LWF aktuell 159
Saftfluss zeigt, wie viel Wasser Bäume verbrauchen
von Carina Mayer, Stefan Seeger, Stephan Rimmele, Martin Maier, Stephan Raspe
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Abb. 1: Ein Saftflusssensor am Baum unter dem Strahlungsschutz (© S. Rimmele)
Wie ändert sich der Wasserhaushalt des Waldes unter zunehmenden klimatischen Belastungen? Um dies künftig präziser vorhersagen zu können, erfassen wir mithilfe von Saftflussmessungen den Wasserverbrauch verschiedener Baumarten. Die zeitlichen Dynamiken im Tages- und Jahresverlauf liefern dabei eine solide Datengrundlage für die Einschätzung von Trockenstress und Anpassungsfähigkeit der Bäume.
Die Sommer werden heißer, die Regenfälle seltener und die Wälder geraten zunehmend unter Stress. Lange Trockenperioden und Extremwetterereignisse wie Hitze, Starkregen und Spätfrost verändern nicht nur das Klima, sondern greifen tief in den Wasserhaushalt der Bäume ein. Besonders in Zentraleuropa nimmt die Häufigkeit und Intensität sommerlicher Trockenperioden zu: ein Drittel der stärksten Dürreereignisse seit 1900 trat in den letzten 15 Jahren auf. Der daraus resultierende Trockenstress äußert sich in frühzeitigem Blattabwurf, reduziertem Wachstum und vermehrter Fruktifikation. Bei anhaltender Belastung kann Trockenstress schließlich zum Absterben des Baumes führen. Angesichts der zunehmenden klimatischen Herausforderungen wird ein zuverlässiges Monitoring des Wasserhaushalts der Bäume immer wichtiger. Zwar liefern Wasserhaushaltsmodelle und Bodenfeuchtemessungen bereits wertvolle Hinweise zur Wasserverfügbarkeit, doch es mangelt an empirisch gemessenen Daten zum tatsächlichen Wasserverbrauch und -bedarf der Bäume. Denn Wasserverfügbarkeit und Wasserverbrauch sind nicht immer deckungsgleich und verschiedene Baumarten reagieren unterschiedlich stark auf Wassermangel. Um die zeitlichen Dynamiken der Transpiration von Baumarten im Feld zu erfassen, führen wir Saftflussmessungen an ausgewählten Standorten des forstlichen Intensivmonitorings in Deutschland durch – in Bayern an den Waldklimastationen. Dadurch entsteht eine verlässliche Datengrundlage, mit der Wasserhaushaltsmodellierungen optimiert werden.
Der Baum im Wasserhaushalt des Waldökosystems
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Abb. 2: Im Baum wird Wasser mit dem Saftfluss bis in die Krone transportiert. Dort findet an den Stomata nicht nur die Transpiration, sondern auch der Gasaustausch für die Photosynthese statt (© LWF)
Im Baum wird das über die Wurzeln aufgenommene Wasser als Saftfluss durch das wasserleitende Gewebe (Xylem) des Splintholzes bis in die Blätter und Nadeln der Krone transportiert. Dort findet die Transpiration statt, wobei hier im Blattinneren das Wasser den Phasenzustand von flüssig zu gasförmig wechselt: Der Wasserdampf tritt über winzige Spaltöffnungen der Blätter und Nadeln, den sogenannten Stomata, in die Atmosphäre aus. Diese Verdunstung verursacht einen Unterdruck im Xylem, der auch als Transpirationssog bezeichnet wird und neues Wasser aus dem Boden nachzieht. Neben der Transpiration findet durch die Stomata auch der Gasaustausch für die Photosynthese (CO2-Aufnahme und O2-Abgabe) statt. Beide Prozesse können durch Schließen der Stomata reduziert bis fast vollständig gestoppt werden, wodurch sich der Baum flexibel an äußere Umwelteinflüsse anpassen kann (Lawson 2014). Aber auch die Gesamtanzahl an Stomata beeinflusst die Transpirationsrate eines Baumes. Dabei gilt: je mehr Blattoberfläche ein Baum hat, desto mehr Stomata sind für die Verdunstung vorhanden. Abhängig von der Baumart kann die Gesamtblattoberfläche unterschiedlich groß ausfallen. Bisher wurde die Transpiration im forstlichen Umweltmonitoring nicht direkt gemessen, sondern mithilfe von Wasserhaushaltsmodellen abgeschätzt. Diese Modelle wurden anhand gemessener Bestandesniederschläge und Bodenfeuchtewerte sowie durch empirisch abgeleitete Annahmen zu baumphysiologischen und bodenhydrologischen Eigenschaften optimiert. Diesen Ansatz möchten wir nun erweitern: Durch die direkte Messung des Saftflusses, der unmittelbar vom Transpirationssog gesteuert wird, können wir präzise Rückschlüsse auf die tatsächliche Transpiration eines Baumes ziehen.
