Michael Lutze
Buchenholz – Rohstoff für heute und morgen - LWF-aktuell 109
Die Buche ist der wichtigste Laubbaum Mitteleuropas und wird ihren festen Platz in den klimagewandelten Wäldern von morgen einnehmen. Und das ist gut so, denn ihre hervorragenden technischen Holzeigenschaften machen sie zu einem Allrounder für die moderne Welt und gleichzeitig helfen ihre ökologischen Vorzüge, unsere Waldbestände stabiler und ertragreicher zu machen. Die letzte Bundeswaldinventur zeigte noch bedeutende Nutzungspotenziale beim Buchenstammholz auf. Also genügend gute Gründe, sich näher mit dem Holz der Buche und ihren Verwendungsmöglichkeiten zu beschäftigen.
Buchenholz und seine Eigenschaften
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Abbildung 1: Buchenholz spielt als Möbel traditionell eine große
Rolle, dennoch sind neue marktfähige Produkte sind erforderlich. Foto: M. Lutze
Buchenholz ist mittelschwer bis schwer, von großer Härte – härter als die Eiche – und mit seiner hohen Abriebfestigkeit gut gewappnet gegen hohe Beanspruchungen (vgl. Tabelle 1; Brinelhärte). Gedämpft lässt es sich ausgezeichnet biegen und wurde bereits vor über 150 Jahren zu den bekannten Kaffeehausstühlen verarbeitet (Abbildung 2).
Allerdings ist es nicht witterungsfest, jedoch leicht zu imprägnieren. Die chemischen Eigenschaften (Tabelle 1) spielen eine bedeutende Rolle bei der Nutzung von Buchenholz in der Zellstoffindustrie und in der Bioökonomie insgesamt.
Konstruktionsholz aus Buche
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Abbildung 2: Buche lässt sich sehr gut verformen. In den 1850er Jahren wurden die ersten Wiener Kaffeehausstühle produziert. Foto: Thonet GmbH, C. Meyer
Brettschichtholz (BSH) aus Buche oder Buchen-Hybridträger, beispielsweise kombiniert mit Fichte, sind marktreif und aus dem Erprobungsstadium herausgewachsen. Eine Referenz ist der Erweiterungsbau der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising, in dem Brettschichtholz aus Buche verbaut wurde (Abbildung 3).
Vorteil von BSH aus Buche: Bei gleicher Biegetragfähigkeit kann der Querschnitt der Balken deutlich kleiner sein als bei Fichtenholz. Nachteil: Die Ausbeute von BSH-Lamellen ist gegenüber Nadelholz sehr gering (Kuilen, van de und Torno 2014). Dementsprechend sind die Produktkosten verhältnismäßig hoch.
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Abbildung 3: Brettschichtholz aus Buche. Foto: M. Lutze
Mit der Formholztechnologie lassen sich Buchenkanthölzer über Verdichtung und Erwärmung in einer Etagenpresse zu Platten und anschließend zu Rohren formen. Bis es jedoch zum Einsatz im Tragwerkbau kommen kann, bedarf es noch weiterer Entwicklungen (Haller 2016).
| Eigenschaften | Werte |
|---|---|
| Rohdichte (kg/m3) | 540 bis 910 |
| Druck-Festigkeit (N/mm2) x 1000 | 41 bis 99 |
| Biege-Festigkeit (N/mm2) x 1000 | 74 bis 210 |
| Zug-Festigkeit (N/mm2) x 1000 | 57 bis 180 |
| Elastizitätsmodul (N/mm2) x 1000 | 10 bis 18 |
| Brinelhärte (N/mm2) | circa 72 |
| Zellulose (%) | 34 bis 49 |
| Hemizellulose* (%) | bis ca. 35 |
| *davon Pentosane (%) | 17 bis 26 |
| Lignin (%) | 12 bis 23 |
| Acetylgruppen (%) | 6 bis 7 |
| Methoxyl | 5 bis7 |
| Dauerhaftigkeit | Klasse 5 |
Sorgenkind Furnierindustrie
Die Furnierausbeute lässt sich aber durch technologische Innovationen erhöhen: Aus der Furnierbahn müssen Risse und verfaulte Schwarzäste durch sogenanntes Klippen herausgeschnitten werden. Durch ein neues Verfahren, mit Hilfe maschineller Erkennung und Sortierung, Ausklippen und erneutem Zusammenfügen, ließe sich in Kombination mit dem Presstrocknungsverfahren die Ausbeute steigern.
Allerdings wären hohe Investitionen in Trocknungsanlagen erforderlich. Das Verfahren steht aber leider noch nicht im industriellen Maßstab zur Verfügung (Richter und Buddenberg 2015).
