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Der Zweipunktige Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus Fabr.)
Allgemeines:

Abb.1: Massive Schäden durch Eichenprachtkäfer
Von den bei uns bekannten 17 Prachtkäferarten an Eiche tritt vor Allem der Zweipunktige (zweifleckige) Eichenprachtkäfer forstlich bedeutsam in Erscheinung. Der wärme- und lichtliebende Käfer ist ein Sekundärschädling, der durch verschiedene Faktoren begünstigt wird:
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warme Sommer mit geringen Niederschlägen
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Fraßschäden durch andere Insekten (z.B. Eichenwickler, Frostspanner, Schwammspinner, Eichenprozessionsspinner). Hiervon profitiert der Prachtkäfer in zweierlei Hinsicht:
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Bestandesauflichtung durch das Fraßereignis
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Schwächung der Eiche infolge des Raupenfraßes
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extreme Witterungsereignisse wie Trockenheit oder Spätfröste, die sich auf die Vitalität der Eiche auswirken (nach Schädlingsfraß auch Frühfröste, durch die noch nicht verholzte Ersatztriebe absterben)
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allgemeine Vitalitätsminderung der Eiche aufgrund ungünstiger Standortsbedingungen
Unter diesen Bedingungen kann der Eichenprachtkäfer geschwächte Eichen angreifen und sie je nach Besatzdichte sehr schnell oder im Verlauf einiger Jahre zum Absterben bringen. Bei Massenvermehrung kommt es auch zur Ausbildung größerer Befallsherde (Abb.1) - unter Umständen sogar zur Auflösung des Bestandes. Dabei werden die Schäden nur durch die Larven verursacht. Gesunde, gut wasserversorgte Bäume können die sich einbohrenden Larven meist abwehren.
Der Reifungsfraß der Käfer am Laub der Eiche spielt keine Rolle.
Befallen werden Stiel- und Traubeneichen aller Altersklassen ab Stangenholz, bevorzugt aber stärkere Bäume. Besonders gefährdet sind lückige Bestände und lichte Reinbestände mit Alteichen.
Der Befall erfolgt nur an noch lebenden Eichen, nicht an abgestorbenen Bäumen oder lagerndem Holz. Allerdings können sich weiter fortgeschrittene Entwicklungsstadien (Altlarven, Puppen) bei ausreichender Holzfeuchte in frisch abgestorbenen oder gefällten Eichen fertig entwickeln.
Holztransporte und Holzlagerung tragen zur Verbreitung des Käfers bei.
Biologie

