Wald kompakt - LWF aktuell 159
Von fliegenden Wurzeln bis zu verwöhnten Jungpflanzen
Am 22. April 2026 konnte das Statusseminar des Kuratoriums für forstliche Forschung ein Jubiläum feiern! Zum 30. Mal präsentierten ausgewählte Wissenschaftler ihre aktuellen Forschungsergebnisse aus Projekten, die vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus gefördert wurden. Mehr als 200 Teilnehmende verfolgten die acht Fachvorträge im Rahmen der halbtägigen Online-Veranstaltung. Das Auditorium war bunt gemischt: Neben dem forstlichen Fachpublikum aus Bayern fanden sich Wissenschaftler, Waldbesitzende und Verbandsvertreter aus ganz Deutschland sowie darüber hinaus zu den 15 bis 20 Projekteinblicken ein. Erfreulich war die lebhafte Resonanz, die konstruktiven Beiträge und die Fachfragen auf der virtuellen Bühne.
Im Eingangsstatement unterstrich Philipp Gloning als Vertreter des Staatsministeriums die zunehmende Bedeutung der Wissenskommunikation und Verfügbarkeit von Forschungsdaten. Das Statusseminar sei dafür ein wichtiger Baustein. Der Wissenschaft mehr Gehör zu verschaffen, auch um die Politik besser beraten zu können, sei ihm ein Kernanliegen für eine zukunftsfähige Gestaltung der Forstwirtschaft.
Zwei Schwerpunktthemen fanden großen Anklang bei der Zuhörerschaft. Prof. Axel Göttlein vom Fachgebiet Waldernährung der TUM schilderte eindrücklich die »Bedeutung des Tangelhumus im bayerischen Kalkalpenraum« für den Walderhalt und den Wasserrückhalt. Mit dem nachdrücklichen Appell frühzeitig und entschieden dem Humusschwund entgegenzuwirken, bedankte sich Göttlein für die umfassende Förderung seiner Forschung der letzten 28 Jahre und verabschiedete sich in den baldigen Ruhestand. Die Möglichkeiten der »Bewässerung von Forstkulturen« erläuterte Prof. Christian Zang von der HSWT. Auch wenn auf Wiederbewaldungsflächen wie im Frankenwald Trockenheit ein großes Problem sein kann, bleiben weitere wesentliche Ausfallursachen wie Pflanz- und Pflanzenqualität oder abiotische und biotische Risiken erhalten. Die Möglichkeiten der Bewässerung dürften daher nicht überbewertet werden.
Weitere spannende Vorträge beschäftigten sich mit Bayerns Naturwäldern und Naturwaldreservaten mit Fokus auf Waldstruktur und Biodiversität, Baumartenalternativen im Klimawandel und Handlungsempfehlungen zum Zweipunktigen Eichenprachtkäfer. Hinzu kamen Einblicke in das ertragskundliche Versuchswesen in Bayern, in die Entwicklung und Verprobung eines Forstinventurverfahrens auf Basis von Drohnen-Luftbildern sowie in die Waldstrukturen und Artenvielfalt in Moorflächen in drei südbayerischen Naturwaldreservaten.
Das Statusseminar bot Einblicke in ein breites Spektrum an Forschungsprojekten:
Alle Vorträge wurden aufgezeichnet. Sie sind – eben- so wie die Kurzzusammenfassungen der Vorträge – online verfügbar. Die links finden Sie auf der Seite des Zentrums Wald-Forst-Holz.
Karin Bork, Stefan Tretter; LWF
Mikrobohrkerne: Minimalinvasive Chance in der Jahrringforschung
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Mikrobohrkern einer unterständigen Fichte. Nach 2003 und 2018 sieht man für je sechs Jahre besonders schmale Jahrringe (© C. Josten, LWF)
Mit der besonders schonenden Trephor-Technik werden an bayerischen Waldklimastationen winzige Mikrobohrkerne entnommen – nur 2 Millimeter dünn und maximal 15 Millimeter lang. Für diese Standorte liegen bereits präzise Klima- und Umweltdaten vor.
