Eine Gruppe von Kindern steht in einem Laubwald.

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Reinhold Erlbeck
Die Waldwelt Oberplans zur Zeit Adalbert Stifters – LWF aktuell 116

Die Kulturlandschaft und damit auch der Wald sind das Spiegelbild der natürlichen Ausgangslage sowie der geschichtlichen, rechtlichen, wirtschaftlichen und technischen Entwicklung. Adalbert Stifter wurde in eine Zeit hineingeboren, die bedeutende Wandlungen mit sich brachte, die sich auf den Alltag und eben auch auf die Landschaft auswirkten.

Einige der bahnbrechenden Erfindungen waren etwa die Dampfmaschine, die Eisenbahn, der Beginn der grünen Revolution in der Landwirtschaft. Die Einführung der Kartoffel im Böhmerwald lag nur einige Jahre zurück. Die Dampfmaschinen wurden bis zum Bau der Eisenbahnen noch mit Holz oder Holzkohle beschickt. Holz war bis ins 19. Jahrhundert der wichtigste Energielieferant. Der Böhmerwald galt noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts als das größte weitgehend ungenutzte Waldgebiet.

Adalbert Stifters Beschreibungen von Wald und Landschaft

Luftbild eines OrtesZoombild vorhanden

Abb. 1: Ansicht von Oberplan, gemalt von Adalbert Stifter (um 1823). (Quelle: www.zeno.org - Contumax GmbH & Co.KG)

In der autobiografischen Erzählung »Das Haidedorf« lässt Stifter den Knaben Felix sagen: »Die Wiese, die Blumen, das Feld und seine Aehren, der Wald und seine unschuldigen Thierchen sind die ersten und natürlichen Gespielen und Erzieher des Kinderherzens.«

Nach dem Unfalltod seines Vaters bestellte Stifter zusammen mit seinem Großvater Augustin die Felder der Familie. Er schreibt darüber: »Ich erinnere mich, daß ich in jenen zwei Jahren eine unendliche Liebe zur landschaftlichen Natur und Einsamkeit faßte, da ich schier immer im Freien, und von einer zwar nicht reizenden, aber ruhevollen, schweigsamen und fast epischen Gegend umfangen war.«

Es ist aber nicht nur seine Liebe zur Heimatlandschaft, die ihn in die Lage versetzt, den Wald so trefflich zu beschreiben. 1837 wurde Stifter von Fürst Colloredo zu einer Bewerbung um eine Professur an der Forstlehranstalt Mariabrunn ermutigt. Wegen eines Beinleidens konnte er aber an der Prüfung nicht teilnehmen. Stifter selbst schrieb 1837 in einem Brief: »Ad vocem studiren muß ich Dir melden, daß ich sehr fleißig Forstbotanik studire, weil man sich sehr um mich annimmt, daß ich die Kanzel in Maria- Brunn bekomme. Sie enthält Physik und Chemie und Forstbotanik als Soll«.

Die Beziehungen Stifters zu Wald und Landschaft hatten also tiefe emotionale Wurzeln und waren auch fachlich und praktisch untermauert. Häufig ist auf die geradezu ausschweifenden Naturschilderungen des Autors verwiesen worden. Für einen Forstmann ist die Ausführlichkeit des Dichters nicht ermüdend. Im Gegenteil, für Naturhistoriker ist etwa der »Hochwald« eine wichtige Quelle für die Vegetations- und Forstgeschichte des Böhmerwaldes. Ing. Karl Kolberg (1938) schrieb anlässlich des 70. Todestages des Dichters: »…von dem wir wissen […], daß er ein Stern ersten Ranges der deutschen Dichtkunst war und bleibt, da ihn in seiner Leistung, Natur und Kultur in jeder Erscheinung als Einheit zu erfassen und zu gestalten, kein deutscher Dichter übertrifft. « Er bezeichnet Stifter auch als »einen der bedeutendsten Künder der Einheit der Waldnatur«.