Das Prinzip der Saftflussmessungen
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Abb. 3: Mithilfe der HRMSensoren wird die Ausbreitungsgeschwindigkeit eines Wärmeimpulses entlang des Saftflusses gemessen (© LWF)
Messkonzept und Datenerhebung
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Abb. 4: Übersicht der im Projekt untersuchten Standorte mit den jeweiligen Baumarten (© LWF)
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Abb. 4: Legende (© LWF)
Variabilität zwischen den Messbäumen
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Abb. 5: Die präzise Installation der Thermistornadeln ist entscheidend für exakte Messergebnisse (© S. Rimmele)

Abb. 6: Die Wassermenge des Saftflusses ist maßgeblich von der Splintholzfläche abhängig (© LWF)
Kopplung zwischen Transpiration und Photosyntheseleistung
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Abb. 7: Kieferbestand am Standort Kienhorst in der Schorfheide (© C. Mayer, LWF)
Überleben bei Trockenstress: Wie wird Wasser effizient genutzt?
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Abb. 8a: Nach der sorgfältigen Installation der Saftflusssensoren am Baum wurden diese mit einem Strahlungs- und Verdunstungsschutz am Baum gesichert (© C. Mayer, LWF)
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Abb. 8b (© S. Raspe, LWF)
Transpiration von Kiefern und Eichen im Jahresverlauf
Auch anhand der Saftflussmessungen können unterschiedliche Wassernutzungsstrategien zwischen Baumarten beobachtet werden. Für einen Vergleich zwischen Waldkiefern und Traubeneichen wurden zwei Bestände in Kienhorst (Schorfheide) unter gleichen klimatischen Bedingungen ausgewählt. Auf Grundlage der erhobenen Saftflüsse und Grundflächenverteilung im Bestand wurde die jeweilige Gesamttranspiration der beiden Bestände ermittelt.

Abb. 9: An sonnigen, warmen Tagen (rote Pfeile) zeigt die Traubeneiche einen deutlich höheren Wasserverbrauch auf als die Waldkiefer (© LWF)
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Abb. 10: Die Bestimmung der Splintholzfläche erfolgte durch Lichttransmissionsmessung direkt im Gelände (© S. Raspe, LWF)
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Abb. 11a: Über den Saftflusssensoren wurden zum Teil auch Banddendrometer angebracht, um die Wasseraufnahme und -abgabe durch das Holz und die Rinde zu quantifizieren (© S. Raspe, LWF)
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Abb. 11b (© C. Mayer, LWF)
Zusammenfassung
Saftflussmessungen erfassen den Wasserverbrauch von einzelnen Bäumen und ermöglichen so die Bestimmung der Transpirationsrate ganzer Bestände. Dies trägt zur Optimierung von Wasserhaushaltsmodellen bei und hilft dadurch zukünftige Entwicklungen besser vorherzusagen. Durch das ganzjährige Monitoring mit 15 min Messungen werden zeitliche Dynamiken des Wasserverbrauchs erfasst und Anpassungen an Wetterereignisse sichtbar. Dies verdeutlicht den Zusammenhang von Wassertransport und Photosynthese und spiegelt dabei artspezifische Wassernutzungsstrategien wider. Damit schaffen Saftflussmessungen eine unverzichtbare Grundlage, um die Wasserbilanz von Wäldern realistisch abzubilden und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber klimatischen Extremereignissen besser einschätzen zu können.
Literatur
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Weiterführende Informationen
Autoren
- Carina Mayer
- Stephan Rimmele
- Dr. Stephan Raspe
- Dr. Stefan Seeger
- Prof. Martin Maier

