Forschungs- und Innovationsprojekt
Dezentraler Wasserrückhalt im Wald - Projekt IQFluss-Wald (B081)
Starkregen am 9.7.2021 im Stadtwald Augsburg: Einmündung eines unbefestigten Rückewegs auf einen LKW-Forstweg im Mittelhang (© L. Egg)
Was haben der Spessart und der Ebersberger Forst hydrologisch gemeinsam – und worin unterscheidet sich ihr Landschaftswasserhaushalt? Welcher Handlungsbedarf besteht, und welche Möglichkeiten gibt es? Wie lässt sich der Wasserrückhalt im Wald steigern – und wo bietet sich Potential dazu? Wo sollten zusätzliche Querableitungen an Forststraßen und Rückegassen liegen, damit Wasser aus bergseitigen Gräben talwärts wieder in die Waldfläche versickert? Und wo lassen sich Mulden sinnvoll anlegen, um Wasser zwischenzuspeichern?
Das Projekt IQFluss-Wald entwickelt eine Informationsbasis, die die forstliche Praxis bei diesen Fragen gezielt unterstützt.
Retention und Resilienz: Wie dezentraler Wasserrückhalt Wald und Infrastruktur stärkt
Zoombild vorhanden
Rückhalte-Tümpel im Stadtwald Würzburg (© L. Zimmermann)
Waldboden kann viel Wasser speichern. Er ist porös und enthält viel Humus. Beides erhöht ihre Wasserrückhaltefähigkeit in Vergleich zu anderen Landnutzungsformen. Waldzusammensetzung und -strukturen, genauso aber auch forstliche Infrastrukturen beeinflussen den Wasserabfluss: Gräben, Rückegassen und Forstwege bündeln Oberflächenabfluss, verringern lokal die Versickerung und können Wasser schneller in Fließgewässer ableiten (Kastridis 2020). Der Wald verliert wertvolles Wasser, das zur Bodenfeuchte oder Grundwasserneubildung beitragen könnte.
Ziel des Projekts
Teilziele
- Abflusskomponenten in drei langjährig beobachteten Testeinzugsgebieten identifizieren und quantifizieren - mit räumlich und zeitlich hochaufgelösten Niederschlags-/ Abflussmodellen
- Flächen mit hohem Potenzial für Wasserrückhalt bestimmen - unter Berücksichtigung von Klima, Topografie, Boden, Geologie und Infrastruktur
- Eine praxisnahe Screening- und Planungsbasis auf Basis verfügbarer Geodaten entwickeln
- Wissen und Erfahrung mit der forstlichen Praxis austauschen und Beispiele bereitstellen
Vorgehensweise
Zoombild vorhanden
Modellierte Fließwege im Steinbachtaleinzugsgebiet Stadtwald Würzburg
Gleichzeitig analysiert das Team digitale Höhenmodelle (DGMs) unterschiedlicher Auflösung (bis ≤ 1 Meter). Damit bestimmt es Fließwege, Einzugsgebiete und Senken, in denen sich Wasser sammelt, unter Einbezug der Wegeinfrastruktur.
Bedeutung
Literatur
- DWA (2020): Bodenhydrologische Kartierung und Modellierung. Hennef: Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft Abwasser und Abfall (DWA-Regelwerk, Merkblatt DWA-M 922).
- Kastridis, Aristeidis (2020): Impact of Forest Roads on Hydrological Processes. In: Forests 11 (11), S. 1201. DOI: 10.3390/f11111201.
- Seibert, Simon P.; Auerswald, Karl (2020): Hochwasserminderung im ländlichen Raum. Ein Handbuch zur quantitativen Planung. Berlin: Springer Spektrum.
Projektinformationen
Projektleitung: Dr. Lothar Zimmermann
Projektbearbeitung: Dimitrios Bassukas
Laufzeit: 1.1.2025-31.12.2027
Durchführende Institution: LWF
Finanzierung: StMELF
Weitere Informationen
- Vorbeugender Hochwasserschutz durch Wald und Forstwirtschaft in Bayern
- Wald - Schutz vor Hochwasser?
- Schutz vor Hochwasser durch alpine Berg- und Schutzwälder
- Hochwasserangepasste Waldbewirtschaftung - LWF Merkblatt 36
- Forstwege – Planung, Bau und Pflege - LWF Merkblatt 41
- Feinerschließung – Rückegassen und Rückewege - LWF Merkblatt 38
- Wasser im Wald zurückhalten und speichern: Ein Schlüssel zur Anpassung an den Klimawandel (FVA)
- Wie viel Wasser kommt den Hang herunter? (BFW)
- Wald - ein natürlicher und kostengünstiger Hochwasserschutz (LWF)

