Eine Gruppe von Kindern steht in einem Laubwald.

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Rebekka Kornder
Bäume erzählen Geschichte – LWF aktuell 116

2018 feiert der Freistaat Bayern zwei Jubiläen. Zum einen jährt sich im November die Proklamation des Freistaats zum 100. Mal. Zum anderen findet im Mai der 200. Jahrestag der Veröffentlichung der Verfassung des Königreichs Bayern statt. Noch lebende menschliche Zeitzeugen werden sich nicht mehr finden lassen. Anders sieht es bei den Bäumen aus. Sie nehmen über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte als stille Beobachter am Lauf der Geschichte teil und stehen nicht selten in direktem Zusammenhang mit historischen Ereignissen.

Wenn Bäume gepflanzt werden, geschieht dies meist im Bewusstsein, dass sie erst kommenden Generationen, von Nutzen sein werden. Wer im und mit dem Wald arbeitet, denkt nicht in Jahren, sondern mindestens in Jahrzehnten. Denn die natürliche Lebensdauer von Bäumen übersteigt die der Menschen um ein Vielfaches. Bäume können sich im Laufe ihres Lebens zu mächtigen und eindrucksvollen Individuen entwickeln.
Über all diese Jahrzehnte nehmen sie dabei als stille Zeugen Anteil an den Geschehnissen, die sich in ihrem Umfeld ereignen. Könnten Bäume sprechen, so hätten sie oftmals wohl einiges zu erzählen. Der Fotograf und Autor Klaus Ender bringt es treffend auf den Punkt: »Jeder Ast eines Baumes kennt eine Geschichte – ein alter Baum ist Geschichte«.

Wald im Wandel der Zeit

Wälder und Bäume spielen seit jeher im Leben der Menschen eine besondere Rolle. Sie geben nicht nur unserer Landschaft ein Gesicht, sondern prägen auch unsere Kultur. Lange Zeit war der Wald eine wichtige Grundlage für das Überleben der Menschen. Holz galt bis vor 100 Jahren als wichtigster Bau- und Werkstoff. Außerdem war Holz über Jahrhunderte der nahezu einzige Energie- und Wärmespender.

Auch die Landwirtschaft profitierte in erheblichem Umfang vom Multitalent Wald. Waldweide oder die Nutzung von Waldstreu waren früher aus dem Leben der Menschen nicht wegzudenken. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der forstliche Nachhaltigkeitsgedanke, um den folgenden Generationen ebenfalls eine Nutzung des Waldes zu sichern. Grund dafür waren starke Übernutzungen der Wälder und die damit verbundene Knappheit von Holz. Die Befürchtung lag nahe, dass der Rückgang oder gar das Verschwinden ganzer Waldflächen bei weiterer unkontrollierter Nutzung heimischer Wälder nicht mehr aufzuhalten sei. Heute erfüllen unsere Wälder neben ökonomischen Leistungen auch ökologische und soziale Belange.

Geliebt und verhasst – die Eibe

NadelbaumZoombild vorhanden

Abb. 1: Eine stattliche Eibe als Naturdenkmal. (Foto: T. Vorwieger, AELF Roth)

Die Eibe ist wie kaum eine andere Baumart ein Beispiel für unterschiedliche und sich wandelnde Ansprüche an den Wald beziehungsweise einzelne Baumarten sowie eine daran orientierte Forstwirtschaft. Das harte und elastische Eibenholz war bis in die Neuzeit hinein äußerst beliebt. Schon in der Jungsteinzeit und der Bronzezeit fand es für den Bau von Speeren und Bogenwaffen, aber auch für Pfahlbauten und Gebrauchsgegenstände wie Schalen oder Löffel Verwendung.

