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Eichenprozessionsspinner - Gefahr für Wald und Mensch

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea L.) kommt in Bayern an allen Eichen-Arten der Gattung Eiche vor: Stieleiche, Traubeneiche und Roteiche. Er tritt in warm-trockenen Regionen auf und bevorzugt lichte Eichenwälder, Bestandesränder und Einzelbäume in warmtrockenen Regionen auf, in Trockenjahren auch in Massenvermehrungen.

Große Anzahl Raupen des Eichenprozessionspinners gebündelt an einem Ast.Zoombild vorhanden

Abbildung: Eichenprozessionsspinner-Raupen

Eine Bekämpfung war früher dennoch nicht notwendig. Seit 1995 ist eine starke Zunahme dieser früher seltenen Schmetterlings in Unter- und Mittelfranken sowie im westlichen Oberfranken zu verzeichnen. Schwerpunkte des Eichen-Schädlings liegen im Bereich der Fränkischen Platte zwischen Schweinfurt,Würzburg und Ansbach mit teilweise starkem Befall von Eichen in öffentlichen Grünanlagen und in Gärten.

Neben den Fraßschäden liegt die eigentliche Schadwirkung des Eichenprozessionsspinners in den gesundheitlichen Auswirkungen der giftigen Raupenhaare auf den Menschen. Die Haare der Raupen führen beim Menschen zu Allergien. Gesundheitliche Beschwerden durch den Eichenprozessionsspinner können während des gesamten Jahres entstehen.

Biologie und jährlicher Entwicklungszyklus

Bayernkarte mit den eingezeichneten Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit blauen Schattierungen zur Verbreitung des Eichenprozessionsspinners bis 2015 (Grafik: Gabriela Lobinger). Schwerpunkt der Verbreitung ist Unterfranken. Keine Vorkommen gibt es in den ostbayerischen Gebirgen, dem Berchtesgadener Land sowie dem Allgäu.Zoombild vorhanden

Abbildung 2: Eichenprozessionsspinner Verbreitungsnachweis 2015

Der unscheinbare, in den Nachtstunden schwärmende Schmetterling fliegt Ende Juli bis Anfang September. Er erreicht eine Flügelspannweite von 25mm. Seine Vorderflügel sind grau mit schwach ausgeprägten dunk len Querlinien, die Hinterflügel sind weissgrau.

Ein Eichenprozessionsspinner-Weibchen legt im Mittel 150 ca. 1mm große weiße Eier ausschließlich im oberen Kronenbereich von Eichen. Diese werden an dünnen, ein bis zwei jährigen besonnten Eichen-Zweigen in Form länglicher Platten abgelegt. Das Weibchen tarnt diese Gelege mit grauen Afterschuppen und Sekret. Bereits im Herbst entwickelt sich der Embryo, die fertige Jungraupe überwintert im Ei. Anfang Mai schlüpfen die für den Menschen gefährlichen Raupen des Eichenprozessionsspinners. Sie durchlaufen bis zur Verpuppung fünf bis sechs Entwicklungsstadien. Auf der breiten dunklen Rückenlinie liegen samtartig behaarte Felder mit rotbraunen, langbehaarten Warzen. Die Raupen fressen die austreibenden Blätter der Eichen, wobei oft die Mittelrippe zurück bleibt.

Von Beginn an leben die Eichenprozessionsspinner in geselligen Familienverbänden und sammeln sich nestartig an locker zusammengesponnenen Blättern oder Zweigen. Mitte Juni ziehen sich die älteren Raupen tagsüber und zur Häutung in typische, mit Kot und alten Larvenhäuten gefüllte Gespinstnester am Stamm und in Astgabelungen von Eichen zurück. Diese Nester sind bis zu einem Meter lang. Von dort aus begeben sich die Eichenprozessionsspinner-Raupen wie in einer Prozession auf Nahrungssuche. 20 bis 30 ältere Raupen können dabei nebeneinander her wandern und Prozessionen von mehr als 10 m Länge bilden.

