Stand: 07.07.2026
FAQs zum Eichenprozessionsspinner

Viele viele Rauben auf einem haufen an einem EichenstammZoombild vorhanden

Eichenprozessionsspinner-Nest (© G. Lobinger, LWF)

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea L.) ist ein an Eichen lebender heimischer Schmetterling. Vor 1990 war diese Art in Bayern selten. Sie war vor allem an wenigen wärmegeprägten Orten in Franken zu beobachten. Seit den 1990igern Jahren hat sich die Art in Bayern ausgebreitet und bereits mehrere Massenvermehrungen durchlaufen. Hohe Dichten des Eichenprozessionsspinners sind überwiegend an Eichen im Offenland, an straßenbegleitenden Eichen, an Eichen in Parks und in sonstigem öffentlichen Grün sowie an Waldrändern zu finden. Hohe Dichten der Raupen führen zur Entlaubung der betroffenen Eichen, was dann auch für Laien augenscheinlich erkennbar ist. Selten werden Eichen mitten in Wäldern entlaubt.

Welche Entwicklungsstadien durchlaufen Eichenprozessionsspinner bis zum fertigen Schmetterling?

Nahaufnahme einer EPS-RaupeZoombild vorhanden

EPS-Raupe (© K. Schreiber, LWF)

Der Eichenprozessionsspinner benötigt für die Entwicklung einer Generation ein Jahr. Die Eier werden im Spätsommer von den weiblichen Schmetterlingen an Zweigen im Kronenraum abgelegt.

Üblicherweise schlüpfen die Raupen des Eichenprozessionsspinners ab der ersten Aprilwoche des Folgejahres aus den Eiern. Sie bewegen sich dann zu den aufbrechenden Knospen und beginnen dort zu fressen. Die Raupen sind dabei vorwiegend nachtaktiv.
Anfang Mai sind die Raupen in der Regel im zweiten Raupenstadium und damit immer noch sehr klein (im Schnitt 5 bis 7 mm). Die Raupenfamilien sind in diesen ersten Stadien auch noch kleiner: Sie bestehen zunächst nur aus den Raupen eines Geleges, d.h. aus ca. 150 Individuen. Die kleinen Raupenfamilien sitzen Anfang Mai an den Ästen der Eiche und sind nur mit viel Glück zu erkennen. Mit zunehmender Entwicklung der Raupen verbinden sie sich diese zu immer größeren Gruppen. Fraß und Häutungsgespinste sind in diesen Stadien schwer zu entdecken.
Gruppe Eichenprozessionsspinner an StammfußZoombild vorhanden

Eichenprozessionsspinner an Stammfuß (© C. Josten, ZWFH)

Raupenkolonien und größere Gespinstnester werden ab Ende Mai auffällig. Erst am Ende ihrer Entwicklung, meist ab Mitte Juni (5. bis 6. Larvenstadium) fertigen sie die großen, festen Gespinstnester am Stamm und an stärkeren Kronenästen, in denen sie sich später auch verpuppen. Diese fallen auch Spaziergängern oder Waldbesuchern deutlich auf.

Ab Mitte Juli schlüpfen aus diesen Gespinstnestern die fertig entwickelten Falter aus. Sie fliegen in den Nachtstunden in die Eichenkronen, wo die Weibchen an den äußeren Trieben ihre Eier ablegen. Die Falterflugzeit dauert je nach Witterung bis Anfang September.

Wie beeinflussen Witterungsbedingungen die Entwicklung des Eichenprozessionsspinners?

Die Witterungsbedingungen im Winter beeinflussen die Entwicklung des Eichenprozessionsspinners kaum. Er überwintert als bereits fertig entwickelte Larve im Ei (=Eiraupe) und kann auch niedrige Temperaturen bis –18°C ohne Schaden überstehen.

