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StMELFLWFWaldökologieNaturschutz → Grauhörnchen verdrängt einheimisches Eichhörnchen - Thema Neue Arten, Neobiota
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»Kampf« der Hörnchen - Grauhörnchen verdrängt Eichhörnchen

Stefan Müller-Kroehling

Drohender Verlust einheimischer Arten wie dem Eichhörnchen durch Neobiota

Im Vereinigten Königreich und in Norditalien verdrängen zunehmend die aus Nordamerika stammenden Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) die einheimischen Roten Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), die bekanntlich meist rot, aber auch schwarz gefärbt sind. Mancherorts ist das Europäische Eichhörnchen bereits verschwunden.

Grauhörnchen Das Grauhörnchen hat sich in Norditalien weiter auf Kosten des Eichhörnchens verbreitet und wird in absehbarer Zeit die Schweiz erreichen. (Foto: K.-H. Schack, pixelio)

Nicht nur die Körpergröße macht den Kampf zwischen Rot und Grau so ungleich, sind doch die Grauen mit bis zu 700 Gramm doppelt so schwer wie die Eichhörnchen. Grauhörnchen sind robuster und in der Nahrungssuche weniger wählerisch als ihre einheimischen Verwandten. Das an sich schon ist im Kampf ums Überleben von großem Vorteil. Vor allem aber brachte das Grauhörnchen aus seiner nordamerikanischen Heimat einen Virus mit nach Europa, den Parapox-Virus (Eichhörnchen-Pocken). Das Grauhörnchen ist gegen diesen Virus immun, für die einheimischen Eichhörnchen verläuft die Infektion hingegen tödlich.

Sorgen bereiten auch die 12.000 Grauhörnchen in Norditalien. Auf Grund ihrer starken Vermehrungsrate rechnen Biologen in fünf Jahren mit 150.000 Tieren. Einem Modell der Universität Turin zufolge könnten bis zum Ende des nächsten Jahrhunderts in Norditalien bereits elf Millionen und in der Schweiz 3,5 Millionen Tiere leben. Das wäre auch für die Nußanbauregionen südlich von Turin eine wirtschaftliche Bedrohung. Schwerer wiegt jedoch der drohende Verlust des einheimischen Eichhörnchens in vielen Regionen.

Schutz werden die Roten wahrscheinlich wie in Schottland in den höheren Lagen der Alpen finden. Das Europäische Eichhörnchen ist stärker als der amerikanische Cousin an Koniferenkost angepasst und daher in der Lage, auch noch in der Nadelwaldregion ein Auskommen zu finden. Dorthin wird ihm das Grauhörnchen wohl nicht folgen können.

Autor

  • Stefan Müller-Kroehling
    Mitarbeiter im Sachgebiet Naturschutz, Fachbereich Natur- und Artenschutz, Natura 2000 Grundsatzfragen und Koordination, Waldökologie