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Cornelia Triebenbacher und Hannes Lemme
Fichten-Borkenkäfer – erste Generation steht kurz vor Ausflug - Blickpunkt Waldschutz 5/2016

Die erste Generation des Buchdruckers befindet sich in weiten Teilen Bayerns im Puppenstadium. In den unteren bis mittleren Lagen wird der Ausflug der 1. Generation in den nächsten 1 bis 2 Wochen stattfinden.

In den Bruthölzern in den unteren bis mittleren Höhenlagen (bis 600 m) sind die ersten Puppen des Buchdruckers zu finden. Teilweise haben sich auch schon Jungkäfer entwickelt, die vor dem Ausflug noch einen Reifungsfraß durchführen müssen.

Bei einem sommerlichen Witterungsverlauf erwarten wir den Beginn des Ausflugs der ersten Generation voraussichtlich in etwa einer Woche (KW 26), den Hauptschwärmflug dann in etwa zwei Wochen (KW 27).

In den höheren Lagen wurde das Puppenstadium noch nicht erreicht. Dort beginnt derzeit der Ausflug zur Anlage der Geschwisterbrut.
Die Fangzahlen vor dem Ausflug der 1. Generation sind dieses Jahr höher als im Vorjahr. Bayernweit wurden an 38 % der Borkenkäfermonitoring-Standorte (46 von 119) mindestens einmal mehr als 3.000 Buchdrucker/Kalenderwoche gefangen, an 9 Standorten mehr als 5.000 Buchdrucker/Kalenderwoche. Ab einer Fangmenge von 3.000 Buchdruckern in einer Kalenderwoche muss mit frischem Stehendbefall gerechnet werden.
Anfang Juni begann in den tieferen Lagen der Ausflug zur Anlage der Geschwisterbrut. Die ausgiebigen Regenfälle der letzten Zeit verhalfen zwar den Fichten zu einer guten Wasserversorgung; die Fichten können jedoch dem Ansturm der Käfer an vielen Standorten in vielen Gebieten Bayerns nur bedingt standhalten.

Frischer Befall kann anhand von Bohrmehl am Stammfuß oder an Rindenschuppen, an Einbohrlöchern mit verklebtem Bohrmehl oder auch an austretenden Harztropfen erkannt werden (Abb. 1 und 2).
Fichtenrinde

Abb. 1a: Fichtenrinde (Foto: F. Maier, AELF Weilheim)

Bohrmehl an Fichtenrinde

Abb. 1b: Bohrmehl an Fichtenrinde (Foto: F. Maier, AELF Weilheim)

Harzfluss an Fichtenrinde nach Buchdruckerbefall

Abb. 2a: Harzfluss an Fichtenrinde nach Buchdruckerbefall (Foto: F. Maier, AELF Weilheim)

Abb. 2b: Verharzter Bohrmehlgang

Abb. 2b: Verharzter Bohrmehlgang (Foto: F. Maier, AELF Weilheim)

Abbildungen 1a und b: Die Abbildung zeigt Bohmehl hinter einer Borkenschuppe (1a), nachdem diese entfernt wurde (1b). Die Bohrmehlsuche ist die sicherste Methode, den Borkenkäfer rechtzeitig zu finden und durch rasche Aufarbeitung des Stammes am Wiederausflug zu hindern.

Abbildungen 2a und b: Harztropfen (2a) und mit Harz verklebtes Bohrmehl am Einbohrloch (2b) des Buchdruckers sind neben Bohrmehl Befallsmerkmale, nach denen jetzt gezielt gesucht werden sollte.
Kupferstecher
Beim Kupferstecher waren bisher nur an wenigen Standorten erhöhte Fangzahlen zu verzeichnen. Dies ist jedoch kein Hinweis auf eine Entwarnung. In den Beständen ist vielfach noch Kupferstecher-Altbefall aus dem Vorjahr vorhanden. Inzwischen ist auch vereinzelt erster Neubefall zu beobachten.