Die frisch geschlüpfte Raupe ist gegenüber Frost und längeren Phasen mit mehr als zwei Wochen mit niedrigen Nachttemperaturen von unter 10°C empfindlich – da die Raupen vorwiegend nachts fressen. Sie nehmen in solch kühlen Nächten keine Nahrung auf und verhungern. Dies geschieht auch, wenn durch Frostschäden die ersten Eichenaustriebe zerstört wurden oder der Eichenaustrieb sehr lange nach dem Raupenschlupf eintritt. Auch dann kommt es zu hohen Absterberaten bei den Jungraupen durch Verhungern. Ältere Raupenstadien sind zwar nicht sehr witterungsempfindlich, jedoch verzögert sich bei anhaltend kühlen Nachttemperaturen die Entwicklung. Das dann immer stärker ausgehärtete Eichenlaub stellt keine so gute Nahrungsquelle mehr dar.

Ein weiteres witterungsempfindliches Stadium sind die Falter. Sie haben eine nur geringe Lebensspanne und schwärmen nicht bei Temperaturen unter 10°C (nachts) oder Regen. So kann kühle und nasse Witterung im Spätsommer die Eiablage behindern, dass nur sehr wenige Eier abgelegt werden und damit die Dichte im kommenden Jahr deutlich absinkt.

Welches Larvenstadium ist aktuell zu finden?

Die Entwicklungsdynamik der Raupen ist witterungsabhängig. Je nach Temperatur kann sie langsamer oder schneller verlaufen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) betreibt ein Frühwarnsystem, das bei den agrarmeteorologischen Gefahrenhinweisen abrufbar ist. Es zeigt für jeden Ort in Deutschland das aktuelle Larvenstadium an. Aber Vorsicht: Es wird für alle Orte in Deutschland angezeigt, wie weit die Entwicklung wäre, wenn es dort Eichenprozessionsspinner vorkommen würden. Ob dort wirklich ein Vorkommen zu finden ist, wird nicht ausgesagt!

Die Information über die Larvenstadien ist für alle Timingfragen rund um Monitoring, Bekämpfung sowie Gesundheits- und Arbeitsschutz hilfreich: Das Phänologiemodell kalkuliert beispielsweise, wann das dritte oder spätere Larvenstadien erreicht werden und wann mit dem Fraßhöhepunkt zu rechnen ist (fünftes und sechstes Larvenstadium).

DWD: Berechnung der Larvenstadien und Ausblick Externer Link

Welche Baumarten werden befallen?

Nach heutigen Erkenntnissen kann sich der Eichenprozessionsspinner nur an Eichenarten fertig entwickeln. Fütterungsversuche an der LWF zeigten, dass die Jungraupen bei Auswahl immer die Eiche befressen. Angesetzt an verschiedene andere Baum- und Straucharten fraßen die Raupen gar nicht oder nur minimal, entwickelten sich nicht weiter und starben spätestens im dritten Raupenstadium. Eine Entwicklung bis zur Puppe erfolgte bisher nur an Eichenarten.

Grundsätzlich werden alle Eichenarten als Nahrungspflanze angenommen. In Deutschland sind das die hier vorkommende Stieleiche und die Traubeneiche, sowie mittlerweile auch die amerikanische Roteiche; in anderen europäischen Ländern zählen auch Zerreiche, Steineiche, Flaumeiche etc. dazu.

Die Weibchen des Eichenprozessionsspinners legen ihre Eier gezielt an Eichen ab, wobei bislang nicht bekannt ist, wie die Wirtsfindung erfolgt.

Welche Schadwirkungen hat der Eichenprozessionsspinner?

Auf Eichen
Grundsätzlich sind sehr hohe Besatzdichten mit z.B. über 10 großen Gespinstnestern pro Baum notwendig, um starke Fraßschäden erwarten zu lassen. Einmaliger Kahlfraß durch den Eichenprozessionsspinner hinterlässt üblicherweise keine nachhaltigen Schäden an der Eiche, da die Raupen langsam fressen und die Eiche zumindest in den ersten Wochen nach Austrieb noch assimilieren kann. Der Fraß dauert allerdings lange und eliminiert oft auch den Johannistrieb teilweise oder komplett.

