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Michael Wolf und Siegfried Waas
Praxis zum Anfassen – LWF aktuell 114

Die Waldbesitzer möglichst umfassend zu beraten, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Forstverwaltung, müssen doch die Waldbesitzer immer wieder Entscheidungen treffen, die über viele Jahrzehnte hinaus die Entwicklung ihres Waldes beeinflussen.

Damit unsere Forstleute die notwendige forsttechnische Kompetenz aufrecht erhalten, bietet die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft an den Ämtern »Forsttechniktreffen« an, um den Förstern vor Ort neues, aber auch altes Wissen und Erfahrungen zum Thema »Forsttechnik und Waldbewirtschaftung« zu vermitteln.

Jahre und Jahrzehnte vorauszudenken – das ist für Waldbesitzer und Förster nicht ungewöhnlich. Dementsprechend müssen bei der Bewirtschaftung des Waldes viele Aspekte berücksichtigt werden, bevor eine waldbauliche Entscheidung fällt. Am Ende steht die praktische Umsetzung, häufig in Form einer Holznutzung. Auch diese muss sorgfältig geplant und differenziert angegangen werden. Schließlich entscheiden oftmals die richtigen Holzerntemaßnahmen, ob und in welcher Qualität ein gesetztes Ziel erreicht wird. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen.

Forsttechnische Beratung entscheidet über Hopp oder Top

Menschen in Warnkleidung stehen um einen Harvester herum.Zoombild vorhanden

Abb.1: Fachlicher Austausch zwischen Forstunternehmer und Revierleitern (Foto: S. Waas)

Der Revierleiter und ein Waldbesitzer besichtigen zusammen ein 0,3 ha großes Fichten-Stangenholz. Der etwa 20-jährige Bestand wurde im Pflanzverband 1 x 1m begründet. Bislang fanden keinerlei Pflegemaßnahmen statt. Das ungünstige h/d- Verhältnis und die kurzen Kronen sind offensichtlich. Der Revierleiter argumentiert engagiert für die notwendigen Maßnahmen und entwickelt eine Strategie.

Der Waldbesitzer reagiert zögerlich. Aus Erfahrung weiß er, dass keiner der zu entnehmenden Stämme von alleine zu Boden fällt und die Stämme bereits zu stark sind, um sie mit der Schulter abtragen zu können. Zudem wird regelmäßig das Schwert der Motorsäge beim Trennschnitt eingeklemmt. Ein Unternehmereinsatz kommt für ihn aus Kostengründen nicht in Betracht. Der Waldbesitzer will daher die notwendige Durchforstung nicht durchführen.

Erst die Hinweise des Revierleiters zu speziellen Schnitttechniken im Schwachholz, zu einfachen Hilfsmitteln wie Fällheber oder Hebelfällkarren und zu einschlägigen Motorsägen-Kursen wenden das Blatt und geben in diesem Fall schlussendlich doch den Impuls für die notwendige Pflege.

Ganzheitliche Beratung

Menschen mit Schutzhelmen stehen um einen Harvester herumZoombild vorhanden

Abb.2: Vollmechanisierte Holzernte mit dem Harvester Ponsse Scorpion (Foto: S. Waas)

Praktische Kenntnisse sind aber auch notwendig, um falsche oder gefährliche Arbeitsweisen (z. B. bei der Schnittführung) zu erkennen. Waldbesitzer können so gezielt auf Schulungsangebote der Waldbauernschule Goldberg oder der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aufmerksam gemacht oder auf alternative Arbeitsverfahren hingewiesen werden.

Dies gilt in besonderer Weise bei forstlichen Ausnahmesituationen wie Sturmschäden oder auch massivem Borkenkäferbefall. Hier muss die Zusammenarbeit zwischen Waldbesitzer, Förster und Forstunternehmer auch unter Zeitdruck zielgerichtet, effektiv sowie bestandes- und bodenschonend erfolgen. Dabei müssen die technischen und gegebenenfalls auch finanziellen Möglichkeiten des Waldbesitzers berücksichtigt werden. Auf die Arbeitssicherheit, den Wissensstand des Waldbesitzers und die vorhandene Maschinenausstattung ist dabei besonders zu achten.

