Beschäftigung und Umsätze

Die zeitliche Entwicklung eines Wirtschaftszweiges lässt sich vereinfacht mit wenigen statistischen Kennzahlen darstellen und nachvollziehen. Insbesondere können verschiedene Wirtschaftszweige oder Cluster innerhalb der Volkswirtschaft anhand dieser Größen eingeordnet werden.

Zwei wichtige statistische Größen aus der gesamtwirtschaftlichen Sicht stellen die Anzahl der Beschäftigten und der im Wirtschaftszweig erzielte Umsatz dar. Im Folgenden sind Auswertungen zur Entwicklung der Beschäftigung und des Umsatzes im Cluster Forst und Holz dargestellt.

Die bayerische Forst- und Holzwirtschaft beschäftigt aktuell rund 163.500 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen.

Im Vergleich zu den Branchen des verarbeitenden Gewerbes steht der Cluster Forst und Holz in Bayern an vierter Stelle. Herausragend ist auch die hohe Anzahl von knapp 22.500 Unternehmen (Stand 2013), die eindrucksvoll die Prägung des Clusters Forst und Holz durch kleine und mittelgroße Unternehmen belegt. Werden zu den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten noch die zahlreichen Selbständigen in Betrieben der Land- und Forstwirtschaft sowie in den Unternehmen hinzugezählt, die ihr Einkommen in diesem Bereich erzielen, dürften es etwa 190.000 Erwerbstätige im Cluster Forst und Holz sein.

Waagerechtes Balkendiagramm mit der Stückzahl auf der x-Achse und der Branche in der y-Achse. Insgesamt 9 Balken werden von unten nach oben immer breiter, Forst und Holz haben mittig 163.500 Beschäftigte.

Abbildung 1: Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe in Bayern 2020

Innerhalb des Clusters Forst und Holz arbeiten die meisten abhängig Beschäftigten – knapp 38.400 - im Holzbau. Bauschreiner, Zimmerer sowie Firmen des Ingenieurholzbaus gehören zu diesem Bereich. Mit etwas Abstand folgt das Druckgewerbe mit 26.600 zusammen mit der Holzbe- und verarbeitung mit etwa 26.400 Beschäftigten. Zum holzverarbeitenden Gewerbe zählen Säge-, Furnier-, Verpackungsmittel- und Holzwerkstoffindustrie sowie die Hersteller von Konstruktions- und Fertigbauteilen.

Kreisdiagramm mit 8 verschiedenfarbigen Segmenten. Das größte ist der Holzbau mit 38.400, kleinstes ist der Holzhandel mit 2.800 Beschäftigten.

Abbildung 2: Beschäftigte im Sektor Forst und Holz in Bayern 2020

Zwischen 2007 und 2015 ging die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten um knapp 8.100 zurück. Seit 2015 stieg dagegen die Anzahl der Beschäftigten um insgesamt 4.600 wieder an. Geringfügig entlohnte Beschäftigte (sog. Minijobs), die nicht mehr als 450 Euro verdienen, sind in den Daten nicht enthalten.

Liniendiagramm mit Vierecken für den Wert des jeweiligen Jahres.

Abbildung 3: Entwicklung der Beschäftigtenzahl im Sektor Forst und Holz von 2007 bis 2020

Die einzelnen Branchen des Clusters „Forst und Holz“ verzeichnen die letzten Jahre unterschiedliche Trends:

Im Bereich des Holzbaus stieg die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten von 2007 auf 2020 um rund 41 %. Dieser Wirtschaftszweig konnte sich aus dem Mittelfeld zum führenden Wirtschaftszweig im Cluster Forst und Holz entwickeln. Eine zunehmende Zahl an Gebäuden wird aus Holzbaustoffen (siehe Holzbau) errichtet bzw. energetisch saniert. Dies führte zur Zunahme der Arbeitsplätze. Ebenfalls hohe prozentuale Zuwächse ergaben sich in dieser Zeitspanne im Holzhandel (33 %) und in der Forstwirtschaft (32 %), allerdings sind die absoluten Zuwächse in diesen Wirtschaftszweigen aufgrund der niedrigen Ausgangslage gering. In der Möbelherstellung erfolgt bis 2011 ein Arbeitsplatzabbau. Seitdem nahm die Anzahl der Beschäftigten zu und kompensierte den vorherigen Abbau, so dass es 2020 rund 12 % mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigte gab als 2007.

Informationen zum Holzbau

Kaum Bewegung bei der Anzahl der Beschäftigten ist im Wirtschaftszweig Papier und Zellstoff zu beobachten. Die Beschäftigungszahl ist mit unter 1 % Abnahme gegenüber 2007 im Jahr 2020 quasi auf dem gleichen Niveau. Etwas größere Arbeitsplatzverluste wurden mit 5 % in der Holzbe- und verarbeitung ermittelt. Die größten Arbeitsplatzrückgänge wurden im Druckgewerbe mit 26 % und bei den Verlagen mit 28 % verzeichnet.

Liniendiagramm mit acht verschiedenen Linien für die Wirtschaftssektoren. Die Beschäftigtenzqahlen blieben von 2007 bis 2016 im wesentlichen unverändert, nur im Holzbau gab es einen leichten Anstieg.