Eichen belauben sich nach der Verpuppung des Eichenprozessionsspinners durch Johannistrieb und Ersatztriebe zumindest teilweise neu. Daher können sie bei guter Vitalität auch einen zweimaligen Fraß gut überstehen. Kommen weitere Schadeinwirkungen wie mehrjähriger Trockenstress oder Fraß durch Eichenwickler und/oder Frostspanner, sowie ein Befall des nach Fraß neu gebildeten Laubes durch Eichenmehltau hinzu, kann es zu teils massiven Vitalitätseinbußen und akutem Absterben von Eichen kommen. Das ist auch bei einem mehrmals hintereinander erfolgenden Kahlfraß durch Eichenprozessionsspinner der Fall.

In der Folge kann sich das Schadgeschehen an den geschwächten Eichen durch Befall mit Sekundärschädlingen wie beispielsweise dem Zweipunktigen Eichenprachtkäfer oder dem Eichensplintkäfer fortsetzen und in einen chronischen Verlauf münden, der weitere Absterbeerscheinungen im Eichenbestand nach sich ziehen würde.
Für die Gesundheit von Mensch und Tier
Ausschlaggebend für die Gesundheitsgefährdung von Mensch und Tier sind die ab dem dritten Raupenstadium gebildeten Brennhaare (Setae). Dies sind nicht die deutlich erkennbaren langen silbrigen Raupenhaare, sondern sehr kleine, mit Widerhaken versehene Härchen von ca. 0,2 mm Länge, die auf den Warzen zwischen den langen Haaren sitzen. Mit jeder Häutung nimmt die Anzahl der mit Brennhaaren besetzten Segmente der Raupe zu: Im letzten Entwicklungsstadium kann eine Raupe mit bis zu 700.000 Brennhaaren besetzt sein. Die Setae enthalten das Toxin „Thaumetopoein“. Bei Berührung oder Einatmen können diese sich mit Hilfe von Widerhaken in Haut und Schleimhäuten festsetzen und dort ihre schädigende Wirkung auslösen.

Zu Fragen des Gesundheitsschutzes verweisen wir Sie an die Fachinformationen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

Fachinformationen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) Externer Link

Verlassen die EPS-Raupen auch den Baum, an dem die Eier abgelegt wurden? Und wie weit wandern sie?

Eichenprozessionsspinner-Nest mit HäutungsrestenZoombild vorhanden

Verlassenes Nest mit Häutungsresten (© K. Schreiber, LWF)

Die Raupen ziehen tatsächlich auf andere Eichen um, wenn „ihre“ Eiche kahlgefressen ist oder sie durch Witterung (Wind, Starkregen) abgeschüttelt wurden. Es konnte auch beobachtet werden, dass die Raupen in älteren Stadien bei massiver Belästigung durch Raupenfliegen oder durch räuberische Käfer wie Puppenräuber zu wandern beginnen. Üblicherweise wandern die Raupen so lange weiter, bis sie auf ein vertikales Hindernis treffen. Dieses halten sie vermeintlich für einen potenziellen Fraßbaum.

So kommt es, dass die Raupen sich auch an Nicht-Wirtsbäumen, Zaunpfosten oder sonstigen Strukturen hocharbeiten und dort in der Folge auch Häutungsgespinste gefunden werden. Sie verlassen diese aber wieder und wandern weiter, bis sie einen geeigneten Fraßbaum gefunden haben.

Einzelne Larven können auch vom Baum fallen. Die Einzelraupen bzw. kleinen Gruppen am Boden versuchen dann sehr schnell, wieder Anschluss an ihren Verband zu bekommen und baumen wieder auf.

Welche Verwechslungsmöglichkeiten gibt es mit ähnlichen Raupen?