Die Heimatlandschaft Stifters

Seine auch noch im 19. Jahrhundert stark bewaldete Heimatlandschaft schildert Stifter in »Der Hochwald« für das 17. Jahrhundert recht anschaulich: »An der Mitternachtseite des Ländchens Oesterreich zieht ein Wald an die dreißig Meilen lang seinen Dämmerstreifen westwärts«, weiter heißt es: »Im Thale, das weit und fruchtbar ist, sind Dörfer herumgestreuet, und mitten unten ihnen steht der kleine Flecken Oberplan.«

Und schließlich: »da ruhen die breiten Waldesrücken und steigen lieblich schwarzblau dämmernd ab gegen den Silberblick der Moldau; – westlich blauet Forst an Forst in angenehmer Färbung […]. Es wohnet unsäglich viel Liebes und Wehmütiges in diesem Anblicke.« Und in »Aus dem bairischen Walde« (1857) beschreibt Stifter das heimatliche Gebirge dann so: »Waldwoge steht hinter Waldwoge, bis eine die letzte ist und den Himmel schneidet«.

Der Wald

Besonders überzeugend beschreibt Stifter das Ökosystem Wald in »Aus dem bairischen Walde«: »Die edlen Tannen, wie mächtig ihre Stämme auch sein mögen, stehen schlank wie Kerzen da, und wanken sanft in dem leichtesten Luftzuge, und wenn der stillste Tag draußen ist, so geht in das Ohr kaum vernehmlich und doch vernehmlich ein schwaches, erhabnes Sausen – es ist wie das Athemholen des Waldes. Zu der Tanne gesellt sich ihre geringere, aber doch schöne Schwester, die Fichte, dann kömmt die hellgrünlaubige Buche und in den Tiefen an Wässern die Erle, und es kommen andere wasserliebende Bäume.«

Interessant ist, dass Stifter auch die Saumgesellschaften, Hecken und Waldränder genau beobachtete. »Neben dem Kohlfelde war eine Heke von Waldrosen, welche mit ihren fünf schönen Blättern in sanftem Roth und mit den vielen zarten Staubtheilen in tiefem Gelb zu Hunderten blühten«. Es handelt sich hier um die fast stachellose Gebirgsheckenrose Rosa pendulina. Stifter unterscheidet sie genau von einer anderen dort vorkommenden Heckenrose, vermutlich der Vogesenrose (Rosa vosagiaca).

Stifter sieht Wald und Natur hier als Biozönose, als Vergesellschaftung von Pflanzen und Tieren, also als lebendige Gesamtheit. Er verwendet aber auch den Begriff »Forst« für einen ökonomisch ausgerichteten und bewirtschafteten Wald.

Das Naturerbe dieser Landschaft

Bleistiftzeichnung einer umgestürzten BaumwurzelZoombild vorhanden

Abb. 2: Umgestürzte Baumwurzel, gezeichnet von von Adalbert Stifter (um 1845). (Quelle: www.zeno.org - Contumax GmbH & Co.KG)

Die Eiszeiten prägten auch dieses alte Mittelgebirge. Zungengletscher schufen z.B. die acht Karseen des Grenzgebirges, darunter den Plöckensteiner See. Die Blockmeere und die Blockburgen entstanden auch in dieser Zeit. Stifter beschreibt diese so: »wilde Lagerung zerrissener Gründe«, der Bach »stellenweise gar nicht mehr sichtbar und hörbar, weil er unter übergewälzten Felsenstücken hinfloß«. Die Erforschung der Glazialmorphologie des Böhmerwaldes begann aber erst 1882.

Nach den Eiszeiten, vor etwa 10.000 Jahren, wanderten die Baumarten aus ihren Fluchtarealen wieder aus dem Süden ein. Die Baumarten haben unterschiedliche Standortsansprüche. Aus dem Zusammenspiel von Standort und Baumarten entstanden die natürlichen Waldgesellschaften der Urwälder. Im Gebirge hängen die Wuchsbedingungen für Bäume und Pflanzen vor allem von der Höhenlage und von der Exposition ab. Stifter beschreibt diese Unterschiede in all seinen Werken bemerkenswert genau. Liest man das »Hochwald«-Kapitel »Waldwanderung« von Wittinghaus über das Hirschen- und Seebachtal bis zum Plöckenstein nach, wird das deutlich. Stifter beginnt im Kapitel zuvor: »Dichte Waldbestände der eintönigen Fichte und Föhre führen stundenlang vorerst aus dem Moldauthale empor«. Die so beschriebenen Bestände entstammen als Anflug der Zeit, als Aufforstungen noch nicht üblich waren. Unterhalb des Plö-ckensteinsees wird forstfachlich korrekt »ein dichter Anflug junger Fichten« erwähnt. Es ist verblüffend, wie genau die hier im Weiteren geschilderten Waldgesellschaften mit den vegetationskundlichen Höhenstufen übereinstimmen, wie Arthur Brande 2000 recht eindrucksvoll nachweisen konnte.

