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Meldungen - LWF-aktuell 129

Die Rubrik Meldungen enthält für Sie in aller Kürze wichtige Informationen zu Themen der Forstwirtschaft, des Naturschutzes, der Jagd und anderer relevanter Umweltbereiche in Bayern und Deutschland.

UN ehrt »Klosterforst«

Eine Gruppe Menschen hält ein Banner hoch. Sie befinden sich draussenZoombild vorhanden

Abb. 1: Beteiligte Akteure (Foto: BaySF)

Im Jahr 2020 wurde der Einsatz des BaySF-Forstbetriebs Arnstein für den Natur- und Artenschutz im Klosterforst von höchster Stelle belohnt. Ausgezeichnet als offizielles Projekt der »UN-Dekade Biologische Vielfalt« darf der Klosterforst für zwei Jahre den Titel »Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt« führen.

Durch die weitreichende und vielfältige Nutzungsgeschichte entwickelte sich nahe der unterfränkischen Stadt Kitzingen über die Zeit ein »Naturschutzjuwel« mit einem eng verbundenen Netz von Wald- und Ofenlandbereichen. Eine Besonderheit ist das entstandene Wechselspiel von Feucht- und Trockenflächen. Der Forstbetrieb Arnstein der Bayerischen Staatsforsten hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese wertvolle Fläche zu schützen und zu erhalten.

Der Klosterforst ist mit seinen Flächen Teil eines FFH-Gebiets sowie eines Vogelschutzgebiets und so als Natura 2000-Gebiet besonders geschützt. Neben seltenen Insektenarten wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke finden sich auf den Flächen viele weitere wertvolle Arten wie Bechsteinfledermaus, Spanische Flagge, Heidelerche und Halsbandschnäpper. Als bedeutsame Lebensraumtypen kommen neben mitteleuropäischen Eichen-Hainbuchenwäldern, Dünen mit Besenheide und Ginster sowie Stillgewässer vor.

Der Klosterforst ist in seiner Ausprägung gerade für die waldärmere Fränkische Platte von großer Bedeutung für die biologische Vielfalt. Durch seine naturräumliche Ausprägung mit seiner speziellen Nutzungsgeschichte leistet dieses Mosaik aus Wald- und Offenlandflächen einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität der Region.

Bayern baut den klimastabilen Wald

Um die vom Klimawandel bedrohten Wälder zu erhalten, weitet der Freistaat seine Forschungsaktivitäten in diesem Bereich deutlich aus und startet im Jahr 2021 zehn neue forstliche Forschungsvorhaben mit einem Finanzvolumen von über drei Millionen Euro. Denn laut Forstministerin Michaela Kaniber werden dringend weitere Erkenntnisse zur Wahl der Baumarten, die dem Klimawandel standhalten, benötigt.

Die Bedingungen für die Wälder ändern sich teils so dramatisch, dass mancherorts schon heute neue, unbekannte Wege bei der Begründung einer neuen Waldgeneration gegangen werden müssen. Vier Projekte beschäftigen sich mit dem Anbaurisiko klimastabiler Baumarten und neuen Herkünften. Dabei werden unter anderem das einzigartige Bayerische Standortinformationssystem weiterentwickelt und die Eignung mediterraner Eichenarten in Süddeutschland bewertet. Weitere Vorhaben befassen sich unter anderem mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Insekten und Bodenlebewesen im Wald.

Die Projekte wurden in einem transparenten, zweistufigen Verfahren unter Beteiligung des Kuratoriums für forstliche Forschung ausgewählt.

red

ANALOG – Waldzukunft zum Anfassen

Ein Baumstamm inmitten von BlätternZoombild vorhanden

Abb. 2: Kiefern-Edelkastanien-Bestand in Südfrankreich (Foto: S. Brandl)

Die Auswirkungen des Klimawandels machen die Dringlichkeit eines klimagerechten Waldumbaus deutlich. In Deutschland befinden sich 48 % des Waldes in Privatbesitz, rund die Hälfte (2,7 Mio ha) davon macht Kleinwaldbesitz mit einer Fläche von weniger als 20 ha aus. Das Projekt ANALOG will insbesondere diese Waldbesitzer für einem klimaangepassten Waldumbau motivieren und Orientierung bei der Baumartenwahl geben. Das Prinzip: Für einen ausgewählten Bestand werden Regionen in Europa identifiziert, die bereits heute das Klima aufweisen, das für die Zukunft für den ausgewählten Bestand prognostiziert wird. Ein Blick in diese Analoggebiete ist nun wie ein Blick in die Zukunft: Wie sehen die Wälder dort aus? Welche Baumarten herrschen vor? Wie werden die Wälder dort bewirtschaftet?

Seit Kurzem stellt www.waldwissen.net Klima-Analogien zahlreicher Standorte in Deutschland bereit. Das Prinzip der Analogien wird ausführlich am Beispiel der mittelfränkischen Stadt Roth erklärt. Für häufig gestellte Fragen aus der Praxis und weiterführende Informationen werden Links zu den entsprechenden Dokumenten und Internetseiten angeboten.

