Pressemitteilung
Vorweihnachtlicher Schneebruch – kümmert es den Buchdrucker? Warum Waldforscher dafür Bäume abbrechen

Abgebrochene Fichtenkrone an einem Stamm hängend in einem verschneiten Wald

Typischer Schneebruch an Fichte (© M. Streckfuß, LWF)

Schneebruch schon im Dezember oder erst im März – macht das für die Entwicklung des Borkenkäfers einen Unterschied? Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) geht dieser Frage jetzt in einem Feldversuch auf Flächen des Nationalparks Bayerischer Wald nach. Untersucht wird, ob vor Weihnachten gebrochenes Fichtenholz im darauffolgenden Frühjahr noch als Brutmaterial für den Buchdrucker taugt. Die Ergebnisse könnten den Waldbesitzern helfen, sich bei der Schadholzaufarbeitung zunächst auf besonders bruttaugliche Hölzer zu fokussieren.

Nassschnee kann Fichtenkronen brechen

Der erste Schnee ist in Teilen Bayerns bereits gefallen. Was viele Menschen als idyllische Winterstimmung erleben, kann im Wald erhebliche Schäden verursachen. Zuletzt fielen im Winter 2023/2024 bayerweit rund 1,7 Mio. Festmeter Schadholz durch Schneebruch an. Zu Kronenbrüchen kommt es vor allem bei Nassschnee oder allgemein sehr hohen Schneelasten. Genau diese Bruchhölzer in der Fichte bieten im Frühjahr idealen Brutraum für Borkenkäfer wie dem Buchdrucker. Sie müssen rechtzeitig aufgearbeitet und waldschutzwirksam aus dem Wald gebracht oder entrindet werden.

Wie attraktiv ist Bruchholz für die Borkenkäferbesiedelung?

Spielt der Zeitpunkt des Schneebruchs für die Borkenkäfer überhaupt eine Rolle? Ist frühwinterliches Schadholz für den Buchdrucker im Frühjahr vielleicht weniger attraktiv als Holz, das erst im ausgehenden Winter bricht und damit frischer ist? Oder trocknen die gebrochenen Stämme während der längeren Liegezeit so stark aus, sodass sie weniger anfällig sind?

Experiment: Forscher erzeugen so künstliches Bruchholz

Die Abteilung Waldschutz der LWF untersucht diese Fragen nun in einem wissenschaftlichen Experiment. Dazu werden Fichten zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Winter 2025/2026 künstlich mechanisch gebrochen. Im Frühjahr 2026 wird dann ausgewertet, in welchem Umfang die Bäume von Borkenkäfern besiedelt wurden.

Unterstützung durch den Nationalpark Bayerischer Wald

„Wir freuen uns sehr, dass wir diesen Versuch dank der Unterstützung des Nationalparks Bayerischer Wald durchführen können. In der Managementzone, also am Rand des Nationalparks, werden drei geeignete Kleinflächen zur Verfügung gestellt. Der Nationalpark bietet für die Forschungen dieser Art perfekte Voraussetzungen“ erklärt Dr. Peter Pröbstle, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

Keine Gefahr für angrenzende Wälder

Dr. Tobias Frühbrodt, Projektleiter und Forstentomologe der Abteilung Waldschutz an der LWF erklärt: Für angrenzende Privat- und Staatswälder besteht durch den Versuch keine Gefahr. Die Besiedelung der Versuchsbäume wird durch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler genauestens dokumentiert und die betroffenen Stämme anschließend rechtzeitig durch bewährte waldschutzwirksame Maßnahmen – beispielsweise Rindenschlitzen, vollständiges Entrinden oder Aufarbeitung und Abfuhr – unschädlich gemacht.

Relevanz für ganz Bayern

Die gewonnen Erkenntnisse sollen zukünftig Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in ganz Bayern helfen, die Schadholzaufarbeitung im Winter klarer zu priorisieren. Gerade in fichtenreichen Regionen kann dies ein wichtiger Beitrag sein, um das Risiko für Borkenkäferkalamitäten zu verringern da so die oft begrenzte Arbeitskapazität der Waldbesitzer oder von Forstunternehmern effizienter priorisiert werden kann.

Fachlicher Ansprechpartner
Dr. Tobias Frühbrodt
Abteilung Waldschutz
E-Mail: Tobias.Fruehbrodt@lwf.bayern.de

Pressekontakt
David Gerstmair
Pressesprecher
E-Mail: pressestelle@lwf.bayern.de