Eine Gruppe von Kindern steht in einem Laubwald.

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Michael Mößnang
Die das Holz in Bestform bringen – LWF aktuell 125

Hat in unseren bisherigen ›Holzwerkstatt‹- Beiträgen Opulentes, Pralles und auch schon das eine oder andere ›Gigantische‹ seinen Platz gefunden, so bleiben wir diesmal doch deutlich kleiner, ja zierlicher. Motorsägengeräusche wird man in der Werkstatt von Ulrike und Tom vergeblich hören, aber auch nicht vermissen. Stattdessen brummen und surren Elektromotoren von Laubsägen oder Schleifblöcken. Und was die beiden Holzschaffenden zwischen den Fingern halten, ist auch wesentlich feiner: ›Vom Feinsten‹ sozusagen.

Wie alles begann – das Ringerl am Finger

»Ja Tom, kannst mer du net amol so ´n Ringerl mach´ – aus Holz?« »En Ring aus Holz? Wenn´s sonst nix is? Aber ja doch«, war Toms kurze und klare Antwort auf Ulrikes Frage. Wenngleich er sich im Stillen durchaus gewundert hat: Ein Ring aus Holz, wo doch Ringe bislang immer aus Edelmetallen wie Gold, Silber, Platin oder Titan hergestellt werden. Aber postwendend besann sich der gelernte Schreiner sogleich auch darauf, dass Holz durchaus ein edles Material ist. Also – warum nicht: Ein Holzring muss es werden. Das war vor fast 20 Jahren.
Abb. 1 - 4: Tom in seiner Schmuckwerkstatt: Schleifen und sägen und immer wieder schleifen (Fotos: F. Stahl, LWF)

Aller Anfang ist schwer

So ein Holzring lässt sich nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln. Tom probierte aus: Da lief schon auch das eine oder andere zuerst nicht so rund. Aber relativ schnell hatte er´s dann doch raus. Man nehme Furniere unterschiedlicher Holzarten, lege sie übereinander und leime die Flächen zusammen – zu ›Furnierschichtholz‹. Dann bohre man saubere Löcher ins Holz, so dick wie der Finger, den der Ring später zieren soll. Und dann sägst du mit der Laubsäge um das Loch herum – und schon hast du den Rohling.

Wie ein Ring entsteht

Mit dem Rohling in der Hand geht Tom zum Tellerschleifer. Zehntel Millimeter um Zehntel Millimeter trägt er mit dem rotierenden Schleifpapier Holz vom Rohling ab, bis dieser die gewünschte Form aufweist. Schleifen, schleifen und wieder schleifen ist angesagt – zunächst mit der Maschine, dann mit der Hand. Wenn der Ring seine endgültige Form hat, dann wird lackiert. »Die Lackierung ist das A und O, wenn es um die Haltbarkeit geht. Geölte Holzringe sind um ein Vielfaches empfindlicher. Unseren Ringe macht ein Wasserbad oder auch ein längerer Aufenthalt im Wasser nichts aus«. Damit der Ring dieses Versprechen auch halten kann, muss er jedoch mehrmals lackiert werden – und nach jeder Lackierung heißt es wieder: Schleifen!

Holz vom Feinsten für besten Schmuck

Für seine Ringe und seinen anderen Holzschmuck verwendet Tom nur heimische Holzarten: Zwetschge, Eiche, Ahorn, Esche, Buche, Kastanie und viele andere: »Mit unseren heimischen Baumarten komme ich bestens zurecht. Und wenn mal ›Schwarz‹ gefragt ist, braucht’s kein Ebenholz aus Madagaskar, sondern dann such ich mir die schwarzen Holzbereiche aus dem Kern eines Nußbaums«. Einzig und die große Ausnahme: ›Rotes Meranti‹ aus Südostasien verarbeitet Tom, weil´s die »Kundschaft halt so möcht´«.
Abb. 5 - 8: Kleine Schmuck- und Warenlager sowie Stelen aus ehemaligen Scheunenbalken (Fotos: F. Stahl, LWF)

Holz und Harz

Immer häufiger werden im künstlerischen Umfeld Harze eingesetzt. Da macht auch Tom keine Ausnahme. Auch er testet und experimentiert mit Begeisterung. »Holz und Harz ergänzen sich hervorragend und verstärken gegenseitig ihre ohnehin schon faszinierenden Eigenschaften«. Holzringe mit einer aufgesetzten Harzkuppel oder Anhänger mit einem in Harz eingegossenen Holz-Gebirge: Der Fantasie und Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Schon lange nicht mehr nur das Ringerl

Auch wenn es mit einem einfachen Ringerl am Finger begann, heute ist das Sortiment größer, bunter und hie und da durchaus auch etwas extravagant. Passend zum Ring gibt es den Ohrschmuck sowie den Anhänger oder ein Collier für um den Hals. Klassische Formate wie Kreuz, Herz, Medaillon oder Schmetterling stellt Tom ebenso her wie eine ›Fliege‹ für den vornehmen Herrn oder ein ›Fensterle‹ mit besonderem Fensterschmuck.
»Die ›Fensterle‹ stehen zurzeit ganz hoch im Kurs bei den Damen«, weiß Ulrike, die dafür verantwortlich ist, den Holzschmuck an die Frau und/oder an den Mann zu bringen. Die ›Fensterle‹ waren auf den Kunstausstellungen, auf denen Ulrike ihre Kollektion anbietet, der Renner.
Abb. 9 - 11: Schmuckstücke aus Holz und Harz (Fotos: F. Stahl, LWF)

Beratung: Familiär und individuell

›Wenn’s gut werden muss‹ ist für Ulrike durchaus noch zu wenig. Ulrike will natürlich für jede Kundin und für den Kunden nur das Beste. Daher ist die individuelle Beratung ganz entscheidend, schließlich soll die Liebe zu »ihrem« bzw. zu »seinem« Holzschmuck ein Leben lang halten.
So bietet Ulrike »Schmuckabende « beim Kunden zu Hause an, wo sie in gemütlicher Runde ihre Schmuckstücke vorstellt. Schmuck gibt es natürlich nicht nur »von der Stange«. Wer seine eigene Schmuck-Vorstellung hat, die von dem abweicht, was in Ulrikes Vorlagekästen ausgestellt ist, der findet bei Ulrike und Tom immer auch Gehör.

Ausstellungen

Wenn Tom und Ulrike – bodenständig wie sie sind – mit ihrem Holzschmuck »unterwegs« sind, dann begegnet man ihnen meist im Fränkischen. Die Scheinfelder Holztage im Oktober sind schon seit Jahren ein fester Termin. Ulrike präsentiert vor allem auf Kunst- und Kulturmärkten im Landkreis Würzburg und den angrenzenden Landkreisen.
Aber sie ist selbstverständlich auch in ihrem Heimatort Greußenheim stets präsent. Da gibt es das »Backhäuslesfest« oder im Rahmen des Kulturherbstes des Landkreises Würzburg die »offene Höfe«. Dann öffnen Tom und Ulrike ihren Hof und ihre Werkstatt für die zahlreichen heimischen und auswärtigen Besucher.

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