Inhalt:
zurück zum Seitenanfang|
Eichenwickler (Tortrix viridana)
Der Eichenwickler (Tortrix viridana) - ein hartnäckiger Schädling in Eichenwäldern (Bild Kurt Kulac, Wikipedia)
I. Aktuelle Situation 2009:
In weiten Teilen Mittel- und Unterfrankens ist 2009 deutlicher Frass sowie einzelbaumweise Kahlfraß durch den Eichenwickler zu verzeichnen. Die Verteilung des Frassgeschehens gestaltet sich sehr inhomogen. In manchen Bereichen, häufig an Bestandesrändern, sind teils flächig Fraßschäden zu beobachten, in anderen Bestandesteilen tritt starker Fraß eher nester- oder einzelbaumweise auf. Besonders betroffen sind die spättreibenden Eichen, während die Frühtreiber häufig keinen oder auf die obere Lichtkrone begrenzten Fraß aufweisen.
Die Raupen des Eichenwicklers haben derzeit zum großen Teil bereits das letzte Larvenstadium erreicht und verpuppen sich Mitte Mai. Nach Abschluss des Fraßgeschehens beginnt die Eiche die Schäden durch Ersatztriebe auszugleichen. Hinzu kommt ein weiterer Gewinn an Blattmasse durch den Johannistrieb. Die Eiche ist also nur für einen relativ kurzen Zeitraum in ihrer Assimilationsfähigkeit eingeschränkt. Eichenwicklerfraß stellt somit keine unmittelbare Bedrohung für einen Eichenbestand dar. Bei starkem Fraß treten Zuwachsverluste und eine Minderung der Eichelmast auf.
Der Eichenwickler kann aber unter folgenden Begleitumständen auch ein Waldschutzproblem im Sinne einer Bestandesbedrohung darstellen:
Chronischer starker Lichtfraß bis Kahlfraß (> 3 Jahre)
vor allem in bereits durch andere Schadeinwirkungen biotischer und abiotischer Art vorgeschwächten Beständen
Kombinationsfraß mit Schwammspinner:
durch die spätere Fraßzeit und längere Entwicklungsdauer des Schwammspinners ist in diesem Falle i.d.R. der Johannistrieb mit vom Fraß betroffen - die Eichen sind über den größten Teil der Vegetationsperiode kahl
Kombinationsfraß mit Eichenprozessionsspinner:
Eine weitere Konstellation, die derzeit in der betroffenen Region häufig vorliegt, ist das gleichzeitige Auftreten von Eichenwickler und Eichenprozessionsspinner. Zu Auswirkungen dieser Schädlingskombination für die Eiche liegen bisher keine Erfahrungen vor. Der Eichenwicklerfraß setzt sehr früh – bereits an der Knospe – ein, während Eichenprozessionsspinnerfraß anfangs sehr langsam erfolgt und seinen Höhepunkt (witterungsabhängig) meist erst Ende Mai/Anfang Juni erreicht. Bei partiellem Eichenwicklerfraß bleibt ausreichend Nahrung für den zu diesem Zeitpunkt erst im L1 bis L3-Stadium befindlichen Eichenprozessionsspinner. Er verzehrt dann die vom Eichenwickler verschont bzw. die jeweils nachtreibende Blattmasse.
In diesem Falle könnte es zu einer ähnlichen Schädigung der Eiche wie bei der Kombination Eichenwickler (Frostspanner) + Schwammspinner kommen. Hinzu tritt die Problematik des Eichenprachtkäfers, der als Folgeschädling in solchermaßen geschwächten Beständen günstige Vermehrungsbedingungen findet.
Das 2009 beobachtete Fraß- und Befallsbild kann auf eine der für den Eichenwickler typischen „kleinen“ Massenvermehrungen hinweisen, die nur kurz (meist nur 1 Jahr) andauern, könnte aber auch den Beginn einer mehrjährigen größeren Kalamität kennzeichnen. In Bereichen mit gleichzeitigem Auftreten von Eichenprozessionsspinner muss die Situation 2009 also besondere Beachtung finden. Um detaillierteren Überblick über die Situation 2009 zu gewinnen, wird in Bereichen mit der beschriebenen Schädlingsproblematik eine Befliegung zur Kartierung der Befallsgebiete im Mai sowie im August 2009 durchgeführt. Die Befliegung ermöglicht einen flächigen Eindruck der Befallssituation und des Verteilungsmusters der beiden Schädlingsarten. Aufnahmen vom Boden aus können dann gezielt zur Ergänzung der Informationen durchgeführt werden. Gegebenenfalls wird im August 2009 eine Befliegung zur Erfassung der Regeneration des Eiche erforderlich.
zum Seitenanfang
II. Biologie
Überwinterung:
Als Ei an den äußeren Zweigabschnitten der Krone, insbesondere im oberen Teil der Krone, bevorzugt an älteren Bäumen, bei Massenvermehrung an allen Altersklassen.