Die Verpuppung des Eichenprozessionsspinners erfolgt Ende Juni/Anfang Juli in dicht aneinandergedrängten Kokons im Gespinstnest. Die Puppenruhe dauert drei bis fünf Wochen. Die Nester können mehrere Jahre als feste Gebilde aus Spinnfäden, Raupenkot, Häutungsresten und Puppenhülsen erhalten bleiben. Die Gefahr von Allergien beim Menschen bleibt dabei weiter bestehen.

Raupen-Dermatitis und Allergien durch den Eichenprozessionsspinner

Giftige Raupenhaare
Die Raupenhaare des Eichenprozessionsspinners stellen eine akute gesundheitliche Gefährdung für Menschen dar. Ab dem dritten Larvenstadium wachsen den Raupen sehr feine Brennhaare, die leicht brechen und bei günstiger Witterung durch Luftströmungen über weite Strecken getragen werden. Da die alten Larvenhäute nach der Häutung in den "Nestern bleiben", besitzen diese ebenfalls eine hohe Konzentration an Brennhaaren.
Dauer der Gefährdung
Die akute Gefahr ist während der Raupenfraßzeit des Schädlings am größten. Alte Gespinstnester des Eichenprozessionsspinners, ob am Baum haftend oder am Boden liegend, stellen eine anhaltende Gefahrenquelle dar. Da die Raupenhaare eine lange Haltbarkeit besitzen, reichern sie sich über mehrere Jahre in der Umgebung, besonders im Unterholz und im Bodenbewuchs, an. Sie halten sich auch an den Kleidern und Schuhen und lösen bei Berührungen stets neue allergische Reaktionen aus.

Symptome einer Raupen-Dermatitis durch den Eichenprozessionsspinner

Die allergische Reaktion des Immunsystems kann individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Bei betroffenen Personen steigt die Empfindlichkeit und Reaktionsintensität mit der Anzahl der Einzelkontakte von Eichenprozessionsspinner-Brennhaaren stetig an. Zu den Symptomen gehören lokale Hautausschläge (Raupendermatitis), die sich in punktuellen Hautrötungen, leichten Schwellungen, starkem Juckreiz und Brennen äußern. Häufig bilden sich Quaddeln am ganzen Körper. Reizungen an Mundund Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare können zu Bronchitis, schmerzhaftem Husten und Asthma führen. Begleitend treten Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung auf. In Einzelfällen neigen überempfindliche Personen zu allergischen Schockreaktionen.

Die Brennhaare der Eichenprozessionsspinner-Raupen haben Widerhaken, sind hohl und enthalten als Brennsubstanz das lösliche Eiweiß Thaumetopoein. Ihre Reizwirkung an Hautstellen und an den Schleimhäuten ist mechanisch, da sie in die Haut eindringen. Zudem wirkt das freigesetzte giftige Protein biochemisch. Besonders betroffen sind dünne Hautpartien im Gesicht, am Hals und an der Innenseite der Ellenbogen.

Bei Auftreten von allergischen Symptomen sollte der behandelnde Arzt oder Hautarzt aufgesucht werden. Der Patient sollte dabei von sich aus auf den Kontakt mit den Raupenhaaren hinweisen.

Risikogruppen

  • Erholungssuchende im Wald und an Waldrändern
  • Besucher von Freizeitanlagen (z. B. Sportplatz, Schwimmbad, Kinderspielplatz, Campinganlagen, Parkplätze)
  • Direkte Anwohner betroffener Waldgebiete
  • Besitzer von Eichen in Gartenanlagen
  • Spielende Kinder durch unmittelbare Berührung mit den Raupen und ihren Nestern
  • Waldarbeiter und Selbstwerber in befallenen Waldgebieten
  • Brennholzabnehmer
  • Arbeitskräfte von Landschaftspflegebetrieben und Straßenmeistereien
  • Gefahr von Magenschleimhautentzündung bei Tieren über Aufnahme der Brennhaare mit der Nahrung

