Fichtenaltholz mit Buchenvoranbau

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Auf Deutsch auch Flatterrüster; Englisch: European White Elm
Die Flatterulme (Ulmus laevis Pall.)
von Stefan Müller-Kroehling

Bis über 35m hoch werdender Baum der Flußauen und feuchter Standorte im Hügelland, der besonders auf Auenböden, Gleyen und auch auf Bruchstandorten vorkommt. Sie ist eine namensgebende Charakterart des FFH-Lebensraumtyps 91F0, denn sie erträgt lang andauernde Überflutungen und Einstau.

Hinsichtlich der Standortsansprüche ist sie weniger anspruchsvoll als die beiden anderen heimischen Ulmen-Arten (Feld- und Bergulme). Vor allem aber ist sie viel weniger anfällig gegenüber dem Ulmensterben, jener Krankheit, die in Europa Millionen von Ulmen den Gar ausgemacht hat.
Zwar ist ihr Holz weniger geschätzt als das von von jenen Arten, es ist aber besonders zäh und daher für spezielle Anwendungen geeignet.
Als "Rettungsfloß" ist diese Ulme zum Schutz der an Ulmen gebundenen Arten besonders wichtig (Möller 1993). Einige Arten kommen sogar nur auf der Flatterulme vor, wie etwa der Ulmen-Blattfloh (Psylla ulmi) (Schmutterer 1951).

Markant und doch oft übersehen

Die Flatterulme ist von den drei in Mitteleuropa heimischen Ulmenarten die unbekannteste. In mancherlei Hinsicht ist sie regelrecht eine "verkannte Baumart", denn sie wird oft übersehen, mit anderen Ulmen verwechselt und selten gezielt angebaut oder gefördert (Timbal 1981, Müller-Kroehling 2003b). Obwohl sie sich ökologisch deutlich von Berg- und Feldulme unterscheidet, wird sie waldbaulich häufig unsinnigerweise mit jenen unter "Ulme" subsummiert. Dabei hat die Bergulme ökologisch mehr mit dem Bergahorn, die Feldulme in mancher Hinsicht mehr mit verschiedenen trocken-warmen Gehölzen gemeinsam.
Der Irrtum, die Flatterulme kreuze sich mit Feld- oder Bergulme, ist relativ weit verbreitet. Gleiches gilt für die Annahme, sie ließe sich von jenen schwer unterscheiden. Tatsächlich ist sie von Berg- und Feldulme sehr deutlich und sicher zu trennen. Sie ist in ihren Merkmalen sehr stabil, da sie in Mitteleuropa keine Rassen ausbildet und sich mit anderen Ulmenarten nicht kreuzt.

Verbreitung

Ausserhalb der höheren Lagen der Mittelgebirge und der Alpen ist die Flatterulme in Bayern relativ weit verbreitet (siehe Karte). Regelrecht häufig kommt sie jedoch nur in wenigen Regionen vor. Besonders in den Donauauen sowie in den Bach- und Sumpfwäldern Frankens (Mittelfränkisches Becken, Steigerwaldvorland, Main zwischen Kitzingen und Schweinfurt, Schweinfurter Becken) tritt sie sehr regelmäßig auf.
Die Raster-Verbreitungskarte im Bayerischen Atlas der Gefäßpflanzen (Schönfelder und Bresintzky 1990; Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 1986) gibt die Verbreitung in der Tendenz richtig, jedoch insgesamt nur unvollständig wieder. So ist sie an den Voralpenflüssen häufiger anzutreffen als dies die sporadischen Verbreitungspunkte andeuten. An Iller, Lech, Isar und Inn finden sich immer wieder Flatterulmen in ursprünglichen, sehr naturnahen Beständen. Es besteht kein Grund, anzunehmen, dass sie hier nicht autochthon sei. Obwohl sie frosthart ist, wie ihre Vorkommen in Südfinnland beweisen, steigt sie in Bayern kaum höher als 600 m, in Ostbayern sogar nur bis ca. 360 m (Walter 1931). Sie ist daher als Baumart der planaren bis collinen Stufe zu charakterisieren. Neuere Funde aus dem Fichtelgebirge und dem Bayerischen Wald belegen ebenso wie ein Blick auf ihre nördliche Verbreitungsgrenze, dass die Flatterulme durchaus keine extrem wärmebedürftige Art ist.