Der berühmte Englische Langbogen war ebenfalls aus Eibenholz gefertigt. Mit ihm konnten schwere Pfeile über weite Entfernungen verschossen werden, was ihn selbst für gepanzerte Reiter zur Gefahr werden ließ. Wegen dieser Eigenschaft gehörte er lange Zeit zur Grundausrüstung wehrhafter Männer in England. Aufgrund des hohen Bedarfs an Rohholz für die Bogenherstellung stellte sich schon früh ein reger internationaler Handel mit Eibenholz ein.

Die Eibenbestände in Europa gingen dadurch rasant zurück, so dass es schon bald kaum noch Eibenholz auf dem Markt gab. Um 1568 beispielsweise verfügte Bayern über keine schlagreifen Eiben mehr, wie Herzog Albrecht in Bayern dem kaiserlichen Rat mitteilte. Die Situation entspannte sich erst wieder, als Feuerwaffen den Langbogen endgültig ablösten.

Die Eibe ist zudem als einzige einheimische Baumart giftig. Schon in der Antike war ihr Gift für den einen oder anderen Todesfall verantwortlich. Vor allem Pfeile wurden gerne zusätzliche mit Eibensaft getränkt. Besonders stark wirkt das Gift auf Pferde, schon wenige Bissen führen zum Tod der Tiere. Die Eibe zog daher den Hass von Reitern, Kutschern und Fuhrleuten auf sich. Entlang der Wege wurde sie meist konsequent entfernt. Aber auch dies verlor seine Bedeutung, als das Pferd etwa zur Zeit der Proklamation des Freistaats Bayern als Transportmittel durch Motorfahrzeuge abgelöst wurde.

Bis heute hat es die Eibe nicht geschafft, wieder so stammzahlkräftig in den bayerischen Wäldern vertreten zu sein wie früher. Ganz im Gegenteil: Sie ist immer noch selten und steht daher auf der »Roten Liste der gefährdeten Gefäßpflanzen Bayerns«.

Mythos Wald und Mythos Eiche

In der Literatur und der Kulturgeschichte hat der Wald ebenfalls einen festen Stellenwert, er wurde vielfach besungen und beschrieben. Seit jeher sind Wälder der Ursprung oder die Kulisse für Gedichte, Märchen und Sagen. Der deutsche Wald war für die Menschen schon immer ein geheimer sagenumwobener Sehnsuchtsort und wurde zum Ausdruck nationaler Identität. Berühmte Dichter und Denker verfassten über Baumarten oder einzelne Bäume zahlreiche Verse.

Eine besondere Wertschätzung erfuhr dabei die Eiche. Sie spielte in vielen Kulturen seit jeher eine zentrale Rolle und war ein Symbol des Lebens und der Beständigkeit. Sie entwickelte sich zum typisch deutschen Wappenbaum, der für Freiheitsliebe, Stolz, Kraft und Stärke stand. Im Zeitalter der Romantik war die Eiche zudem ein Sinnbild für Hoffnung. Es ist also kein Wunder, dass auch die Regenten jener Zeit die Eiche zu »ihrem« Baum machten. Die bayerische Geschichte prägten in den letzten 200 Jahren viele Regenten.

Begonnen mit König Maximilian I. Joseph von Bayern, der die Verfassung des Königreichs Bayern erließ, die im Mai 1818 in Kraft trat. Im Gegensatz zur Bayerischen Konstitution aus dem Jahr 1808 wurde darin die Frage einer Volksvertretung moderner geregelt. Sie legte die Grundlagen für die Gewaltenteilung und blieb bis zum Ende des Königreichs Bayern im Jahr 1918 gültig.

Auf König Maximilian I. Joseph folgte eine Reihe weiterer Könige: Ludwig der I., Maximilian II. Joseph, Ludwig II., Otto I. und Ludwig III., mit dem die Ära der Könige in Bayern endete. Er wurde während der Novemberrevolution im Jahr 1918 abgesetzt. Die Monarchie fand damit ihr Ende und der Freistaat Bayern war geschaffen. All diese Regenten hinterließen ihre Spuren in Wald und Forstwirtschaft. Wie bei vielen anderen Herrschern kam der Eiche dabei oftmals ein besonderer Stellenwert zu.

