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Lärchenschadinsekten

Obwohl die Europäische Lärche nur etwa 1% der deutschen Waldfläche einnimmt, sind Lärchenwälder pilzartenreich und beherbergen eine vielfältige Insektenfauna. Ursache dafür ist, dass das heutige natürliche Areal der Europäischen Lärche das Relikt einer ehemals weiten Verbreitung ist. Die Insektenfauna der Lärche ist hinreichend bekannt. Im natürlichen Verbreitungsgebiet gibt es nur wenige Arten, die nennenswerte Schäden verursachen.

Anders ist die Waldschutzsituation der Lärche dagegen in den künstlichen Anbaugebieten zu bewerten. Massenvermehrungen können hier zum Ausfall dieser wertvollen Mischbaumart führen. Auffällige und forstwirtschaftlich spürbare Schäden werden durch die Lärchenminiermotte (Coleophora laricella), den Großen Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae) und den Lärchenbock (Tetropium gabrieli) verursacht.
Der Große Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae) ist der bedeutendste Forstschädling an der Lärche. Normalerweise befällt er nur geschwächte oder frisch abgestorbene Bäume ohne ein bestandesbedrohliches Potential zu erreichen. Nach Witterungsextremen wie Sturm und Trockenjahren findet der Lärchenborkenkäfer jedoch ein hohes Brutraumangebot und kann epidemisch in allen Altersklassen in Erscheinung treten.
Rotbrauner behaarter Käfer mit schwarzem Kopf.

Imago (Foto: Milan Zubrik, Forest Research Institute - Slovakia, bugwood.org)

Rindenstück mit Fraßspuren von Käfern.

Fraßbild (Foto: Jan Liska, Forestry and Game Management Research Institute, Bugwood.org)

Rindenstück mit Fraßspuren von Käfern.

Fraßbild (Foto: G. Lobinger, LWF)

Abgestorbener Lärchenbestand.

Schadbild (Foto: Beat Forster, Swiss Federal Institute for Forest, Snow and Landscape Research, Bugwood.org)

Biologie des Großen Lärchenborkenkäfers
Der dunkelbraune, gelblich behaarte etwa 4,9 – 6mm lange Käfer ähnelt in Aussehen und Verhalten zwei weiteren Vertretern der Gattung Ips, dem Buchdrucker (Ips typographus) und dem Kleinen Fichtenborkenkäfer (Ips amitinus).

Der Lärchenborkenkäfer ist ein polygamer Rindenbrüter. Von der Rammelkammer ausgehend verlaufen meist 3 bis zu 20cm lange Muttergänge erst quer, dann längs zur Stammachse. Nach der Anlage der ersten Generation führen die Weibchen einen Regenerationsfraß im Brutbild durch. Nach dem Regenerationsfraß beginnen die Weibchen am gleichen Brutort in den verlängerten oder in neuen Muttergängen mit der Eiablage der Geschwisterbruten. Auf diese Weise entstehen zahlreiche Brutbildvarianten.

Von sehr regelmäßig angeordneten Einischen gehen dichte und geradlinige Larvengänge aus, die in relativ großen, längsovalen Puppenwiegen enden. Je nach Rindenstärke liegt das gesamte Fraßbild in der Rinde und der Splint wird dabei nicht oder nur schwach gefurcht. Die Jungkäfer vollziehen ihren Reifungsfraß am Brutort neben den Puppenwiegen. Das ursprüngliche Brutbild kann dabei völlig zermulmt werden.

Bei hoher Besiedlungsdichte und zu schnellem Austrocknen des Brutraumes suchen die Jungkäfer zum Reifungsfraß wie auch Altkäfer zum Regenerationsfraß die Triebe und Zweige vitaler Lärchen auf
Die Triebe werden bis zum Splint befressen oder ähnlich dem Reifungsfraß der Waldgärtner-Arten tunnelartig ausgehöhlt. Die beschädigten Äste werden vom Wind leichter gebrochen. Die so geschwächten Lärchen sind im Folgejahr anfälliger für den Brutfraß.