Ansprüche

Die Flatterulme wächst auf unterschiedlichen Standorten. An erster Stelle ist sie eine Baumart der Grundwasserböden (Gleyzeigerin) und als solche eine Charakterbaumart des Winkelseggen-Eschen-Waldes sowie des Traubenkirschen-Eschenwaldes. Ferner ist sie eine Auwaldbaumart, die z.B. auf Kalkpaternien unterschiedlicher Mächtigkeit vorkommt.
Von den heimischen Ulmen stellt sie die geringsten Ansprüche an die Nährstoffversorgung und kann auch noch auf feuchten Sandböden und anmoorigen Standorten gedeihen.

Waldschutz

Ökologisch unterscheiden die geringere Anfälligkeit für das Ulmensterben und die hohe Überflutungstoleranz diese Baumart deutlich von den anderen Ulmen. Großer und Kleiner Ulmensplintkäfer (Scolytus scolytus und S. multistriatus) als Hauptvektoren des "Ulmensterbens" fliegen die Flatterulme wegen ihrer anderen Rindeninhaltsstoffe und -struktur deutlich weniger an als Berg- und Feldulme. Dies ist der Hauptgrund, warum Flatterulmen relativ häufig Epidemien des Ulmensterbens überleben, auch wenn in der weiten Umgebung alle Berg- und Feldulmen abgestorben sind. Sie verfügt ferner über echte, wenn auch nicht vollkommene Resistenzmechanismen gegen diesen Schlauchpilz (Ophiostoma novo-ulmi, O. ulmi), wenn sie doch infiziert wird.

Überflutungstoleranz

Ihre Überflutungstoleranz ist hoch und übersteigt deutlich 100 Tage pro Jahr, je nachdem, zu welcher Jahreszeit das Hochwasserereignis eintritt und wie sauerstoffreich das Wasser ist. Diese Eigenschaft prädestiniert sie für Pflanzungen oder Verjüngungsmaßnahmen in Auwäldern, die revitalisiert werden sollen. Betrachtet man ihr heutiges Verbreitungsbild, so fällt auf, dass sie Überflutungen nicht nur erträgt, sondern regelmäßig überflutete Standorte deutlich bevorzugt. Dies könnte mit Konkurrenzphänomenen, aber auch mit günstigen Bedingungen für ihre Samen zusammenhängen, die zum Keimen offenen Boden und hohe (Luft-)Feuchtigkeit benötigen.

Holz

Verglichen mit dem Holz der Feld- und Bergulme besitzt jenes der Flatterulme für die meisten Zwecke etwas ungünstigere Eigenschaften. Für manche Verwendungen wird aber gerade seine Zähigkeit geschätzt, in Osteuropa früher sogar im Maschinenbau. Meist werden allerdings alle drei europäischen Arten gemeinsam in einem Los gehandelt. Wie bei allen seltenen Baum- und Holzarten ist jedoch die "artgerechte", artspezifische Behandlung des Holzes bei Trocknung und Verarbeitung entscheidend (Müller-Kroehling 2005). In einem Los mit den anderen Ulmen (Rüster) ist der Flatterrüster hingegen aus den genannten Gründen weniger attraktiv.

"Die Ulme" ist tot - es leben Flatter-, Berg- und Feldulme!

Die Flatterulme verdient es nicht länger, wie bisher allzu häufig mit Feld- und Bergulme als "die Ulme" in einen Topf geworfen zu werden. Es handelt sich um drei sich sowohl morphologisch als auch ökologisch voneinander unterscheidende Arten. Auch angesichts der vielfach beklagten "Armut an Baumarten" in Mitteleuropa sollten wir ihre Unterschiede kennen und auch schätzen lernen. Die Flatterulme ist eine Baumart, die sich nach der letzten Eiszeit von selbst ihren Weg aus dem Baltikum zu uns bahnte. Sie hat sich hier seitdem unter unterschiedlichsten Klimabedingungen "bewährt".
Der Erhalt dieser seltenen Baumart leistet einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Manche Arten wie der Ulmenblattfloh (Psylla ulmi), ein geschätzter Honigtau-Produzent, kommen nur an dieser Ulmenart vor (Schmutterer 1951). Auch für alle anderen monophagen Ulmenbesiedler wie den Ulmenzipfelfalter (Satyrium w-album) ist sie eine "Rettungsinsel" dort, wo die anderen beiden Ulmenarten dem Ulmensterben zum Opfer fielen (Möller 1993).
Die Flatterulme ist eine Leitbaumart natürlicher, heute vielfach selten gewordener Standorte und Waldgesellschaften. Diese Lebensräume sind daher auch nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie als "prioritärer Lebensraum" zu schützen. Die Flatterulme eignet sich hervorragend als "Zielbaumart" für die Revitalisierung der Bach- und Flußauen.

Weiterführende Informationen zur Thema Flatterulme