Der Eichenprozessionsspinner kann hinsichtlich des Erscheinungsbildes der Raupen und der Bildung von Gespinstnestern mit einigen anderen Schmetterlingsarten verwechselt werden. Die am häufigsten gemeldeten, mit dem Eichenprozessionsspinner verwechselten Arten sind:
  • Goldafter (Euproctis chrysorrhoea): Die Schmetterlingsart bevorzugt ebenfalls die Eiche als Wirtsbaumart, ist aber auch an Obstgehölzen häufig zu finden. Die Raupe ist rostbraun mit roten Warzen und weißen Feldern. Sie besitzt ebenfalls giftige Brennhaare und ruft ähnliche mechanische und allergische Reaktionen hervor wie der Eichenprozessionsspinner. Auch hier ist also die gleiche Vorsicht im Umgang und im Umfeld befallener Bäume geboten. Die Gespinstnester unterscheiden sich deutlich von denen des Eichenprozessionsspinners: Sie sind etwa faustgroß, sehr fest gesponnen (silbrig glänzend) und sitzen an den Enden der Zweige – nicht wie beim Eichenprozessionsspinner an Stamm oder dicken Ästen.
Raupen in Gespinsten an einem Baum

Goldafter (© G. Lobinger, LWF)

  • Ringelspinner (Malacosoma neustria): Er ist ebenfalls häufig an der Eiche zu finden. Die sehr attraktiven Raupen unterscheiden sich deutlich vom Eichenprozessionsspinner. Sie haben einen blauen Kopf und auch der Körper besitzt blaue Längsstreifen. Ihre Behaarung ist sehr fein. Eine Gefahr geht von den Raupen nicht aus. Auch der Ringelspinner ist immer in Verbänden aus mehreren Raupen zu finden. Die Raupenfamilien verspinnen sich beim Fressen zwischen Eichenblättern und fertigen zur Häutung und Verpuppung sehr fest gesponnene, weißliche, sehr flache Gespinste an (z.B. an Astgabeln). Damit sind sie von den eher sackartigen Gespinstnestern des Eichenprozessionsspinners gut zu unterscheiden.
Bunte, behaarte Schmetterlingsraupe auf Blatt

Ringelspinnerraupe (© J. Belz, AELF FFB)

Viele Raupen fressen an einem jungen Trieb

Ringelspinner (© G. Lobinger, LWF)

  • Wollafter (Eriogaster lanestris): Diese Art ist vorwiegend an Birke und Linde zu finden, nicht an Eiche. Die Raupen sind lang behaart, haben aber keine echten Gifthaare. Da sie bei empfindlichen Personen mechanische Reizungen verursachen können, sollte man sie nicht berühren. Die Gespinstnester unterscheiden sich deutlich von denen des Eichenprozessionsspinners. Sie hängen frei mit bis zu 50 cm Länge an den äußersten Zweigenden der Wirtsbäume.
Längliche, dunkle Gespinste in einer Birkenkrone

Birkennestspinner (© G. Lobinger, LWF)

  • Gespinstmotten (Yponomeutha spec.): Die bekanntesten vier Arten finden sich an verschiedenen Baum- und Straucharten, häufig artspezifisch spezialisiert (Weißdorn, Pfaffenhütchen, Traubenkirsche, Pflaume); an Eiche sind sie nicht zu finden. Die Raupen sind klein, unbehaart und harmlos. Sie fressen in kleinen Verbänden geschützt in einem weißlichen Gespinst, wo sie sich auch verpuppen. Die Wirtspflanze kann bei starkem Besatz kahlgefressen sein und vollkommen von dem weißen Gespinst eingehüllt sein.
Raupen der Pfaffenhütchen-Gespinnstmotte in ihrem Gespinst

Pfaffenhütchen-Gespinstmotte (© P. Gilbert)

Eingesponnene Triebe mit Raupen

Gespinstmotten (© L. Straßer, LWF)

Strauch mit massig Gespinsten

Gespinstmotten (© L. Straßer, LWF)

Wie ist die Befallssituation in Bayern?

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Insekt des Offenlandes. Bevorzugt besiedelte er einzelnstehende oder kleine Gruppen von Eichen, die gut besonnt sind. Daher tritt der Befall auch zuerst und vorwiegend an Straßenalleen, Stadt- und Parkbäumen, Bäumen in Gärten oder Anlagen sowie an besonnten Waldrändern auf.

