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Olaf Schmidt
Erster Blutspecht in Deutschland - LWF-aktuell 109

Ein Buntspecht – oder doch nicht? Bei einem schnellen Blick kann man die beiden sehr ähnlichen Vogelarten leicht verwechseln. Doch der Blutspecht hat ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal zum Buntspecht. Er wurde nun erstmals in Deutschland zweifelsfrei nachgewiesen.

Specht in einer BaumkroneZoombild vorhanden

Abbildung 1: Blutspecht, beobachtet und fotografiert am
14. Februar 2016 in einem Garten in Neuses im Landkreis Kronach.

Zum ersten Mal wurde ein Blutspecht (Dendrocopos syriacus) in Deutschland eindeutig nachgewiesen – und zwar in einem Garten im Landkreis Kronach in Oberfranken. Der Blutspecht, der normalerweise in Südosteuropa zuhause ist, ist sehr leicht mit dem bei uns häufigen Buntspecht zu verwechseln.

Während der »Stunde der Wintervögel« kamen einer aufmerksamen Vogelfreundin bei genauerer Betrachtung eines vermeintlichen Buntspechts jedoch Zweifel. Deshalb schickte sie dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) ein Foto des Spechts mit der Bitte um Identifizierung. Schnell waren sich die Artenschützer einig: Es muss sich dabei tatsächlich um einen artreinen Blutspecht handeln! Denn auch Hybride mit dem Buntspecht sind möglich.

Lebensraum des Blutspechts

Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet ersteckte sich von Kleinasien bis in den Iran. Seit einigen Jahrzehnten dehnt der Blutspecht sein Verbreitungsgebiet immer weiter nach Nordwesten aus. Um 1930 konnte man ihn in Ungarn und etwas später auch in Polen beobachten.

In den 1950er Jahren erreichte er den Osten Österreichs, wo die ersten Feststellungen 1951 in Podersdorf am Neusiedler See erfolgten. Vielen Vogelbeobachtern sind die Blutspechtvorkommen im waldarmen Seewinkel östlich des Neusiedler Sees wohl bekannt. Blutspechte können in den dortigen Ortschaften, zum Beispiel Illmitz, Podersdorf, Gols, Apetlon gut beobachtet werden.

Sie legen ihre Bruthöhlen in relativ schwachen Bäumen (15–20cm) und oft in niedriger Höhe an. Bei einer systematischen Erhebung 2006 wurden im Neusiedler See-Gebiet 65 bis 73 Reviere des Blutspechts kartiert, wobei die inneren Ortsbereiche nicht mitkartiert wurden.

Dort ist wohl sogar mit einer höheren Dichte des Blutspechts zu rechnen, sodass für den gesamten Seewinkel von einem Gesamtbestand von 100 bis 150 Brutpaaren ausgegangen werden kann. Am Westufer des Neusiedler Sees um Rust, Mörbisch und Oggau liegen die Brutdichten sogar noch höher. Auch aus der Umgebung von Linz in Oberösterreich wurden unterdessen Brutvorkommen bekannt. Aus Bayern lagen frühere Beobachtungen, wohl meist Hybriden, aus den Landkreisen Straubing und Regensburg vor.

Der Blutspecht bewohnt sehr gerne Niederungen, vor allem Streuobstwiesen, große Gärten mit Gehölzbestand, Parks, Alleen, Weingärten und flussbegleitende Baumbestände. Er meidet im Gegensatz zum Buntspecht geschlossene Wälder. Blutspechte ernähren sich über den Jahreslauf hinweg – im Unterschied zu den meisten anderen Spechten bei uns – etwa zu gleichen Teilen aus pflanzlicher und tierischer Kost. Steinobstbäume, zum Beispiel Aprikosen, Kirschen oder Pflaumen, sind für ihn von besonderer Bedeutung, frisst er doch neben den Früchten auch die im Steinkern enthaltenen Samen.
   
   
   
   
   
Tabelle 1: Wichtige Unterscheidungsmerkmale zwischen Bunt- und Blutspecht
Merkmal Buntspecht Blutspecht
Kopfseite schwarzer Streifen hinter Ohrdecke ungeteilt weiß
Stirn bis über Augenvorderrand hell bis über Augen mittelhell
Steuerfedern viel Weiß auf drei äußeren wenig Weiß auf zwei äußeren
Unterschwanzdecken kräftig rot blaßrot

Artbestimmung

Bunt- und Blutspecht ähneln sich sehr. Das bekannteste Unterscheidungsmerkmal ist die fehlende Fortsetzung des schwarzen Wangenstreifens beim Blutspecht. Der Buntspecht hingegen besitzt diesen Streifen, der eine Verbindung zum schwarzen Nackenstreifen darstellt. Insgesamt wirkt der Blutspecht am Kopf durch die weißen Schnabelborsten, die ausgeprägtere weiße Stirn und die breitere weiße Augenumrandung heller als der Buntspecht.

Aufgrund der Ausbreitungstendenz dieser Vogelart nach Westen ist mit vermehrtem Auftreten von Blutspechten auch in Bayern zu rechnen. Günstige klimatische Einwanderungspforten scheinen die Täler der großen Flüsse Donau, Inn und Isar zu sein. Beobachtungen von »auffälligen« Buntspechten sollten erfasst und genau dokumentiert werden, es könnte sich um Blutspechte handeln.

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