Fichtenaltholz mit Buchenvoranbau

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Deutsch auch Süß-Kirsche; Englisch: wild cherry
Die Vogelkirsche (Prunus avium L.)

Wissenswertes zur Vogelkirsche

Vogelkirschen wurden bereits in der Mittel- und Jungsteinzeit genutzt. An der Südküste des Schwarzen Meeres entstanden ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. die ersten Zuchtsorten mit größeren und süßeren Früchten. Der römische Feldherr Lucius Lucinius Lucullus brachte von dort nach seinem Feldzug gegen Mithridates 74 v. Chr. die ersten kultivierten Kirschen nach Rom. Von dort aus verbreiteten sie sich im Zuge der römischen Expansion rasch in weiten Teilen Europas.
Aus dem griechischen kérasos und dem lateinischen cerasus entwickelte sich über althochdeutsch kirsa das deutsche Wort Kirsche. Im Laufe der Zeit brachte man viele Bräuche und Orakel mit den blühenden Kirschenzweigen und den Früchten in Verbindung. Im ausgehenden Mittelalter war die Sortenzucht bereits weit fortgeschritten.
Die Kenntnisse über die Anwendung einiger traditioneller Mittel der Volksheilkunde sind bis in die heutige Zeit erhalten geblieben. Dazu zählen Teemischungen aus jungen Blättern sowie die beliebten Kirschkernkissen als Wärmespender bei Verspannungen und Schmerzen in den Gelenken. Als Nahrungsmittel erfreuten und erfreuen sich die Kirschen großer Beliebtheit. Kenner schätzen hochprozentige Obstbrände aus Wildkirschen. Die Japaner feiern seit etwa tausend Jahren mit dem Kirschblütenfest das Frühlingserwachen.

Kurzporträt Vogelkirsche

Zum Porträt

Systematik
Klasse Magnoliopsida = Bedecktsamer
Unterklasse Rosidae = Rosenähnliche
Ordnung Rosales = Rosenartige
Familie Rosaceae = Rosengewächse
Unterfamilie Prunoideae = Steinobstgewächse
Gattung Prunus = Steinobst
Art Prunus avium L. = Vogelkirsche
Gestalt
Bis 20 (30)m hoch, BHD bis 1m; Stamm meist bis zum Wipfel durchgehend; Krone anfangs kegelförmig, im Freistand später breit kugelförmig
Triebe
Rund, glänzend grau- bis rotbraun, oft mit grauen, dünn abblätternden Resten der Epidermis, Lentizellen deutlich
Knospen
Ei- bis kegelförmig, spitz, Knospenschuppen zahlreich, glänzend dunkelrotbraun; oft mit hellem Rand; Seitenknospen stehen von der Sprossachse ab
Blätter
Spiralig; ziemlich dünn und oft schlaff herab hängend; Stiel 2 bis 5cm lang, mit zwei oder mehr glänzend rötlichen Drüsen; Spreite verkehrt eiförmig, lanzettlich oder oval, zugespitzt; 7 bis 15cm lang, am Rand grob gesägt; oberseits kahl, unterseits auf den Nerven behaart; Herbstfärbung rot oder gelb
Rinde
Anfangs glatt, glänzend rot- oder graubraun, mit schmalen, quer verlaufenden Korkwarzen; löst sich in Querstreifen ab; späte Bildung einer längsrissigen, schwarzgrauen Borke
Blüten
April bis Anfang Mai, kurz vor dem Laubaustrieb; an vorjährigen Kurztrieben, zu zwei bis vier (sechs) in Büscheln (Dolden), diese am Grund ohne Laubblätter, lang gestielt; Schalenblumen zwittrig, duftend, mit fünf zurückgeschlagenen Kelchblättern, fünf freien, leuchtend weißen Blütenblättern, 15 bis 25 Staubblättern und einem einblättrigen Stempel; Bestäubung durch Bienen und Hummeln
Früchte
Reife im Juli; kugelförmige, einsamige Steinfrüchte mit saftigem Fruchtfleisch und hellem, ovalem Steinkern
Bewurzelung
Kräftiges Herzwurzelsystem
Höchstalter
Etwa 100 Jahre

