Fichtenaltholz mit Buchenvoranbau

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Englisch: sweet chestnut, marron, spanish chestnut; Französisch: marron, châtaigner; Italienisch: marrone, castagno
Die Edel- oder Esskastanie (Castanea sativa MILL.) - Baum des Jahres 2018

Die mediterrane Edelkastanie zeichnet sich durch ihre schmackhaften und nahrhaften Früchte und ihr besonders dauerhaftes und optisch ansprechendes Holz aus. Einst von den Römern in Europa verbreitet, wird ihr heute ein hohes Potential im Klimawandel zugesprochen.

Verbreitung

Europakarte mit blau eingefärbtem Verbreitungsgebiet. Dieses erstreckt sich in einem breiten West-Ost-Band von England, Frankreich und Portugal im Westen bis nach Georgien und die Türkei im Osten.Zoombild vorhanden

Edelkastanienverbreitung (EUFORGEN, 2006)

Vorkommen und Anbaugebiete in Mitteleuropa
Als Nahrungsmittel durch Römer in Europa verbreitet. Natürliche Vorkommen im gesamten Mittelmeerraum, begrenzt durch die Gebirgsketten Atlas, Pyrenäen, Alpen, Rhodopen und Kaukasus. Großflächiger Anbau vor allem in Frankreich und Italien. Außerdem in Spanien, England und Irland sowie auf der Balkanhalbinsel verbreitet.

Im Alpenraum vor allem in der Schweiz und Südtirol. In Deutschland punktuell in wärmebegünstigten Lagen wie der Rheinebene, an Nahe, Saar und Mosel, im westlichen Schwarzwald, im Odenwald und Taunus sowie am Main.

Kurzportrait Edelkastanie

Systematik
Klasse Rosopsida = Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige
Unterklasse Rosidae = Rosenähnliche
Ordnung Fagales = Buchenartige
Familie Fagaceae = Buchengewächse
Gattung Castanea = Kastanien
Art Castanea sativa (MILL.) = Edel- oder Esskastanie
Höchstalter
in Mitteleuropa 500-600 Jahre; in West- und Südeuropa bis 1.000 Jahre
Gestalt
bis 35 m hoher Baum mit eichenähnlichem Habitus; bis 35 Meter hoch; Stammumfang bis 2 m; gerader Schaft; Krone weit ausladend und rundlich; Kronenansatz oft sehr tief
Triebe
Kantig; oliv- bis rotbraun; mit weissen, punktförmigen Lentizellen
Knospen
stumpf eiförmig; stehen einzeln an den Triebspitzen oder als Seitenknospen in spiraliger Anordnung; acht bis zehn Millimeter lang; leicht gestaucht; mit 2-3 matt braunen bis gelb-grünen Schuppen
Blätter
zweizeilig (seltener spiralig) angeordnet; lanzettlich und derb; Rand stachelspitzig gezähnt; 12- 20 cm lang und 3-6 cm breit; etwas ledrig; Oberseite glänzend tiefgrün und kahl; Unterseite heller mit 12-20 Aderpaaren; Herbstfärbung gelbbraun bis braun
Rinde
Olivbraun und glatt; im Alter graubraune, dicke und längsgefurchte Borke
Blüten
Blüte im Juni, nach dem Austreiben der Blätter; einhäusig; Blüten stehen in 20 bis 25 Zentimeter langen, gelben, kätzchenähnlichen Blütenständen; wind- und insektenbestäubt
Früchte
Glänzende mittel- bis dunkelbraune Nüsse; Fruchtbecher mit Durchmesser von fünf bis sechs Zentimetern, bei Kulturformen bis zehn Zentimeter; ein bis drei Früchte je Fruchtbecher; hoher Gehalt an den Kohlenhydraten Stärke und Saccharose; Verbreitung v.a. durch Eichhörnchen und Vögel
Bewurzelung
Anfangs nicht sehr tief durchdringende Pfahlwurzel; später wenige, aber intensiv verzweigte Seitenwurzeln (Übergang zu Herzwurzelsystem)

Waldbauliche Behandlung

Esskastanie NüsseZoombild vorhanden

Esskastanie Nüsse (Foto: G. Huber)

Bestandesbegründung
Die meisten Bestände werden durch Pflanzung im Weitverband (z.B. 2x3m, 3mx3m) begründet. Auch die Saat kann erfolgreich praktiziert werden, wobei hier eine Zäunung gegen Schwarzwild notwendig ist. Zudem ist die Verjüngung über Stockausschläge möglich und weit verbreitet. Daneben tragen auch Tiere wie Eichelhäher und Nager zur Verbreitung bei.

Mischungsformen
Die besten Wuchsleistungen werden im Reinbestand erzielt. Aufgrund der frühen Zuwachskulmination und der Lichtbedürftigkeit ist die Mischung mit anderen Baumarten waldbaulich anspruchsvoll.
Pflege- und Nutzungskonzepte
Um die Risiken von Rindenkrebs, Ringschäle, Gallwespe und Tintenkrankheit gering zu halten, ist es bei der Wertholzproduktion notwendig, den Zieldurchmesser von 50 bis 60 cm in einer möglichst kurzen Umtriebszeit zu erreichen. Dies ist nur mit großkronigen Bäumen möglich. Aufgrund der frühen Zuwachskulmination und Astreinigung muss der Kronenausbau in jungen Jahren erfolgen. Spätere Eingriffe bieten nur noch geringe Steuerungsmöglichkeiten.

Daher ist die Auswahl von 60 – 80 Z-Bäumen pro Hektar frühzeitig notwendig. Bei niedrigeren Zieldurchmessern sind auch mehr Z-Bäume möglich. Die Z-Bäume müssen konsequent freigestellt werden. Jungbestände sind bereits wenige Jahre nach dem Eingriff wieder komplett geschlossen. Daher sind Folgeeingriffe in kurzen Abständen sinnvoll und notwendig.

