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Heinz Bußler
Hotspot-Gebiete xylobionter Urwaldreliktarten aus dem Reich der Käfer - LWF-aktuell 76

Für Bayern wurden seit 1900 86 Urwald-Reliktarten bestätigt, wobei jedoch 20 Arten zwischenzeitlich als verschollen oder ausgestorben gewertet werden. Nur 22 Gebiete in Bayern beherbergen eine nennenswerte Anzahl dieser Reliktarten. Eine ungebrochene Habitattradition ist die Voraussetzung für das Vorkommen von Urwaldreliktarten.

Auch die großen Flusslandschaften mit ihren Auwäldern, die schon jahrtausendelang als Einwanderungs- und Ausbreitungswege dienen, haben eine wichtige Funktion für Urwaldreliktarten. Die Erkenntnisse über das Vorkommen von Reliktarten geben wertvolle Hinweise für die Entwicklung von Naturschutzkonzepten in Wirtschaftswäldern und unterstreichen den besonderen Wert von Reservaten für besonders anspruchsvolle totholzbewohnende Arten.

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Abbildung: Der Heldbock (Cerambyx cerdo) hat sein letztes bayerisches Vorkommen im Bamberger Hain. (Foto: L. Straßer)

In Deutschland leben ca. 1.400 xylobionte Käferarten, von denen 115 Arten als »Urwaldreliktarten« bezeichnet werden. Diese Arten kommen in Mitteleuropa äußerst selten in nur noch wenigen Gebieten vor. Urwald-Reliktarten weisen eine hohe Bindung an Strukturkontinuität bzw. Habitattradition der Waldbestände auf. Sie verlangen eine ungebrochene Kontinuität der Alters- und Zerfallsphase und stellen hohe Ansprüche an Totholzqualitäten und -quantitäten.

»Urwaldreliktarten« sind daher zuverlässige Zeugen der Waldgeschichte. In den kultivierten Wäldern Mitteleuropas sind sie akut vom Aussterben bedroht oder bereits verschwunden. In Folge der langen Kulturtätigkeit des Menschen in Mitteleuropa existieren in Deutschland keine echten Urwälder mehr. Allerdings gibt es noch Waldbestände oder auch nur Altbaum-Ansammlungen, die eine weit zurückreichende Tradition von in Urwäldern häufigen, in der Kulturlandschaft aber besonders seltenen Habitatstrukturen aufweisen.

Eine ungebrochene Habitattradition als Voraussetzung für das Vorkommen von Urwaldreliktarten geht in den Gebieten häufig auf Sondernutzungsformen zurück wie Hutewaldwirtschaft, Stockausschlagbetrieb oder ihren besonderen Status während der Feudaljagdzeit. Diese Habitattradition hat in den genannten Beständen vielen xylobionten Käferarten das Überleben ermöglicht. Von 115 deutschen Urwaldreliktarten sind 86 Arten historisch und rezent für Bayern belegt. Von neun Arten existieren nur Nachweise vor 1900, von elf Arten nur Nachweise vor 1950. 20 Arten sind also verschollen oder bereits ausgestorben.

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