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Stefan Friedrich, Marcus Knauf, Raphael Hunkemöller und Wolfgang Mai
Forst- und Holzwirtschaft im Fokus - LWF-aktuell 109

196.000 Erwerbstätige und ein Umsatz von 37 Milliarden Euro: Diese beiden Zahlen unterstreichen eindrucksvoll die Bedeutung der Wirtschaftszweige rund um den Roh- und Werkstoff Holz. Den Branchen des Clusters Forst und Holz ist aber auch wichtig, dass sie für die Gesellschaft mehr sind als nur die Summe ihrer Wirtschaftsleistungen. Der demografische Wandel, die Veränderungen des Holzaufkommens oder ein schwindendes gesellschaftliches Verständnis für die Waldbewirtschaftung sind derzeitige Herausforderungen für den Cluster Forst und Holz. Seine Antwort: Die »Agenda Forst und Holz in Bayern 2030«.

Die Clusterstudie hat die Forst- und Holzwirtschaft auf den verschiedenen regionalen Ebenen in Bayern analysiert. Auch die Rahmenbedingungen für den Cluster waren Untersuchungsgegenstand, so zum Beispiel das Holzaufkommen oder die Bevölkerungsentwicklung in Bayern. Außerdem standen die Leistungen des Clusters für die Gesellschaft, beispielsweise für den Klimaschutz, im Fokus. Die folgenden Ausführungen stellen wichtige Ergebnisse der Clusterstudie vor.
Der Cluster Forst und Holz in Bayern hat sich von 2005 bis 2013 insgesamt positiv entwickelt. Der Umsatz nahm jährlich im Durchschnitt um 3,3% (Tabelle 1) zu: von 28,7 auf 37,0 Milliarden Euro. Gleichzeitig blieb die Beschäftigung annähernd konstant bzw. ging nur geringfügig um jährlich durchschnittlich 0,4% zurück. 2005 gab es noch 202.000 Erwerbstätige im bayerischen Cluster; bis 2013 sank diese Zahl um 6.000. In Tabelle 1 sind die einzelnen Branchen des Clusters nach Umsatz und Beschäftigung aufgeschlüsselt.

Tabelle 1 zeigt, dass die Branchen unterschiedlich zu Umsatzwachstum und Erwerbstätigkeit beigetragen haben. Als Zugpferd kann mit einem Umsatzplus von 10,5% pro Jahr die Holzverarbeitung im Baugewerbe gelten. In deren Fahrwasser profitierten zahlreiche Branchen im Cluster, so zum Beispiel die Sägewerke durch die Herstellung von Bauholz, die Holzwerkstoffindustrie oder mittelbar auch die Forstwirtschaft.

Viele Branchen haben einen Rationalisierungsprozess durchlaufen, so dass die Zahl der Unternehmen und Erwerbstätigen zurückging. Die Sägeindustrie ist dafür beispielhaft. Mittels Investitionen in moderne Anlagen wurde eine Ausweitung der Produktion bei geringerem Personalaufwand ermöglicht. Damit hat sich die Sägeindustrie für den internationalen Wettbewerb gerüstet.

Der dadurch bedingte Verlust an Unternehmen und Arbeitsplätzen ist bedauerlich, aber aus Sicht der Branche unumgänglich, um durch Produktivitätsfortschritte gegenüber der in- und ausländischen Konkurrenz wettbewerbsfähig zu bleiben.

Aufgrund der gestiegenen stofflichen und energetischen Holzverwendung trägt die Forst- und Holzwirtschaft heute deutlich mehr zum Klimaschutz bei als noch 2005. Insgesamt wurden im Jahr 2012 etwa 3,5 Millionen Tonnen (t) CO2 in Wald und Holzprodukten gespeichert und 14,5 Millionen t CO2 durch Substitutionseffekte vermieden; insgesamt ergibt sich so ein Beitrag von rund 18 Millionen t CO2 zum Klimaschutz. Zum Vergleich: In Bayern wurden 2012 78 Millionen t CO2 in die Atmosphäre freigesetzt.

Tabelle zur Entwicklung des Clusters Forst und Holz in Bayern von 2005-2013

Tabelle 1: Entwicklung des Clusters Forst und Holz in Bayern von 2005-2013
(Datenbasis: LFSTAD 2015a, LFSTAD 2006-2015, LFSTAD 2011-2015, BAYSF 2012-2015, Bundesagentur für Arbeit 2014, eigene Berechnungen)
Die Clusterstudie untersuchte einzelne Branchen aufgrund ihrer Bedeutung bzw. aktueller Entwicklungen genauer. Exemplarisch für das Vorgehen und die Ergebnisse soll an dieser Stelle der Bereich »forstwirtschaftliche Dienstleistungen« vorgestellt werden: Dazu zählen Betriebe, die von der Pflanzung bis zum Waldpflegevertrag ein teilweise sehr umfangreiches Paket für Waldbesitzer und Forstbetriebe anbieten. Rund 2.800 Betriebe mit 5.000 Beschäftigten sind in Bayern tätig und erzielen damit 580 Millionen Euro Umsatz. Die Zahl der Unternehmen nahm die letzten Jahre deutlich zu, allerdings sank ihre Durchschnittsgröße.

