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Randolf Schrimer, Daniel Glas
Vergleich von Pappelsorten für den Kurzumtrieb auf EU-Ebene - LWF-aktuell 111

Energieholzanbau auf landwirtschaftlichen Flächen kann in Deutschland dank inzwischen verbesserter Anbau- und Erntetechnik sowie stark angestiegener Hackschnitzelpreise betriebswirtschaftlich rentabel durchgeführt werden. Die Umsetzung der Energiewende erfordert zudem einen verstärkten Anbau von Holz auch auf landwirtschaftlichen Flächen.
Wegen der eingeschränkten Flexibilität aufgrund mehrjähriger Anbauzeiträume und unbefriedigender Förderung im Vergleich zu traditionellen landwirtschaftlichen Kulturpflanzen wird jedoch auf vielen geeigneten Anbaustandorten das Ertragspotenzial von Kurzumtriebsplantagen (KUPs) nicht genutzt.

Immer mehr KUPs in Europa

Auch wenn die in den letzten Jahren neu angelegten KUP-Flächen in Bayern mit 200 bis 300 ha jährlich unter den prognostizierten Erwartungen liegen, steigt die Bedeutung des Pappelanbaus insbesondere zur Energie- und Industrieholzproduktion in Europa kontinuierlich. Beispielsweise werden in Polen derzeit größere Flächen mit Pappeln bepflanzt.

Eignunsprüfung unumgänglich

Um die Akzeptanz von KUPs auch hinsichtlich naturschutzfachlicher Anforderungen, wie möglichst hoher genetische Vielfalt zu erhöhen und dem Landwirt zusätzliche leistungsfähige Klone anbieten zu können, sind Züchtung und Sortenprüfung vorhandener Klone notwendig. Um Kosten für Neuzüchtungen einzusparen, prüft das ASP im Projekt EU-POP ausländische Pappelsorten hinsichtlich ihrer KUP-Eignung.

Die Entwicklung auf den Prüffeldern in Bayern zeigt bereits nach zwei Jahren, dass einzelne Sorten aus anderen EU-Ländern unter unseren Klimabedingungen gut für KUPs geeignet sind. Überdurchschnittliches Höhenwachstum auf bayerischen Standorten zeigen beispielsweise die europäischen Sorten SV490 (Ungarn), Orion und AF 18 (Italien) mit mittleren Höhen um 6 m am Ende der zweiten Vegetationsperiode.

Einheimische Sorten im europaweiten Eignungstest

Feld mit verschiedenen PappelsortenZoombild vorhanden

Abb.1: Wuchsunterschiede zweier Standartsorten (Foto: R.Schirmer)

Interessant ist auch die Entwicklung heimischer Standardsorten wie Max 1 oder Hybride 275 unter anderen Klimabedingungen. So weist die Schwarz- und Balsampappelkreuzung Max 1 in vielen Ländern sehr gute Wuchsleistungen auf. Setzt man die Höhenwuchsleistung von Max 1 als Maßstab, so rangiert diese sehr häufig angebaute Sorte unter optimalen Standortsbedingungen sowohl in Schweden als auch in Spanien im ersten Wuchsjahr unter den besten Klonen.

Jedoch erreicht Max 1 in Spanien mit Durchschnittshöhen von 3,64 m am Ende der ersten Vegetationsperiode die 6-fache Höhe als in Schweden. Die Balsampappelkreuzung Hybride 275 zeigt dagegen in Spanien nur etwa 64 % der Höhenwuchsleistung von Max 1, während in Schweden beide Sorten annähernd gleiche Höhen aufweisen

Manche mögen's heiß

Pflanze auf Acker mit HitzeschädenZoombild vorhanden

Abb.2: Intensive Sonneneinstrahlung führte zu starken Schäden (Foto: F. Mergler)

Zwischen einzelnen Pappelsorten können je nach klimatischen Bedingungen deutliche Wuchsunterschiede herrschen. So traten aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung während der ersten Vegetationsperiode auf einer Versuchsfläche in Spanien bei Hybride 275 deutliche Schäden auf, während Max 1 wesentlich besser mit den spanischen Verhältnissen zurechtgekommen ist.

Als Konsequenz lässt sich für den Anbau ableiten, dass die Sorte Hybride 275 auf kühleren Standorten zumindest in der Anwuchsphase eine gute Ergänzung zu Max 1 darstellt, während sie unter sehr warmen Klimabedingungen nicht angebaut werden sollte. Ähnliche Zwischenergebnisse zeigen sich auch nach der zweiten Wuchsperiode. Beide Standardsorten liegen im Vergleich im oberen Drittel der Wüchsigkeit auf den europäischen Versuchsflächen.

Der Höhenzuwachs von Max 1 liegt im zweiten Jahr durchschnittlich zwischen 0,98 m in Schweden und beachtlichen 3,77 m in Italien. Im Durchschnitt beträgt der Höhenzuwachs auf den bayerischen Flächen 2,21 m. Hybride 275 weist auf Versuchsflächen im europäischen Ausland während der zweiten Vegetationsperiode durchschnittliche Zuwächse zwischen 0,69 m in Belgien und 2,33 m in Italien auf. Der durchschnittliche Höhenzuwachs in Deutschland liegt bei 2,93 m.

Daraus folgend bieten sich derzeit beide Sorten für einen Anbau auf gut wasserversorgten Standorten in Italien an, jedoch liegt Max 1 beim Höhenwachstum noch deutlich vor Hybride 275.

30 Sorten in 30 Ländern

Das EU-POP Projekt läuft noch bis 2018. Der Sortenvergleich mit 30 Sorten in 13 Ländern lässt wertvolle Schlussfolgerungen für die Anbauempfehlungen erwarten und wird dazu beitragen, das Spektrum geeigneter Sorten auszubauen. Im Vorfeld der Internationalen Pappelkonferenz der FAO im September in Berlin hat das ASP einen Workshop mit den Projektpartnern organisiert, in dem die Erfahrungen mit den Sorten ausgetauscht wurden.

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Autoren

  • Randolf Schirmer
  • Daniel Glas