LWF aktuell 154
Nachrichten aus dem AWG
Das Bayerische Amt für Waldgenetik (AWG) verfolgt das Ziel, die Vielfalt der Genressourcen in Bayerns Wäldern zu erhalten. Zu den zentralen Aufgaben des Amtes gehören demzufolge die Herkunftssicherung, die Umweltvorsorge und die Erhaltung der genetischen Vielfalt.
Zusammenarbeit mit Österreich und Italien im Rahmen der ARGE Alp ausgebaut
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Pflanzung der Eichenversuchsfläche Michaelbeuern, Land Salzburg, März 2025 (© M. Beuren)
Die auf den Flächen bei Michaelbeuern und Nüziders ab Herbst 2025 aufzunehmenden Daten können mit der Entwicklung von Vergleichsherkünften auf den bayerischen Herkunftsversuchsflächen eingewertet werden. Kooperationspartner sind die Landesforstdirektionen Salzburg und Vorarlberg. Mit Unterstützung der Region Trentino konnte im Raum Freilassing eine Demopflanzung mit Mannaesche angelegt werden.
Randolf Schirmer, AWG
Hohe Zuwachsleistungen in älteren Kurzumtriebsplantagen
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Rückschnitt einer KUP mit einem Feller-Buncher-Aggregat an einem Bagger (© G. Brehm, AELF Fürstenfeldbruck)
Zeitgleich wurde ein weiteres Sortenprüffeld aus dem Anlagejahr 2011 bei Neumarkt-Sankt Veit im gleichen Ernteverfahren wie in Ufering auf den Stock gesetzt. Der 11-jährige Pappelaufwuchs befand sich im zweiten Umtrieb. Bei dieser Ernte wurden 501 Srm/ha Hackgut erzeugt. Der durchschnittliche jährliche Zuwachs dieser KUP belief sich auf 45 Srm/ha. Da diese Fläche mittelfristig in einen Pappelhochwald überführt wird, wurden zahlreiche stabile Bäume als Vorwald für Folgekulturen belassen. Der tatsächliche Zuwachs lag somit deutlich über dem genannten Ernteergebnis. Aufgrund der starken Vernässung der KUP musste der Rückschnitt in zwei Zeitabschnitten von jeweils zwei Arbeitstagen mit insgesamt 61 MAS/ha durchgeführt werden. Wegen der schwierigen Befahrbarkeit und der verbleibenden Vorwaldbestockung waren die Erntekosten mit 12 €/Srm deutlich höher als in Ufering. Das Hackgut wurde durch den örtlichen Ernteunternehmer zu 1/3 an ein regionales Betonwerk mit Biomasseheizung für 24 €/Srm verkauft. Als transportkostenfreier Gewinn blieben 5 €/Srm.
Auf beiden Flächen zeigt sich das Potential von Kurzumtriebskulturen. Wegen der hohen Zuwachsleistung älterer Stöcke lassen sich durch den Verkauf des Hackgutes auch nach mehreren Rotationsperioden angemessene Erlöse erzielen. Entscheidend für einen positiven Deckungsbeitrag ist neben einer kurzen Transportentfernung des Hackguts die Produktion über mehrere Umtriebszeiten, da sich dann die Investitionskosten der Kultur durch wiederholte Ernten amortisieren.
Das AWG berät alle an einer nachhaltigen Produktion von Holzhackschnitzeln auf landwirtschaftlichen Flächen Interessierten hinsichtlich geeigneter, leistungsfähiger Sorten.
