Inhalt:
zurück zum Seitenanfang|
»Phänologische Kamera« im Wald
Barbara Büchler, Stephan Raspe
Überwachungskamera dokumentiert kontinuierlich die Entwicklung der Vegetation auf der Waldklimastation Freising
In Bayerns Wäldern geht jetzt die erste »Phänologische Kamera« in Betrieb. Sie wurde an der Waldklimastation in Freising installiert, um die Beobachtung der Vegetationsentwicklung zu intensivieren und zu automatisieren. Gerade im Zeichen des Klimawandels sind phänologische Zeitreihen ein wichtiger Indikator für die Reaktion der Natur auf veränderte Umweltbedingungen. Deshalb werden jetzt auch im Rahmen der Neuausrichtung des forstlichen Umweltmonitorings in Europa verstärkt digitale Überwachungskameras im Wald eingesetzt.
|
Phänologische Kamera an der Waldklimastation Freising (Foto: W. Grimmeisen) |
Im April 2009 wurde auf der Freisinger Waldklimastation im Kranzberger Forst eine Überwachungskamera installiert. Mit dieser Kamera beobachten Wissenschaftler der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft die Bäume im »phänologischen Garten« unmittelbar neben der Waldklimastation Freising. Aufgezeichnet wird die Entwicklung der Bäume im Jahresverlauf (phänologische Phasen), um Aussagen über den Einfluss veränderter Umweltbedingungen auf die Vegetationsentwicklung treffen zu können. Die Intensivierung der phänologischen Beobachtungen ist Teil der Neuausrichtung des europäischen Umweltmonitorings im Wald und wird im Rahmen des Life+ Projektes FutMon zu 50 Prozent von der Europäischen Union kofinanziert.
Phänologie an den Waldklimastationen
Phänologie ist die Wissenschaft von den jahreszeitlich bedingten Erscheinungsformen der Natur, bei Pflanzen z.B. Blattaustrieb oder Blattfall. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel geben phänologische Zeitreihen Auskunft über die Reaktion der Bäume auf veränderte Umweltbedingungen. An den Waldklimastationen werden seit einigen Jahren wöchentliche phänologische Beobachtungen durchgeführt, unter anderem auch in den phänologischen Gärten. Diese wurden an den sechs Schwerpunktstationen nach dem Muster der internationalen phänologischen Gärten angelegt. Auf allen Standorten wurden geklonte Waldbäume gepflanzt, um genetische Einflüsse auf die einzelnen Vegetationsphasen auszuschließen.
Innovation »Phänokamera«
Bisher trug der Betreuer der WKS diese Aufnahmen im Rahmen der allgemeinen Probenahme einmal wöchentlich während der Vegetationsperiode in einen Aufnahmebogen ein, in dem er z. B. die Zeitpunkte der Blattentfaltung, Blüte, Fruchtreife, Blatt-/Nadelverfärbung und Blatt-/Nadelfall festhielt. Die bisherigen Auswertungen zeigten jedoch, dass eine Aufnahme an nur einem Tag der Woche zu ungenau ist, um die oft innerhalb weniger Tage ablaufenden Entwicklungen der phänologischen Phasen zu erfassen. Über die Zeitpunkte der Vegetationsentwicklung waren nur unscharfe Aussagen möglich.
Damit ist nun Schluss. Ein von der LWF entwickeltes System sorgt dafür, dass die Überwachungskamera automatisch zu einstellbaren Zeiten auf einer abgestimmten Tour Bilder oder Videos der Bäume aufzeichnet. Diese Bilder lassen eine zeitlich sehr genaue Auswertung der einzelnen Phasen zu.
Autoren
-
Dr. Stephan Raspe
Mitarbeiter im Sachgebiet Klima und Wasserschutz und Stellvertretender Sachgebietsleiter. Fachbereich Integrierende Auswertungen, Stoffkreisläufe, Wasserhaushalt, Wasserqualität, Phänologie, Chairman ICP Forests Expert Panel on Meteorology and Phenology
-
Barbara Büchler
Mitarbeiterin im Sachgebiet Klima und Wasserschutz
|