Der Klimawandel verschiebt die Höhengrenzen der Baumarten in den Alpen und verändert das Verständnis der ökologischen Nischen der Baumarten Seitenanfang : weiter zum Inhalt|
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StMELFLWFWaldökologieStandort und Bodenschutz im Wald → Höhenverbreitung der Baumarten in den Nordalpen
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Verbreitungsgrenzen der Baumarten definieren sich im Klimawandel neu

Prof. Dr. Jörg Ewald, Dr. Christian Kölling

Höhenverbreitung der Baumarten in den Nordalpen

Die scheinbar triviale Frage nach den Verbreitungsgrenzen ist mit dem Klimawandel wieder aktuell geworden: Die Höhen- und Wärmegrenzen der Baumarten in den Alpen sind ein wesentlicher Baustein im Verständnis der ökologischen Nischen der heimischen Baumarten. Insgesamt sind in der Baumarten-Datenbank BERGWALD 30 Baumarten dokumentiert. Für sieben dieser Baumarten liefert die Vegetationsdatenbank neue Höhenrekorde.

Wildflussauen an der Oberen Isar Wildflussauen und Moore sind in tieferen Lagen verbreitet, was ein erhöhtes Wärmebedürfnis der hier vorkommenden Pionierbaumarten Lavendelweide und Spirke vortäuscht. (Foto: J. Ewald)

Um die Reaktion der Baumarten auf den Klimawandel abschätzen zu können, müssen wir ihre Wärmeansprüche kennen. Dabei sind regionale Höhengrenzen ihrer Verbreitung von besonderem Interesse. Da die Jahresmitteltemperatur in den Nordalpen eng von der Meereshöhe abhängt, kann man aus ihr das Wärmeklima recht genau abschätzen.

Die Datenbank BERGWALD: Wer bietet mehr?

Die »Pflanzensoziologische Exkursionsflora« von Oberdorfer (2001) nennt die jeweils höchsten bekannten Vorkommen aller Pflanzenarten inkl. der Baumarten in Deutschland. In der Datenbank BERGWALD, die fast 5.000 Vegetationsaufnahmen aus den Bergwäldern der Bayerischen Alpen enthält, lassen sich die Höhenspannen der Verbreitung von Baumerten differenziert nach baumförmigen Exemplaren und Verjüngungspflanzen abfragen.

Insgesamt sind in der Datenbank BERGWALD30 Baumarten dokumentiert. Dass für 13 Baumarten die Beobachtungen in Vegetationsaufnahmen die Höhenrekorde der Oberdorfer- Flora übertreffen, unterstreicht die außerordentliche Bedeutung von Vegetationsdatenbanken für die Kenntnis der Verbreitung von Pflanzen. Für sieben dieser Baumarten liefert die Vegetationsdatenbank neue Höhenrekorde.

Bekanntes und Neues zu den Höhenstufen

Die Anordnung der Baumarten entspricht der bekannten Höhenstufengliederung. Die subalpine Baumarten-Gruppe mit Zirbe, Lärche, Vogelbeere und Fichte hat Vorposten in der alpinen Vegetation oberhalb der Waldgrenze, die die BERGWALD-Datenbank bisher unvollkommen abdeckt. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig Beobachtungen der Baumarten außerhalb des Waldes für waldökologische Fragestellungen sein können. Diese Lücke soll die Digitalisierung vorhandener Vegetationsaufnahmen baldmöglichst schließen.
Die Zirbe ist die einzige hochstämmige Baumart, die tiefere, wärmere Lagen ausgesprochen meidet. Zirbenwälder gehören zu den vom Klimawandel akut gefährdeten Waldgesellschaften. Tanne, Bergahorn, Buche, Eibe und Mehlbeere folgen als Gruppe des montanen Bergmischwaldes. Diese Baumarten steigen durchweg höher als in der Oberdorfer-Flora angegeben (Tanne +350 m, Eibe +240 m). Von besonderem Interesse ist die Obergrenze der Buche, die für Bäume bei 1.530 m (Mangfallgebirge), für Verjüngungspflanzen bei 1.570 m (Chiemgauer Alpen) gefunden wurde.

Autoren

  • Prof. Dr. Jörg Ewald - lehrt Botanik und Vegetationskunde an der FH Weihenstephan, leitet das Projekt Waldinformationssystem Nordalpen (WINALP) und ist Sprecher der Arbeitsgruppe Klimawandel am Zentrum Wald-Forst-Holz.
  • Dr. Christian Kölling - leitet das Sachgebiet »Standort und Bodenschutz« der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.