Inhalt:
zurück zum Seitenanfang|
Bacillus thuringiensis: Bedeutung des Bakteriums für den integrierten Pflanzenschutz
Ralf Petercord
Die einzigartige Wirkungsweise macht B.t.-Präparate für den Waldschutz unentbehrlich
Um Massenvermehrungen blattfressender Schmetterlingsarten einzudämmen, wurde in Bayern seit Beginn der 1970er Jahre das B.t.-Präparat »Dipel ES« mit großem Erfolg eingesetzt. Es basiert auf dem Bakterium Bacillus thuringiensis. Seit Ablauf der Zulassung Ende des Jahres 2010 steht dieses Präparat, das die Anforderungen eines integrierten Pflanzenschutzes wie kaum ein anderes Mittel in hervorragender Weise erfüllt, nicht mehr für Waldschutzmaßnahmen mit Luftfahrzeugen zur Verfügung. Die Wirkungsweise dieser Präparate ist einzigartig und soll im Folgenden in ihrer Bedeutung für den Waldschutz dargestellt werden.
Wenn Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, müssen diese so weit wie möglich zielartenspezifisch sein und die geringsten Nebenwirkungen auf die menschliche Gesundheit, Nichtzielorganismen und die Umwelt haben. Dies ist ein zentraler Grundsatz des integrierten Pflanzenschutzes, den das neue Pflanzenschutzgesetz verbindlich vorschreibt.
Präparate auf Bacillus thuringiensis-Basis erfüllen diese Forderung in herausragender Weise und haben damit bei Pflanzenschutzmitteleinsätzen im Wald eine besondere Bedeutung.
Entdeckung eines biologischen Insektizids
1901 isolierte der japanische Wissenschaftler Ishiwata Shigetane aus Raupen des Seidenspinners ein Bakterium, das er als Bacillus sotto bezeichnete. Der deutsche Ernst Berliner fand dasselbe Bakterium 1911 in abgestorbenen Raupen der Mehlmotte und bezeichnete es als Bacillus thuringiensis, da er die Mehlmotten aus Thüringen erhalten hatte. Die Raupen zeigten die Symptome der »Schlaffsucht«, einer aus Insektenzuchten bekannten Erkrankung, deren Ursache zum damaligen Zeitpunkt noch unbekannt war. Berliner wies das Bakterium Bacillus thuringiensis als Erreger dieser Krankheit aus und beschrieb damit erstmalig dessen insektizide Wirkung.
Im Laufe der nachfolgenden Jahre hat man verschiedene Bakterienstämme von Bacillus thuringiensis entdeckt und beschrieben, zum Beispiel Bacillus thuringiensis subsp. kurstaki (Btk), Bacillus thuringiensis subsp. tenebrionis (Btt), Bacillus thuringiensis subsp. israelensis (Bti) u.a.. Jeder dieser Stämme bildet spezifische B.t.-Proteine, die allerdings nicht alle toxisch gegenüber Insekten sind. Insgesamt sind weltweit bisher circa 50.000 Bacillus thuringiensis-Stämme und circa 400 spezifische B.t.-Proteine dieser B.t.-Stämme bekannt. Gut 3.000 Insektenarten aus mehr als 15 Ordnungen gelten als empfindlich gegenüber B.t.-Proteinen und neben der insektiziden Wirkung gibt es auch spezifische Toxizität gegenüber Nematoden und Einzellern.
Weiterführende Links
Autor
-
Dr. Ralf Petercord
Leiter der Abteilung »Waldschutz« der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft
|