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Steckbrief Eschentriebsterben - Chalara fraxinea

Steckbrief Eschentriebsterben - Chalara fraxinea
Fruchtkörper Hymenoscyphus albidus
Fruchtkörper Hymenoscyphus albidus

Bei der Suche nach dem Verursacher der Erkrankung gelang T. Kowalski im Jahre 2006 erstmals die Isolierung einer bislang unbekannten Nebenfruchtform in Polen. Anhand ihrer morphologischen Eigenschaften wurde die Art als Chalara fraxinea neu beschrieben. Dass C. fraxinea an der Esche wirtspezifisch ist und als primärer Verursacher der Symptomatik gelten kann, bewiesen durchgeführte Pathogenitätstests. Der Kleinpilz hat seine optimale Wachstumstemperatur in Kultur (im Labor) bei 20 °C und ist sehr langsam wüchsig. Die gebildeten Kolonien auf sterilem Nährboden sind sehr variabel, indem z. B. ihre Ränder ungleichmäßig ausgebildet werden und sich die Koloniefärbung mit zunehmenden Alter (anfangs weiß, später orange-bräunlich, siehe Foto) verändert. Nach etwa einem Monat Inkubationszeit werden dunkle sklerotische Strukturen gebildet. Die Sporenbildung erfolgt an flaschenförmigen Hyphenenden, den sogenannten Phialiden.

Diesjährig gelang nun die Zuordnung dieser Nebenfruchtform zu ihrer Hauptfruchtform (geschlechtlich gebildete Fruchtkörper) Hymenoscyphus albidus, dem Weißen Stengelbecherchen. Bislang war dieser Becherling in seiner ökologischen Rolle als Falllaubzersetzer bekannt und wurde in der Vergangenheit sogar als sehr selten angesehen. Das Weiße Stengelbecherchen bildet im August bis September milchig-weiße, becherförmige, bis 3 mm große Fruchtkörper auf den abgestorbenen Blattstielen des Vorjahres. Die Verbreitung der Sporen erfolgt über Winddispersion. Warum dieser bislang saprobiotisch lebende Pilz jetzt eine pathogene Lebensweise angenommen hat ist bislang ungeklärt.