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Nachrichten aus dem AWG

Das Bayerische Amt für Waldgenetik (AWG) verfolgt das Ziel, die Vielfalt der Genressourcen in Bayerns Wäldern zu erhalten. Zu den zentralen Aufgaben des Amtes gehören demzufolge die Herkunftssicherung, die Umweltvorsorge und die Erhaltung der genetischen Vielfalt.

Zusammenarbeit mit Österreich und Italien im Rahmen der ARGE Alp ausgebaut

Drei Männer auf Kahlfläche vor Wald lächeln in die KameraZoombild vorhanden

Pflanzung der Eichenversuchsfläche Michaelbeuern, Land Salzburg, März 2025 (© M. Beuren)

Das AWG vertritt Bayern im Projekt »Klimafitte Baumarten für die Bergwälder« im Rahmen der ARGE Alp – einer grenzüberschreitenden Arbeitsgemeinschaft der Alpenländer, in der gemeinsame wirtschaftliche und ökologische Anliegen im Alpenraum behandelt werden. Im Projektverlauf wurde ein länderübergreifendes Netzwerk zum Erfahrungsaustausch von Fachleuten aus dem Bereich Forstliches Vermehrungsgut aufgebaut. Da der Klimawandel im Alpenbereich besonders rasch voranschreitet und die Schutzwirkung der Wälder beeinträchtigt, stehen trockentolerante Baumarten im Fokus. In praktischer Umsetzung der fachlichen Kooperation zwischen den Alpenregionen hat das AWG im Frühjahr 2025 die Pflanzung von Versuchsflächen zum Vergleich der Entwicklung von heimischer Stieleiche mit Flaumeiche, Ungarischer Eiche und Zerreiche initiiert.

Die auf den Flächen bei Michaelbeuern und Nüziders ab Herbst 2025 aufzunehmenden Daten können mit der Entwicklung von Vergleichsherkünften auf den bayerischen Herkunftsversuchsflächen eingewertet werden. Kooperationspartner sind die Landesforstdirektionen Salzburg und Vorarlberg. Mit Unterstützung der Region Trentino konnte im Raum Freilassing eine Demopflanzung mit Manna­esche angelegt werden.

Randolf Schirmer, AWG

Hohe Zuwachsleistungen in älteren Kurzumtriebsplantagen

Orangene Maschine mit Harvesteraufsatz auf Kurzumtriebsplantage beim Bäume FällenZoombild vorhanden

Rückschnitt einer KUP mit einem Feller-Buncher-Aggregat an einem Bagger (© G. Brehm, AELF Fürstenfeldbruck)

Im Januar 2025 hat das AWG zwei jeweils 0,7 ha große Kurzumtriebs­plantagen (KUP) im Raum Teisendorf sowie Neumarkt-Sankt Veit auf den Stock gesetzt. Die Fläche in Ufering/Teisendorf gehört zu den ältesten bayerischen Energiewäldern. Sie wurde 1998 als erstes AWG-Sortenprüffeld angelegt. Die neun Jahre alten Pappelaufwüchse auf 27-jährigen Stöcken zeigten bei der vierten Ernte noch hohe Wuchsleistungen. Es konnte eine Hackgutmenge von 509 Schüttraummeter (Srm)/ha bereitgestellt werden. Der jährliche Zuwachs mit 56 Srm/ha war mehr als doppelt so hoch wie im ersten Umtrieb. Geerntet wurde mittels Bagger und Kneifschere, Rückewagen sowie Hacker. Die Erntekosten beliefen sich auf 5 €/Srm. Der Unternehmer benötigte fünf Arbeitstage mit insgesamt 53 Maschinenarbeitsstunden (MAS) pro Hektar. Er verkaufte das Hackgut in Eigenregie an regionale Biomasseheizwerke und Einfamilienhäuser mit Hackschnitzelheizungen für 20 €/Srm. Als transportkostenfreier Gewinn wurden 4 €/Srm erzielt.

