Inhalt:
zurück zum Seitenanfang|
Wald und Wasser
Bodenfeuchtemessung
An sechs der 22 bayerischen Waldklimastationen wird der Wassergehalt im
Boden permanent gemessen. Hierzu sind 25 Messsensoren pro Station (5 Tiefen mit 5 Wiederholungen) im Boden eingebaut, die halbstündlich Informationen über den Wassergehalt des Bodens liefern. Bei der verwendeten Messtechnik werden hochfrequente, elektromagnetische Wellen in den Boden geschickt und ihre Ausbreitungsgeschwindigkeit erfasst. Die Geschwindigkeit der Ausbreitung hängt hauptsächlich von der Feuchtigkeit ab und spiegelt den Wassergehalt wider. Das Verfahren wird Time Domain Reflektrometry (TDR) genannt. Die Messungen geben in hoher zeitlicher Auflösung die Änderung des Wasseranteils am gesamten Volumen des Bodens wieder. Über den Zusammenhang von Korngrößenverteilung und Porengrößenverteilung (pF-Kurve) des Bodens kann die pflanzenverfügbare Wassermenge berechnet werden.
Die hochmodernen Stationen arbeiten vollautomatisch und liefern ca. 2,6 Millionen Daten pro Jahr. Die Schwerpunktstationen wurden eingerichtet, weil die Niederschlagsmenge allein noch keine Aussage über die Wasserversorgung der Wälder erlauben. Nur durch diese aufwändigen Messungen kann der Wasserhaushalt exakt beschrieben werden.
Wasserhaushaltsmodellierung
Da umfangreiche Messungen der Saugspannung der Bodenfeuchte (siehe oben) nur exemplarisch erfolgen können, muss der Wasserhaushalt modelliert werden. An der LWF wurde das prozessorientierte, forsthydrologische Modell BROOK90 weiterentwickelt. Mit Informationen zu Witterung, Boden und Bestockung können Interzeption, Evapotranspiration und Sickerung berechnet werden:
Trinkwasserspende
Annähernd zwei Drittel der Wasserschutzgebiete Bayerns liegen im Wald, insgesamt 140.000 Hektar. Dies zeigt die besondere Bedeutung des Waldes für sauberes Trinkwasser. Aufgrund der Reinigungswirkung des Waldes können zwei Drittel des Trinkwassers völlig naturbelassen und ohne Aufbereitung direkt von den Brunnen oder Quellen dem Verbraucher zur Verfügung gestellt werden.
In der Regel gilt, dass im Wald gebildetes Wasser geringer belastet ist als aus landwirtschaftlichen Bereichen. Das, obwohl Stoffeinträge besonders den Wald belasten, da die Baumkronen mehr Schadstoffe aus der Luft filtern als andere Pflanzenformen. Beim Weg durch die verschiedenen Schichten der Vegetation und des Waldbodens wird das Wasser gereinigt. Die ausgefilterten Stoffe reichern sich dabei allerdings im Ökosystem an bis die Speicherkapazität erschöpft ist oder sie zum Beispiel durch Waldbewirtschaftungsmaßnahmen wieder entfernt werden.
Bei hohen und stetigen Stoffeinträgen aus der Atmosphäre kann es zu einem Überangebot einzelner Stoffe (z.B. bei Stickstoff) oder zu Versauerung kommen. In beiden Fälle werden Stoffe mit dem Sickerwasser ausgewaschen, die im ungünstigsten Fall zu einer Belastung des Grundwassers führen.
An den Bayerischen Waldklimastationen werden langfristig Stoffkonzentrationen im Niederschlag und im Sickerwasser gemessen, so dass Filtereffekte und Grundwasserbelastung beschrieben werden können.
|