Ungenutzte Urwälder

Dechant Mardetschläger aus Lagau schildert 1852 die damals noch vorhandenen Urwälder: »Im Urwalde findet man noch häufig die sogenannten Rohnen, das sind von Windbrüchen niedergestreckte Waldstämme, die oft viele Jahre liegen bleiben, aber dennoch ihre Benützung finden. Von außen sind sie mit schwellendem Moos bedeckt und etwa 3–4 Zoll hinein vermodert, haben sie inwendig das schönste reinweiße Holz, welches bei Fichten vorzugsweise zu Resonanzböden geeignet ist. Auch werden aus diesem Rohnenholze die Schmalzdosen verfertigt, weil es das Fett nicht durchschwitzen läßt.«

Rodungen

Bei einer Fluraufnahme unter Joseph II. (1780–1790) stellte man fest, dass große Waldgebiete im Böhmerwald ohne Eigentümer waren, also noch altes Krongut waren. Die Bauern der umliegenden Dörfer waren nicht am Erwerb dieser Wälder interessiert. Fürst Johann Nepomuk Schwarzenberg erklärte sich bereit, die herrenlosen Wälder zu übernehmen. In seiner Novelle »Der beschriebene Tännling « stellt Stifter die geografische Lage der gerodeten Landschaft und die »herumgestreuten Dörfer« anschaulich dar: »Das Thal ist sanft und breit, es ist von Osten gegen Westen in das Waldland hinein geschnitten, und ist fast ganz von Bäumen entblößt, weil man, da man die Wälder ausrottete, viel von dem Ueberflusse der Bäume zu leiden hatte, und von dem Grundsaze ausging, je weniger Bäume überblieben, desto besser sei es.«

»In der Mitte des Thales ist der Marktflecken Oberplan, der seine Wiesen und Felder um sich hat, in nicht großer Ferne auf die Wasser der Moldau sieht, und in grö- ßerer mehrere herumgestreute Dörfer hat. Das Thal ist selber wieder nicht eben, sondern hat größere und kleinere Erhöhungen. Die bedeutendste ist der Kreuzberg, der sich gleich hinter Oberplan erhebt, von dem Walde, mit dem er einstens bedeckt war, entblößt ist […].«

Beginn der Waldnutzung

Schon vom Ende des 18. Jahrhunderts an stand die wirtschaftliche Nutzung des Waldes im Vordergrund. Die neugegründeten Holzhauersiedlungen hatten Auswirkungen auf die Landschaft. Alle für eine landwirtschaftliche Nutzung geeigneten Urwaldflächen wurden gerodet. Selbst die höchsten Gipfel und exponierten Kuppen, wie etwa Hochficht und Spitzberg, wurden im 18. und 19. Jahrhundert abgeholzt und in »Alpenwirtschaften« umgewandelt.

Das Leben der Siedler war hart. Die nur auf Viehzucht und Holzarbeit angewiesenen »Anwohner dieser Wälder nannten sich noch 1734 die ‚arm betrübten Leute, die in denen hierortigen Steinig-bergig-Morastig- und unfruchtbaren Wildnussen ihr täglich Brot zu suchen und ihre Haushaltungen mit sauer- und blutigen Schweiß zu führen genötigt‘ seien«.

In der unmittelbaren Umgebung der neuen Siedlungen wurde der Wald dann intensiv genutzt. Zunächst holten sich die Siedler dort ihr Bau- und Werkholz. Jedes Dorf hatte seine Weidefläche, die sich auch in den Wald erstreckte. Dann gab es noch jene Wälder, aus denen das Holz über die Trift gebracht und verkauft werden konnte, und die unerschlossenen Wälder ohne Möglichkeit des Holztransportes.

Nun war dieser Wald kaum durch Wege erschlossen. Es wäre furch- bar zeitraubend, ja unmöglich gewesen, die Hiebsorte jeden Tag aufzusuchen. Die Waldarbeiter hausten daher die Woche über in primitiven, mit Rinde gedeckten Holzhütten. Manchmal wurden auch ganze »Holzhauerstädte« angelegt, die sommersüber mit Kind und Kegel bewohnt wurden und im Winter nochmals bei der Holzbringung benutzt wurden. Später entstanden ständige Holzhauersiedlungen. Rinder, Ziegen und Schafe verbrachten nahezu das ganze Jahr im Wald. Das hatte großen Einfluss auf die Zusammensetzung des Waldes.