Abb.2: Zweipunktiger Eichenprachtkäfer

Abb.3: Larve des Zweipunktigen Eichenprachtkäfers

Abb.3a: Larvengänge Zickzackgänge mit Larven

Abb.3b: Larvengänge horizontale Gänge stammumfassend

Abb.4: typisches Ausflugloch des Zweipunktigen Eichenprachtkäfers
Der Zweipunktige Eichenprachtkäfer ist 9 - 12 mm lang, langgestreckt und schillert metallisch grün, bisweilen auch bläulich oder kupferfarben.
Von anderen Prachtkäferarten ist er durch die beiden weißen Haarflecke auf dem hinteren Drittel der Flügeldecken nahe der Mittelnaht zu unterscheiden. Weitere weiße Haarflecke befinden sich auch auf den Körperseiten und am Bauch
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Der Käfer fliegt je nach Temperaturbedingungen von Mai bis August und führt seinen Reifefraß an den Blättern der Eichenkronen durch.
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Er legt seine Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an die Rinde im Stammbereich und an stärkere Kronenäste, wobei er die besonnte Südseite bevorzugt.
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Die Eilarven schlüpfen und bohren sich durch die Rinde ein. Sie sind weißlich, beinlos und tragen 2 verhornte Spitzen am Hinterende (Abb.3). Durch den verbreiterten 1. Brustring sind sie z.B. von Bockkäferlarven unterscheidbar.
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die Larven fressen zwischen Rinde und Holzkörper in der Kambialschicht. Es entstehen zunehmend breitere, mehr oder weniger ausgeprägt zickzackförmige Fraßgänge quer zur Faserrichtung, die mit gewölktem Bohrmehl angefüllt sind. Die Fraßgänge zeichnen sich im Splint ab (Abb.3 a,b). Durch die Unterbrechung der Saftleitung stirbt der Baum ab.
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Die Larven überwintern unter der Rinde.
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Im Frühjahr des 2. Jahres fertigt die Larve einen Hakengang in die Rinde, an dessen Ende die Puppenwiege liegt.
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Die Jungkäfer schlüpfen je nach Temperturbedingungen i.d.R. ab Mai, teilweise bis Juli/August. Das Ausbohrloch der Käfer ist typisch geformt, auf einer Seite flacher, auf der Anderen stärker gewölbt und damit fast halbmondförmig (Abb.4)
Der Entwicklungszyklus ist i.d.R. zweijährig, kann aber in warmen Gegenden bzw. in sehr warmen Jahren auch einjährig sein (Käfer schlüpfen im selben Jahr, keine Überwinterung).
Befallsdiagnose
Eine Diagnose von Prachtkäferbefall in frühem Stadium ist schwierig, meist wird der Befall erst durch Absterben einzelner Eichen erkennbar.
Welche Merkmale eignen sich für die Befallsdiagnose?
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Dunkle Schleimflussflecken am Stamm (Abb.5):
Schleimfluss kann beim Einbohren der Eilarven durch die Rinde entstehen und zeigt sich manchmal auch, wenn die Larvengänge stellenweise in die äußeren Rindenschichten reichen. Schleimfluss ist aber nicht immer auf Prachtkäferbefall zurückzuführen; er entsteht auch durch andere mechanische Einwirkungen oder infolge von Witterungseinflüssen
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Vergilbung und Welkeerscheinungen am Laub einzelner Äste oder der gesamten Krone unmittelbar nach Laubausbruch oder im Verlauf der Vegetationsperiode (Abb.6.)
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Auftreten von Totästen im Kronenraum (Abb.7).
Das Absterben einzelner Äste oder eines Teils der Krone weist - wenn keine anderen Schadeinwirkungen vorliegen - auf Befall durch Prachtkäfer hin
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Schwache oder keine Wiederbelaubung nach Schädlingsfraß
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deutlicher Verlust von Feinreisig
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Spechteinschläge
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Abfallen der Rinde am Stamm oder an starken Kronenästen mit typischen Larvenfraßgängen an der Rindeninneseite
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Ausbohrlöcher: Die Ausbohrlöcher des Eichenprachtkäfers sind durch ihre typische halbmondförmige Ausbildung gut von den i.d.R. runden Löchern von Borkenkäfern und Bockkäfern zu unterscheiden.
Gegenmaßnahmen:
Langfristig: Vorbeugung durch Gesunderhaltung der Wälder
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Standortgerechter Waldbau: Mischbaumarten und ein funktionstüchtiger Unter- und Zwischenstand wirken dem Befall entgegen - Umwandlung von Eichenreinbeständen in Eichenmischbestände mit hohem Anteil von Schattlaubholz
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Schutz der Eichenwälder vor chronischer Fraßbelastung durch Insekten
Befallskontrollen
In gefährdeten Waldbeständen sollten Kontrollgänge vor allem zu Beginn und gegen Ende der Vegetationsperiode durchgeführt werden. Bei bereits vorhandenem Befall gilt dem Umkreis der befallenen Eichen besonderes Augenmerk.
Bei Befallsverdacht empfiehlt es sich, die Bäume zu markieren und weiter zu beobachten.
Bekämpfung
Bei der Bekämpfung des Eichenprachtkäfers gilt das Prinzip der sauberen Wirtschaft. Dabei sollen alle Maßnahmen möglichst maßvoll getroffen werden, da durch jede Entnahme von Bäumen und die damit verbundene Auflichtung des Bestandes die Verbreitungs- und Entwicklungsbedingungen des Käfers gefördert werden. "Prophylaktische" Sanitärhiebe sind daher nicht zu empfehlen.
Liegt eindeutiger Befall vor, sind zeitnah Bekämpfungsmaßnahmen durchzuführen, um die weitere Vermehrung und Verbreitung des Käfers zu unterbinden.
Bereits vorhandenes Totholz birgt aus Waldschutzsicht keine Gefahr mehr und sollte aus ökologischen Gründen im Wald verbleiben.
Maßnahmen:
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Unverzüglicher Einschlag und Abfuhr bei Laubverfärbungen und Welkeerscheinungen während der Vegetationsperiode. So kann in vielen Fällen noch das Ausschwärmen bereits fertig entwickelter Käfer verhindert werden, da sich die Flugzeit der Käfer (in Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen) von April/Mai bis zum August erstrecken kann.
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Bei Entnahme von befallenen Bäumen Abfuhr von Stamm und Kronenmaterial (ab einer Stärke > 12 cm) auf Lagerplätze außerhalb der gefährdeten Eichenbestände spätestens bis Mitte April. Es gibt keine genauen Erkenntnisse über die Entfernungen, die der Eichenprachtkäfer auf der Suche nach Brutraum zurücklegt; beobachtet wurde, dass er sich gezielt auf Silhouetten (Wald, auch Einzelbäume) zu bewegt. Ein Abstand von mindestens 500 m zum nächsten Eichenbestand sollte daher möglichst eingehalten werden.
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Wenn Waldlagerung befallener Stämme nicht vermeidbar ist, ist Entrindung erforderlich
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Fallen bei Entrindung oder durch Rindenabfall bei der Aufarbeitung größere Mengen Rinde an, so sollte diese unschädlich gemacht werden (Verbrennen, Einsammeln in Säcke). Sie kann Puppen enthalten, die sich dann fertig entwickeln.
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Keine Lagerung von Brennholz in Rinde im Wald nach Ende März: verpuppungsreife Larven und Puppen können sich bei entsprechender Holzfeuchte hier weiterentwickeln und im Frühjahr ausschwärmen (diese Bedingungen sind besonders in abgedeckten Brennholzhaufen gegeben)
Literatur:
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Mühle H. (2007): Die Eiche - El Dorado für Insekten (Prachtkäfer), LWF-aktuell Nr. 60, S. 56-57
SCHWENKE, W. (1974): Die Forstschädlinge Europas, Band 2: Käfer, Verlag Paul Parey
WACHTENDORF W. (1955): Beiträge zur Kenntnis der Eichenprachtkäfer Agrilus biguttatus Fabr.und Coraebus undatus Fabr. (Col., Buprestidae); Z. Ang. Ent. Vol. 37, pp 327-339
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