Der Ringschäle kann mit regelmäßigen Eingriffen vorgebeugt werden, sodass ein gleichmäßiger Holzaufbau ohne Jahrringsprünge entsteht.
Wuchsleistung
Der Zuwachs der Edelkastanie ist besonders in der Jugendphase hoch. In den ersten 20 Jahren kann durchaus mit einem jährlichen Volumenzuwachs von 10-14 m³/ha kalkuliert werden. Unter optimalen Standortsbedingungen erreichen Stockausschläge jährliche Massenzuwächse von bis zu 22 m³/ha. Ein 120-jähriger Altbestand mit einem Vorrat von ca. 520 m³/ha kann immer noch jährliche Volumenzuwächse von 10 m³/ha leisten. Unter günstigen Standortsbedingungen und mit geeigneter Behandlung können bis zum Alter von 60 Jahren Bäume mit einem BHD von 60 cm erreicht werden.

Holzeigenschaften

Holzstammstück längs und quer angeschnittenZoombild vorhanden

Foto: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org

Das ringporige Holz hat eine geflammte Zeichnung. Der helle Splint hebt sich gut vom dunklen Kernholz ab. Durch die starke Verthyllung im Kern ist das Holz der Edelkastanie sehr dauerhaft. Sie zählt zu den dauerhaftesten Holzarten Europas. Die Einstufung in die Dauerhaftigkeitsklassen 1 - 2 (sehr dauerhaft - dauerhaft) nach DIN EN 350-2 ermöglicht den Einsatz ohne Schutzmittel auch im Außenbereich.
Durch entsprechende Pflegeeingriffe ist die Erzielung von starkem Wertholz möglich.

Verwendungsbereiche in der Holzindustrie sind chemisch: Faser- und Brennholz sowie mechanisch: Rebpfähle, Hobelware, Möbelbau, Lawinenverbauung und vieles mehr.
Vor allem der Einsatz im Außenbereich ist etabliert. Rebpfähle im Weinbau haben eine lange Tradition.

Neben der Holzverwendung werden in vielen Regionen Europas Edelkastanien zur Fruchtproduktion angebaut. Die Maronen großfruchtiger Kultursorten werden zu Mehl verarbeitet, dienen in vielfältiger Weise als Beilage zu Speisen, werden geröstet oder roh verzehrt. Weitere Nebenprodukte sind hochwertiger, dunkler Honig oder Speisepilze, die als Mykorrhiza mit der Edelkastanie vergesellschaftet sind.

Holzeigenschaften Externer Link

Waldschutz

Abiotische Risiken
Als Baumart der wärmeren Lagen sind für die Edelkastanie Schneebruch und Spätfrost große Gefahren.

Biotische Risiken
Unter den biotischen Risiken ist besonders der 1992 nach Deutschland eingeschleppte Schlauchpilz Cryphonectria parasitica zu erwähnen, welcher den Edelkastanienrindenkrebs auslöst. Der Pilz zerstört das Kambium der Edelkastanie und verursacht so das Absterben von Stamm- und Kronenabschnitten bis zum ganzen Baum. Die europäische Edelkastanie C. sativa gilt zwar als etwas weniger anfällig als die amerikanische Art C. dentata, ist aber dennoch existenziell durch den Krebs gefährdet. Wenn die Bäume den Befall überleben, sind sie durch starke Rindenschäden und Zuwachsverluste kaum mehr forstwirtschaftlich nutzbar.

Längere Trocken und Hitzeperioden erhöhen die Zahl der Infektionen. Es gibt eine hypovirulente Form des Rindenkrebses, welche deutlich weniger aggressiv ist und den Baum weniger schwächt. Die von der hypovirulenten Form befallenen Bäume können nicht mehr von der aggressiven Form befallen werden. Daher wird die Beimpfung von noch gesunden Bäumen mit dem hypovirulenten Krebs derzeit erprobt, um die Ausbreitung des aggressiven Krebses zu hemmen.

Eine Gefahr stellt auch die eingeschleppte Edelkastaniengallwespe dar. Die weiblichen Gallwespen legen ihre Eier in Knospen. Die überwinternden Larven verursachen beim Frühjahrsaustrieb eine Gallbildung, welche die gesunde Entwicklung der Blüten oder Blätter verhindert. Dadurch entstehen Verluste im Holzzuwachs sowie bei der Fruchtproduktion. Die Ausbohrlöcher der Wespe aus den Gallen stellen mögliche Eintrittspforten für Sporen des Rindenkrebses dar und können so den Befall und die Ausbreitung des Pilzes beschleunigen.

Besonders auf staunassen oder grundwasserbeeinflussten Standorten sind Kastanien für Phythophtora-Pilze anfällig, welche die Tintenkrankheit auslösen und im Extremfall auch zum Absterben führen können.

Lebensraum Edelkastanie

Ihre Auswirkungen auf das Ökosystem können als positiv bewertet werden. Sie bietet vielen Tieren Nahrung. Von der langen und intensiven Blüte profitieren viele Insekten und die Früchte ergänzen die Nahrung zahlreicher Säugetiere. In der rauen Borke verstecken sich Insekten. In hohem Alter neigt sie verstärkt zur Höhlenbildung und bietet somit wertvolle Habitate für Höhlenbewohner (Eremit bis Wildkatze).
Obwohl die Edelkastanie in Mitteleuropa ursprünglich nicht heimisch ist, integriert sie sich gut in das Ökosystem.

Weiterführende Informationen zur Edelkastanie