Header Waldschutz - v2

RSS-Feed der Bay. Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft abonnieren

So verpassen Sie keine Neuigkeiten mehr. Unser RSS-Feed "Nachrichten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft" informiert Sie kostenlos über unsere aktuellen Beiträge.

Aufruf des RSS-Feeds

Zeitnahe Aufarbeitung des Sturmholzes minimiert Folgeschäden durch Borkenkäfer - Blickpunkt Waldschutz 3/2015

Das Orkantief „Niklas“ Ende März hat landesweit in den Wäldern Schäden verursacht. Der Schwerpunkt der Schäden lag im Süden Bayerns.

Zahlreiche Einzelbäume und Nester wurden vom Wind umgeworfen oder gebrochen. Flächige Sturmschäden waren nur vereinzelt zu verzeichnen. Das Sturmholz bietet den seit Mitte April schwärmenden Fichtenborkenkäfern einen idealen Brutraum. Deshalb ist eine rasche und konsequente Aufarbeitung des Sturmholzes erforderlich, um den Anfall von Borkenkäferschadholz möglichst gering zu halten. Bekämpfungsmaßnahmen sind in der ersten Schwärmwelle am effektivsten.
Aufgrund des regional hohen und stark verstreuten Sturmholzanfalls sind die Aufarbeitungskapazitäten zu gering, um das gesamte Schadholz schnell aus dem Wald zu bringen. Die Festlegung von Prioritäten hilft dabei, die wichtigsten Maßnahmen zuerst zu ergreifen und so den Restbestand vor weiteren Gefahren zu schützen. Daher haben wir haben die nachstehenden Handlungsempfehlungen für Sie zusammengestellt:

1. Festlegung der Prioritäten – Reihenfolge bei der Aufarbeitung

Nach Baumarten

  1. Fichte
  2. Weitere Nadelhölzer
  3. Laubholz

Hintergrund

Grundsätzlich sind Nadelhölzer vor Laubhölzern aufzuarbeiten. Da der Buchdrucker und der Kupferstecher die aggressivsten Borkenkäferarten in unseren Wäldern sind, müssen geworfene oder gebrochene Fichten vor allen anderen Baumarten aufgearbeitet werden. Lärche, Kiefer, Douglasie und Tanne folgen entsprechend ihrer Gefährdung durch Borkenkäfer.
Wurden auf einer Fläche mehrere Baumarten geworfen, werden diese parallel aufgearbeitet.

Nach Flächengröße

  1. Einzelwürfe/-bruch – spätestens bis Ende Mai
    (Ausflug zur Anlage Geschwisterbrut)
  2. Nesterwürfe/-bruch – spätestens bis Ende Mai
    (Ausflug zur Anlage Geschwisterbrut)
  3. Flächenschäden – spätestens bis Mitte Juni
    (Ausflug der ersten Jungkäfergeneration)

Hintergrund

Mehrere geworfene Einzelfichten in einem gemischten Fichtenbestand.Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Rund um Einzelwürfe von Fichten kann es sehr schnell zu Stehendbefall im Restbestand kommen.

Vorrangig müssen Einzel- und Nesterwürfe vor Flächenwürfen aufgearbeitet werden. Auf größeren Flächen ist viel bruttaugliches Material vorhanden, das von den Borkenkäfern bei bisher moderaten Populationsdichten zuerst besiedelt werden kann, bevor die Käfer in angrenzenden Bestandesrändern zu Stehendbefall übergehen. Diese Randlinien sind also in der ersten Befallsphase durch den Flächenwurf, der wie ein „Fangschlag“ wirkt, vor dem Befall geschützt.

Bei den Einzel- und Nesterwürfen kann es dagegen bereits in dieser Phase zu Stehendbefall im angrenzenden Bestand kommen, da sich die Käfer auf wenige Bäume konzentrieren, die relativ schnell besetzt sein können. Durch die erhöhte lokale Dichte können die weiter anfliegenden Käfer auch den angrenzenden stehenden Bestand erfolgreich befallen. Randstrukturen sind über die Zeit mit Fortschreiten der Generationsentwicklung in allen Schadsituationen gefährdet. Die wenigen aber längeren Randlinien im Bereich der Flächenwürfe sind später leichter und effektiver zu kontrollieren als die unzähligen und kurzen Randlinien von Einzel-und Nesterwürfen.