Je nach Höhenlage und Witterungsbedingungen kann der zu den Spätschwärmern zählende Borkenkäfer 1 bis 2 Generationen sowie Geschwisterbruten im Jahr mit den Hauptflugzeiten Ende April/ Anfang Mai und Ende Juli/ Anfang August entwickeln.
Auch der Lärchenbock (Tetropium gabrieli) ist ein typischer Sekundärschädling, der neben vitalitätsgeschwächten Lärchen (physiologischer Schaden) auch liegendes Stammholz (technischer Schaden) befällt.

Die physiologische Schädigung durch den Larvenfraß kann zum Absterben der Bäume führen. Je nachdem wie tief die Larve zur Verpuppung ins Holz vordringt, verursacht sie eine technische Schädigung von bis zu 50 %. Nach Kalamitäten (z. B. Sturm) kann der Befall bei hoher Populationsdichte primären Charakter annehmen.
Zeichnung eines braun-rot-blauen Käfers mit langen Fühlern.

Imago (Foto: C. Triebenbacher, LWF)

Schwarzer Käfer mit langen Fühlern sitzt auf der Borke eines Nadelbaums.

Imago (Foto: Stanislaw Kinelski, Bugwood.org)

Ausschnitt eines Nadelbaumstamms mit abgeplatzter Rinde und Bohrloch.

Bohrloch (Foto: Stanislaw Kinelski, Bugwood.org)

Biologie des Lärchenbocks
Der Käfer erreicht eine Länge von 8-18 mm und befällt fast ausschließlich Bäume der Gattung Larix (hauptsächlich Larix decidua), sehr selten auch andere Nadelbaumarten. Die Flügeldecken sind rot-braun bis schwarz und die Beine rötlich gefärbt, wobei die Körperfärbung stark variieren kann.

Zwischen Mai und Juli werden im unteren Stammbereich in meist dichtem Besatz kleine Gelege von 3 bis 10 Eiern abgelegt. Nach den Schlupf verteilen sich die Larven zunächst auf der Rinde und bohren sich erst dann in diese ein. Die Fraßgänge der Larven verlaufen im Bereich des Kambiums und schürfen den Splint, so werden Phloem- und Xylemleitgefäße zerstört. Diese Fraßgänge verlaufen in mehr oder weniger geschwungenen Windungen quer zur Stammachse und haben einen ovalen Querschnitt, der wolkig mit festgepressten weißen und braunen, relativ groben Nagespänen gefüllt ist.

Am Ende ihrer Entwicklung dringen die Larven ins Holz ein und verpuppen sich nach Anlage des für Bockkäfer typischen nach unten zeigenden Hakenganges. Nach etwa 14-tägiger Puppenruhe nagt sich der Käfer durch ein flachovales Bohrloch nach außen.

Der Lärchenbock tritt oft vergesellschaftet mit dem Großen Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae) auf. Beide Arten übertragen Bläuepilze.
Schäden durch die Lärchenminiermotte (Coleophora laricella) treten in Bayerns Wäldern regelmäßig auf, zeitweilig gemeinsam mit Schäden durch die Lärchennadelknicklaus (Adelges geniculatus). Mit diesen können sie auch bei oberflächlicher Betrachtung verwechselt werden. Beide Schadinsekten führen zum Abknicken und Verbraunen der Nadeln. Der auffällige Fraßschaden durch die Lärchenminiermotte, der ganze Bestände braun färben kann, führt nicht zum Absterben der Bäume, verursacht aber erhebliche Zuwachsverluste und damit auch eine Vitalitätsschwächung. Mehrjährige Massenvermehrungen disponieren die betroffenen Lärchen damit für den Befall sekundärer Schaderreger.
Längliche grau-weiße Motte sitzt auf einem Zweig eines Nadelbaums.

Sack (Foto: Milan Zubrik, Forest Research Institute - Slovakia, bugwood.org)

Länglicher grau-weißer Sack auf Nadelbaumzweig.

Sack (Foto: Gyorgy Csoka, Hungary Forest Rearch Institute, bugwood.org)

Lärchenzweig mit vielen braunen abgeknickten Nadeln.

