. Zwei seiner Söhne traten beruflich in Vaters Fußstapfen. Der älteste Sohn Carl Christian Christoph (1804–1820) war 1815 Schüler der IV. Klasse der Lateinschule Bayreuth und starb mit nur 16 Jahren an einem Schlaganfall. Sohn Gottlieb († 1851) wird 1833 als Forstpraktikant in Wunsiedel genannt.

Der dritte Sohn Ferdinand (1813– 1871) war 1833 ebenfalls Forstpraktikant in Wunsiedel und wurde dann 1838 als Forstamts-Aktuar im Forstamt Steinwiesen sowie auch als Aktuar und Funktionär im Forstbureau Bayreuth tätig. Der Vater hatte ihn 1842 mit einem Schreiben an den bayerischen König Ludwig I. erfolgreich zum provisorischen Revierförster in Schwarzenbach am Wald (Forstamt Geroldsgrün) ernennen lassen, dort war er dann 1846 ernannter Revierförster. Ab 1853 erhielt er als Forstmeister das Forstamt Kronach. Am 14. März 1861 verlieh ihm König Maximilian II. Joseph von Bayern das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens vom heiligen Michael. Ferdinand Moser übernahm – seit 1862 Königl. Regierungs- u. Forstrat im Staatsministerium für Finanzen – am 4. Januar 1865 schließlich die Leitung des Forst- u. Triftamtes München und verblieb in dieser Stellung bis zu seinem Tod 1871.

Dreimal Forstbeamter: preußisch – französisch – bairisch

Alte nachgeblichene Postkarte mit einem Dorf als MotivZoombild vorhanden

Abb. 2: Ansichtskarte von Wunsiedel um 1925

Heinrich Christoph Moser hatte in seinem Berufsleben in Oberfranken drei Landesherren gedient, was auch die Entwicklung der Forstorganisation im Bereich des Fichtelgebirges beeinflusst hat. Im Jahre 1791 erfolgte die Abtretung der markgräflichen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth an das Königreich Preußen.

Nach der Ordnung des Forst- und Jagdwesens unter preußischer Verwaltung 1792 bis 1806 waren die Forstmeister für den Haushalt der Forstämter verantwortlich und hatten Forstverwalter (= Oberförster) zur Betriebsausführung beigegeben, unter denen als Revierbediente die Förster und Unterförster standen. Jeder Forstmeister, Forstverwalter und Förster mußte auf seine Kosten einen Feldjäger als Revierburschen anstellen. In Forstpolizei- und Forstgerichtsbarkeitssachen arbeiteten Forstmeister und Forstverwalter mit den Justizbeamten zusammen.

Diese Organisationsform wurde unter der französischen Herrschaft (Provinz Bayreuth) 1806 bis 1810 und deren nachfolgenden Übernahme durch das Königreich Bayern so beibehalten. Die Forstbedienten erhielten erstmals eine feste Besoldung, Naturalbezüge und Nebengebühren wurden abgeschafft. Eine Befähigungsprüfung war nunmehr Grundlage der Zulassung zur Forstlaufbahn. Unter der Preußischen Regierung wurden mit Patent vom 20. Mai 1797 im Bereich des bisherigen Bayreuthischen Fürstentums u. a. das Oberländische Oberforstamt, die Forstmeisterei Gebürg mit Sitz in Bayreuth und die Forstmeisterei Selb mit Sitz in Selb gebildet. 1804 erhielt Moser vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. die Titelverleihung »Forstmeister in techn. Forstsachen«.

1813 war er Verwalter (= Oberförster) und am 16. August 1816 »geruheten Seine Majestät der König Maximilian I. Joseph von Bayern allergnädigst dem quieszirten Forstmeister und ehemaligen Dirigenten der Forstkarten=Kammer zu Baireuth, Heinrich Christoph Moser, das Forstamt Selb zu verleihen« (quieszirter Forstmeister = in Anwartschaft stehender Forstmeister des nunmehr bayerischen Forstamts Selb).

