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Cornelia Triebenbacher, Hannes Lemme und Ralf Petercord
Borkenkäfermonitoring gestartet – Schwärmflug der Borkenkäfer hat begonnen - Blickpunkt Waldschutz 3/2016

Das bayernweite Borkenkäfermonitoring der LWF zur Überwachung des Buchdruckers und des Kupferstechers wurde am 01.04.2016 gestartet. Bereits in der ersten Woche wurden an wärmebegünstigten Standorten erste Käfer gefangen.
Der Hauptschwärmflug beider Arten wird bei anhaltend warmen Temperaturen in den nächsten Tagen erwartet.

Borkenkäfermonitoring 2016

Bohrmehl fliegt aus einem Bohrloch eines Buchdruckers.Zoombild vorhanden

Abb. 1: Frühestmögliche Befallsdiagnose durch Bohrmehlsuche (Foto: LWF)

Auch dieses Jahr wird an über 100 Fallenstandorten in Bayern der Schwärmflug der Fichtenborkenkäfer mittels Pheromonfallen überwacht. In 11 Revieren wurden zudem Bruthölzer ausgelegt, an denen der Brutfortschritt regelmäßig kontrolliert wird. Aus den Ergebnissen können Rückschlüsse über Schwärmverlauf, Populationsdichte, Brutentwicklung und Bruterfolg gewonnen, der Zeitpunkt der nächsten Schwärmwelle vorhergesagt und damit die Gefährdungseinschätzung unterstützt werden. Die Ergebnisse des Borkenkäfermonitorings können auf der Internetseite www.borkenkaefer.org für jeden einzelnen Fallenstandort abgerufen werden und stehen damit allen Waldbesitzern zur Verfügung.

Auf der Internetseite findet sich zudem eine Karte der regionalen Befallsgefährdung, die in den Ampelfarben grün, gelb, rot und rot mit Schraffur die aktuelle Lageeinschätzung des jeweils zuständigen Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wiedergibt. Für die Gefährdungseinschätzung sind die Fangzahlen des Borkenkäfermonitorings eine Orientierungshilfe, sie liefern dem Praktiker Informationen zum aktuellen Schwärmverhalten und somit zum möglichen Befallsgeschehen.

Darüber hinaus werden von den ÄELF die örtlichen Risikofaktoren, wie z. B. Witterung, Wasserhaushalt oder Befall aus den Vorjahren gutachterlich eingeschätzt und bei der Einfärbung der Internetkarte mitberücksichtigt. Auch die vorhandene Arbeitskapazität und der Holzabfluss in der Region können mit einbezogen werden. Unabhängig von der Einfärbung der Karte sind Fichtenbestände regelmäßig auf Borkenkäferbefall zu kontrollieren, da eine regionale Gefährdungseinschätzung bestandesweise Kontrollen nicht ersetzen kann. Die Einfärbung liefert den Waldbesitzern jedoch einen schnellen Überblick über die Befallsgefährdung innerhalb ihrer Region und damit einen Hinweis auf die notwendige Intensität der Befallskontrollen. Befallene Bäume müssen generell möglichst rasch, spätestens vor Ausflug der Käfer aufgearbeitet werden.

Borkenkäferinfoportal: www.borkenkaefer.org

Die Farben der interaktiven Risikogebietskarte im Borkenkäferinfoportal sind wie folgt definiert:
Es ist aktuell kein Stehendbefall an der Fichte zu erwarten. Nach Borkenkäferbefall wird in Routinekontrollen an süd- und südwestexponierten Bestandesrändern und im Randbereich ehemaliger Käferlöcher gesucht. Ein Kontrollintervall von vier Wochen ist ausreichend.
Eine Gefährdung ist örtlich nicht auszuschliessen, vereinzelt tritt Stehendbefall auf. Bestandesränder, Randbereiche ehemaliger Käferlöcher und Bereiche mit Trockenschäden sind alle drei Wochen intensiv zu kontrollieren.
Akute Gefährdung der Fichtenbestände durch Stehendbefall einzelner Bäume, eine Ausweitung des Stehendbefalls ist zu befürchten. Die Gefahr einer Massenvermehrung ist hoch. Risikobereiche und auch das Bestandesinnere (bis zwei Baumreihen) sind in einem zweiwöchigen Intervall, Befallsflächen wöchentlich zu kontrollieren.
Akute Gefahr von großflächigem Stehendbefall. Es treten vermehrt Befallsflächen mit mehr als 50 Fichten auf. Risikobereiche und das Bestandesinnere (bis zu zwei Baumreihen) sind in einem wöchentlichen Intervall zu kontrollieren.

Ausgangssituation

Die hohen Temperaturen und Niederschlagsdefizite im Sommer und Herbst 2015 waren für die Entwicklung rindenbrütender Insekten außergewöhnlich förderlich. Buchdrucker und Kupferstecher konnten in weiten Teilen des Landes drei Generationen und dazugehörige Geschwisterbruten durchlaufen und damit hohe Populationsdichten aufbauen.

In den vergangenen Monaten konnte durch die konsequente Aufarbeitung des angefallenen Käferholzes die Populationsdichte der Borkenkäfer zwar gesenkt werden, trotzdem ist die Ausgangsituation für beide Käferarten deutlich besser als in den Vorjahren.

Erkennbar wird die anhaltend hohe Gefährdungssituation durch rotverfärbte Fichten, die noch in den Beständen zu finden sind. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Fichten mit Kupferstecherbefall, die erst jetzt zeichnen und daher nicht rechtzeitig aufgearbeitet werden konnten.

Aktuelle Situation

In den Lagen bis 600 m über n. N. außerhalb der Alpen gab es bis Mitte April bereits mehr als drei Tage mit Höchsttemperaturen über 16 °C. In den Alpen sind die Werte sogar in höheren Lagen bereits erreicht worden. An diesen warmen Tagen begannen die ersten Buchdrucker und Kupferstecher zu schwärmen. Den Hauptschwärmflug erwarten wir in dieser Woche. Dann ist auch mit erstem Stehendbefall zu rechnen.

Empfehlungen

  • Entfernen Sie möglichst rasch liegendes Stamm- und Restholz aus dem Wald durch Abfuhr des Stammholzes oder Hacken der Resthölzer. In Rückegassen eingebautes Material sollte, sofern noch nicht geschehen, jetzt auf Kupferstecherbefall kontrolliert und ggf. gehackt werden.
  • Bei befallenem Stammholz, das näher als 500 m zum nächsten angrenzenden Fichtenbestand gelagert ist und nicht abgefahren werden kann, ist ein Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel als Vorausflugbehandlung zu prüfen. Die vorgegebenen Anwendungsbestimmungen sind zwingend einzuhalten.
  • Mit dem Hauptschwärmflug beginnt die Suche nach Stehendbefall. Diese sollte jetzt auf letztjährige Befallsherde und südexponierte Bestandesränder konzentriert werden.
  • Ausführliche Hinweise, insbesondere auch zu den Befallsmerkmalen, finden Sie im neuen LWF-Merkblatt Nr. 14 „Buchdrucker und Kupferstecher an Fichte“ auf der Webseite der LWF.

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