LWF aktuell 159
Frühjahr 2026: außergewöhnlich trocken
von Dr. Lothar Zimmermann, Dr. Stephan Raspe

Niederschlag – Temperatur – Bodenfeuchte

Heuer war die Witterung im April von Hochdruck dominiert, sodass es bei viel trockener Luft reichlich Sonnenschein gab. Gleichzeitig kam es aber auch zu großen Tag-Nachtschwankungen der Lufttemperatur. Für etwas Niederschlag sorgten drei Tiefdruckgebiete, die die Hochdruckperioden unterbrachen. Ins­gesamt war er deutlich wärmer, trockener und sonnenscheinreicher als normal.

Bayern-Karte zeigt für April/Mai je Standort die Temperaturabweichung durch SäulendiagrammeZoombild vorhanden

Abb. 1a: Absolute Abweichung der Lufttemperatur vom langjährigen Mittel 1961–1990 an den Waldklimastationen (© LWF)

Der April startete kalt. An der DWD-Klimastation in Oberstdorf sank die Lufttemperatur auf -8,2 °C. Das war der tiefste Wert in diesem Monat für Bayern. Zur gleichen Zeit regnete es in einigen Regionen kräftig. An Ostern wurde es dann frühlingshaft warm, an der Donau und südlich davon stieg die Lufttemperatur vom 4. auf den 5. April um 11,5 °C an (DWD 2026). Zehn Wetterstationen meldeten am 5. April Höchsttemperaturen von über 20 °C. Der Erwärmung folgten erste gewittrige Schauer. Im weiteren Verlauf des ersten Monatsdrittels herrschte Hochdruck vor. Eine nördliche Strömung sorgte für den Zustrom kühler Luft. Diese erwärmte sich tagsüber, kühlte aber nachts wieder aus, sodass es zu Boden- und sogar Luftfrost kam. Am 10. April zog ein Tiefausläufer mit teils größeren Niederschlägen durch. In höheren Lagen des Bayerischen Walds gab es sogar Schneeregen. Im zweiten Monatsdrittel drehte die Luftströmung kurzzeitig auf Südwest, und führte warme Luft über die Alpen. Danach wechselten sich Regenfälle und heitere Abschnitten ab. In einigen Regionen regnete es lange Zeit nicht. (Augsburg, Rhön, München) (DWD 2026).

An 13 WKS gab es vom 20. April an 14–15 Tage keinen Niederschlag. Die warme Witterung begünstigte die Vegetationsentwicklung, sodass die Apfelblüte als Beginn des phänolo­gischen Vollfrühlings im Mittel zum 19. April eine Woche früher als im vieljährigen Mittel stattfand. Das letzte Monatsdrittel war dann überregional von Hochdruckeinfluss geprägt. Niederschläge blieben aus, die Luft erwärmte sich und die Waldbrandgefahr stieg. Kalte, teils frostige Nächte hatten die Vegetation etwas ausgebremst. In tieferen Lagen wirkten höhere Tageswerte der Lufttemperatur dem entgegen (DWD 2026).

Der April lag mit 9,1° C deutlich über dem langjährigen Mittel 1961–90 (+2,1°). Mit einer Niederschlagsmenge von 17,1 l/m² fiel 76 % weniger Regen als im langjährigen Mittel (vierter Platz der trockensten Aprilmonate seit 1881). Obwohl nördlich und südlich der Donau jeweils 17 l/m² Niederschlag fielen, war die Situation im Süden deutlich extremer: Dort lag das Niederschlagsdefizit bei 76 %, im Norden bei 60 %. Besonders trocken mit teils weniger als 11 l/m² blieb es im Tertiärhügelland westlich von Landshut (WKS Freising). Im April gingen vor allem in Südbayern die Bodenwasservorräte langsam zurück, an der WKS Ebersberg sogar deutlich bis auf etwa 50 % der nutzbaren Feldkapazität (nFK). Die Wasserversorgung der Waldbäume war aber an allen Waldklimastationen weiter ausreichend (Abbildung 2). Die Sonne schien 234,9 Stunden. Das entspricht einer Steigerung von 53 % gegenüber dem langjährigen Mittelwert. Damit gehört dieser April zu den zehn sonnenreichsten Aprilmonaten seit 1951 (DWD 2026). Das hydrologische Winterhalbjahr (November 2025 bis April 2026) zählte mit 264,2 l/m² wie schon das letzte bayernweit zu den 15 trockensten seit 1881 (-34% zum Mittel 1961–90).

Bayern-Karte zeigt Niederschlagsabweichung für April/Mai je Standort durch SäulendiagrammeZoombild vorhanden

Abb. 1b: Prozentuale Abweichung des Niederschlags vom langjährigen Mittel 1961–1990 an den Waldklima- stationen (© LWF)

Ein Monat der Gegensätze: Erst machten die Eisheiligen ihrem Namen alle Ehre, dann hatte der Hochsommer einen frühen Auftritt. Zum 1. Mai gab es meist bestes Feiertagswetter: Unter Hochdruckeinfluss war es verbreitet sonnig und trocken bei frühsommerlichen Lufttemperaturen, so dass die Waldbrandgefahr hoch war. Am 3. Mai erreichten die Lufttemperaturen an elf WKS, darunter auch die alpine WKS Berchtesgaden, mehr als 25 °C. Abends brach dann am Saurüsselkopf bei Ruhpolding ein Waldbrand im Gipfelbereich aus.