Bedeutung des Holzes für das Handwerk

Die Bedeutung des Holzes für das vormerkantilistische Handwerk kann man sich heute kaum mehr vorstellen. Jeder Handwerkszweig war auf Holz oder Waldprodukte angewiesen. Holz war Rohstoff und Hilfsstoff. Selbst die Rinde von Fichte und Eiche wurden verwendet, nämlich zum Gerben. Zimmerleute fertigten Häuser, Paläste und Brücken aus Holz, Schiffe waren aus Holz, ebenso die Inneneinrichtungen der Häuser. Stifter schildert auch die grauen Dächer – sie waren mit Holzschindeln gedeckt.

In »Der Waldgänger« schreibt Stifter: »die Bewohner jener Gegend […] gehen nie in den Wald, außer wenn das Holz ausgetheilt und angewiesen wird«.Die Waldgesinnung war also noch nicht sehr ausgeprägt. Auch die Beschreibung der Waldhäuser macht die Bedeutung des Holzes deutlich: »Beinahe aus jedem dieser Häuschen leuchtet ein Stück schneeweiß getünchter Steinmauer hervor, während alles Uebrige von Holz ist.«

Stifters besondere Verbindung zum Holz erklärt sich auch aus seiner privaten Tätigkeit als Restaurator. Auf der Rückseite seines Intarsienschrankes ist die Inschrift angebracht »Restauriert im Jahre 1853 von Adalbert Stifter, Dichter und Michael Müller, Tischler.«

Bedeutung des Holzes als Werkstoff und "Bringung"

Männer stehen an einem Fluss und driften HolzZoombild vorhanden

Abb. 3: Holztrift. (Foto/Repro: Archiv H. Aschenbrenner)

Was Stifter beschreibt, ist die Endphase des »Hölzernen Zeitalters«. Eisen war teuer. Wo Holz dasselbe leisten konnte, verwendete man es auch. Es wurden sogar Türschlösser aus Holz gefertigt. Drechsler fertigten Hausrat, Kistler Transportbehälter, Werkzeugmacher u. a. Schaufeln, Dreschflegel, Rechen, Siebe und Holzschuhe, Röhren für Wasserleitungen, selbst Maschinen waren aus Holz. Brauereien, Salzhandel und Weinhandel brauchten Fässer, natürlich aus Holz. Für jede Verwendung waren andere Holzarten gesucht. Für den Schiffsbau, für Wagen, Pflüge, Schlitten und den Fachwerkbau waren Krummhölzer recht gefragt. Das bedeutete auch, dass die Waldbesitzer selbst an einem vielfältigen, gemischten Wald interessiert waren.

Voraussetzung für die bessere Holzverwertung war eine Transportmöglichkeit. Da Wege fehlten, wurden schon sehr frühzeitig Wälder an Gewässern gesucht, in denen das gefällte Holz transportiert werden konnte. In größeren Gewässern konnten ganze Stämme oder gar Flöße transportiert werden, in kleineren nur Scheitholz für Brennzwecke.

Das Stammholz und das Brennholz mussten aus dem Wald gebracht werden. Die »Bringung« nutzte an den Hängen die Schwerkraft aus. Dafür gab es verschiedene Wege. Unter Ausnutzung des Geländes wurden die Stämme in Runsen oder Gräben über ein Trockenries aus anderen Stämmen zu Tal getrieben. Das setzte größere Holzmengen, in der Regel Kahlschläge voraus. Diese wurden in Streifen von Berg zu Tal in einer Breite von 20 bis 40 Klaftern (38 bis 76 Meter) angelegt. Später wurden auch künstliche Wasserläufe angelegt. Das kurzgeschnittene Brennholz wurde als Scheitholz geschwemmt, Sägeblöcke oder ganze Stämme wurden in der Trift einzeln oder verbunden befördert. Wurden die Stämme zu Tafeln verbunden, entstanden Flöße. Solche Flöße umfassten bis zu 100 Kubikmeter Holz.

