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Holger Hastreiter
Schadholzmenge 2019 auf Rekordhoch – LWF aktuell 127

Mit 58 Prozent war der außerplanmäßige Holzeinschlag so hoch wie noch nie seit Beginn der Einschlagserhebung

Hitze und Trockenheit schwächten 2019 die Wälder in vielen Landesteilen und begünstigten die explosionsartige Vermehrung waldschädlicher Insekten. Hinzu kamen noch Sturmschäden und im Süden und Osten des Landes massiver Schneebruch. So lässt sich in Kürze die Waldschutzsituation 2019 in Bayern schildern. Insgesamt ist im vergangenen Jahr bei einem Gesamteinschlag von 18,95 Millionen Festmetern eine Schadholzmenge von 10,9 Millionen Festmetern angefallen.

Nadelholzpolder am WegrandZoombild vorhanden

Abb. 1: 6,34 Mio. Efm Schadholz entstand 2019 durch waldschädliche Insekten. (Foto: F. Stahl)

Die Einschlagserhebung der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) ergab für 2019 eine Holzmenge von 12,56 Mio. Festmeter im Privatwald und 1,41 Mio. Festmeter im Körperschaftswald. Die Einschlagsmengen sind somit um 5 % im Privatwald und um 7 % im Körperschaftswald gestiegen. Aus dem Staatswald (mit Nationalparken) wurden 4,86 Mio. Festmeter gemeldet.

Der Holzanfall lag damit etwa gleichauf mit dem des Jahres 2018. Im Bundeswald wurden 0,12 Mio. Festmeter genutzt, was einem Rückgang von 8 % entspricht. Der Gesamteinschlag mit 18,95 Mio. Festmeter war um 3 % höher als im Vorjahr. Abbildung 2 veranschaulicht die eingeschlagenen Holzmengen der vergangenen drei Jahre zum einen nach der Waldbesitzart und zum anderen, jeweils bezogen auf den bayerischen Gesamtwald, nach den Baumartengruppen und den ausgehaltenen Sortimenten. Die während der drei Jahre über alle Besitzarten angefallenen kalamitätsbedingten Holznutzungen sind, nach Schadursache getrennt, ebenfalls dargestellt.

An der Umfrage zum Holzeinschlag haben 666 Privatwald- und 519 Körperschaftswaldbetriebe teilgenommen. Gemäß der gesetzlich verankerten Einschlagsstatistik werden in der Erhebung vier Baumartengruppen unterschieden:
  • Fichtengruppe mit Fichte, Tanne, Douglasie
  • Kieferngruppe mit Kiefer und Lärche
  • Eichengruppe mit Stiel-, Traubenund Roteiche
  • Buchengruppe mit Buche und allen übrigen Laubholzarten
Innerhalb dieser Gruppierungen wird die Holzmenge in Erntefestmetern ohne Rinde (Efm o.R.) nach Stamm-, Industrieund Energieholz (Scheitholz und Hackschnitzel) aufgeteilt erhoben.

Tabelle 1: Baumartenverteilung und deren Veränderung gegenüber 2018 in den Besitzarten

* in Tsd. Efm o. R.

BesitzartFichte [Efm. o. R.]*Kiefer [Efm. o. R.]*Eiche [Efm. o. R.]*Buche [Efm. o. R.]*
Privatwald9.569 (+6%)1.508 (+7%)167 (–19%)1.319 (–6%)
Körperschaftswald916 (+18%)160 (–21%)68 (–2%)265 (–3%)
Staatswald3.299 (+4%)612 (–10%)115 (–2%)829 (–9%)
Bundeswald66 (–10%)30 (–18%)1 (–4%)26 (+18%)
Gesamtwald13.850 (+7%)2.310 (–1%)351 (–11%)2.439 (–7%)

Tabelle 1 gibt für alle Besitzarten und den Gesamtwald Bayerns einen Überblick über die Einschlagsmengen in den Baumartengruppen. Der im Wald verbleibende Derbholzanteil (Durchmesser größer als 7 cm) ist in diesen Werten enthalten. Die Prozentwerte zeigen die Veränderungen zum Jahr 2018. Angaben dahingehend, in welcher Menge und in welchem Verhältnis die Sortimente Nadel- und Laubstammholz, Industrieholz sowie Energieholz in den Besitzarten und auf der gesamten Waldfläche ausgehalten wurden, und Informationen darüber, ob diese verglichen mit der Vorjahresmenge zu- oder abgenommen haben, können Tabelle 2 entnommen werden. Die Mengenverteilung der Sortimente innerhalb und zwischen den Baumartengruppen und deren Veränderung sind in Tabelle 3 dargestellt. Die Zahlen beziehen sich dabei auf den bayerischen Gesamtwald.

Tabelle 2: Sortimentsverteilung und deren Veränderungen gegenüber 2018 in den Besitzarten

* in Tsd. Efm o. R.