Abbildung 4: Entwicklung der Beschäftigtenzahl in den einzelnen Wirtschaftsbereichen 2007 - 2020



Tabelle 1: Beschäftigtenzahlen im Cluster Forst und Holz von 2007 bis 2020

Tabelle mit dreizehn Spalten und acht Zeilen. Sie wird von links nach rechts gelesen. Die Spaltenüberschriften sind Wirtschaftszweig, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019 und 2020, die Zeilenüberschriften sind Forstwirtschaft, Holzbe- und -verarbeitung, Papier und Zellstoff, Verlage, Druckgewerbe, Möbelherstellung, Holzbau und Holzhandel.

Innerhalb der einzelnen Regierungsbezirke stellt sich die Verteilung der Beschäftigten auf die einzelnen Branchen unterschiedlich dar.

Mit 49.400 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten befinden sich in Oberbayern mit Abstand die meisten Arbeitsplätze im Cluster Forst und Holz, gefolgt von Schwaben und Mittelfranken. In Oberbayern hat der Cluster jedoch nur einen Anteil von 2,6 % an der Gesamtzahl der Beschäftigten. Anteilig deutlich mehr Arbeitsplätze bieten die Forstwirtschaft und das holzverarbeitende Gewerbe in Oberfranken und Schwaben, wo über 4 % der Arbeitnehmer im Cluster tätig sind.

Kreisdiagramm mit sieben verschiedenfarbigen sieben Regierungsbezirken. Der größte Anteil ist in Oberbayern mit 48.700, kleinster in der Oberpfalz mit 13.100 Beschäftigten.

Abbildung 5: Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Sektor Forst und Holz in den Regierungsbezirken Bayerns gesamt 2020

Oberfranken ist ein Schwerpunkt der Möbelherstellung. In Niederbayern und in der Oberpfalz stellt der Holzbau den größten Teil der Arbeitsplätze. In Oberbayern beschäftigen die Druckereien und Verlage die meisten Menschen im Cluster Forst und Holz. Dazu trägt das Presse- und Medienzentrum München einen Großteil bei. In Schwaben und Mittel- und Unterfranken sind die Beschäftigten im Cluster Forst und Holz etwa wie im bayerischen Durchschnitt auf die verschiedenen Branchen verteilt. Die Forstwirtschaft bietet die kleinste Anzahl an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen. Jedoch ist zu beachten, dass dort zahlreiche Selbständige in Betrieben der Land- und Forstwirtschaft sowie in Forstunternehmen ihre Einkommen erzielen, die hier nicht verzeichnet sind.

Acht Kreisdiagramme (sieben Regierungsbezirke und Bayern gesamt) mit jeweils acht verschiedenfarbigen Teilen für die Sektoren.

Abbildung 5: Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Sektor Forst und Holz in den Regierungsbezirken Bayerns 2020

Die Bedeutung, die der Cluster Forst und Holz in Bayern für die Beschäftigung in den einzelnen Landkreisen hat, kann der Abbildung mit den Anteilen an den sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern im Jahr 2020 entnommen werden.

Nicht überraschend ist, dass es ländlich geprägte Räume sind, in denen die Forst- und Holzwirtschaft auf dem Arbeitsmarkt eine besondere Stellung einnimmt. So sorgt beispielsweise die Möbelherstellung dafür, dass im Landkreis Coburg 15,6 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 2020 in der Wertschöpfungskette Holz arbeiteten. Bayernweit lag der Anteil bei 2,9 %.

Abbildung 7: Anteil der Beschäftigten des Clusters Forst und Holz an der Gesamtbeschäftigung in den Landkreisen 2020. Der Durchschnitt für Bayern beträgt 2,9 %. Alle Landkreise der zweiten Farbkategorie aufwärts liegen somit über dem Durchschnitt.

(Geodaten: Bayerische Vermessungsverwaltung unter www.ldbv.bayern.de)

Im Cluster Forst und Holz wurde im Jahr 2018 ein Umsatz von rund 41 Mrd. Euro erzielt. Die Forstwirtschaft hatte mit rund 1,1 Mrd. € im Branchenvergleich den geringsten Umsatz. Weil aber ein Großteil der Umsätze wegen der Pauschalierung in der Forstwirtschaft von der Umsatzsteuerstatistik nicht erfasst wird, dürften die Umsätze dort deutlich größer sein, als aus dem Diagramm hervorgeht. Den stärksten Umsatz hatte die Holzbe- und verarbeitung, worunter Sägewerke und die Holzwerkstoffindustrie fallen.

Hinweis: Die Umsätze im Cluster Forst und Holz wurden der Umsatzsteuerstatistik entnommen, weil dort fast alle Unternehmen erfasst sind und so die von Kleinst- und Kleinbetrieben geprägte Struktur der Forstwirtschaft und der holzverarbeitenden Betriebe besser abgebildet werden kann. Ausnahme in der Darstellung ist der Umsatz für Papier und Zellstoff, welcher aus der Statistik zum verarbeitenden Gewerbe entstammt. Die Umsatzsteuerstatistik wird durch das Landesamt für Statistik zwei Jahre nach dem Bezugsjahr veröffentlicht.