Seit Ende der 1990er Jahre wird zunehmend auch ein Befall in Waldgebieten beobachtet. Befall im Inneren der Waldbestände mit teilweisem Kahlfraß wird seit der großflächigen Massenvermehrung des Eichenprozessionsspinners in Wäldern auf der Fränkischen Platte in den Jahren 2006 bis 2008 beobachtet. Die Massenvermehrungen im Wald verhalten sich allerdings aufgrund von Witterungseinflüssen, natürlichen Gegenspielern, der Waldstruktur und vieler weiterer, zum Teil noch nicht bekannter Faktoren zyklisch. Die von 2006 bis 2008 am stärksten betroffenen Eichenwälder in Unterfranken zeigten ab 2009 rückläufigen Befall. Erst ab 2016/17 erhöhten sich die Dichten wieder zunehmend. Es zeichnet sich ein ca. 10-jähriger Rhythmus für lokale Massenvermehrungen ab.

Wo sind die Hotspots?

Kerngebiete mit hohen Dichten und kleinräumigen Massenvermehrungen des Eichenprozessionsspinners im Wald und im Offenland sind Unter- und Mittelfranken, Teile Oberfrankens, die westliche Oberpfalz (Raum Neumarkt, Regensburg, Schwandorf), das nördliche Oberbayern (Raum Pfaffenhofen, Ingolstadt) und das nördliche Schwaben (v.a. Raum Augsburg und Donauries).

Im Donauries kam es in den Jahren 2017-2019 und erneut 2026 auch zu Kahlfraß in Eichenwäldern; der Befall setzt sich auf Baden-Württemberger Seite fort.

Seit 2019 haben sich zudem Hotspots im südlichen Oberbayern (Raum Freising, Rosenheim, Wasserburg) und Ostallgäu (Raum Landsberg/Lech) sehr stark entwickelt. Diese beschränken sich allerdings nach wie vor auf urbanes Grün, Offenland und kleine Feldgehölze. In Wäldern wurde in diesen Regionen bisher kein Befall gemeldet.

Generell ist nahezu ganz Bayern Gefährdungsgebiet. Eine Karte der nachgewiesenen Verbreitung und Befallsintensität finden Sie auf der Eichenprozessionsspinner-Internetseite der LWF.

Gibt es Möglichkeiten, die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners einzudämmen?

Die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners kann in Bayern nicht eingedämmt werden. Er ist überall dort nachgewiesen, wo er Nahrungsbäume (= Eichen) findet. Er bevorzugt warm-trockene Regionen wie u.a. die Fränkische Platte oder das Donauries, wo er sich auch massenhaft vermehren kann und dann sehr häufig wird. Die steigenden Temperaturen sorgen auch für eine Ausbreitung in Bereiche, die ursprünglich als wenig günstig eingestuft wurden.

Gegenmaßnahmen werden vor allem in Bereichen getroffen, wo die menschliche Gesundheit durch die giftigen Brennhaare beeinträchtigt ist, also im Siedlungsbereich, an häufig besuchten Orten für Freizeitgestaltung, an Autobahnraststätten etc.. Diese Maßnahmen erfolgen stets punktuell oder kleinräumig, z.B. in Form eines Biozideinsatzes gegen die jungen Raupenstadien oder durch das spätere Absaugen der Raupenkolonien und Gespinstnester. Ziel ist dabei stets der Schutz der menschlichen Gesundheit, nicht der Schutz von Wäldern.

Für Fragen rund um den Gesundheitsschutz können die Gesundheitsämter an den Landratsämtern Auskunft geben. Hilfreiche Informationen sind ebenfalls beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zu finden.
Im Wald kann bei einer festgestellten Bestandesgefährdung (d.h. nach mehrmaligem Kahlfraß in aufeinanderfolgenden Jahren) und nach erneuter Kahlfraßprognose die Anwendung möglichst selektiv wirkender Pflanzenschutzmittel gegen die Jungraupen des Eichenprozessionsspinners überlegt werden.