Verbreitung

Die Vogelkirsche ist eine subatlantisch-submediterran verbreitete Baumart.
Ihr Areal erstreckt sich von den Pyrenäen und von Südengland über West-, Mittel-, Ost- und Südeuropa bis zum Kaukasus und in den Norden Irans. Die genauen Grenzen der natürlichen Verbreitung sind wegen der Verwilderung kultivierter Bäume nicht genau bekannt.
Von Natur aus ist die Vogelkirsche nie sehr häufig oder gar in reinen Beständen anzutreffen. Am ehesten wächst sie in krautreichen Laubmischwäldern von der Ebene bis in mittlere Gebirgslagen und vor allem an Waldrändern und in Hecken. Gut gedeiht sie auf frischen, nährstoffeichen, mittel- bis tiefgründigen Lehmböden, toleriert aber auch trockenere Standorte.
Die etwas Wärme liebende Halbschattbaumart kommt in den Alpen regelmäßig bis 1.100 Meter Höhe, vereinzelt noch bis 1.700 Meter vor. In Bayern liegen die Schwerpunkte des Vorkommens in Unter-, Mittel und Oberfranken und hier v.a. in den wärmer Lagen der Fränkischen Platte, des Steigerwaldes, der Haßberge und im Grabfeld sowie im Fränkischen Jura und im Bereich Frankenhöhe.

Waldbauliche Behandlung

Zahlreiche ökologische und ästhetische Gesichtspunkte sprechen für die Beimischung bzw. Pflege der Kirsche in einem breiten Spektrum von Beständen unterschiedlicher Mischung und unterschiedlicher Standorte.
Zur Wertholzproduktion sollten aber nur Standorte mit mittlerer bis sehr guter Wasser- und Nährstoffversorgung im größeren Umfang für die Begründung und Pflege von Kirschenbeständen vorgesehen werden. In der Jugend benötigen die Kirschen Dichtstand und Seitendruck zur Qualitätsentwicklung. Der Grundsatz "Dickung bleibt Dickung" gilt bis zum Alter 15 ganz besonders. Die angestrebte grünastfreie Stammlänge von 25 Prozent der erwarteten Endhöhe wird in einem engen Zeitfenster von 17 bis 22 Jahren erreicht. In dieser Entwicklungsphase werden im Mischbestand 15 bis 20 Elitebäume je Hektar nach festen Kriterien ausgewählt, geastet und permanent umlichtet. Um Pilzinfektionen bzw. Holzverfärbungen und -fäulen zu vermeiden, sollte die Astung von Juni bis Juli ausgeführt werden und die maximalen Aststärken so gewählt werden, dass die Astnarben möglichst rasch, also in zwei bis drei Jahren überwallt werden (i.d.R. < 30 mm Astdurchmesser).
Im Lichtwuchsbetrieb mit nahezu solitärem Kronenaufbau erreichen Wildkirschen einen Zieldurchmesser von 50 bis 60 Zentimetern in 60 bis 80 Jahren. Bereits ab Alter 60 kann eine zielstärken- und qualitätsorientierte einzelstammweise Nutzung beginnen. Bei einer Produktionsdauer von 60 bis 80 Jahren soll ein sechs bis acht Meter langer, wertholzhaltiger Erdstamm entstehen zur Verwendung als hochwertiges Möbel- und Furnierholz mit milder honiggelber bis rötlicher Färbung und gleichmäßigem, spannungsfreiem Aufbau. Insgesamt ist die Kirsche raschwüchsig, schließt ihr Höhenwachstum im Alter von 50 – 60 Jahren ab; qualitativ hochwertige Stämme werden rechtzeitig genutzt, da etwa ab dem achten Lebensjahrzehnt regelmäßig Stammfäule einsetzt.
Daneben bereichern Kirschbäume die Landschaft sowohl ästhetisch als auch ökologisch. Trupp- bis gruppenweise Zeitmischung ist gegenüber Reinbeständen zu bevorzugen. Bei Naturverjüngung aus Wurzelbrut oder Kernwüchsen und bei der Pflanzung muss die genetische Qualität zwingend beachtet werden. Bei der Pflanzung kann auf qualitatv hochwertige Material aus Sonderherkünften zurück gegriffen werden. Hier sollte man v.a. auf Saat- und Pflanzgut mit überprüfbarer Herkunft (z.B. ZüF) achten.