BesitzartNadelstammholz [Efm. o. R.]*Laubstammholz [Efm. o. R.]*Industrieholz [Efm. o. R.]*Energieholz [Efm. o. R.]*
Privatwald5.294 (–9%)139 (–51%)841 (+35%)6.105 (+19%)
Körperschaftswald735 (+/–0%)103 (–6%)155 (+7%)358 (+27%)
Staatswald2.729 (–4%)197 (–4%)676 (+10%)681 (+5%)
Bundeswald49 (–25%)3 (+72%)23 (+10%)41 (+6%)
Gesamtwald8.807 (–7%)442 (–26%)1.695 (+20%)7.185 (+18%)

Einschlagsaktivitäten im Jahresverlauf

Balkendiagramm mit gelben, orangen und grünen BalkenZoombild vorhanden

Abb. 2: Holzeinschlag der Jahre 2017, 2018 und 2019 (Grafik: LWF)

Das Einschlagsjahr 2019 begann für viele Waldbesitzer mit der Aufarbeitung noch stehender Käferbäume aus dem Vorjahr. Aber bereits Mitte Januar behinderten starke Schneefälle die Waldarbeiten und führten im weiteren Verlauf, vor allem im Alpenraum und im Bayerischen Wald, zu massiven Schneebruchschäden. Häufig entstanden diese in unzugänglichen Lagen. Zusätzlich erschwerte der in den Gebirgslagen spät ausapernde Schnee die Suche nach den Schadflächen und verzögerte deren Aufarbeitung bis in den Spätsommer. Die Borkenkäfersituation wurde dadurch weiter verschärft.

Zum Ende des ersten Quartals wurde Bayern von kleineren Sturmereignissen getroffen. Die dadurch in den Wäldern entstandenen Einzel- und Nesterwürfe mussten zeitaufwändig gesucht und dann zügig aufgearbeitet werden, um die ohnehin gefährliche Borkenkäfersituation nicht noch zusätzlich zu begünstigen.

Bedingt durch einen hohen Ausgangsbestand an Käfern und die für die Entwicklung der Insekten förderliche warme und trockene Witterung standen die weiteren Waldarbeiten im Jahresverlauf vielerorts in Bayern unter dem Motto "Käferbaumsuche und -aufarbeitung statt Normaleinschlag". Der Frischholzeinschlag wurde immer weiter zurückgefahren.

Die Borkenkäfer-Aktivität war fast überall hoch, aber besonders in Nord- und Ostbayern musste ein enormer Anstieg bei Buchdrucker- und Kupferstecherbefall verzeichnet werden. Der Massenanfall von Schadholz führte vielerorts zu einer verzögerten Holzabfuhr und wachsenden Waldlagern. Durch Nasslagerung und durch Zwischenlagerung auf landwirtschaftlichen Flächen gelang es, die Situation in einigen Regionen etwas zu entschärfen.
Tabelle 3: Sortimentsverteilung und deren Veränderung gegenüber 2018 in den Baumartengruppen

* in Tsd. Efm o. R.

BaumartStammholz [Efm. o. R.]*Industrieholz [Efm. o. R.]*Energieholz [Efm. o. R.]*
Fichte7.724 (–6%)1.085 (+34%)4.582 (+28%)
Kiefer1.083 (–12%)196 (+28%)928 (+12%)
Eiche103 (–26%)35 (+1%)174 (–6%)
Buche339 (–26%)379 (–7%)1.501 (+1%)
Gesamtwald9.249 (–8%)1.695 (+20%)7.185 (+18%)
Fatal war die Lage vor allem für Kleinwaldbesitzer, die während der Sommermonate immer wieder einzelne Käferbäume aus ihrem Wald entnehmen mussten. Solche Kleinmengen sind zeitaufwändig im »Handling« und passen nicht in die Logistik vieler Forstzusammenschlüsse. Aufgrund der schlechten Absatzmöglichkeiten und der stark gefallenen Holzpreise wurde in der Folge eigentlich noch brauchbares Stammholz zu Brennholz aufgearbeitet und eingelagert.
So manches private Brennholzlager übersteigt dadurch mittlerweile die für den Eigenbedarf sinnvolle Größe. Verkaufen lässt sich Scheitholz aufgrund des allgemeinen Überangebotes eher schlecht; der letzte Winter war einfach zu warm und Heizöl ist derzeit günstig wie lange nicht mehr.

Unter der anhaltenden Trockenheit litt aber nicht nur die Fichte. Auch andere Baumarten wie zum Beispiel Buche und Kiefer wurden letal geschädigt oder fielen geschwächt durch den Wassermangel anderen Schadorganismen zum Opfer. Häufig wurde beispielsweise bei der Schadholzmeldung auch das Eschentriebsterben genannt, das Bäume aller Altersklassen befällt und oft den Komplettausfall der in den vergangenen Jahren teuer gepflanzten und aufwändig geschützten Eschenkulturen zur Folge hat.

»Da tut einem als Waldbauer das Herz weh, wenn man die Hoffnung für die Waldzukunft und die Arbeit vieler Jahre in Minuten durch den Großhacker gehen sieht!«, lautet die Randnotiz eines betroffenen Waldbesitzers auf einem der LWF-Fragebögen. In der jüngeren Vergangenheit haben extreme Wetterereignisse schon öfter ihre Spuren im Wald hinterlassen.

