Fichtenaltholz mit Buchenvoranbau

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Engl.: European silver fir, Silver fir
Die Weißtanne (Abies alba MILL.) - Baum des Jahres 2004

Der finstere und gefürchtete Wald vieler Märchen und Sagen ist untrennbar mit der Tanne verbunden. Nicht von ungefähr kommt dieser Zusammenhang, zählt die heimische Weißtanne mit der Buche zu den schattentolerantesten Baumarten.

Europakarte mit blau eingezeichneten Verbreitungsgebieten der Weißtanne. Zoombild vorhanden

Weißtannenverbreitung in Europa (EUFORGEN, 2011)

Entsprechend dunkel sind auch die Bestände in denen sie auftritt. Da die Weißtanne geduldig auf ihre Chance warten kann, lässt sich sie sich gut unter den Kronen der alten Bestände natürlich verjüngen. Ebenso ist sie eine ausgezeichnete ertragreiche Mischbaumart, die gerade Stämme und gutes Holz erzeugt. Insbesondere in den Hanglagen von Mittel- und Hochgebirgen sollte wieder verstärkt auf die Weißtanne gesetzt werden.

Die Weißtanne ist zudem der Inbegriff des Weihnachtsbaums. Die Tradition entstammt noch aus vorchristlicher Zeit und wurde erst später in das christliche Weihnachtsfest integriert. Heutzutage sind jedoch die meisten Weihnachtsbäume Nordmanntannen, eine aus dem Kaukasus eingeführte Tannenart.

Kurzporträt Weißtanne

Systematik
Klasse Pinopsida = Nadelhölzer
Unterklasse Pinidae = Zapfenträger
Ordnung Pinales = Kiefernartige
Familie Pinaceae = Kieferngewächse
Gattung Abies = Tannen
Art Abies alba MILL. = Weißtanne
Gestalt
Streng monopodialer Wuchs mit durchgehender Hauptachse, Höhe bis 65m, BHD bis 3,8m; im Alter oft abgeflachte Kronen, sog. Storchennest.
Triebe
Junge Sprossachsen kurz, braun behaart; nadellose Triebe glatt
Knospen
Stumpf eiförmig, hellbraun, mit wenigen Schuppen, ohne Harz
Nadeln
Spiralig gestellt und meist gescheitelt, sitzen mit einem grünen, saugnapfartig verbreiterten "Fuß" am Trieb; bis 30mm lang und 3mm breit; flach; oberseits glänzend dunkelgrün, unterseits heller und mit zwei breiten, weißen Spaltöffnungsstreifen
Rinde
An jungen Bäume hell- bis weißgrau, lange glatt, mit kleinen Harzblasen; ab einem Alter von 40 bis 60 Jahren Bildung einer dunkelgrauen, rissigen Schuppenborke
Blüten
Im Mai oder Juni; einhäusig verteilt, windbestäubt; weibliche Blütenstände (Zäpfchen) weniger zahlreich als die männlichen, 3-5cm lang, blassgrün, aus Seitenknospen auf der Oberseite kräftiger Treibe vom Vorjahr im obersten Kronenbereich; männliche Blüten zapfenähnlich, 2-3cm lang, gelblich, gehäuft auf der Unterseite in dem Achseln vorjähriger Nadeln im mittleren und unteren Kronenbereich; männliche und weibliche Blüten nur selten auf dem selben Zweig
Zapfen
Samenreife im Herbst des Blühjahres; Zapfen aufrecht, walzenförmig, bis 20cm lang und 3-5cm dick, grünbraun; die zungenförmigen Deckschuppen sind zwischen den Samenschuppen sichtbar; nach der Samenreife zerfallen die Zapfen am Baum und entlassen die Samen
Samen
Reife im September und Oktober; unregelmäßig dreikantig, 7-13mm groß, glänzend braun, Samenschale sehr harzreich, fest mit dem breiten, brüchigen Flügel verwachsen; Verbreitung vom Herbst bis ins Frühjahr durch den Wind
Bewurzelung
Pfahlwurzelsystem mit stark entwickelter, deutlich nach unten strebender Hauptwurzel
Höchstalter
Etwa 500 Jahre

Klimahülle

Klimahülle der Weißtanne (Abies alba) in Bayern. Auf der X-Achse ist der durchschnittliche Jahresniederschlag in mm, auf der Y-Achse die Jahresdurchschnittstemperatur in °C zu finden. Das zukünftige trockenere und wärmere Klima Bayerns ist rot markiert. Das für die Tanne optimale Klima, welches als grüne Fläche eingezeichnet ist, deckt sich größtenteils mit dem künftigen Klima in Bayern. Der gegenwärtige Klimabereich Bayerns ist blau umrandet und mit blauen Dreiecken schraffiert und deckt sich komplett mit dem Tannenoptimum.