Wie kann ich beurteilen, ob die Eichenprozessionsspinner-Dichte problematisch ist?

Hier muss zwischen der Schadwirkung auf die Eiche durch den Raupenfraß und der gesundheitlichen Belastung von Mensch und Tier unterschieden werden.

Fraßschäden an Eiche, v.a. im Wald:

  • Grundsätzlich sind sehr hohe Besatzdichten mit z.B. über 10 großen Gespinstnestern pro Baum notwendig, um starke Fraßschäden erwarten zu lassen. Einmaliger Kahlfraß durch den Eichenprozessionsspinner wird dabei immer toleriert, da die Raupen langsam fressen und die Eiche zumindest in den ersten Wochen nach Austrieb noch assimilieren kann.
  • Werden im späten Frühjahr starke Fraßschäden festgestellt sowie ein starker Besatz mit Raupen und Gespinstnestern im Verlauf des Sommers, so wird eine Schadensprognose für das kommende Jahr durchgeführt.

Gesundheitsgefährdung für Mensch und Tier im Offenland und urbanen Grün:

  • Zu Fragen des Gesundheitsschutzes weisen wir Sie auf die Fachinformationen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hin. Die Gesundheitsämter an den Landratsämtern dienen ebenfalls als Ansprechpartner.

Welche Pflanzenschutzmittel und Biozide können verwendet werden?

Monatsaktuell finden sie die zugelassen Pflanzenschutzmittel auf der Homepage des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Die Eichenprozessionsspinner zählt im Pflanzenschutzrecht zu den „freifressenden Schmetterlingsraupen“.

Wenn eine Gesundheitsgefährdung durch Eichenprozessionsspinner erwartet wird, können Biozide eingesetzt werden. Informationen rund um einen Biozideinsatz finden Sie auf der Internetseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Gibt es wirksame natürliche Gegenspieler und können diese gezielt gefördert werden?

Metallisch blaugrün glänzender Käfer sitzt auf einem EPS-Gespinst und isst eine RaupeZoombild vorhanden

Puppenräuber auf der Jagd (© V. Aschmann, LWF)

Der Eichenprozessionsspinner hat zahlreiche natürliche Gegenspieler. Hierzu gehören Vögel und räuberische Käferarten wie beispielsweise Puppenräuberarten. Die Fraßfeinde spielen bei hohen Besatzdichten des Eichenprozessionsspinners allerdings keine ausschlaggebende Rolle für die Populationsentwicklung.

Eine deutlich höhere Wirkung haben Parasitoide wie Raupenfliegen, Schlupfwespen, Brackwespen etc., welche die Eier, Raupen und Puppen des Eichenprozessionsspinners parasitieren. Bei hoher Wirtsdichte können sie ihre Populationen aufbauen und so hohe Parasitierungsgrade bewirken.
Parasitoide können die Entstehung einer Eichenprozessionsspinner-Massenvermehrung also nicht aufhalten, aber zu ihrem Zusammenbruch beitragen und die Dichte über längere Zeiträume auf Latenzniveau halten.

Krankheitserreger wie Viren, Bakterien, Microsporidien etc. sind nicht bekannt bzw. haben nur sehr geringe Wirkung auf die Dichteentwicklung.

Die Förderung natürlicher Gegenspieler ist ein großes Anliegen im Waldschutz. Viele der Parasitoide benötigen Blütenpflanzen, um sich vor der Eiablage zu stärken. Andere Arten benötigen Ausweichwirte und Überwinterungswirte (insbesondere solche, die mehrere Generationen im Jahr produzieren und nicht auf den Eichenprozessionsspinner spezialisiert sind). Diese Arten sind besonders wichtig, da sie auch andere forstliche Schadinsekten mit regulieren könnten. Hierzu ist aber ein großer Artenreichtum an Schmetterlingen erforderlich. Das bedeutet wiederum, dass auch die von den Schmetterlingsraupen benötigten Wirtspflanzen vorhanden sein müssen.