Waldschutz

Vogelkirschen sind in erheblichem Umfang von Bakterien- und Pilzkrankheiten betroffen.
Bei Aufforstungen mit Wildkirsche stellt der Bakterienbrand (Pseudomonas syringae) eine der Hauptgefahren für den Bestand dar. Ebenso gefährdet der Feuerbrand (Erwinia amylovora) die Kirsche. Spitzendürre bzw. Triebsterben auf Grund von Pilzbefall der Gattung Monilia beeinträchtigt die Kronenvitalität und führt bei Jungpflanzen zu Einschnürungen und Entwertungen am unteren Stammabschnitt. Hinzu kommen pilzliche Blattschäden, beispielsweise die Blattbräune (Apiognomonia erythrostroma), die Sprühfleckenkrankheit (Phloeosporella padi) oder die Schrotschusskrankheit (Stigmina carpophila).
Vogelkirschen werden vom Rehwild bevorzugt verbissen und gefegt. Jungpflanzen müssen deshalb in vielen Fällen geschützt werden. Ebenso ist Mäusefraß - vor allem auf Freiflächen - ein ernstes Problem. Schutzmaßnahmen (Zäunung, Einzelschutz; Mäusebekämpfung) sind oftmals unbedingt erforderlich.

Verwendung

Die Kirsche liefert ein überaus dekoratives Holz, dessen zurückhaltende Textur und warme Farbgebung besticht.
Es ist mittelschwer, hart und zäh. Das Holz besitzt gute elastomechanische Eigenschaften und nach der Trocknung ein verlässliches Stehvermögen. Der dunkle Kern lässt sich gut von dem hellen Splint unterscheiden. Bereits seit dem 16. Jahrhundert werden aus Kirschbaum, einem der schönsten einheimischen Hölzer, Möbel gefertigt. Das Holz findet sich in Zeiten des Jugendstils, Biedermeier und Louis-Seize.
Auch heute wird es überwiegend im Möbelbau verwendet, meist als Furnier, manchmal als Massivholz. Darüber hinaus wird Kirschbaum für viele andere Zwecke eingesetzt, beispielsweise im Musikinstrumentenbau sowie für Einlege-, Schnitz- und Drechslerarbeiten. Für die Verwendung im Außenbereich eignet sich Kirschbaumholz nicht. Der Witterung ausgesetzt, ist es nur wenig bzw. nicht dauerhaft.

Lebensraum Vogelkirsche

Die Vogelkirsche (Prunus avium), Baum des Jahres 2010, führt bereits den Hinweis auf die Vogelwelt in ihrem Namen.
Nach Literaturangaben verzehren 48 Vogelarten ihre bis einen Zentimeter dicken Steinfrüchte. Die wichtigsten Nutznießer sind Amsel, Singdrossel, Misteldrossel und Star. Insbesondere Ringeltaube, Eichelhäher und Pirol verbreiten die Vogelkirsche über die mit dem Vogelkot wieder ausgeschiedenen Kirschkerne über Entfernungen von mehr als einem Kilometer.
An der Vogelkirsche (Prunus avium ssp. avium) leben über einhundert holzbesiedelnde Käfer, darunter außergewöhnlich farbenprächtige Arten, deren Heimat man eher in den Tropen vermuten würde. Wegen ihres Anschlusses an wärmeliebende Waldgesellschaften finden sich an der Vogelkirsche vielfach Arten, deren Hauptbrutbaum Eichen sind. Besatz mit Schwefelporling führt an älteren Kirschbäumen zu Kernfäule, Höhlungen entstehen, eine Schlüsselstruktur für die hochgradig gefährdete Gilde der Mulmhöhlenbesiedler. Sekundärlebensraum der Arten sind Streuobstbestände mit Herz- und Knorpelkirschen (Prunus avium ssp. juliana und duracina). Da Streuobstbestände auf Grund der fortschreitenden Nutzungsaufgabe immer seltener werden, haben Vogelkirschen im Wald eine zunehmende Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt an Kirschbäumen.

Weiterführende Informationen zur Weißtanne