Kresidiagramm mit acht verschiedenfarbigen Sektoren.

Abbildung 8: Umsatz im Sektor Forst und Holz in Bayern 2018

Die Umsätze im Cluster Forst und Holz sind zwischen 2006 und 2018 um knapp 34 % gewachsen. Die Finanz und Wirtschaftskrise verursachte eine Delle in der Umsatzentwicklung: 2008 kein Wachstum und 2009 ein Minus von knapp 5 %. Mittlerweile sind die Folgen der Finanzkrise überwunden. 2010 und 2011 wurden bereits Wachstumsraten von 7 % bzw. 8 % erreicht. Während die Umsätze 2012 und 2013 wenig Dynamik zeigten, stiegen sie dann 2014 und 2015 um 1,4 % bzw. 1,1 %. Im Jahr 2016 wuchs der Umsatz im Cluster Forst und Holz sogar um 3 % und damit stärker als in der gesamtdeutschen Industrie, wo er im gleichen Zeitraum nur um 0,025 % anstieg. (eigene Berechnung nach Deutsche Bundesbank 2018). 2017 wuchs der Cluster Forst und Holz um 1,8 % und 2018 sogar um 4,1 %.

Liniendiagramm mit acht verschiedenen Linien für die Wirtschaftssektoren. Die Umsätze stiegen jeweils von 2006 bis 2018 leicht an.

Abbildung 9: Entwicklung des Umsatzes im Sektor Forst und Holz in Bayern 2006 - 2018

Tabelle 2: Umsätze in den Wirtschaftszweigen des Clusters Forst und Holz von 2006 bis 2018

Tabelle mit dreizehn Spalten und acht Zeilen. Sie wird von links nach rechts gelesen. Die Spaltenüberschriften sind Wirtschaftszweig, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018, die Zeilenüberschriften sind Forstwirtschaft, Holzbe- und -verarbeitung, Papier und Zellstoff, Verlage, Druckgewerbe, Möbelherstellung, Holzbau und Holzhandel.


Der Holzbau konnte im Betrachtungszeitraum eine Umsatzsteigerung von knapp 123 % erzielen. Interessant ist, dass die Umsätze im Jahr 2007 zurückgingen und 2008 nahezu stagnierten, um dann 2009 – auf dem Höhenpunkt der Krise – regelrecht in die Höhe zu schießen (+39 %). Die Forstwirtschaft (+112 %) und Möbelherstellung (+81 %) konnten im Zeitraum 2006-2018 ebenfalls sehr hohe Umsatzsteigerungen realisieren.
Etwa im Durchschnitt des Clusters wuchsen die Holzbe- und verarbeitung mit 31 %. Der Holzhandel lag bis 2016 ebenfalls im Durchschnitt des Clusters konnte aber 2017 ein extremes Wachstum von 16 % innerhalb eines Jahres verzeichnen, wahrscheinlich ist dieses Wachstum eine Folge der Schadholzanfälle und daraus resultierender Verschiebungen auf dem Holzmarkt. Einen niedrigeren Zuwachs hatte die Papier und Zellstoffbranche mit 1 %. Die Verlage und das Druckgewerbe mussten mit -6 % bzw. -5 % einen Umsatzrückgang hinnehmen. Das Druckgewerbe lag 2017 noch bei +9 %.
Als anfällig für die Finanzkrise haben sich die Holzbe- und Verarbeitung, Möbelherstellung und Papier und Zellstoffindustrie gezeigt. In der Möbelherstellung hat es bis ins Jahr 2014 gedauert, bis sich die Umsätze dauernd und deutlich über dem Vorkrisenniveau halten konnten.

Liniendiagramm mit acht verschiedenen Linien für die Wirtschaftssektoren. Die Umsätze stiegen jeweils von 2006 bis 2018 leicht an.

Abbildung 10: Entwicklung des Umsatzes in den einzelnen Wirtschaftsbereichen 2006 - 2018


Weiterführende Informationen

Quellenangaben

Deutsche Bundesbank (2018): Saisonbereinigte Wirtschaftszahlen. Statistisches Beiheft 4 zum Monatsbericht, Juni 2017

Darstellungen über die Beschäftigtenzahl: © Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg

zusätzlicher Hinweis zu den verwendeten Daten:

Aufgrund des Erhebungsverfahrens über das Meldeverfahren der Arbeitgeber zur Sozialversicherungspflicht sind in den 4- bzw. 5-stelligen Wirtschaftszweigzuordnungen fehlerhafte Zuordnungen einzelner Elemente nie grundsätzlich auszuschließen. Diese Fehler können ggf. zu Fehlinterpretationen führen, weshalb eine Verwendung ohne fachlich-methodisches Hintergrundwissen über das Zuordnungs- und Erhebungsverfahren nur eingeschränkt sinnvoll ist.

Darstellungen über die Umsätze und deren Entwicklung aus Umsatzsteuerstatistik und Statistik des verarbeitenden Gewerbes:
© Bayerisches Landesamt für Statistik