Dazwischen lagen aber auch immer wieder mehrere »normale« Jahre, in denen sich der Wald und seine Besitzer von den Schäden und finanziellen Einbußen erholen konnten. Seit 2017 treten Wetterextreme aber gehäuft und in schneller Folge auf. Eine Reihe abiotischer und biotischer Faktoren bzw. deren Zusammenwirken führten im letzten Jahr zu einer enormen Steigerung der Schadholzmenge.

In Summe betrachtet sind die außerplanmäßigen Holzanfälle von 2018 auf 2019 um fast die Hälfte gestiegen und beliefen sich am Jahresende auf 58 Prozent des Gesamteinschlags. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Einschlagserhebung. Die Schadholzzahlen für 2019 und deren Veränderungen gegenüber 2018 können, getrennt nach den Schadursachen, der Tabelle 4 entnommen werden.
Tabelle 4: Schadholzmengen und deren Veränderung gegenüber 2018 nach Schadursache

* in Tsd. Efm o. R.

BesitzartSturm [Efm. o. R.]*Schnee [Efm. o. R.]*Insekten [Efm. o. R.]*Pilze/Trockenheit [Efm. o. R.]*Summe [Efm. o. R.]*
Privatwald516 (–49%)1.105 (+1.567%)4.189 (+24%)1.471 (+128%)7.281 (+42%)
Körperschaftswald62 (–45%)77 (+3.893%)460 (+42%)122 (+115%)722 (+46%)
Staatswald469 (–32%)429 (+3.843%)1.651 (+54%)223 (+330%)2.772 (+52%)
Bundeswald40 (+281%)3 (+4.636%)39 (+22%)9 (–27%)91 (+65%)
Gesamtwald1.087 (–40%)1.614 (+1.938%)6.340 (+32%)1.825 (+138%)10.866 (+45%)

Die Holzeinschlagserhebung im Privatwald – Hintergrund

Schäden an FichtenZoombild vorhanden

Abb. 3: Käferloch in einem Fichtenbestand. (Foto: B. Mittermeier)

Grundlage für die Frage nach dem Holzeinschlag ist das Agrarstatistikgesetz. Danach sind die Erzeugerbetriebe aller Besitzarten verpflichtet, jährlich Auskunft über die eingeschlagenen Holzmengen sowie über den Schadholzanteil und die Schadensursache zu geben. Seit 1999 führt die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) im Auftrag des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten diese Erhebung durch.

Dazu wurde ein mit dem Waldbesitzerverband und dem Bauernverband abgestimmtes Erhebungsverfahren mittels Fragebögen entwickelt. Grundlegender Unterschied zur Erhebung in den anderen Bundesländern ist es, dass in Bayern die Teilnahme ausschließlich freiwillig erfolgt. Das bedeutet: Kein Waldbesitzer ist verpflichtet, den Fragebogen auszufüllen.

Selbstverständlich werden die erhobenen Daten anonym behandelt, keinen Dritten zugänglich gemacht oder für andere Zwecke verwendet. Im Januar jeden Jahres schicken LWF-Mitarbeiter die Fragebögen zum Holzeinschlag des Vorjahres an mehr als tausend Waldbesitzer. Der Teilnehmerkreis reicht dabei vom mehrjährig bei der Holznutzung aussetzenden Kleinprivatwald mit einer Eigentumsfläche von wenigen hundert Quadratmetern bis zum Großprivatwaldunternehmen mit über tausend Hektar.

Nachdem die Daten aller Fragebögen an der LWF zusammengefasst und berechnet wurden, wird das Ergebnis für Bayern an das Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung weitergeleitet. Über das Landesamt gehen die Daten an das Statistische Bundesamt, wo die Ergebnisse aller Bundesländer zusammengeführt werden und letztendlich im Agrarbericht des Bundes erscheinen.

Zusammenfassung

Die jährliche bayerische Holzeinschlagsstatistik meldet für das Jahr 2019 ein Einschlagsvolumen von 18,95 Mio. Festmeter. Außergewöhnlich hoch war mit 10,9 Mio. Festmeter der Schadholzanfall. Die Einschlagssituation wird getrennt nach Besitzarten, Baumarten, Sortimenten und Schadursachen dargestellt. Die jahreszeitliche Entwicklung und Hintergründe zum Einschlagsverhalten werden diskutiert.

Teilnehmer gesucht!
Um den gesetzlichen Auftrag der Holzeinschlagserhebung erfüllen zu können, ist die LWF auf die freiwillige Unterstützung der Waldeigentümer angewiesen. Neue Teilnehmer sind deshalb immer willkommen. Alle teilnehmenden Waldbesitzer leisten einen wichtigen Beitrag für die Holzaufkommensstatistik und für weitere grundlegende forstund umweltpolitische Entscheidungen.

Telefon: 08161 4591-703

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