Buchenholz als (neuer) Werkstoff
Ein Beispiel sind die »mitteldichten Faserplatten« (MDF). Hier liefert der Einsatz von Buchenholzfaserstoff aufgrund seiner kürzeren und glatteren Fasern im Vergleich zum Nadelholz eine besondere Tieffräsqualität. Bei der nächsten Generation von Holzwerkstoffen wird in die Zellstruktur der Holzzellwände eingegriffen, dabei durch Wärme, chemische Reaktionen oder Austausch von Strukturpolymeren modifiziert.
Bioraffinerie und Buchenholz
Die gleichwertige Nutzung aller Hauptkomponenten des Ausgangsmaterials (Cellulosen, Hemicellulosen und Lignin) ist damit möglich. Aus den gewonnenen Fraktionen lassen sich chemische und biotechnologische Zwischenprodukte sowie Bindemittel und Füllstoffe für Holzwerkstoffe und Kunststoffe gewinnen (nach Michels 2013).
Holzfaserstoffe erfolgreich in der Bioökonomie
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Abbildung 4: Viskosefasern aus Buchenholz. Foto: Lenzing AG, M. Renner
Das Verfahren zur Viskosegewinnung aus Cellulose stammt bereits aus dem 19. Jahrhundert. Seine Weiterentwicklung erlaubt heute eine umweltfreundliche Erzeugung von Viskosefasern aus Regeneratcellulose. Sie entsteht, wenn während des Spinnverfahrens die chemische Veränderung rückgängig gemacht wird, so dass die produzierte Endlosfaser aus chemisch unveränderter Cellulose besteht (Bariska et al. 2001).
Insbesondere die hohe Wertschöpfung etwa im Vergleich zur Brennholznutzung überzeugt – liegt sie doch bei 10:1. Insgesamt ist der Anteil von Viskosefasern auf Cellulosebasis mit 6% am Weltmarkt für Fasern aber gering. Marktbeherrschend sind Baumwollfasern und Kunstfasern (Isopp 2012). Dennoch beläuft sich die Produktion allein in Deutschland und Österreich auf mehrere hunderttausend Tonnen jährlich, Tendenz steigend.
Buchenholz ist ein »Smartes Material«
Anschaulich ist dies bei Buchenholz, es ändert mit Wechsel des Feuchtigkeitsgehaltes seine Form: Ein Stab aus Fichten- und Buchenholz verbiegt sich bei Änderung desWassergehalts, wobei sich das Buchenholz mehr ausdehnt als das Fichtenholz. Der Vorgang ist reversibel und das Buchenholz wirkt als »aktive Lage« (Laborie 2016).Man darf gespannt sein, mit welchen Überraschungen und Innovationen die Forschung und Entwicklung im 21. Jahrhundert noch aufwartet!
In Zeiten des Klimawandels – Ja zur Buche!
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Abbildung 5: Möbel aus Kernbuche finden immer mehr Gefallen. Foto: M. Lutze
Bestände von Kiefer und Buche in Mischung zeichnen sich offensichtlich generell durch eine höhere Produktivität aus, als ihre jeweiligen Reinbestände (Preztsch 2015). Es gibt also einen Dreiklang der Buche aus gutem Holz, Ökologie und Ökonomie und somit ausreichend Gründe, sie beim Umbau reiner Fichten- und Kiefernbestände zu beteiligen.
Ein Blick ins 22. Jahrhundert
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Abbildung 6: Stabile Buchen und Buchenmischbestände stehen für
den Dreiklang aus gutem Holz, Ökologie und Ökonomie. Foto: J. Böhm
Bei den langen Produktionszeiträumen jenseits von hundert Jahren wären Prognosen zu Holzpreisen und Angebots-/Nachfrageszenarien für das 22. Jahrhundert nicht seriös. Technische Entwicklungen lassen sich über einen so langen Zeitraum nicht treffend vorhersagen.
Kurz- und mittelfristige Preisschwankungen wie beim Rohöl – 2008 lag der Preis bei 150 US-$ pro Barrel, aktuell liegt er bei circa 40 US-$ – rufen Marktstörungen hervor, aber sie kippen nicht die langfristigen Trends zu nachhaltig produzierten Materialien und Energieformen.
Die Antwort wird wohl erst im letzten Drittel dieses Jahrhunderts oder im nächsten für heute juvenile Bestände möglich sein. Eine Absage an waldbauliche Verfahren zur Erziehung qualitativ hoher sowie stärkerer Dimensionen scheint heute zu risikoreich. Es sollte das Ziel eines jeden Waldbesitzer und Försters sein, in den Beständen einen möglichst hohen Anteil bester Stämme zu erziehen.
Neue Verfahren mit Holzmodifikationen oder Nanotechnologie bedeuten nicht zugleich einen Mehrwert für den Waldbesitz. Die forstliche Koppelproduktion generiert genügend nichtsägefähige Sortimente und Nebenprodukte bzw. Reststoffe, die als Grundstoffe für neue Werkstoffkompositionen eingesetzt werden können. Wertholz aber hat schon immer gute Preise erzielt!
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Autoren
- Dr. Michael Lutze