Zeitgleich wurde ein weiteres Sortenprüffeld aus dem Anlagejahr 2011 bei Neumarkt-Sankt Veit im gleichen Ernteverfahren wie in Ufering auf den Stock gesetzt. Der 11-jährige Pappelaufwuchs befand sich im zweiten Umtrieb. Bei dieser Ernte wurden 501 Srm/ha Hackgut erzeugt. Der durchschnittliche jährliche Zuwachs dieser KUP belief sich auf 45 Srm/ha. Da diese Fläche mittelfristig in einen Pappelhochwald überführt wird, wurden zahlreiche stabile Bäume als Vorwald für Folgekulturen belassen. Der tatsächliche Zuwachs lag somit deutlich über dem genannten Ernteergebnis. Aufgrund der starken Vernässung der KUP musste der Rückschnitt in zwei Zeitabschnitten von jeweils zwei Arbeitstagen mit insgesamt 61 MAS/ha durchgeführt werden. Wegen der schwierigen Befahrbarkeit und der verbleibenden Vorwaldbestockung waren die Erntekosten mit 12 €/Srm deutlich höher als in Ufering. Das Hackgut wurde durch den örtlichen Ernteunternehmer zu 1/3 an ein regionales Betonwerk mit Biomasseheizung für 24 €/Srm verkauft. Als transportkostenfreier Gewinn blieben 5 €/Srm.

Auf beiden Flächen zeigt sich das Potential von Kurzumtriebskulturen. Wegen der hohen Zuwachsleistung älterer Stöcke lassen sich durch den Verkauf des Hackgutes auch nach mehreren Rotationsperioden angemessene Erlöse erzielen. Entscheidend für einen positiven Deckungsbeitrag ist neben einer kurzen Transportentfernung des Hackguts die Produktion über mehrere Umtriebszeiten, da sich dann die Investitionskosten der Kultur durch wiederholte Ernten amortisieren.

Das AWG berät alle an einer nachhaltigen Produktion von Holzhackschnitzeln auf landwirtschaftlichen Flächen Interessierten hinsichtlich geeigneter, leistungsfähiger Sorten.

Nic Skunde und Randolf Schirmer, AWG

Großer Praxisanbauversuch der Douglasie mit hohem Nutzungspotential

Vier Männer auf einer Wiederaufforstungsfläche. Einer davon mit jungen Bäumen zum PflanzenZoombild vorhanden

R. Geiser (Bereichsleiter Forsten des AELF Bayreuth-Münchberg), J. Schneider (Firma Waldbau Röllmühle), D. Schüder (AELF Bayreuth-Münchberg Forstrevier Sparneck), C. Zuber (1. Bürgermeister der Stadt Münchberg) (© K. Breuherr, Stadt Münchberg)

Die Douglasie gilt auf einigen Standorten als alternative Baumart zur bisher angebauten, aber im Klimawandel stark gefährdeten Fichte. Die Anbaubedingungen der Douglasie in den noch kühlen und feuchten Teilen Bayerns verbessern sich in der Zukunft. Durch die große Anzahl an vorhandenen Herkünften und Varietäten besteht weiterer Forschungsbedarf. Deshalb wird für das Herkunftsgebiet 853 06 »Südostdeutsches Hügel- und Bergland« empfohlen, Vermehrungsgut der französische Samenplantage La Luzette (PME VG002) in einem größeren Praxisanabauversuch (PAV) anzubauen und zu untersuchen. Die Samenplantage ist für den Bereich 853 06 in der Empfehlungsstufe »Herkünfte für Praxisanbauversuche« empfohlen.

Bei der Herkunft handelt es sich um eine geprüfte Samenplantage, die sich durch gutes Wachstum und späteren Austrieb in französischen Versuchen als überdurchschnittlich erwiesen hat. Es handelt sich zudem um die meist genutzte Douglasiensamenplantage in Frankreich. Für den Aufbau der 34 ha großen Samenplantage wurden 226 unterschiedliche Plusbäume (Klone) aus den USA (Washington und Oregon), aus Kanada (British Columbia) sowie aus Frankreich verwendet. Das führt dazu, dass sich das Vermehrungsgut (Saat und Pflanzgut) in der Regel durch hohe genetische Vielfalt auszeichnet. Durch genetische Selektionsprozesse setzten sich an dem neuen Anbauort die Nachkommen von Plusbäumen durch, die am besten mit den dortigen Standorts- und Umweltbedingungen zurechtkommen. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass die Anbaufläche für den geplanten PAV von 0,5 ha auf 1,5 ha erweitert wird. Auf dem großen PAV können sich dann die besten Nachkommen herausselektieren.