ANALOG ist ein Informations- und Kommunikationsprojekt. Neben der LWF sind das AELF Roth sowie drei mittelfränkische Forstbetriebsgemeinschaften eingebunden. Das Projekt wird gefördert durch den Waldklimafonds der Bundesministerien »für Ernährung und Landwirtschaft« und »für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit« aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Tobias Mette und Susanne Brandl (LWF)

www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/waldbau/forstliche-planung/analog-waldzukunft-zum-anfassen

Holzindustrie steigert 2020 Umsatz

Männer arbeiten in einer Halle an HolzZoombild vorhanden

Abb. 3: Symbolfoto der deutschen Holzindustrie (Foto: HDH)

Der Umsatz der deutschen Holzindustrie lag im Jahr 2020 bei rund 36,5 Mrd. € und damit um 0,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Insbesondere der »Baunahe Bereich« der Holzindustrie entwickelte sich erfreulich positiv, trotz der negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie – ein eindrucksvoller Beweis für die hohe Nachfrage nach nachhaltigen und ökologischen Bauprodukten aus Holz.

Die Möbelindustrie erwirtschaftete als das größte Segment der Holzindustrie mit einem Umsatz von 17,2 Mrd. € pandemiebedingt ein deutliches Minus von 3,7 Prozent. Im Gegensatz dazu steigerte der »Baunahe Bereich«, der neben dem Holzfertigbau auch die Herstellung von Fenstern, Türen, Treppen und anderen holzbasierten Bauelementen umfasst, seinen Absatz um 10,2 Prozent auf 6,8 Mrd. €. Auch die übrigen Segmente der Holzindustrie verzeichneten eine positive Umsatzentwicklung.

Die deutsche Holzindustrie beschäftigte im Jahr 2020 insgesamt 156.282 Männer und Frauen in 931 Betrieben mit 50 und mehr Mitarbeitern

Quelle: Hauptverband der Deutschen Holzindustrie (HDH)

Brauner Bär ist »Jahres«-Schmetterling

Rot-braun-weißer SchmetterlingZoombild vorhanden

Abb. 4: Der Braune Bär (Foto: T. Laußmann)

Die BUND NRW Naturschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. haben den Braunen Bär (Arctia caja) zum Schmetterling des Jahres 2021 gekürt. Sie weisen mit der Wahl des Nachtfalters auf die negativen Folgen der künstlichen Beleuchtung hin. Der Braune Bär ist bundesweit rückläufig und steht auf der Vorwarnliste der bedrohten Tiere. Neben der Lichtverschmutzung sind auch die Intensivierung der Landwirtschaft, der Wegfall von Hecken und Feldgehölzen in der Landschaft und der Flächenverbrauch Ursachen für den Rückgang der Art.

Die Braunen Bären fliegen im Hochsommer, haben zurückgebildete Saugrüssel und nehmen keine Nahrung auf. Sie leben daher nur für kurze Zeit. Angelockt von nächtlichen Lichtquellen flattern dann orientierungslos bis zur Erschöpfung um sie herum. Neben den direkten Verlusten geht den Insekten so wertvolle Energie und Zeit für Partnersuche und Fortpflanzung verloren, und Fressfeinde wie Fledermäuse haben ein leichtes Spiel.

Ökologische Vielfalt ist eine Hauptanforderung des Braunen Bären an seinen Lebensraum, er bevorzugt dabei strukturreiche, feuchte und kühle Habitate: im Wald etwa Wege und Schneisen, Waldsäume, Lichtungen und feuchte Waldwiesen. Doch auch gebüschreiches Offenland wird bewohnt.

Quelle: BUND NRW

www.bund-nrw-naturschutzstiftung.de/schmetterling-des-jahres/

Bornavirus in Deutschland

Eine Maus mit spitzem Gesicht im HeuZoombild vorhanden

Abb. 5: Die Feldspitzmaus stellt wahrscheinlich das Hauptreservoir des »klassischen« Bornavirus dar. (Foto: Henning Vierhaus)

Bestimmte Nagetiere und Spitzmäuse können verschiedenste Krankheitserreger in sich tragen, die auf den Menschen übertragen, Erkrankungen hervorrufen können. Zu diesen Zoonoseerregern zählen auch das »klassische« Bornavirus (BoDV-1). In den vergangenen Jahren haben Bornaviren verstärkte Aufmerksamkeit wegen tödlich verlaufender Gehirnentzündungen beim Menschen erfahren. Ein wichtiges »Reservoir« dieses Virus ist die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon).

Das Virus lässt sich auch in Haussäugetieren nachweisen, aber es gibt keine Hinweise, dass diese das Virus auf den Menschen übertragen. Die Übertragung erfolgt stattdessen über das Spitzmausreservoir. Zur besseren Erfassung dieser Erkrankungen wurde eine Meldepflicht für Bornavirus-Infektionen eingeführt. Untersuchungen durch das Zoonotische Bornavirus-Konsortium (ZooBoCo) konzentrieren sich auf die Aufklärung der Übertragung des Erregers und die Identifikation weiterer Reservoirspezies.

red

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