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StMELFLWFWaldökologieNaturschutz → Biodiversität → Insekt des Jahres 2012: Der Hirschkäfer (Lucanus cervus L.)
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Der Hirschkäfer (Lucanus cervus L.)

Heinz Bußler

Insekt des Jahres 2012

Mit bis zu 75 mm Größe sind "kapitale" Männchen des Hirschkäfers die größten Käferarten Mitteleuropas. Die Weibchen, die keine geweiharten Zangen haben, erreichen nur bis zu 45 mm. Der Hirschkäfer oder Feuerschröter war noch im 19. Jhdt. in ganz Deutschland in eichenreichen Laubwäldern verbreitet und nicht selten.

Hirschkäfer auf der Hand eines Jungen (Foto: Bussler, LWF) Mit bis zu 75 mm Größe sind "kapitale" Hirschkäfermännchen eine der größten Käferarten Mitteleuropas (Foto: Bussler, LWF)

Im 20. Jhdt. setzte ein deutlicher Rückgang ein, der bis ca. 1970 anhielt und zum Erlöschen vieler Vorkommen führte. In Bayern ist die Bestandssituation des Hirschkäfers unterschiedlich, während die Art in Nordbayern, vor allem in Gebieten mit Mittelwaldnutzung, auf Waldgrenzstandorten der Fränkischen Platte, im Spessart und entlang der Donau von Regensburg bis Jochenstein bei Passau noch mit stabilen Populationen verbreitet ist, finden sich in Südbayern nur noch wenige reliktäre Vorkommen.

Der historische Rückgang wird auf die Umwandlung von Laub- in Nadelwälder zurückgeführt. Jedoch dürfte die sukzessive Aufgabe der Stockausschlagwirtschaft entscheidender gewesen sein. Um 1900 betrug in Bayern die Mittel- und Niederwaldfläche 250.000 Hektar, heute werden noch ca. 6.000 Hektar mit dieser Betriebsform bewirtschaftet. Der Hirschkäfer ist eine Saumart, der „Flaschenhals“ bei der fünf bis achtjährigen Entwicklungszeit sind lichte Habitate, die den Larven eine gewisse Bodenwärme garantieren.
Der Hirschkäfer wurde deshalb historisch auch durch Übernutzung, Waldweide und Laubstreugewinnung gefördert. Die Aufgabe dieser, für das Waldökosystem schädlichen Nutzungsformen, führte zu einer Erholung der Böden, mit der Folge, dass auf großen Flächen ein zunehmender Dichtschluss der Wälder zu beobachten ist, dieser Effekt wird aktuell durch die Stickstoffeinträge aus der Luft beschleunigt.

Der Hirschkäfer benötigt zur Ei- und Spermienreife zuckerhaltige Säfte. Als Quelle dienen hauptsächlich Baumsäfte aber auch Kirschen. Die Männchen kämpfen um die besten Plätze an Saftstellen und um die Weibchen. Die Larven entwickeln sich unterirdisch an pilzinfiziertem Holz von vielen heimischen Laubbaumarten, hauptsächlich jedoch in Eichenholz.
Die Käfer können von Ende April bis Ende August beobachtet werden, im Gegensatz zur langen Entwicklungszeit der Larven, leben die Käfer aber nur einige Wochen. Fressfeinde der Hirschkäfer sind Spechte, Eichelhäher und Krähen.

Weitere Informationen

Autor

  • Heinz Bußler
    Mitarbeiter in der Abteilung Biodiversität, Naturschutz, Jagd