Die Erschließung des Gebietes – der Schwarzenbergsche Schwemmkanal

Eingebettetes Flussbett endet in einem Tunnel.Zoombild vorhanden

Abb. 4: Für den Schwarzenbergschen Schwemmkanal wurde ein 419m langer Tunnel angelegt. (Foto: Guenther Z)

Um die ausgedehnten Urwälder zu beiden Seiten des oberen Moldautales nutzen zu können und dem Holz einen Absatz in Wien, wo der Bedarf am größten war, zu verschaffen, wurde ein eigener Floßkanal angelegt, um die Wasserscheide Nordsee/Schwarzer Meer zu überwinden. Man hätte die zu ihr einhängenden Urwälder durchaus triftmäßig zur Moldau hin erschließen können und das anfallende Holz nach Prag, Hamburg und auch Berlin verkaufen können. Aber der Weg nach Wien versprach mehr Gewinn. Ab 1775 nivellierte Joseph Rosenauer (1735–1804) eine Kanalstrecke von 74 Kilometer und legte Fürst Schwarzenberg einen Kostenplan vor. Mit einer langen und flachen Rinne oberhalb des Rosenhügels überwand Rosenauer die Wasserscheide. Zwischen 1789 und 1793 sowie 1821 und 1823 entstand der Schwarzenbergsche »Krummau- Wiener-Schwemm-Canal«. Dieser beginnt nördlich des Dreisessels in Böhmen und mündet bei Haslach in die Große Mühl (»Mühlviertel«).

Die erste durchgehende Schwemme bis Neuhaus an der Donau fand 1791 statt. Es wurden 12.000 Klafter aus dem Revier Vorderstift getriftet. Am 23. April 1791 kamen 84 Klafter Böhmerwaldholz auf Donauzillen in Wien an. Ab 1801 wurde auf dem Kanal intensiv geschwemmt. Zur Zeit Stifters wurden jährlich bis zu 24.000 Klafter Holz (etwa 81.000 Kubikmeter) zur Donau geschwemmt. Dafür waren Hiebe in der Größenordnung von jährlich rund 170 Hektar, meist Kahlschläge, notwendig.

Von 1790 bis 1849 wurden insgesamt elf Millionen Ster Holz geschwemmt. Durch das Schwemmen fanden zahlreiche Menschen Arbeit und siedelten entlang des Kanals. So wurde Hirschbergen 1793 errichtet, 1820–1823 wurde durch den Flösselberg der erste Tunnel auf europäischem Boden gesprengt.

Ab 1867 bestand auch eine Verbindung zur Moldau, und das Holz wurde nach Salnau getriftet, wo der große Schwarzenbergische Holzhof bestand. Schon 1779 errichtete die Schwarzenbergische Obrigkeit am Zusammenfluss von Kalter und Warmer Moldau einen Rechen, 1801 einen weiteren bei Spitzberg. Damit wurde es möglich, das Holz aus den Winterberger Wäldern zu flößen. Das Holz wurde mit Fuhrwerken vier Kilometer zum Kanal beim Hefenkriegbach gebracht und dann getriftet. Eine andere Möglichkeit war es, das Holz mit Pferden zu Wegen zu schleifen. Auch die Bringung über Ziehwege auf Schlitten war verbreitet.

Durch die Umstellung auf Kohleheizung (Erschließung der schlesischen Kohlefelder) und die Fertigstellung der Mühlkreisbahn war die Scheitholzschwemme nach Wien ab 1891 entbehrlich.

Die Holznutzung

Sommer beschreibt den Wald dieser Gegend 1841 als großes geschlossenes Waldgebiet mit wenigen Siedlungen und viel Urwald: »Die Waldungen machen in Beziehung auf den Ertrag der Herrschaft den überwiegenden Bestandtheil aus, wie schon aus der gebirgigen Lage des Gebietes zu schließen seyn mag. Die höhern Rücken der oben bezeichneten drei Abtheilungen der Krumauer Gebirge sind größtentheils mit Wald bedeckt und Lichtungen derselben zu Ansiedlungen finden sich nur in einigen Thälern im Innern dieser Gebirge. Die Waldung ist in großen zum Theile meilenweiten Strecken geschlossen; das Mittelgebirge dagegen ist mehr mit einzelnen kleinern Waldstrecken bestanden […]; die geschlossene Waldung des Hochgebirges aber ist fast durchaus Dominical-Wald. Ein großer Theil, namentlich in der ersten Gebirgsabtheilung, im geringeren Maße auch in der zweiten ist Urwald […]«.

