Die Vegetationsaufnahmen der BZE im Wald geben einen statistisch abgesicherten Blick auf die Bedeutung der Neophyten in Bayerns Wäldern. Seitenanfang : weiter zum Inhalt|
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Neophyten in Bayerns Wäldern

Jörg Ewald

Vegetationsaufnahmen aus der BZE belegen: Neophyten haben in der aktuellen Vegetation im Wald keine große Bedeutung

Bei der Wahrnehmung von Neophyten spielen Emotionen eine große Rolle. Die 372 Vegetationsaufnahmen an den Rasterpunkten der zweiten Bodenzustandserhebung im Wald eröffnen erstmals einen nüchternen, statistisch abgesicherten Blick auf die Bedeutung der Neophyten in Bayerns Wäldern.

Spätblühende Traubenkirsche Die Spätblühende Traubenkirsche bildet häufig eine dichte Strauchschicht aus. Dieser Neophyt behindert dadurch die Naturverjüngung anderer erwünschter Baumarten. (Foto: Rasbak, wikipedia)

Bedrohen Neophyten Bayerns Wälder? Verdrängen sie unsere heimischen Waldpflanzen? Verursachen sie gar waldbauliche Probleme? Oder sind sie einfach nur harmlose, neuartige Farbtupfer in der naturnahen Vegetation?
Die Antwort darauf hängt nicht zuletzt von der Einstellung zu den Fremdlingen ab. Die im Sommer 2007 an 372 systematisch über Bayern verteilten Rasterpunkten der zweiten Bodenzustandserhebung im Wald (BZE2) angefertigten Vegetationsaufnahmen zeigen ein ungeschminktes, nicht von Vorurteilen verzerrtes Bild der Bodenpflanzen in bayerischen Wäldern. Zum ersten Mal erfahren wir, welches die häufigsten Neophyten sind und wo sie bereits regelmäßig vorkommen. Auf diese Weise können wir einen sachlichen Blick auf das Ausmaß der »Invasionen« werfen.

Springkraut & Co.

Neophyten spielen in der aktuellen Waldvegetation Bayerns eine untergeordnete Rolle. Ihr Deckungsgrad übersteigt nur selten ein Prozent, deshalb fallen sie überhaupt nur dem geschulten Auge auf. In der systematischen Stichprobe wurden 26 Neophyten erfasst.
Wie in der heimischen Flora stellen krautige Pflanzen auch die meisten Neophyten. Bemerkenswert ist, dass die fünf häufigsten Neophyten im Wald zur Gruppe der einjährigen Arten zählen, obwohl diese Lebensform unter den heimischen Waldpflanzen eher selten ist. Die beiden erfolgreichsten gehören zur Gattung Springkraut. Glasige, wasserreiche Sprosse, gespornte Blüten und gespannte Kapseln, die die reifen Samen mehrere Meter weit ausschleudern, zeichnen diese Gattung aus.

Ein inzwischen vollständig eingebürgerter Neophyt ist das aus Ostsibirien stammende Kleinblütige Springkraut. Es wurde immerhin an jedem sechsten BZE2-Punkt Bayerns nachgewiesen. Sein großes Geschwister aus dem Himalaya, das Indische Springkraut, breitete sich – nach gezielter Starthilfe von Imkern, die es als Bienenweide nutzten – zunächst entlang von Fließgewässern aus und ist in den letzten Jahren bis in schattige Forsten und Schlusswälder vorgedrungen. Bei der Rate seiner derzeitigen »Invasion« wird es in kurzer Zeit die meisten nährstoffreichen, frischen Standorte erobert haben. Auf Grund seiner enormen Wuchskraft und Statur – es ist der einzige Neophyt, der es geschafft hat, mehr als die Hälfte einer BZE2-Fläche zu bedecken – wird dieser Neophyt das Aussehen unserer Wälder verändern.

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