Wie vielversprechend auch solch kleine Proben sind, zeigt ein Mikrobohrkern aus einer unterständigen Fichte an der Waldklimastation Kreuth. Der Kern ist nur 12 mm lang, hat aber 41 Jahrringe. Im Durchschnitt erreichen die Jahrringe eine Breite von 0,29 mm, wobei der schmalste gerade einmal 0,1 mm misst. Die unterständige Fichte überdauert trotz minimaler Ressourcen, hat Jahrzehnte überlebt und eine kleine, aber stabile Krone ausgebildet. Die Methode verursacht nur ein sehr kleines Loch in der Rinde und erlaubt es dem Baum, nahezu ungestört weiterzuwachsen.
Perspektivisch soll die Trephor-Technik die Erkenntnisse der Waldzustandserhebung ergänzen, indem sie den tatsächlichen radialen Zuwachs sichtbar macht. Bayernweite Ergebnisse werden in den kommenden Monaten erwartet.
Marie Neufanger, Christoph Josten; LWF
Fachleute für Waldwachstum und Waldbau tagen gemeinsam
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Fachleute der Sektionen Waldwachstum und Waldbau diskutieren gemeinsam Strategien der Wiederbewaldung von Borkenkäferkalamitätsflächen im Harz (© H.-J. Klemmt, LWF)
Deutlich wurde, dass der Klimawandel beide Fachrichtungen veranlasst, ihren jeweiligen Betrachtungshorizont zu erweitern, wobei sich in zahlreichen Themenbereichen inhaltliche Schnittmengen ergeben. Standen in der waldwachstumskundlichen Forschung lange Zeit die Holzproduktion und ihre Optimierung im Fokus, rücken heute gesamtheitliche Betrachtungen von Wachstumsdynamiken auf verschiedenen Skalenebenen in den Vordergrund. Den Waldbau prägen zunehmend Forschungsaktivitäten, die sich mit Störungsprozessen befassen. Künftige, gemeinsame Zielgrößen der Forschung umfassen beispielsweise störungsbedingte Veränderungen des Wachstums von Bäumen und Waldbeständen, die Kohlenstoffspeicherung, der Wasserhaushalt, die Biodiversität sowie die Klimaanpassung.
Neben zwei parallelen Vortragssitzungen boten zwei Exkursionen zu den Themen »Herausforderungen im Umgang mit Laubhölzern« und »Wiederbewaldung nach Großkalamitäten im Harz« Gelegenheit für intensiven fachlichen Austausch und Diskussion.
Ausgerichtet wurde die internationale Fachtagung maßgeblich durch die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen (NW-FVA). Neben Wissenschaftlern nahmen an der Tagung auch Vertreter von Ministerien sowie aus der Forschungsförderung teil, die wichtige Impulse lieferten. Die Beteiligten waren sich einig, dass die gemeinsame Ausrichtung durch beide Fachdisziplinen einen großen Gewinn für beide Seiten darstellt. Abschließend wurde entschieden, das gemeinsame Tagungsformat künftig beizubehalten und im Turnus von drei Jahren durchzuführen.
Dr. Hans-Joachim Klemmt, Enno Uhl; LWF
Georg-Dätzel-Medaille ging an den Arbeitskreis Forstliche Bildungsarbeit
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Der Zeitstrahl: Zahlreiche Publikationen entstanden im Laufe der Jahre (© M. Hertel, BaySF)
Die Festveranstaltung, die mit einem Grußwort von Wissenschaftsminister Markus Blume, MdL, sowie zahlreichen Gästen aus Wissenschaft, Vertretern des Kultusministeriums und der Forstbranche stattfand, bildete den passenden Rahmen für diese große Anerkennung. Der Gästekreis spiegelt zugleich die interdisziplinäre Zusammensetzung des Arbeitskreises wider. Dieser wurde 1992 gegründet und besteht aktuell aus 15 Personen, die auf fünf Ressorts der bayerischen Staatsverwaltung verteilt tätig sind. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist er Heimat für engagierte Vertreterinnen und Vertreter aus Forst, Kultus, Wissenschaft, Umwelt und Wirtschaft sowie eine interdisziplinäre Plattform für den Austausch und die Entwicklung innovativer Materialien für die Waldpädagogik. Die Preisträgergruppe demonstrierte im Rahmen der Preisverleihung die Zusammenarbeit mit einem kreativen Beitrag: Verschiedenfarbige Hölzer, die gemeinsam die Brücke in die Gesellschaft bilden.
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Große Freude über die Verleihung der Georg-Dätzel-Medaille bei der Delegation des Arbeitskreises (© J. Hiller, ZWFH)
S. Frommknecht, LWF