Der vorherrschende Waldbaum ist die Fichte, in geringerem Verhältnisse kommen Tannen vor; Buchen sind untermischt, seltener in ganzen Beständen; Kiefern finden sich hauptsächlich in den kleinern Waldstrecken der niedern Gegenden.

Ungeregelte Waldnutzung

Die Waldnutzungen waren bis ins 18. Jahrhundert ungeregelt, worüber sich das herrschaftliche Forstpersonal immer wieder beklagte. Mit Regelungen wie der Pflicht, nur ausgewiesenes Holz zu fällen oder der Einführung einer Gebühr für Nutzungen, versuchte die Obrigkeit Abhilfe zu schaffen. Auch das Holzfällen der damaligen Zeit war recht verschwenderisch. Man fällte die Stämme, indem man sie – wegen der Schneelage – in ein bis drei Metern Höhe umschnitt. Der Strunk blieb entweder stehen oder wurde im folgenden Sommer getrennt geerntet (»Summerauen «). Die gefällten Bäume wurden entastet. Äste und Gipfel wurden auf Haufen gelegt (»Grassen«) und dann als Streu verkauft oder in nicht erschlossenen Lagen verbrannt, um kein Brutmaterial für den Borkenkäfer zu hinterlassen. Im Frühjahr wurden dann die gefällten Stämme entrindet. Das Brennholz wurde gespalten, die Rinde als Gerbrinde verkauft.

Waldnutzung: Kahlhiebe

In »Der beschriebene Tännling« schildert Stifter die damalige Waldnutzung und Verjüngung der Altbestände im Streifenkahlschlag recht plastisch: »Weiter aufwärts sind die Wälder schon dichter, und in dem Innern ihrer großen Ausbreitungen hegen sie die Holzschläge. Wenn man den Rand eines solchen Streifens betritt, wie wir sie oben genannt haben, so ist er in der Nähe größer und ausgedehnter, als man sich in der Ferne gedacht hätte, und die Menschen sind auf ihm beschäftigt. Es liegen wie Halmen gemähten Getreides die unzähligen Tannenstämme verwirrt herum, und man ist beschäftigt, sie theils mit der Säge, die langsam hin und her geht, in Blöke zu trennen, theils von den Aesten, die noch an ihnen sind, zu reinigen. Diese Aeste, welche sonst so schön und immer grün sind, haben ihre Farbe verloren und das brennende Ansehen eines Fuchsfelles gewonnen, daher sie in der Holzsprache auch Füchse heißen.«

Die weitere Entwicklung eines solchen Kahlschlags wird dann wie folgt beschrieben: »Wenn eine Fläche des Waldes abgeschlagen ist, wenn die Scheite geordnet, getroknet, weggeführt sind, wenn die Reisige verbrannt wurden, wenn man keine Hütte der Holzhauer mehr sieht, und die Arbeiter fortgegangen sind, dann ist der erste Theil des Lebens eines Holzschlages aus, und es beginnt nun ein ganz anderer, stillerer, einfacherer, aber innigerer. Wenn die Halde leer dasteht, wenn sie nur mehr manchen schlechten stehengelassenen Baum wie eine Ruthe gekrümmt trägt, wenn die blosgelegten Kräuter und Gesträuche des Waldes zerrüttet und welkend herum hängen, wenn mancher nicht ganz verbrannte Reisighaufen im Verwittern begriffen, und ein anderer in den Boden getreten und verkohlt ist: dann steht die einsame verlassene Bevölkerung von Strünken dahin, und es schaut der blaue Himmel und schauen die Wolken auf das offene Erdreich herein, das sie so viele Jahre nicht zu sehen bekommen haben. «