Der Zeitaufwand bei der späteren Suche nach Stehendbefall ist im Falle der Flächenwürfe wesentlich geringer, außerdem sind Befallskontrolle und notwendige Bekämpfungsmaßnahmen im Bereich der wenigen, bekannten Flächenwürfe zielgerichteter und leichter durchführbar.

Hinweise zur Aufarbeitung

Von Borkenkäfern befallene Bäume, die sich im Umgriff bereits geworfener Bäume befinden müssen unbedingt mit diesen aufgearbeitet werden. Um die Arbeitskapazität optimal zu nutzen und den Holzmarkt zu entlasten, können Fichten mit Kronenbruch, die eine grüne Restkrone von mindestens einem Drittel aufweisen, bis Herbst belassen werden.
Die Kronenbrüche am Boden sind in jedem Fall aufgrund erhöhter Gefahr durch den Kupferstecher aufzuarbeiten.

Die Aufarbeitung durch Harvester ist aufgrund der höheren Arbeitssicherheit und der kompletten Aufarbeitung der Bäume dem motormanuellen Verfahren vorziehen.

2. Weiterbehandlung des Holzes

Behandlungsalternativen von Stammholz

  1. Abfuhr
  2. Lagerung außerhalb des Waldes (mind. 500 m zum nächsten Nadelholzbestand)
  3. Nasslagerung
  4. Entrindung
  5. Einsatz von Insektiziden
Abgebrochene Fichtenkrone liegt auf dem Waldboden.Zoombild vorhanden

Abbildung 2: Kronenbrüche stellen ein gutes Brutmaterial für den Kupferstecher dar.

Aufgearbeitetes Stammholz muss schnellstmöglich aus den Beständen abgefahren werden. Ist dies aufgrund von Abfuhrengpässen nicht möglich, ist das Holz außerhalb des Waldes in mindestens 500 m Abstand zum nächsten Nadelholzbestand oder auf Nassholzlagerplätzen zu lagern. Weiterhin kann der Gefahr durch rindenbrütende Borkenkäfer durch die Entrindung des Stammholzes begegnet werden.

Nur wenn alle genannten Maßnahmen nicht durchführbar sind, ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes in Betracht zu ziehen. Zulässig ist der Einsatz eines Insektizids durch eine sachkundige Person. Zugelassene Pflanzenschutzmittel und die Auflagen, Anwendungsbestimmungen sowie Sicherheitshinweise können Sie unter www.bvl.bund.de nachschlagen.

Darüber hinaus sind die Vorgaben des jeweiligen Zertifizierungssystems zu beachten.

Zur Seite des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Externer Link

Die häufig genannte Lebendkonservierung von geworfenen Bäumen, die noch Wurzelkontakt mit dem Boden haben, ist nicht zu empfehlen, da die Borkenkäfer diese Bäume ebenfalls erfolgreich besiedeln können und in diesen häufig sogar bessere Entwicklungsmöglichkeiten finden als in bereits aufgearbeiteten Bäumen.
Behandlung von Baumkronen
Die Baumkronen sollten zeitnah gehäckselt werden, um sie dem Käfer als Brutmaterial zu entziehen. Die Hackschnitzel können energetisch genutzt werden. Beim Verbrennen von Restmaterial besteht erhöhte Waldbrandgefahr, so dass diese Maßnahme nur bei entsprechenden Witterungsbedingungen und intensiver Überwachung in Betracht gezogen werden sollte. Bei verstreuten Einzelwürfen kann Astmaterial (Durchmesser < 5cm) nach vollständigem Entasten des Stammes im Bestandschatten belassen werden.

Die Aufarbeitung von Sturmholz ist gefährlich. Waldbesitzer, die keine Erfahrung mit der Aufarbeitung von Sturmholz haben, sollten auf die Hilfe von professionellen Forstunternehmern zurückgreifen oder sich zumindest vor Beginn jedweder Arbeiten intensiv zur Arbeitssicherheit schulen lassen. Die Unfallverhütungsvorschriften sind zwingend einzuhalten.

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft verdichtet in den besonders von „Niklas“ betroffenen Gebieten Bayerns das Fallennetz, um so speziell in diesem Bereich die Entwicklung der Borkenkäfersituation zu überwachen und zeitgerecht Handlungsempfehlungen geben zu können.

Nähere Informationen über das aktuelle Schwärmgeschehen von Buchdrucker und Kupferstecher und Handlungsempfehlungen erhalten Sie aus dem Borkenkäfermonitoring der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft unter:

www.borkenkaefer.org

Weiterführende Links

Autoren