Klimahülle Weißtanne: x-Achse: Jahresniederschlag in mm; y-Achse: Jahresmitteltemperatur in °C
Tannenkrone mit Bergwald im Hintergrund

Tanne im Bergwald (Foto: Michael Friedel)

Zweig mit grünen Weißtannenzapfen.

Reifende Tannenzapfen (Foto: LWF)

Zweigunterseite der Weißtanne

Weißtannenzweig (Foto: Gregor Aas)

Nahaufnahme eines stehenden Weißtannenstamms.

Weißtannenrinde (Foto: Jan Böhm)

Lkw verlädt mit Kran Langholzabschnitte.

Tannenholzverladung (Foto: U.H. Sauter, FVA Freiburg)

Verbreitung

Für die Weißtanne optimale Standorte sind frische, kühle, mehr oder weniger basenreiche, humose, steinige Lehmböden in humiden, sommerwarmen Lagen der montanen und subalpinen Stufe. Sie wächst aber auch auf dichten, tonreichen, staunassen, pseudovergleyten Böden.

Die Weißtanne ist eine mittel- und südeuropäische Gebirgspflanze. Das natürliche Vorkommen erstreckt sich von den Pyrenäen und dem französischen Zentralplateau im Westen über die Alpen, den Jura und die Vogesen. Im Norden reicht es bis zum Schwarzwald, nach Thüringen und Tschechien, im Osten bis zu den Karpaten und im Süden bis Korsika, Süditalien und in die Gebirge des Balkans.

Waldbauliche Behandlung

Das natürliche Verjüngungspotential der Weißtanne ist hoch. Am besten gedeiht sie, wenn sie unter dem Altbestand aus natürlicher Verjüngung starten kann. Wenn das nicht geht, weil keine Alttannen in der Nähe sind, und sie gesät oder gepflanzt werden muss, empfiehlt sich die truppweise Einbringung unter dem Altholzschirm. So kann sie den nötigen Wuchsvorsprung vor anderen Baumarten nutzen.
Je nach Standort wird sie mit Buche, Fichte oder Edellaubhölzern gemischt. Nach der Jugendphase ist mit der Förderung besonders vitaler Einzelbäume zu beginnen, um deren Zuwachs zu fördern. Ob eine Wertastung sinnvoll ist, muss von Fall zu Fall geprüft werden.
Standortansprüche der Weißtanne
Licht Kann extremen Schatten ertragen,
gedeiht auch bei kleinsten Lichtmengen unter dem Altbestand
Wasser Gute gleichmäßige Wasserversorgung notwendig,
keine extrem trockenen oder ganzjährig staunassen Böden
Boden mittlere bis gute Nährstoffversorgung,
am besten auf basenreichen, nährstoffreichen, frischen, humosen Böden
Klima Kühles feuchtes sommerwarmes Klima ohne lange Trockenphasen,
kein zu kaltes oder zu warmes Klima,
keine Spätfröste

Waldschutz

Die größte Gefährdung geht von zu hohen Reh-, Rot- und Gamswildbeständen aus.
Gegenüber Schadorganismen wie Pilzen oder Insekten ist die Weißtanne robust. Es gibt einige auf Tanne spezialisierte Borkenkäfer, großflächige Schäden sind aber selten. Der Befall von Weißtanne mit Stamm- oder Triebläusen kann gefährlich werden.
Ebenso besteht bei der Tanne eine Gefährdung gegenüber Spätfrost und Frosttrockenheit.
Die Tanne ist anfälliger gegenüber Luftschadstoffen, insbesondere Schwefelverbindungen, als andere Baumarten. Mit der Verbesserung der Luftreinheit der vergangen Jahrzehnte sind die Belastungen jedoch zurückgegangen.

Die Abteilung Waldschutz an der LWF

Holzverwendung

Ähnlich dem Fichtenholz ist das Holz der Weißtanne sehr vielfältig verwendbar, nur ein wenig heller. Unter Lichteinfluss dunkelt es aber ohne Behandlung nach. Verwendung findet Tannenholz als Bau- und Konstruktionsholz, im Innenbereich zur Herstellung von Möbeln, Spielwaren und Dielen. Auch im Musikinstrumentenbau und bei der Papierherstellung wird Tannenholz eingesetzt. Das Holz eignet sich sehr gut für die Verarbeitung in der chemischen Industrie, da es nicht nur harzfrei, sondern auch ziemlich beständig gegen Säuren und Alkalien ist.

Holzeigenschaften der Tanne Externer Link

Lebensraum Tanne

Die Weißtanne spielt aus tierökologischer Sicht eine besondere Rolle unter den Nadelbäumen. Mit ihrer weiten ökologischen Amplitude bietet sie Tierarten mit Präferenz für Nadelbäume Habitate in unterschiedlichsten Waldgesellschaften.

Weiterführende Informationen zur Weißtanne