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StMELFLWFWaldbewirtschaftungWaldschutz → Waldschutz - Mattschwarze Tannenrindenlaus erobert Europa
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»Mattschwarze Tannenrindenlaus« erobert Wälder, Parks und Gärten

Stephan Scheurer

Eine bis zu fünf Millimeter große schwarze Rindenlaus fasst Fuß in Mitteleuropa

Im Jahr 2007 sorgte sie in manchen Regionen Deutschlands und der Nachbarländer für große Aufregung, als die Mattschwarze Tannenrindenlaus in teils riesigen Kolonien in Gärten und Parks an Tannen und Fichten beobachtet wurde. Die in Nordamerika beheimatete Rindenlaus wurde erstmals im Jahr 2000 in Deutschland nachgewiesen.

Tannenrindenlaus mattschwarze Mattschwarze Tannenrindenlaus (Ungeflügelt): deutlich hebt sich der mattschwarze Hinterleib vom glänzenden Kopf-Brust-Bereich ab. (Foto: S. Scheurer)

Die aus den USA, aus Kanada sowie Mexiko stammende »Mattschwarze Tannenrindenlaus« (Cinara curvipes), die vermutlich über Pflanzgut oder Christbäume nach Europa eingeschleppte wurde, gehört zur Familie der Lachnidae (Rindenläuse). In Deutschland wurde sie erstmals im Jahr 2000 nachgewiesen. Auch in der Schweiz, in Serbien, Großbritannien und in der Tschechischen Republik ist sie mittlerweile bekannt.
Die Mattschwarze Tannenrindenlaus ist mit einer Körperlänge von circa 4,0 bis 5,3 Millimetern im Vergleich zu unseren einheimischen Läusen relativ groß und hat daher für viele Gartenfreunde bereits etwas Bedrohliches an sich. Sie ist mattschwarz gefärbt, nur Kopf, Brust und Hinterleibsende sowie die beiden kleinen Safthöckerchen sind glänzend schwarz. Eine Verwechslung mit der auf Fichtenarten saugenden Großen Schwarzen Fichtenrindenlaus (C. piceae) und der auf Weißtanne lebenden Großen Braunschwarzen Tannenrindenlaus (C. confinis) ist bei genauem Hinsehen nicht möglich.

Mattschwarze Tannenrindenlaus: Groß, zahlreich, aber nicht wirklich gefährlich

Sowohl im Herkunftsgebiet der Mattschwarzen Tannenrindenlaus als auch in einer seit acht Jahren von der Tannenrindenlaus befallenen Kultur in Brandenburg und an anderen Fundorten treten keine vom Saugen und von dem dabei abgegebenen Speichel verursachten Krankheitssymptome wie Gallbildungen, Chlorosen, Nadelabwurf oder Kallusbildungen auf. Daher ist nach gegenwärtigem Wissensstand der Einsatz von Insektiziden (auch in Gärten!) nicht erforderlich. Diese Rindenlaus befällt weder Beerenstauden, Kirschbäume noch Rosen. Umherlaufende Tiere verhungern. Leim-ringe an befallenen Nadelbäumen, doppelseitige Klebebänder in Fensterlaibungen oder das Auslegen von mit Leim besprühten Malerfolie auf Terrassen über Nacht verringert das Eindringen der Tiere in die Wohnungen und Keller.

Die Mattschwarze Tannenrindenlaus hat zwar bis heute ein invasives Verhalten gezeigt, indem sie sich sehr schnell in Europa ausgebreitet hat und zur Massenvermehrung fähig ist, nach unserem gegenwärtigem Wissen wird sie aber keine der einheimischen Rindenlausarten verdrängen, weil die Termine der größten Besiedlungsdichte bei dieser Art früher (Frühjahr) bzw. später (Herbst) liegen als bei den bei uns beheimateten Rindenläusen. Auch ist die Entstehung von Mischkolonien mit der Großen Braunschwarzen Tannenrindenlaus oder der Großen Schwarzen Fichtenrindenlaus an den jeweiligen Nadelbaumarten möglich. Natürliche Feinde der Rindenläuse sind v. a. Meisen, Rotkehlchen und Goldhähnchen, die im Winter die Nadelbäume nach überwinternden Läusen und Eiern absuchen. Die winterliche Fütterung dieser Vögel in Vorgärten, Parks und auf Friedhöfen vergrößert dort die Überlebenschance von C. curvipes, in Wäldern und Kulturen überwinternde C. curvipes gefährdet der Vogelfraß stärker. Schließlich sind die im Herbst abgelegten Wintereier wie bei allen Lachniden das entscheidende Stadium für das kommende Jahr.

Autor

  • Dr. Stephan Scheurer
    war als Zoologe am Institut für Tropenmedizin in Berlin und am Zoologischen Institut der Freien Universität Berlin tätig