Franken und seine Hute-Eichen

Lichter Wald aus LaubbäumenZoombild vorhanden

Abb. 2: Die Huteeichen aus dem Ochsenwasen wurden um das Jahr 1830 gepflanzt. (Foto: L. Albrecht, AELF Uffenheim)

Über Jahrhunderte waren Wald und Ackerland eng miteinander verbunden. Übergangsbereiche aus offener Flur und geschlossenem Wald wurden damals häufig als Hutungen genutzt. Prägende Elemente der Hutungen waren mächtige Altbäume, deren Früchte gleichzeitig als Viehfutter dienten. Unter den großen Kronen der Bäume, meist Eichen, entwickelte sich eine üppige Gras- und Krautschicht. So konnten Rinder, Schafe und Ziegen im Frühjahr unter den Bäumen weiden. Bei Fall der Eicheln im Herbst wurden dann Schweine zur Mast auf die Fläche getrieben. Entstanden sind die Hutungen zum einen durch intensive Waldbeweidung, zum anderen erfolgte ihre Anlage jedoch auch ganz gezielt.

Als im 17. Jahrhundert Holz immer knapper wurde, sind vielerorts auch die alten Bäume der Hutungen genutzt worden. Als Konsequenz aus der Holzknappheit folgte ein Verbot der ungeregelten Nutzung des Waldes. Wenige Jahre nach der Proklamation der Verfassung des Königreichs Bayern bestieg Ludwig I. den bayerischen Thron. Er war ein großer Freund der Eichen, was besonders in einem Edikt aus dem Jahr 1832 deutlich wird. Darin wird aufs dringlichste empfohlen, die Nachzucht der Eiche tunlichst zu fördern. Auch zur Anlage von »Weidenschaften« wurde aufgefordert.

In dieser frühen Zeit des Königreichs Bayern entstanden erneut viele Hutungen, vor allem im fränkischen Raum. Hierfür überstellten die Landwirte Weideflächen mit Einzelbäumen. Heute werden die Hutungen als kulturelles Erbe gepflegt und bieten einer Vielzahl seltener Arten Lebensraum wie beispielsweise dem Mittelspecht oder dem Hirschkäfer.

Die Luitpold-Eiche in Traunstein

EichenstammZoombild vorhanden

Abb. 3: Die Luitpold-Eiche im Traunsteiner Statdpark (Foto: J. Härtel)

Prinzregent Luitpold regierte Bayern 26 Jahre lang. Er führte nach der Entmündigung von König Ludwig II. die Staatsgeschäfte. Wenige Tage nach dem Tod Ludwigs bestieg sein Bruder Otto I. den bayerischen Thron. Da dieser jedoch regierungsunfähig war, übte Luitpold auch für ihn über viele Jahre die Regentschaft aus. 1911 feierte der Prinzregent seinen 90. Geburtstag, was für die damalige Zeit ein außergewöhnlich hohes Alter war. In vielen Dörfern, Städten und Gemeinden wurde dieser Ehrentag ausgiebig gewürdigt, so auch in Traunstein.

Nur ein Jahr später starb der volksnahe Regent. Rückblickend waren die Traunsteiner ihrem Prinzregenten, der vor allem auf der Jagd oftmals in die Stadt kam, sehr verbunden. So gab es seit 1894 einen Brunnen auf dem Stadtplatz, der von der Bevölkerung »Luitpoldbrunnen « genannt wurde. Elf Jahre später legte Prinzregent Luitpold persönlich den Grundstein für einen weiteren Brunnen am Bahnhofsplatz.

Beide Brunnen wurden jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört. Trotzdem findet sich auch heute noch im Traunsteiner Stadtpark eine Erinnerung an den Prinzregenten. Zum Gedenken an dessen 70. Geburtstag wurde ein Baum gepflanzt – natürlich eine Eiche.

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Autorin

  • Rebekka Kornder