Nic Skunde und Randolf Schirmer, AWG
Großer Praxisanbauversuch der Douglasie mit hohem Nutzungspotential
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R. Geiser (Bereichsleiter Forsten des AELF Bayreuth-Münchberg), J. Schneider (Firma Waldbau Röllmühle), D. Schüder (AELF Bayreuth-Münchberg Forstrevier Sparneck), C. Zuber (1. Bürgermeister der Stadt Münchberg) (© K. Breuherr, Stadt Münchberg)
Bei der Herkunft handelt es sich um eine geprüfte Samenplantage, die sich durch gutes Wachstum und späteren Austrieb in französischen Versuchen als überdurchschnittlich erwiesen hat. Es handelt sich zudem um die meist genutzte Douglasiensamenplantage in Frankreich. Für den Aufbau der 34 ha großen Samenplantage wurden 226 unterschiedliche Plusbäume (Klone) aus den USA (Washington und Oregon), aus Kanada (British Columbia) sowie aus Frankreich verwendet. Das führt dazu, dass sich das Vermehrungsgut (Saat und Pflanzgut) in der Regel durch hohe genetische Vielfalt auszeichnet. Durch genetische Selektionsprozesse setzten sich an dem neuen Anbauort die Nachkommen von Plusbäumen durch, die am besten mit den dortigen Standorts- und Umweltbedingungen zurechtkommen. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass die Anbaufläche für den geplanten PAV von 0,5 ha auf 1,5 ha erweitert wird. Auf dem großen PAV können sich dann die besten Nachkommen herausselektieren.
Durch großes Engagement und die fachliche Betreuung von Dierk Schüder konnte im Revier Sparneck (AELF Bayreuth-Münchberg) der große PAV erfolgreich begründet werden. Der Bestand stockt auf einem mäßig frischen bis frischen Standort im Wuchsgebiet 8.2 Frankenwald, Fichtelgebirge, Steinwald in einer Höhenlage von ca. 500 m ü. NN. Die Fläche wurde gemulcht und gezäunt. Auf etwa 1,5 ha wurden 3.000 Douglasien (Containerpflanzen) in einem Pflanzverband von 2 x 2,5 m ausgebracht. Zusätzlich wird eine Laubholzbeimischung von ca. 20 % eingebracht.
Neben der Erforschung der Herkunft kann dieser Bestand bei entsprechender Wuchsleistung, Vitalität und Stammqualität später als Saatgutzukunftsbestand genutzt werden. Dadurch würde ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der Saatgutversorgung bei alternativen Baumarten geleistet werden. Ein Kontrollbeamter prüft bei der Erreichung des Mindestalters von 40 Jahren, ob der Bestand die Voraussetzungen für die Zulassung als ausgewählter Saatguterntebestand erfüllt. Die Zulassung von Erntebeständen und Samenplantagen zur Gewinnung von forstlichem Saatgut oder von Wildlingen erfolgt durch die Landesstelle am AWG. Bei der Erweiterung des PAVs von 0,5 ha auf 1,5 ha handelt es sich um eine Einzelfallgenehmigung.
Dr. Muhidin Šeho, AWG
Kleine Setzlinge, große Hoffnung: Versuch zur Rettung der Esche
Das Eschentriebsterben setzt einer der wichtigsten heimischen Laubbaumarten massiv zu. Seit Jahren gefährdet der aus Asien eingeschleppte Pilz Falsches Weißes Stengelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus) die Eschenbestände in Deutschland und Europa. Doch es gibt Hoffnung: Das Bayerische Amt für Waldgenetik (AWG) hat mit großem personellem Einsatz einen Nachkommenschaftsversuch angelegt, der mittelfristig in eine Samenplantage überführt werden soll. Ziel ist es, resistente Eschen zu identifizieren und langfristig deren genetische Vielfalt für die Zukunft der Wälder zu sichern. Mittelfristig entsteht eine wertvolle Saatgutquelle, die als genetische Ressource für widerstandsfähigere Eschen dient.
Die gepflanzten Nachkommen stammen von 70 weniger anfälligen Plusbäumen, die im Rahmen des bundesweiten Projekts FraxGen bundesweit selektiert wurden. Insgesamt wurden 3.360 Eschen auf der von den Bayerischen Staatsforsten bereitgestellten Versuchsfläche des AWG in Lilling (Gräfenberg/Ofr.) gepflanzt. Ähnliche Nachkommenschaftsversuche wurden von der Nordwestdeutschen und Baden-Württembergischen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA, FVA-BW) angelegt. Diese bundesweite Zusammenarbeit unterstreicht die große Bedeutung eines gemeinsamen Vorgehens im Kampf gegen das Eschentriebsterben.