Eine hohe Diversität der Pflanzengesellschaft im Wald und besonders am Waldrand ist daher unverzichtbar, um natürliche Regulationsmechanismen zu fördern!

Welche Rolle kann der Vogelschutz bei der Bewältigung von EPS-Problemen spielen?

Uns ist keine wissenschaftlich fundierte Publikation über einen größeren Populationsrückgang bzw. -einfluss des Eichenprozessionsspinners durch Vögel bekannt. Generell ist der Eichenprozessionsspinner als Nahrungstier bei Vögeln nicht sonderlich beliebt. Es werden nur wenige Vogelarten genannt(z.B. Kuckuck), die den Prozessionsspinner fressen.

Wenn man die Größe einer Kolonie mit einigen Tausend Raupen und die Verzehrmenge von Raupen (aller Art!) durch Vogelpaare hochrechnet, lässt sich auch keine für die Populationsdichte relevante Wirkung erwarten. Das häufig genannte Aufhängen einer größeren Anzahl von Vogelnisthilfen wäre auch aus biologischen Gründen fragwürdig, da die meisten Vogelarten eine bestimmte Reviergröße beanspruchen, diese ihr Revier auch verteidigen und man die Vogelpopulationen daher nicht beliebig verdichten kann. Und bei dem Kuckuck folgt schon aus der Kenntnis seines Brutverhalten, dass Nisthilfen hier nicht sonderlich erfolgreich sein können.

Wer sind die Ansprechpartner? Wer ist zuständig?

Was zu tun ist und welche Ansprechpartner es für Eigentümer von Waldgrundstücken gibt, hängt von der Problematik ab.
Schutz der menschlichen Gesundheit
Grundstückseigentümer müssen dafür Sorge tragen, dass von ihren Grundstücken keine Gesundheitsgefahren ausgeht. Dabei ist zu unterschieden, ob der Befall an einem Waldgrundstück mitten im Wald auftritt, oder ob der Befall an Straßen, Waldrändern, angrenzender Bebauung etc. für Probleme sorgen kann.

Bei Eichenprozessionsspinnerbefall handelt es sich um eine waldtypische Gefahr. Verkehrssicherungsmaßnahmen werden dann notwendig, wenn gewidmete Wege oder Straßen, Erholungsreinrichtungen (Bänke, Trimm-Dich-Einrichtungen etc.) oder andere bauliche „Angebote“ im Wald betroffen sind. An nicht gewidmeten Wanderwegen besteht hingegen keine erhöhte Verkehrssicherungspflicht (waldtypische Gefahr).

Wenn Eichenprozessionsspinnnervorkommen Probleme für die menschliche Gesundheit darstellen (z.B. bei angrenzender Bebauung), sind die Kommunen Ansprechpartner. Diese werden von den Kreisverwaltungsbehörden unterstützt (z.B. Gesundheitsamt, Ordnungsamt). Einige Kreisverwaltungsbehörden informieren auf Ihren Internetseiten bereits direkt über den Eichenprozessionsspinner.
Gesundheitsschutz bei der Arbeit im Wald (Arbeitssicherheit)
Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners sind nicht nur für Waldbesucher, sondern auch für alle im Wald tätigen ein Problem. Im Rahmen der Arbeitssicherheit sind daher verschiedene Maßnahmen angeraten, von Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung (dazu verweisen wir auf die Informationen der SVLFG), der Präferenz vollmechanisierter Arbeitsprozesse bis zur zeitweisen Sperrung der Waldbereiche und dem Verschieben der Arbeiten.

SVLFG - Eichenprozessionsspinner erkennen und bekämpfen Externer Link

Schutz des Waldes
Bei einer Gefahr für den Waldbestand ist zuerst das örtliche Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zuständig. Im Falle einer Prognose und einer möglicherweise notwendigen Pflanzenschutzmittelbehandlung wird die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) hinzugezogen.

Weiterführende Informationen