Eier sind zu zweit an Zweige gekittet, durch Algen und Staub nahezu unsichtbar
Larvenfraß:
Larve bis 20 mm, schmutziggrün, schwarz punktiert, Kopf und Nackenschild schwärzlich.
Ab Anfang Mai mit Beginn des Laubaustriebes der Eiche. Monophag an der Eiche. Raupenentwicklung dauert 3 bis 4 Wochen; Einrollen der Blätter und Fressen im Wickel; Frass beginnt im oberen Kronenteil und von außen nach innen (umgekehrt zu Frostspanner); Larven seilen sich bei Nahrungsmangel an Spinnfäden in der Krone oder auf den Boden ab.
Koinzidenz - gleichzeitiges Austreiben Eiche und Schlüpfen der Raupe notwendig -, da Ei-Räupchen zu Frassbeginn frische junge Knospe (Knospen ausreichend geöffnet bzw. Blätter noch nicht zu weit entwickelt) benötigt
Verpuppung:
Bis Ende Mai im Blattwickel (versponnenen Blattreste), Dauer 2 bis 3 Wochen
Schwärmen:
Je nach Witterung ab Ende Mai; Lebensdauer der Falter 5 bis 10 Tage
Falter schwärmen tagsüber und abends in Eichenkronen; 18–23 mm Flügelspannweite, Vorderflügel hellgrün, Hinterflügel grau.
Eiablage:
50 bis 60 Eier je Weibchen, die Ablage erfolgt paarweise in den Kronen v. a. älterer Bäume
zum Seitenanfang
III. Schadgeschehen und Bekämpfung
Schaden:
Chronischer und hartnäckiger Schädling in Eichenwäldern
Eichen sterben auch nach mehrjährigem Kahlfraß in der Regel nicht ab (Wiederaustrieb im Sommer), jedoch Zuwachsverluste bis 4 m²/ha/Jahr vor allem im Spätholz (Verminderung der Härte des Holzes), verstärkte Wasserreiserbildung, verminderte Nachtriebsfähigkeit nach Schädlingsfrass, Verminderung der Widerstandsfähigkeit gegen abiotische Schadfaktoren und den gefährlichen Zweipunkt-Eichenprachtkäfer. Ausfall der Mast in zugelassenen Saatgutbeständen infolge Frass an Blüten. Blattwickel, Fraßschaden innerhalb der Krone von oben nach unten fortschreitend. Feinreisigverluste (Absprünge) infolge Frass möglich
Prognose:
Auszählen der Räupchen an Zweigen in Photo-Eklektoren zu Ende des Winters über Waldschutzinstitut; trotzdem Beurteilung der Befunde unsicher, weil witterungsabhängige Koinzidenz nicht voraussagbar).
Probefällung im Winterhalbjahr und Zählung Eier an armlangen Zweigen aus dem oberen Kronendrittel
kritische Zahl: 10 bis 30 Raupen je 100 Knospen --> Lichtfraß
kritische Zahl: ab 60 Raupen je 100 Knospen --> Kahlfraß
Vorsicht: witterungsbedingte Koinzidenz ist nicht vorhersagbar
Bekämpfung:
Dimilin
Dipel ES (Bacillus thurengiensis)
Ansprechpartnerin an der LWF:
zum Seitenanfang
IV. Ansprechpartner an der LWF
-
Dr. Gabriela Lobinger
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sachgebiet Waldschutz, Fachbereich: Entomologische Forschung, Insektizide inkl. Mittelprüfung/-zulassung, Nutzholzborkenkäfer Nadel - und Laubholz, Prognose und Bekämpfung, v. a. Nadelholzschädlinge, Zoologischer Waldschutz
|