Durch großes Engagement und die fachliche Betreuung von Dierk Schüder konnte im Revier Sparneck (AELF Bayreuth-Münchberg) der große PAV erfolgreich begründet werden. Der Bestand stockt auf einem mäßig frischen bis frischen Standort im Wuchsgebiet 8.2 Frankenwald, Fichtelgebirge, Steinwald in einer Höhenlage von ca. 500 m ü. NN. Die Fläche wurde gemulcht und gezäunt. Auf etwa 1,5 ha wurden 3.000 Douglasien (Containerpflanzen) in einem Pflanzverband von 2 x 2,5 m ausgebracht. Zusätzlich wird eine Laubholzbeimischung von ca. 20 % eingebracht.

Neben der Erforschung der Herkunft kann dieser Bestand bei entsprechender Wuchsleistung, Vitalität und Stammqualität später als Saatgutzukunftsbestand genutzt werden. Dadurch würde ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der Saatgutversorgung bei alternativen Baumarten geleistet werden. Ein Kontrollbeamter prüft bei der Erreichung des Mindestalters von 40 Jahren, ob der Bestand die Voraussetzungen für die Zulassung als ausgewählter Saatguterntebestand erfüllt. Die Zulassung von Erntebeständen und Samenplantagen zur Gewinnung von forstlichem Saatgut oder von Wildlingen erfolgt durch die Landesstelle am AWG. Bei der Erweiterung des PAVs von 0,5 ha auf 1,5 ha handelt es sich um eine Einzelfallgenehmigung.

Dr. Muhidin Šeho, AWG

Kleine Setzlinge, große Hoffnung: Versuch zur Rettung der Esche

Das Eschentriebsterben setzt einer der wichtigsten heimischen Laubbaumarten massiv zu. Seit Jahren gefährdet der aus Asien eingeschleppte Pilz Falsches Weißes Stengelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus) die Eschenbestände in Deutschland und Europa. Doch es gibt Hoffnung: Das Bayerische Amt für Waldgenetik (AWG) hat mit großem personellem Einsatz einen Nachkommenschaftsversuch angelegt, der mittelfristig in eine Samenplantage überführt werden soll. Ziel ist es, resistente Eschen zu identifizieren und langfristig deren genetische Vielfalt für die Zukunft der Wälder zu sichern. Mittelfristig entsteht eine wertvolle Saatgutquelle, die als genetische Ressource für widerstandsfähigere Eschen dient.

Die gepflanzten Nachkommen stammen von 70 weniger anfälligen Plusbäumen, die im Rahmen des bundesweiten Projekts FraxGen bundesweit selektiert wurden. Insgesamt wurden 3.360 Eschen auf der von den Bayerischen Staatsforsten bereitgestellten Versuchsfläche des AWG in Lilling (Gräfenberg/Ofr.) gepflanzt. Ähnliche Nachkommenschaftsversuche wurden von der Nordwestdeutschen und Baden-Württembergischen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA, FVA-BW) angelegt. Diese bundesweite Zusammenarbeit unterstreicht die große Bedeutung eines gemeinsamen Vorgehens im Kampf gegen das Eschentriebsterben.

Die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen aus mehreren Bundesländern zeigt, dass der Erhalt und Schutz der Esche eine nationale Aufgabe ist. Nur durch gebündelte Expertise und langfristige Versuchsreihen lassen sich widerstandsfähige Bestände aufbauen. Das AWG und seine Partner setzen mit diesem Projekt einen bedeutenden Impuls für die Erhaltung der Esche und leisten einen essenziellen Beitrag zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Mit der Anlage dieser Versuchsflächen wird ein entscheidender Schritt unternommen, um die Esche für kommende Generationen zu bewahren. Die kleinen Setzlinge, die nun auf den Flächen wachsen, könnten schon bald zum Erhalt der Baumart und einem zukunftsfähigen, resilienten Wald beitragen.