Preisausschreiben erster Preis

Moser hat sich in seinen Schriften als vielseitig informierter und belesener forstlicher Praktiker präsentiert. So verwundert es nicht, dass er sich auch an einer mit 500 Gulden dotierten zweiteiligen Preisaufgabe der »k. k. böhmisch-österreichischen Hofkanzley« zu Wien beteiligt hat. Diese am 24. April 1811 per Hofkanzlei- Dekret veröffentlichte zweiteilige Preisaufgabe hatte zum Thema die Frage, ob das Ausgraben abgehauener Stöcke oder eine Ganzbaum-Rodung der Waldkultur zuträglich ist und welche Methode dazu den geringsten finanziellen und menschlichen Arbeitskraftaufwand erfordert.

Moser wurde der erste Preis zuerkannt. Allerdings musste er sich das Preisgeld mit zwei anderen Bewerbern teilen, erhielt jedoch 300 Gulden. Der aus Wien dafür geforderten Veröffentlichung seiner Preisarbeit ist aber Moser leider nicht nachgekommen.

Als Forstmeister von Wunsiedel in die neue Bayerische Forstverwaltung

1816 erhielt das Forstamt Selb den Dienstsitz Wunsiedel. Bei der umfassenden Neuorganisation der Bayerischen Forstverwaltung 1821/22 wurde in Bayreuth unter Führung eines Kreisforstrates und mit Forstkommissaren als Inspektionsbeamten ein Kreisforstbüro installiert. Die Waldungen des Fichtelgebirges wurden in die drei Forstämter Selb (nun wieder mit Dienstsitz in Selb), Wunsiedel und Goldkronach eingeteilt.

Zum Forstamt Wunsiedel gehörten jetzt die Forstreviere Hallerstein, Sparneck, Weißenstadt, Vordorf und Fahrenbach, später Tröstau. Ab 1822 bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand am 28. Januar 1847 durch König Ludwig I. von Bayern verwaltete Moser als bestätigter Forstmeister das Forstamt Wunsiedel.

Moser war in Wunsiedel ab 1807 bis mindestens 1820 Hausbesitzer in der Schrollengasse Nr. 255 (heute Jean-Paul-Str. 24) und wohnte ab 1847 bis zu seinem Tode in der Maximilianstraße 51. Hier starb Moser als Witwer am 6. Oktober 1852 an Altersschwäche.

Als »Anonymus« ins Schriftstellerleben

Vergilbtes Buchcover mit vier Männern, wobei der eine die anderen drei anzuleiten scheint; im Hintergrund NadelwaldZoombild vorhanden

Abb. 3: Titel aus Moser (1825)

Heinrich Christoph Moser veröffentlichte schon vor seinem Studium an der Universität Erlangen 1791 sein erstes noch anonym verfasstes Werk »Ueber Feld- und Gartenprodukte, mit Rücksicht auf das Klima in Deutschland«.

Das war für Moser ein guter Start in seine bis zum hohen Alter mit großem Fleiß betriebene forstliche Schriftstellertätigkeit, konnten doch von Moser insgesamt elf Bücher und 17 Zeitschriftenbeiträge ermittelt werden.

Schon diese elf Bücher zeichnen Moser als sehr produktiven forstlichen Schriftsteller aus. Darüber hinaus veröffentlichte er aber auch zu fast allen damals diskutierten forstwirtschaftlichen Problemen seine Standpunkte und praktische Erfahrungen als langjährig tätiger Forstmeister in den zeitgenössischen forstlichen Fachzeitschriften.

Die Palette der von ihm behandelten Themen umfasste Forstorganisation, Forsttaxation (Forsteinrichtung), Forstkulturwesen (Waldbau), Forstschutz und Waldnebennutzungen. Mosers Hauptwerk war das Buch »Die Torfwirtschaft im Fichtelgebirge «, das 1825 erschienen ist und das damals im deutschen Forstwesen sehr gelobt wurde (Abbildung 3).

Literatur

Dieser Beitrag ist eine Kurzfassung für LWF aktuell. Das Quellenverzeichnis ist bei Bedarf beim Autor anzufordern.

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Autor

  • Bernd Bendix