Schadbild (Foto: W. C. Guy, Bugwood.org)

Biologie der Lärchenminiermotte
Die Lärchenminiermotte gehört zur der Familie der Sackträgermotten (Coleophoridae). Der ausgewachsene Schmetterling selbst ist unscheinbar grau mit einer Flügelspannweite von 9 mm. Charakteristisch für ihn sind die typischen Fransen an Vorder - und Hinterflügeln. Die Lärchenminiermotte durchläuft eine Generation im Jahr. Die tagaktiven Schmetterlinge fliegen im Mai und Juni. Die Weibchen legen die Eier einzeln an der unteren Nadelseite in der Nähe der Nadelspitzen ab. Die Eiraupen schlüpfen 8 bis 14 Tage nach der Eiablage und dringen direkt in die Nadeln ein, um in dieser zu minieren.

Durch die Miniertätigkeit der ersten beiden Larvenstadien vertrocknet die Nadel von der Spitze her, verfärbt sich braun und knickt zusätzlich leicht ein, verbleibt aber am Baum. So entsteht das für den Herbst typische Schadbild.

Etwa Mitte September, wenn sich die Larve im dritten Entwicklungsstadium befindet, baut sich die Raupe aus der Nadel dann einen nach beiden Seiten offenen "Sack", der zunächst aus einer, später aus zwei ausgehöhlten Nadeln besteht. In diesem Schutzmantel bewegt sich die Raupe frei am Baum und setzt ihre Fraßtätigkeit fort.

Nach der Überwinterung als Larve an den Trieben fressen sie an austreibenden Nadeln und Blüten im Frühjahr. Zwischen Ende April und Mitte bis Ende Mai verpuppt sich die Raupe in ihrem Sack, den sie in der Mitte eines Kurztriebes festgesponnen hat. Die Puppenruhe dauert ca. 3 Wochen, so dass der Zyklus Ende Mai/Anfang Juni mit dem Schlupf des Schmetterlings beendet wird bzw. neu beginnen kann.
Der graue Lärchenwickler (Zeiraphera griseana) zählt im Alpenraum in Höhenlagen von 1.600 – 2.100 m üNN als gefährlichstes Fraßinsekt an Lärchen und anderen Nadelbäumen, besonderes der Zirbelkiefer. Besonders in der Schweiz kommt es regelmäßig alle 8-10 Jahre zu beachtlichen Schäden durch Kahlfraß an Lärche und Arve. Lärchen sterben in der Regel nicht durch Lärchenwicklerbefall ab. Arven dagegen werden nachhaltig geschwächt und sind dann anfällig für den Befall durch Sekundärschädlinge wie den Echten Kiefernrüssler, die Arvenwolllaus oder Borkenkäfer.
Grau-braun-weißes Insekt sitzt auf einem Blatt.

Imago (Foto: Csaba Szaboki, Bugwood.org)

Beige-graue Larve mit dunkelbraunem Kopf sitzt auf einem Zweig.

Larve (Foto: Gyorgy Csoka, Hungary Forest Rearch Institute, Bugwood.org)

Nahaufnahme eines Lärchenzweigs mit abgefressenen Nadelspitzen.

Schadbild (Foto: Gyorgy Csoka, Hungary Forest Rearch Institute, Bugwood.org)

Biologie des Grauen Lärchenwicklers
Der Falter des Grauen Lärchenwickler ist in der Regel hellgrau, hell- und dunkelbraun marmoriert und hat eine Flügelspannweite von 18-20 mm. Der Lebenszyklus ist einjährig. Im Juli bis September legen die Weibchen 150 bis 300 Eier unter Flechten im oberen Kronenteil ab. Die Raupen schlüpfen im Mai und fressen an den frisch ausgetriebenen Lärchennadeln. Die jungen Raupen spinnen einen Gespinstsack zwischen 2 jungen Kurztriebnadeln. Ältere Stadien verspinnen ganze Nadelbündel, aus dem heraus sie die Nadeln befressen. Die Verpuppung erfolgt im Juli/August in der Nadelstreu. Ungefähr nach 4 Wochen schlüpfen die Falter, die dämmerungs- und nachtaktiven sind.

Großer Brauner Rüsselkäfer

Großer Brauner Rüsselkäfer (Hylobius abietis)

Der Große Braune Rüsselkäfer (Hylobius abietis) ist eine der größten Gefahren bei der Kulturbegründung mit Nadelholz. Auch wenn die Pflanzung von Fichten rückläufig ist, spielt er auf vielen Sturmwurf- und Kalamitätsflächen eine große Rolle.   Mehr

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