Die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen aus mehreren Bundesländern zeigt, dass der Erhalt und Schutz der Esche eine nationale Aufgabe ist. Nur durch gebündelte Expertise und langfristige Versuchsreihen lassen sich widerstandsfähige Bestände aufbauen. Das AWG und seine Partner setzen mit diesem Projekt einen bedeutenden Impuls für die Erhaltung der Esche und leisten einen essenziellen Beitrag zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Mit der Anlage dieser Versuchsflächen wird ein entscheidender Schritt unternommen, um die Esche für kommende Generationen zu bewahren. Die kleinen Setzlinge, die nun auf den Flächen wachsen, könnten schon bald zum Erhalt der Baumart und einem zukunftsfähigen, resilienten Wald beitragen.
Hannes Seidel und Daniel Glas, AWG
Orientbuche in der Türkei
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Vitaler und gradschaftiger Plusbaum der Orientbuche (© Dr. M. Šeho, AWG)
Das AWG befasst sich in einem bundesweiten Forschungsprojekt zur Orientbuche mit der genauen Untersuchung neutraler genetischer Variation von autochthonen Saatguterntebeständen und Anbauten der Orientbuche. Für die Beprobung der Bestände reisten zwei Wissenschaftler des AWG im Mai in die Türkei. Die Orientbuche ist der forstwirtschaftlich bedeutendste Laubbaum der Türkei und es gibt derzeit 26 zugelassene Saatguterntebestände auf einer Gesamtfläche von 3.000 ha. Die Erntebestände sind sehr groß und werden als Generhaltungswälder bewirtschaftet. Der Saatguterntebestand bei Bafra-Kuskayasi stockt in 900 m ü. NN, besteht zu 90 % aus Orientbuche und weist eine Gesamtfläche von 165.8 ha auf. Bei einem Jahresniederschlag von 795 mm, einer Jahresdurchschnittstemperatur von 13,5 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 74 % erreicht dieser Bestand im Alter von ca. 100 Jahren durchschnittliche Höhen von 30 m und Durchmesser von 45 cm. Aus genetischer Sicht sind solche Bestände mit einer hohen Anzahl an Bäumen und einem ausgeprägten Genfluss für die Saatguternte besonders geeignet.
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Gruppenfoto mit den türkischen Kollegen in Akkus-Göllüce (© Dr. M. Šeho, AWG)
Der dritte Saatguterntebestand Trabzon-Macka stockt auf 125,5 ha und ist mit der Kaukasus-Fichte gemischt. Der Bestand zeichnet sich durch eine jährliche Durchschnittstemperatur von 14,6 °C und 831 mm Jahresniederschlag aus. Die relative Luftfeuchtigkeit ist wie bei den anderen beiden Beständen recht hoch und beträgt 71 %. Dieser Bestand stockt auf Kalkgestein.
Der vierte beprobte Bestand liegt unweit von der georgischen Grenze nahe der Stadt Borcka und ist kein ausgewiesener Saatguterntebestand. Die klimatischen Kennwerte ähneln denen der Saatguterntebestände. Der Bestand weist ein durchschnittliches Alter von 140 Jahren auf und wird bewirtschaftet.
Mit den vier beprobten Beständen wurde der östliche Teil des Verbreitungsgebietes an der Schwarzmeerküste abgedeckt, um bisherige Beprobungslücken speziell in dieser Region zu schließen. Das Team um Prof. Sezgin Ayan wird nach dem gleichen Vorgehen weitere sechs Saatguterntebestände von Istanbul bis Kastamonu beproben und beschreiben. Durch die genetischen Analysen dieser Bestände werden wichtige Grundlagen für die Bewertung und Erkenntnisse zur genetischen Vielfalt von türkischen Saatguterntebeständen gewonnen. Die Daten können für die Herkunftssicherung genutzt werden.
Dr. Muhidin Šeho und Dr. Barbara Fussi, AWG