Nach dem ersten Mai-Wochenende brachten Niederschläge einen leichten Rückgang der Lufttemperaturen. Im Frankenwald wurde als monatlicher WKS-Spitzenwert an der WKS Rothenkirchen am 07. Mai 37,9 l/m² gemessen. Die warmen
Tagestemperaturen hielten das ganze erste Monatsdrittel an. Nachts hingegen wurde es oft kalt und besonders in höheren Tallagen gab es Bodenfrost. Zu den Eisheiligen wurde es sowohl nachts als auch tagsüber kälter. Am 12. und 13. Mai sowie am 17. Mai lagen bei sieben bzw. acht WKS die minimalen Lufttemperaturen in 2 m Höhe unter 0 °C. So gab es im zweiten Monatsdrittel selbst in tieferen Lagen Boden- und sogar leichten Luftfrost. Am Tag waren die Temperaturen gedämpft. Neben zeitweiligen Niederschlägen, die vorübergehend im Bergland teils mit Schnee vermischt waren, gab es auch längere sonnige Phasen. Ab Mitte Mai leerten sich die Bodenwasserspeicher an den Waldklimastationen in ganz Bayern zunehmend. Mit dem Blattaustrieb waren davon auch die Laubbaumbestände betroffen. Im letzten Monatsdrittel wurde es unter Hochdruckeinfluss sommerlich heiß. Der Vorsprung in der Vegetationsentwicklung hielt sich; die Holunderblüte als Beginn des phänologischen Frühsommers trat fünf Tage früher als im vieljährigen Mittel auf (21. Mai). Die Niederschläge blieben vom dem 21. bis 28. Mai an den WKS meist aus. An der WKS Ebersberg wurde ab dem 24. Mai sogar die Grenze zum Trockenstress unterschritten. Am 26. Mai wurden an fünf WKS Lufttemperaturen über 30 °C erreicht. Erst am letzten Wochenende gab es gebietsweise gewittrige Schauer. Die Waldbrandgefahr war Ende Mai wieder erhöht.
Liniendiagramm zeigt für April/Mai durch verschiedene Farben je Ort den Bodenwasserspeicher anZoombild vorhanden

Abb. 2: Entwicklung der Bodenwasservorräte im gesamten durchwurzelten Bodenraum in Prozent zur nutzbaren Feldkapazität (© LWF)

Im Mai 2026 gab es mit 54,9 l/m² 39% weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel 1961–90. Die Sonne schien mit 270,3 Stunden +40% mehr als üblich. Damit gab es den drittsonnigsten Mai seit 1951. Zugleich war der Mai mit einer Durchschnittstemperatur von 14,2 °C + 2,5° deutlich wärmer als im Mittel 1961–90.

Das Frühjahr im Überblick

Das Frühjahr 2026 war das niederschlagärmste seit Beginn der flächenhaften Aufzeichnungen 1881. Es fielen nur 103,8 l/m² in den drei Frühlingsmonaten (-53% zum Mittel 1961–90). Der bisherige Rekordhalter war bisher das Frühjahr 1934 mit 110,4 l/m². Nachdenklicher stimmt allerdings, dass auf Platz 3 der trockensten Frühjahre zuletzt 2025 folgte (113,4 l/m²). Die Lufttemperatur erreichte 9,5 °C (+2,3 °C zum Mittel 1961–90), damit auf Platz 7 der wärmsten Frühjahre seit 1881. Mit 686,9 Stunden war es auch ein sehr strahlungsreiches Sonnenfrühjahr (+47% zum Mittel 1961–90, Platz 4 seit 1951). Dramatischer war es noch beim Niederschlag. Mit 113,4 l/m² fiel nur fast die Hälfte des langjährigen Niederschlags (-49%). Die Trockenheit hatte häufig eine erhöhte Waldbrandgefahr zur Folge.

Abb. 3: Mittlere Lufttemperatur und Niederschlagssumme an den Waldklimastationen sowie an der Wetterstation Taferlruck

WaldklimastationenHöhe ü.NN [m]April 2026 Temp. [°C]April 2026 NS [l/m²]Mai 2026 Temp. [°C]Mai 2026 NS [l/m²]
Altdorf (ALT)4068,11813,433
Altötting (AOE)4158,72414,242
Bad Brückenau (BBR)8127,42911,996
Berchtesgaden (BER)15006,94911,1109
Dinkelsbühl (DIN)4687,81313,144
Ebersberg (EBE)5408,4613,847
Ebrach (EBR)4108,01512,750
Flossenbürg (FLO)8405,82611,376
Freising (FRE)5089,71114,453
Goldkronach (GOL)8006,13011,384
Höglwald (HOE)5459,7914,131
Kreuth (KRE)11006,94611,9101
Mitterfels (MIT)10255,91511,556
Riedenburg (RIE)4758,61214,021
Rothenkirchen (ROK)6705,72311,395
Rothenkirchen (ROK)4709,41113,551
Sonthofen (SON)11706,93111,299
Tafelruck (TAF)7705,41710,846
Würzburg (WUE)33010,41414,742

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Autoren

  • Dr. Lothar Zimmermann
  • Dr. Stephan Raspe