Hannes Seidel und Daniel Glas, AWG

Orientbuche in der Türkei

Blick am Stamm einer Orientbuch entlang hoch in die KroneZoombild vorhanden

Vitaler und gradschaftiger Plusbaum der Orientbuche (© Dr. M. Šeho, AWG)

Die Orientbuche gilt als Schwesternart der heimischen Rotbuche und stellt auf mäßig trockenen bis mäßig frischen Standorten im Klimawandel eine interessante Alternative dar und sollte in Praxisanbauversuchen angebaut werden. Ihr Wuchsverhalten, die Schattenerträglichkeit sowie die Bewirtschaftung entsprechen denen der Rotbuche. Die Orientbuche wächst in Griechenland und Bulgarien, in der Türkei entlang des Schwarzen Meeres bis zum Kaukasus sowie im Norden des Irans. Für den Anbau wird empfohlen, geeignete Herkünfte zu wählen und qualitativ hochwertiges sowie herkunftssicheres Vermehrungsgut zu verwenden.

Das AWG befasst sich in einem bundes­weiten Forschungsprojekt zur Orientbuche mit der genauen Untersuchung neutraler genetischer Variation von autochthonen Saatguterntebeständen und Anbauten der Orientbuche. Für die Beprobung der Bestände reisten zwei Wissenschaftler des AWG im Mai in die Türkei. Die Orientbuche ist der forstwirtschaftlich bedeutendste Laubbaum der Türkei und es gibt derzeit 26 zugelassene Saatguterntebestände auf einer Gesamtfläche von 3.000 ha. Die Erntebestände sind sehr groß und werden als Generhaltungswälder bewirtschaftet. Der Saatguterntebestand bei Bafra-Kuskayasi stockt in 900 m ü. NN, besteht zu 90 % aus Orientbuche und weist eine Gesamtfläche von 165.8 ha auf. Bei einem Jahresniederschlag von 795 mm, einer Jahresdurchschnittstemperatur von 13,5 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 74 % erreicht dieser Bestand im Alter von ca. 100 Jahren durchschnittliche Höhen von 30 m und Durchmesser von 45 cm. Aus genetischer Sicht sind solche Bestände mit einer hohen Anzahl an Bäumen und einem ausgeprägten Genfluss für die Saatguternte besonders geeignet.

Gruppenfoto von sechs Personen an einem Schild im Wald.Zoombild vorhanden

Gruppenfoto mit den türkischen Kollegen in Akkus-Göllüce (© Dr. M. Šeho, AWG)

Der zweite Bestand bei Akkus-Göllüce wies eine ähnliche Gesamtfläche von 149,9 ha auf. Dieser Bestand stockt in 1.290 m ü. NN und weist im Alter von 160 Jahren durchschnittliche Höhen von 36 m und Durchmesser von 60 cm auf. Die jährliche Durchschnittstemperatur in dem Bestand beträgt 14,1 °C und der Jahresniederschlag 1.165 mm. Im Monat Mai fällt mit 59,9 mm der geringste Niederschlag. Beide Bestände wachsen auf vulkanischem Ausgangsgestein.

Der dritte Saatguterntebestand Trabzon-Macka stockt auf 125,5 ha und ist mit der Kaukasus-Fichte gemischt. Der Bestand zeichnet sich durch eine jährliche Durchschnittstemperatur von 14,6 °C und 831 mm Jahresniederschlag aus. Die relative Luftfeuchtigkeit ist wie bei den anderen beiden Beständen recht hoch und beträgt 71 %. Dieser Bestand stockt auf Kalkgestein.

Der vierte beprobte Bestand liegt unweit von der georgischen Grenze nahe der Stadt Borcka und ist kein ausgewiesener Saatguterntebestand. Die klimatischen Kennwerte ähneln denen der Saatguterntebestände. Der Bestand weist ein durchschnittliches Alter von 140 Jahren auf und wird bewirtschaftet.

Mit den vier beprobten Beständen wurde der östliche Teil des Verbreitungsgebietes an der Schwarzmeerküste abgedeckt, um bisherige Beprobungslücken speziell in dieser Region zu schließen. Das Team um Prof. Sezgin Ayan wird nach dem gleichen Vorgehen weitere sechs Saatguterntebestände von Istanbul bis Kastamonu beproben und beschreiben. Durch die genetischen Analysen dieser Bestände werden wichtige Grundlagen für die Bewertung und Erkenntnisse zur genetischen Vielfalt von türkischen Saatguterntebeständen gewonnen. Die Daten können für die Herkunftssicherung genutzt werden.

Dr. Muhidin Šeho und Dr. Barbara Fussi, AWG

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