Interessant ist dann, wie genau Stifter die Wiederbesiedlung dieser kahlgeschlagenen Flächen beobachtet: »Das erste, was nach langen Zeiten herbei kömmt, um die umgewandelte Stätte zu besezen, ist die kleine Erdbeere mit den kurzen zurük geschobenen Blättern. Sie sproßt zuerst auf der schwarzen Erde einzeln hervor, siedelt sich dann um Steine und liegen gebliebene Blöke an, überranket fleißig den Boden, bis nichts mehr zu sehen ist, und erfreut sich so sehr der Verlassenheit und der Hitze um die alten sich abschälenden Stöke herum, daß es oft nicht anders ist, als wäre über ganze Fleke ein brennendes scharlachrothes Tuch ausgebreitet worden. Wenn es so ist, dann sammelt sich allgemach unter ihren Blättern die Nässe, und es erscheint auch schon die größere langstielige Erdbeere mit den gestrekten Blättern und den schlanken Früchten. Es beeilt sich die Himbeere, die Einbeere kömmt, manche seltsame fremdäugige Blume, Gräser, Gestrippe und breite Blätter von Kräutern; dann die Eidechse, die Käfer, Falter und summende Fliegen; mancher Schaft schießt empor mit den jungen feuchtgrünen Blättern; es wird ein neuer, rauher hochruthiger Anflug, der unter sich einen nassen sumpfigen Boden hat, und endlich nach Jahren ist wieder die Pracht des Waldes.«

Die zunehmend intensive Waldnutzung und die angewandten Verjüngungsverfahren mit Kahlschlägen führten langfristig zu einer Veränderung des Baumartenspektrums. Aus den örtlichen Pollenanalysen von Brande kann man herauslesen, dass zwischen 1300 und 1800 die Fichte und die Kiefer zugenommen haben, Tanne und Buche hingegen weniger geworden sind.27 Oft wurden auch ganze Wälder zum einmaligen Abtrieb, mit der Auflage, Samenbäume überzuhalten, zur Nutzung vergeben. Bis sie wieder nutzbares Holz brachten, vergingen Jahrzehnte.

Stifters Gesamtsicht

Portrait eines Mannes Zoombild vorhanden

Abb. 5: Adalbert Stifter war Schriftsteller, Maler und Pädagoge. (Foto: www.ckrumlov.cz)

Der Begriff der Nachhaltigkeit hat in der Forstwirtschaft eine bereits 300-jährige Tradition. Bereits 1713 verfasste Hans Carl von Carlowitz das erste in sich geschlossene deutsche Werk zur Forstwirtschaft mit dem Namen »Sylvicultura oeconomica «. In dem Buch wird der Gedanke der Nachhaltigkeit deutlich formuliert: Bei der Rodung von Wäldern müsse man bedenken, wo ihre Nachkommen Holz hernehmen sollen.

»Allein wenn die Holtz und Waldung ruinirt / so bleiben auch die Einkünffte auff unendliche Jahre hinaus zurücke / und das Cammer=Wesen wird dadurch gäntzlich erschöpffet / daß also unter gleichen scheinbaren Profit ein unersetzlicher Schade liegt«. Anhand eines Sprichwortes verdeutlicht er das Prinzip: »Man soll keine alte Kleider wegwerffen / bis man neue hat / also soll man den Vorrath an ausgewachsenen Holtz nicht eher abtreiben / bis man siehet / daß dagegen gnugsamer Wiederwachs verhanden«. Er mahnt, »daß man mit dem Holtz pfleglich umgehe / und alle unnütze Verschwendung und Verderbung desselben / so viel möglich verhüte«.

Dieses Gedankengut hat im 19. Jahrhundert schließlich Eingang in das forstliche Denken und Handeln gefunden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verfassten die großen Forstverwaltungen schon Planungen, Forstbetriebspläne und Operate für die nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Wälder.

Verblüffend ist aber, dass sich Stifter auch mit der Zukunft der Holzversorgung beschäftigt hat. Vor allem aber hatte er eine ungeheure Ehrfurcht vor der Schöpfung. In »Der Hochwald« schreibt er: »Hat Gott der Herr dem Menschen größere Gaben gegeben, so fordert er auch mehr von ihm – aber darum liebt er doch auch nicht minder dessen andere Geschwister, die Thiere und Gewächse […]. Und kommt und wandelt unter ihnen, gerade wie er es hier und unter den Menschen macht, die er auch liebt, obwohl sie ihm, wie es mir oft gedäucht hat, seine Thiere und Pflanzen mißbrauchen, weil sie im Hochmuthe sich die Einzigen wähnen«.

Stifter ist aus ökonomischen, ästhetischen und ethischen Überlegungen zu dieser Erkenntnis gelangt. Er hat das Nachhaltigkeitsdreieck mit den ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten vorweggenommen. Das Gedankengut findet sich schon bei den griechischen Philosophen und im »Sonnengesang« des Franz von Assisi und auch bei den Philosophen der Aufklärung.

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Weiterführende Informationen

Autor

  • Reinhold Erlbeck