Den forstlichen Dienstleistungsbetrieben könnte zukünftig mehr Verantwortung für die Waldbewirtschaftung zukommen. Die zunehmende Entfremdung der Waldbesitzer von der Forstwirtschaft bietet ihnen die Chance, ihr Angebot auszuweiten. Damit werden die Unternehmen immer stärker das Bild der Forstwirtschaft prägen und sich an steigenden naturschutzfachlichen und rechtlichen Ansprüchen an die Durchführung von Holzerntemaßnahmen messen lassen müssen.

Branchenvertreter beurteilten als Schwächen ihrer Branche unter anderem eine zu geringe Organisation in Verbänden, die angespannte wirtschaftliche Situation durch Überkapazitäten und Preisdruck sowie eine eingeschränkte Investitionsfähigkeit durch zu geringe Kapitalausstattung.

Als Risiken empfanden die Betriebe die zunehmenden rechtlichen und fachlichen Anforderungen an ihre Tätigkeiten.
Gleichzeitig erwartet die Branche ein zunehmendes bzw. gleichbleibendes Marktvolumen und setzt Hoffnungen in die Erschließung neuer Geschäftsfelder (z. B. Verkehrssicherung und Baumpflege).
Politische Umrisskarte von Bayern zeigt die einzelnen Landkreise in unterschiedlichen Farben, je nach Anteil des Clusters Forst und Holz an der Gesamtbeschäftigung.Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Anteil des Clusters Forst und Holz an der Gesamtbeschäftigung
(sozialversicherungspflichtig) je Landkreis (2014). (Datenbasis: Bundesagentur für Arbeit 2015)

Änderungen der Rahmenbedingungen wirken sich, selbst wenn sie auf höherer Ebene erfolgen, bis in die Regionen Bayerns aus. Daher wurden, sofern die Daten verfügbar waren, die Analysen bis auf Landkreisebene durchgeführt. Bei Umsatz und Beschäftigung enden die Analysemöglichkeiten allerdings auf Ebene der Regierungsbezirke, wenn Aussagen über einzelne Branchen getroffen werden sollen. Die statistischen Ämter wollen so Rückschlüsse auf einzelbetriebliche Daten vermeiden.

Bis auf Landkreisebene hinab liegen Informationen zur wirtschaftlichen Leistung des Clusters insgesamt vor. Der Vergleich mit der Gesamtwirtschaft der Regionen wird dadurch möglich und die Anteile an Umsatz und Beschäftigung können dargestellt werden. Abbildung 1 stellt den Anteil der Beschäftigten des Clusters an der Gesamtbeschäftigung auf Landkreisebene dar. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede.

Es wird deutlich, dass der Cluster im ländlichen Raum eine besondere Rolle für die Beschäftigung hat. In ländlich geprägten Landkreisen waren 2014 durchschnittlich 4,1%, im städtischen Raum hingegen nur 2,3% der Beschäftigten im Cluster Forst und Holz beschäftigt. Die Streuung war dabei erheblich. Spitzenreiter waren die Landkreise Coburg (15,4%) und Aichach-Friedberg (11,3%). Einen besonders niedrigen Anteil wies der Cluster im Landkreis Ingolstadt (0,5%) und der kreisfreien Stadt Erlangen (0,6%) auf.

Als eine weitere Informationsquelle für die Entwicklung auf Regionalebene wurden regionale Holzbauquoten ausgewertet, beispielhaft in Abbildung 2 für den Wohnungsbau auf Landkreisebene mit Durchschnittswerten für 2004 bis 2006 (linke Grafik) und 2011 bis 2013 (rechte Grafik).

Diese Abbildung zeigt ein deutliches Land-Stadt-Gefälle: Spitzenreiter beim Bauen mit Holz im Wohnungsbau sind ländliche Landkreise wie Bad Kissingen mit einer Holzbauquote von 45% oder Regen mit 38%, am wenigsten wird in den kreisfreien Städten gebaut – München bildet in Bayern mit einer Holzbauquote von 5% das Schlusslicht. Hier zeigt sich Handlungsbedarf, um das Bauen mit Holz im urbanen Bereich (z.B. bei mehrgeschossigen Häusern) voranzubringen. Experten sehen die aktuell gültige Landesbauordnung als ein großes Hindernis an.

Zwei politische Umrisskarten von Bayern zeigen die Holzbauquote im Wohnungsbau in den Jahren 2004 bis 2006 und 2011 bis 2013. Der Anteil an Holzbauten nahm zu.

Abbildung 2: Regionale Holzbauquote im Wohnungsbau
2004–2006 und 2011–2013 (Datenbasis: LFSTAD 2015b)
Vertreterinnen und Vertreter der Branchen entwickelten auf Basis der intensiven Analyse Empfehlungen, wie die wirtschaftliche und gesellschaftliche Position der Forst- und Holzwirtschaft gestärkt werden kann. Diese Vorschläge wurden in der »Agenda Forst und Holz in Bayern 2030« zusammengefasst. Die Agenda versteht sich als Handlungsprogramm für die Branche. Sie enthält eine zielgebende Vision und 17 konkrete Handlungsziele für Forschung, Wirtschaft und Politik (z. B. »Laubholz in Wert setzen und optimal nutzen«). Die Cluster-Initiative Forst und Holz in Freising und die regionalen Cluster und Netzwerke verstehen sich dabei als Impulsgeber.

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