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01.04.2019
Befallsaktivität des Kupferstechers 2018 vielerorts unterschätzt - Blickpunkt Waldschutz 01/2019
von Gabriela Lobinger

Durch die idealen Schwärm- und Befallsbedingungen 2018 konnte auch der Kupferstecher seine Populationsdichte enorm aufbauen. Erst seit einigen Wochen wird in vielen Regionen Bayerns das Ausmaß des Befalls durch Kupferstecher – häufig auch ohne Beteiligung des Buchdruckers – erkennbar. Schnelles und konsequentes Handeln ist jetzt dringend geboten.

Fichtenbestand mit starkem Kupferstecherbefall.Zoombild vorhanden

Abb. 1: Kupferstecherbefall (Foto: G. Lobinger, LWF)

Die Anflugzahlen des Kupferstechers im bayernweiten Monitoring lagen in vielen Regionen weit über dem Schwellenwert für Stehendbefall. Da jedoch die Schäden durch diese kleinen Borkenkäfer sehr lange nicht auffällig in Erscheinung traten, wurde die Problematik 2018 noch vielerorts unterschätzt. Seit einigen Wochen zeichnen die im Sommer 2018 nur vom Kupferstecher befallenen Fichten und es wird in vielen Regionen Bayerns ein starker Durchsatz der Wälder mit Kupferstecherbefall bis hin zu flächigen Ausfällen erkennbar.
Kupferstecherbefall an Fichtenjungbestand.Zoombild vorhanden

Abb. 2: Kupferstecherbefall (Foto: G. Lobinger, LWF)

Der Buchdrucker ist zwar der offensichtliche Hauptakteur der aktuellen Massenvermehrung und kann sich bei entsprechenden Populationsdichten durch Stehendbefall vitaler Fichten unbegrenzt Brutraum verschaffen. Jedoch zeigt die Erfahrung aus vorangegangenen Schadereignissen wie nach Vivian und Wiebke oder dem Trockenjahr 2003, dass auch der eher sekundäre Kupferstecher allein das Potenzial zu Stehendbefall auch älterer Fichten besitzt.

Der Kupferstecher wurde durch folgende Faktoren in den letzten Jahren besonders gefördert:
  • große Mengen an Brutmaterial durch im Bestand verbleibende Resthölzer nach Sturmwürfen und Buchdruckeraufarbeitung und dadurch Aufbau hoher lokaler Dichten;
  • Schwächung der Fichte infolge der wiederholten Niederschlagsdefizite seit 2015 und besonders im Trockenjahr 2018;
  • wie beim Buchdrucker extreme hohe Vermehrungsraten in den letzten vier Jahren mit drei Jungkäfergenerationen und mehreren Geschwisterbruten.
Der Kupferstecher reagiert im Gegensatz zum Buchdrucker auf olfaktorische Signale geschwächter Bäume und sucht diese gezielt auf. Häufig ist dann der Buchdrucker aufgrund der schlechten Nahrungsqualität dieser Fichten gar nicht mehr am Befall beteiligt.

Befallsdiagnose und Bekämpfung gestalten sich beim Kupferstecher erheblich schwieriger und aufwändiger als beim Buchdrucker. Eine Diagnose bei noch aktivem Befall ist kaum möglich. Bohrmehl ist nicht zu erkennen und meist zeichnen die Fichten in Form von fahl oder rot werdenden Nadeln und Nadelabfall erst lange nachdem die Jungkäfer die Bäume bereits verlassen haben.
Zudem konzentriert sich der Kupferstecher nicht an Bestandesrändern, Befallsherden oder Fronten, sondern befällt auch Fichten schrotschussartig über den gesamten Bestand überall da, wo durch vorhandenes Brutmaterial vorher punktuell hohe Dichten entstehen konnten.

Eine intensive Bekämpfung des Kupferstechers ist aufwändig, jedoch wichtig und sinnvoll. Durch Nutzung aller Möglichkeiten für einen konsequenten Entzug von Brutmaterial und Abschöpfung der Käferpopulation werden die lokalen Käferdichten so weit herabgesetzt, dass kein Stehendbefallspotenzial mehr gegeben ist. Hierfür muss vor allem die Zeit bis zum befallsrelevanten Schwärmbeginn der Käfer (ca. Mitte April) intensiv genutzt und in der Folge konsequent weiter bekämpft werden.

Handlungsempfehlungen

  • als befallen erkennbare Fichten (Rotfärbung) schnellstmöglich einschlagen – auch wenn nur die Spitze oder ein Teil der Krone verfärbt ist, um einen Ausflug der Käfer zu verhindern;
  • Holzlagerung mindestens 500 m vom nächsten Nadelholzbestand;
  • Kronen und Astmaterial hacken, mulchen oder verbrennen;
  • nach maschineller Aufarbeitung und Einbau von Astmaterial in die Rückegasse sollte dieses in Anbetracht der kurzen Zeit bis zum Schwärmbeginn 2019 und des hohen Aufwandes für eine Befallskontrolle schnellstmöglich durch Mulchen unschädlich gemacht werden;
  • noch in den Beständen liegende Resthölzer aus dem Herbst- und Wintereinschlag 2018 (befallen und unbefallen) stellen eine erhebliche Gefahr dar.
    Durch Hacken, Mulchen oder Verbrennen wird dieser noch nutzbare Brutraum bzw. die dort überwinternden Käfer unschädlich gemacht.
  • geschwächte, jüngere Fichtenbestände, vor allen auf trockenen Standorten, sind besonders anfällig für Kupferstecherbefall und müssen regelmäßig sorgfältig kontrolliert werden;
  • bei vorhandenem Schneebruch Beseitigung von Kronenbruch und intensive Befallskontrolle der geschädigten Fichten;
  • bei Unsicherheit bzw. schon erfolgtem Ausflug der Käfer aus Befallsbäumen Kontrolle des Umfeldes durch Probefällung.

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