Empfehlungen

  • Befallene Fichten sollten umgehend eingeschlagen und aus dem Wald gebracht werden, um den Ausflug der Jungkäfer und damit den Neubefall weiterer Fichten zu verhindern. Kronenmaterial und Resthölzer (stärkere Äste, Gipfelstücke) müssen ebenfalls aus dem Wald gebracht, gehackt oder verbrannt werden (Waldbrandrisiko beachten).
  • In den mittleren bis höheren Lagen beginnt der Ausflug zur Anlage der Geschwisterbrut. Hier ist intensiv nach Bohrmehl zu suchen (Abb.1).
  • In den tieferen Lagen bis ca. 600 m NN schwärmte Anfang Juni der Buchdrucker zur Anlage der Geschwisterbrut aus. Aufgrund der intensiven Regenfälle der letzten Woche ist Bohrmehl jedoch kaum zu finden. Hier ist vor allem nach Harztrichtern und verklebtem Bohrmehl zu suchen (Abb.2).
  • In die Gassen eingebautes Kronenmaterial kann vom Kupferstecher befallen werden. Daher sollte auch dieses Kronenmaterial kontrolliert und die Gasse gegebenenfalls, nach Abschluss der Arbeiten, gemulcht werden.
  • Bei verzögerter Abfuhr ist bei Stammholz auch eine Polterbehandlung mit Pflanzenschutzmitteln in Betracht zu ziehen.

Hintergrundinformationen zur Entwicklungsgeschwindigkeit des Buchdruckers

Die Entwicklungsgeschwindigkeit der einzelnen Stadien des Buchdruckers ist abhängig von der Temperatur. Wenn Stadien im Übergang von der Larve zur Puppe gefunden werden, kann mit einem Abschluss der Puppenruhe und der Umwandlung zum Jungkäfer bei 15°C in etwa 1 ½ Wochen, bei 25°C in 4 und bei 30°C in 3 Tagen gerechnet werden. Am Ende der Puppenruhe liegt der hellbraune Jungkäfer im Gangsystem vor. Dieser bleibt im Brutsystem, um den Reifungsfraß durchzuführen. Die Dauer beträgt bei 20°C 2 ½ und bei 30°C etwa 1 ½ Wochen. Lediglich bei extrem hohen Dichten, bei denen ein Reifungsfraß im Brutbild nicht mehr möglich ist, kann der Brutraum durch die Jungkäfer früher verlassen werden. Etwa 40 % der insgesamt benötigten „Temperatursummen“, die der Buchdrucker für seine vollständige Entwicklung vom Ei bis zum ausfliegenden Käfer benötigt, „verbraucht“ der Käfer beim Reifungsfraß.

Neben der Beobachtung der Bruthölzer kann die Entwicklung der Buchdrucker auch durch Witterungsdaten (Temperatur, Einstrahlung) berechnet werden (siehe Fachliteratur). Die Abbildung 3 zeigt den berechneten Stand der Entwicklung der ersten Buchdruckergeneration am 17. Juni 2016 mit den Daten der Waldklimastationen. Die Ergebnisse dieser Berechnungen stimmen mit den Beobachtungen der Bruthölzer überein.

In Abhängigkeit von den kleinklimatischen Gegebenheiten des vom Buchdrucker besiedelten Stammes, bspw. vollständige oder teilweise Besonnung der Rinde und Lage des Bestandes, können Abweichungen von dem in Abbildung 3 gegebenen aktuellen Entwicklungsstand erfolgen. Damit ersetzt die in Abbildung 3 berechnete Entwicklung nicht die Notwendigkeit, das Befallsgeschehen vor Ort aufmerksam zu verfolgen.

Grafik zum Buchdrucker

Abbildung 3: Beziehung zwischen der Höhe über NN [m] und dem aktuellen Stand der Entwicklung der ersten Generation des Buchdruckers (17. Juni 2016) in Bayern. Der Entwicklungsstand wurde aus den aktuellen Temperatur- und Einstrahlungsdaten der Waldklimastationen der LWF berechnet. Bei einem Wert von 1 fliegt der Käfer aus. Bei einem Wert von 0,6 verwandelt sich die Puppe zum Jungkäfer. Je Standort wird der Wert für ein besonntes (grau) und ein nicht besonntes (schwarz) Brutsystem angegeben.
Waldklimastation: ALT Altdorf, AOE Altötting, EBR Ebrach, PEG Pegnitz, RIE Riedenburg, HOE Höglwald, EBE Ebersberg, ROK Rothenkirchen, BBR Bad Brückenau , FLO Flossenbürg, KRE Kreuth

Fachliteratur zum Thema

  • Wermelinger , B. & Seifert, M. (1998): Analysis of the temperature dependent development of the spruce bark beetle Ips typographus (L.) (Col., Scolytidae). Journal of Applied Entomology 122, S. 185–191
  • Baier, P.; Pennerstorfer, J.& Schopf, A. (2007): PHENIPS - A comprehensive phenology model of Ips typographus (L.) (Col., Scolytinae) as a tool for hazard rating of bark beetle infestation. Forest Ecology and Management 249, S. 171–186

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