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StMELFLWFWaldökologieNaturschutz → Mikrohabitate und Phasenkartierung als Kern der Biodiversitätserfassung im Wald
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Mikrohabitate und Phasenkartierung als Kern der Biodiversitätserfassung im Wald

Susanne Winter

Zu Beginn standen die waldbaulichen,ökologischen und naturschutzfachlichen Erkenntnisse aus Naturwaldreservaten (NWR) recht unverknüpft nebeneinander. Der global gesehen zunehmende Verlust sehr naturnaher Wälder und die damit verbundenen Veränderungen der Biodiversität wandelten die Forschung in den Naturwaldreservaten zunehmend zu einer ökosystemaren Forschung, in der unter anderem der naturnahe Waldbau auf ökologischer Basis wissenschaftlich begründet werden kann. Im Jahr 2008 stellen besondere Wuchsformen an Einzelbäumen (Mikrohabitate) und Waldentwicklungsphasen als Kerne der Biodiversitätsforschung einen neuen Schwerpunkt in der bayerischen Naturwaldreservatsforschung dar.

Verteilung der Waldentwicklungsphasen.

Der Verlust der Biodiversität soll bis 2010 global aufgehalten werden (UNEP 2003). Die natürliche Biodiversität in Deutschland setzt sich in einem hohen Maße aus den an die verschiedenen Waldgesellschaften vom Tiefland bis in die Alpen angepassten Pflanzen- und Tierarten zusammen. Neben dem Totholz stellen Mikrohabitate, auch Sonderstrukturen genannt, und die zeitlich-räumliche Waldstrukturentwicklung, die als Waldentwicklungsphasen zusammengefasst werden, zwei weitere Schlüsselrollen der biologischen Vielfalt im Wald dar. Müller et al. (2005), Müller (2006), Winter et al. (2004, 2005), Winter (2005, 2006) führten hierzu in Naturwaldreservaten grundsätzliche Forschungsarbeiten im Hinblick der direkten Verbindung zwischen dem Vorkommen von Mikrohabitaten sowie Waldentwicklungsphasen mit der Waldbiodiversität in Deutschland durch.

Mikrohabitate (Tabelle 1) sind Veränderungen der Rinde, des Stammholzes oder der Kronenstruktur, die die Abwehr des Baumes schwächen und somit Mikroorganismen,Holzpilzen und Insekten ermöglichen, den Baum zu besiedeln. Mikrohabitate führen zu einer immensen Erhöhung der Biodiversität, aber langfristig auch zu einer voranschreitenden Veränderung der Holzstruktur und damit Einschränkung der holztechnischen Nutzbarkeit. Bäume mit Mikrohabitaten werden deshalb weitgehend im Rahmen von Durchforstungen und Nutzungen entnommen. Buchen-Naturwaldreservate, die seit über 100 Jahren unbewirtschaftet sind, gibt es in Deutschland nur noch in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Diese Naturwaldreservate weisen durchschnittlich 250 Mikrohabitate pro Hektar auf. Wirtschaftswälder hingegen besitzen nur etwa ein Drittel dieser Strukturen (Abbildung 1).

Summary

In the beginning, insights into forest nature reserves from the areas of silviculture, ecological and nature protection existed in an isolated fashion next to each other. The increasing loss, on a global scale, of forests that are still very natural and the changes in biodiversity that this brings about have turned research in forest nature reserves into research on ecosystems which can help provide scientific evidence and arguments for natural silviculture based on ecological principles. In 2008, research in Bavarian forest nature reserves has focused on particular growth patterns of individual trees (microhabitats) and forest development stages as central issues of research into biodiversity.

Autorin

  • Susanne Winter
    Dr. Susanne Winter ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Geobotanik, Department für Ökologie, der Technischen Universität München.