Auf dem Laufenden bleiben

Menschen mit Schutzhelmen stehen um eine Raupenmaschine herum.Zoombild vorhanden

Abb.3: Einsatz funkgesteuerter Vorrückerraupen in Hanglagen und bei erweiterten Gassen-abständen. (Foto: S. Waas)

Die notwendige Kompetenz aufrecht zu erhalten, ist durchaus eine Herausforderung, weil die Revierleiter der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei der eigentlichen Waldarbeit vielfach nicht dabei sind. Sie sehen oft nur in größerem zeitlichem Abstand die Arbeitsergebnisse. Die dabei aufgetretenen Probleme bleiben oft im Verborgenen, eigenes Wissen und Erfahrung geht unter Umständen verloren.

Noch schwieriger ist die Beurteilung neuer Maschinen und Arbeitsverfahren, wenn man diese nur aus der Fachliteratur kennt. Die seit 2011 stattfindenden Forsttechniktreffen der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) sind eine Möglichkeit, um hier am Ball zu bleiben. Dabei werden interessante Maschineneinsätze wie zum Beispiel Verfahren mit Traktionshilfswinden einem größeren Kreis von Forstleuten direkt bei laufenden Holzerntemaßnahmen vorgestellt. Im Fokus stehen dabei Maschinen, einzelne Arbeitsabläufe oder auch ganze Arbeitsverfahren.

Eine bunte Palette von Teilnehmern, Themen und Erfahrungen

Dies erfordert ein entsprechendes Entgegenkommen der beteiligten Waldbesitzer und die Mitwirkung von Forstunternehmern. Organisatorisch sind die Forsttechniktreffen deshalb eine Herausforderung: Ein langer Vorlauf mit detaillierter Planung und frühzeitiger Anmeldung ist in aller Regel nicht möglich, weil sich Zeit und Region einer Veranstaltung allenfalls wenige Wochen vorher festlegen lassen.

Der Veranstaltungsort selbst steht oft erst wenige Tage vorher fest. Das Forsttechnik- Team der LWF kann deshalb nur kurzfristig die günstig gelegenen Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die Forstlichen Zusammenschlüsse im jeweiligen Bereich sowie die Kolleginnen und Kollegen der Bayerischen Staatsforsten einladen. Ziel der Veranstaltung ist, das jeweilige Thema kennenzulernen, einzuordnen und miteinander zu diskutieren.

Ein möglichst bunter Teilnehmerkreis ist dazu sehr erwünscht. Thematisch reicht die Palette von neuer oder (regional) eher seltener Forsttechnik bis zu Standardverfahren wie der vollmechanisierten Holzernte mit Zufällung durch Forstwirte. Daneben sind aber auch Treffen mit individuell gewünschten Themen möglich, was dann aber die konkrete Mithilfe der beteiligten Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten erfordert.

Generell dauern Forsttechniktreffen meist zwei bis drei Stunden. In dieser Zeit wird in das jeweilige Thema eingeführt und in den entsprechenden Kontext eingeordnet. Demonstration und Diskussion sind jedoch die zentralen Anliegen. Im Nachgang erhalten die Teilnehmer eine schriftliche Zusammenfassung der Veranstaltung mit technischen Details, Anwendungsgebieten, Einsatzgrenzen sowie Vor- und Nachteilen.

Zukünftige Veranstaltungen

ayernkarte, auf der die bisherigen Treffen eingezeichnet sind.Zoombild vorhanden

Abb.4: Themen und Orte vergangener Forsttechniktreffen (Grafik: M. Wolf)

Für die Organisation zukünftiger Treffen ist das Team der LWF dankbar für Hinweise und Vorschläge der Ämter zu möglichen Exkursionszielen oder Themen. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um komplexe Holzernteverfahren oder neueste Technik handeln.

Auch motormanuelle Holzernte- oder Pflegemaßnahmen sind es wert, wieder einmal vorgestellt zu werden und dabei Erfahrungen auszutauschen. Willkommen sind auch Vorschläge von Forstunternehmen und Forstbetrieben der Bayerischen Staatsforsten sowie der Forstlichen Zusammenschlüsse.

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