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Europas Natura 2000 für Neuseeland?
Helge Walentowski, Sachgebiet Naturschutz und Albert Reif, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Das europäische Natura-2000-Konzept ist ein substanzieller Beitrag Europas
Das ausgereifte, anspruchsvolle und umfassende Natura-2000-Konzept könnte als "globaler Markenartikel" durchaus auf andere gemäßigte Regionen der Erde übertragen werden, wie dies am Beispiel Neuseelands skizziert wird. Dabei würde Deutschland als derzeitiger Vorsitzender des "Übereinkommens über die biologische Vielfalt" eine bedeutende Rolle spielen. Der in Deutschland vorhandene, vielseitige Erfahrungsreichtum und Sachverstand ist von weltweitem Interesse.
Im Rahmen des warm- bis kühl-temperaten Klimas stellt sich weltweit eine ähnliche Vegetation ein, sowohl in der nordhemisphärischen Holarktis als auch in der südhemisphärischen Holantarktis. Angesichts der besonderen Evolutionsgeschichte Neuseelands ist es durchaus bemerkenswert, dass sich im Prinzip ganz ähnliche Lebensräume herausgebildet haben, in denen sich Arten mit vergleichbaren Bauplänen durchgesetzt haben, wie wir dies z.B. aus Europa kennen. Teilweise handelt es sich um gattungsverwandte Arten (z.B. Juncus-, Carex-, Eleocharis-Arten in Sümpfen, Sphagnum- und Drosera-Arten in Mooren), teilweise um formenverwandte Arten südhemisphärischer Herkunft (z.B. die Podocarpaceae Halocarpus bidwillii, die in Wuchsform und ökologischer Einnischung unserer Latsche Pinus mugo ähnelt). Dennoch unterscheiden sich die neuseeländischen Lebensräume von denjenigen anderer Regionen vergleichbaren Klimas und sind weltweit nur hier zu schützen. Dies fällt am meisten bei der Betrachtung der Wälder auf: Sie sind fast ausschließlich aus immergrünen Baumarten aufgebaut, mit einem für eine gemäßigte Klimazone hohen Anteil an Pflanzen tropischer Verwandtschaft (30 Familien und ca. 90 Gattungen). Aufgrund ihrer großen Fläche und ihres Artenreichtums hat der Erhalt der ursprünglichen Artenzusammensetzungen und Funktionskreisläufe der Naturwälder besondere Bedeutung für den Naturschutz. Legt man eine Gliederung wie beim Anhang I der europäischen FFH-Richtlinie zugrunde, dann lassen sich in der durch die isolierte Insellage eigenständigen "Neuseeländischen Biogeografischen Region" 9 Lebensraumtypen-Gruppen mit mindestens 59 Lebensraumtypen (darunter 14 Wald-Lebensraumtypen und zahlreiche Gebüsch- und Buschwaldtypen) definieren.
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