Vorsichtsmaßnahmen

  • Grundsätzlich die Befallsareale meiden
  • Raupen und Gespinste nicht berühren
  • Sofortiger Kleiderwechsel und Duschbad mit Haarreinigung nach Kontakt mit Raupenhaaren
  • Empfindliche Hautbereiche (z. B. Nacken, Hals, Unterarme) schützen, bei Bekämpfungsmaßnahmen Chemievollschutzanzug und Atemschutz tragen
  • Auf Holzernte- oder Pflegemaßnahmen verzichten, solange Raupennester des Eichenprozessionsspinners erkennbar sind
  • Bekämpfung wegen gesundheitlicher Belastung und spezieller Arbeitstechnik nur von Fachleuten durchführen lassen

Bedeutung für den Wald

Eichenprozessionsspinner

Abbildung 3: Gesellschaft an einem Ast

Bis vor wenigen Jahren beschränkte sich der Raupenfraß des Eichenprozessionsspinners auf einzeln stehende Eichen in Parkanlagen, Alleen, auf Parkplätzen oder entlang von Waldrändern. Der Schaden war gering, da die Eichen durch den Johannistrieb ein hohes Regenerationsvermögen besitzen.

Seit 1995 tritt der Schädling jedoch flächig in Massenvermehrung auf. Schwerpunkt sind auf der Fränkischen Platte v.a. ehemalige oder aktiv bewirtschaftete Eichen-Mittelwälder. Bei einmaligem Kahlfraß durch den Eichenprozessionsspinner verhindert die Regenerationskraft der Eichen Folgeschäden. Bei mehrjährig aufeinander folgendem starken Fraß wird die Vitalität geschwächt, die Disposition der Bäume gegenüber weiteren Schädlingen wie Mehltau oder Eichenprachtkäfer erhöht sich. Die Folgen sind Zuwachsverluste, Ausfall der Eichenmast sowie häufiges Absterben.

Natürliche Feinde

Der Eichenprozessionsspinner besitzt eine Vielzahl natürlicher Feinde. Einige entfalten ihre Wirkung erst nach mehreren Jahren der Massenvermehrung. Besonders wirksam sind Ei- und Raupenparasiten wie die Raupenfliegen aus der Familie der Tachinidae, deren Larven sich im Inneren des Wirtes entwickeln. Wichtigste räuberische Käferart ist der Puppenräuber. Seine Larven suchen ihre Beute im Raupengespinst, während der Käfer die freien Raupen attackiert. Der Kuckuck verspeist die behaarten Raupen trotz der Brennhaare. Sie zeigen bei ihm keine Wirkung, da er seine Magenschleimhaut mit den darin festsitzenden Haaren herauswürgen kann.

Überwachung und Prognose

Eine Einschätzung der Populationsentwicklung des Eichenprozessionsspinners erfolgt anhand stichprobenartiger Kontrollen der Eigelege in den Baumkronen. Hierzu werden die Zweigproben bei feuchter Witterung untersucht (Probefällung im Winter, Baumsteiger, Hebebühne), da die Gelege dann dunkler und deutlich sichtbar sind. Eine kritische Zahl der Eidichte ist nicht bekannt. Jedoch weisen auch nur wenige gefundene Gelege immer auf eine erhöhte Dichte hin. Eine Überwachung des Falterfluges mit Pheromonen, dies sind artspezifische Sexuallockstoffe, ist in der Praxis noch nicht möglich.

Bekämpfung

Vorrangig muss eine Bekämpfung aus hygienischen Gründen dort in Erwägung gezogen werden, wo Menschen durch die Gifthaare gefährdet sind und eine Absperrung des befallenen Geländes für längere Zeit unmöglich ist. Zuständig zur Abwehr der Gesundheitsgefahr auf öffentlichem Gelände sind die Gemeinden, bei Privatgrundstücken die Eigentümer. Privatpersonen sollten dabei jedoch nicht zum Mittel der Selbshilfe greifen. Der Einsatz von Insektiziden ist sorgfältig abzuwägen und muß die Belange von Naturschutz und Wasserschutz berücksichtigen. Dabei sollte immer der Rat von Fachleuten eingeholt werden.

Hintergrundinformationen und Downloads zum Eichenprozessionsspinner

Informationen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

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